Kategorie-Archiv »Literarisches«

Charles Dickens »Ein Weihnachtslied /-abend«

Interpretationen

Ein Heiligabend in London Mitte des 19. Jhd. Es ist frostig und neblig. Auf den Tag genau vor sieben Jahren verstarb Jakob Marley, der Kompagnon des alten Ebenezer Scrooge. Scrooge ist ein ebenso erfolgreicher wie unerbittlicher Geschäftsmann, dessen einziger Lebensinhalt die Mehrung seines Reichtum ist. Menschen, die dies nicht schaffen oder – schlimmer noch – für die andere Dinge wichtig sind, verachtet er. Was er seinem einzigen Angestellten Robert Cratchit bezahlt, reicht für ihn und dessen Familie kaum zum Leben, nicht einmal für einen wärmenden Mantel oder neue Kleider für sich und seine Familie. Seinen Neffen, der in bescheidenen Verhältnissen lebt, und der seinem Onkel trotz allem freundlich gesinnt ist, weist Scrooge die Tür als dieser ihn zum Weihnachtsessen bei sich und seiner jungen Frau einladen will. Zwei Herren, die für wohltätige Zwecke sammeln und ihn um eine Spende für die Ärmsten bitten, brüskiert er. Er gibt ihnen zu verstehen, daß er Gefängnisse und Armenhäuser für sinnvolle Einrichtungen hält, außerdem unterstütze er bereits diese Institution und »[…] wem es schlecht geht, der mag sich dorthin [in die Armenhäuser Anm. d. A.] begeben![…]«. Auf die Entgegnung eines der beiden Herrn, daß viele lieber streben würden, als dorthin zu gehen, erwidert Scrooge kalt, stürben sie, dann würden sie die überflüssige Bevölkerung vermindern. Darauf erkennen die beiden Herrn die Vergeblichkeit ihrer Bemühungen und gehen. (mehr …)

Wolfgang Borchert »Stimmen sind da – in der Luft – in der Nacht«

Interpretationen

Ein grauer trüber nebliger Novembernachmittag. Fünf Leute, ein alter Mann, eine alte Frau, zwei junge Frauen und ein blasser junger Mann sind die einzigen Fahrgäste in einer Straßenbahn. Jeder sitzt für sich, der Schaffner malt scheinbar geistesabwesend Gesichter auf die beschlagenen Scheiben. Der alte Mann beginnt von Stimmen zu sprechen, die immerzu des Nachts zu hören sind und die ihn nicht schlafen lassen. (mehr …)

Kurzes #12 – Morgendliche Begegnung

Der folgende Text ist ein kurzer Auszug aus dem sich zur Zeit noch mitten in der Bearbeitung befindenden Roman mit dem Arbeitstitel »Adalberts Erbe«. Ein weiterer Auszug ist bereits unter »Kurzes #7« zu finden.

Ein Gefühl von Kälte und Einsamkeit weckte ihn. Der Platz neben ihm war leer. Es dämmerte bereits. Der durch das halb geöffnete Fenster hereindringende Luftzug blähte die Gardine auf. Das Laub der Buchen rauschte vernehmlicher, der Wind hatte merklich aufgefrischt. Schließlich war für diesen Tag Regen angesagt. Die Stelle wo Zoë gelegen hatte war noch warm. Vermutlich war sie ins Bad gegangen. Für einen Augenblick erschrak er als er auf dem Stuhl auf dem sie ihre ausgezogenen Sachen ablegte, Rock und Bluse nicht mehr entdecken konnte. Sollte sie am Ende ohne Abschied gegangen sein. Dann aber machte sich tiefe Erleichterung in ihm breit; Strümpfe, Taillenkorstett, Höschen und Schuhe waren noch an ihrem Platz. (mehr …)

Wolfgang Borchert »Dann gibt es nur eins!«

Interpretationen

Dieser Beitrag ist, nach der kurzen Vorstellung von Wolfgang Borcherts Gesamtwerk – zu lesen hier – der Anfang einer kleiner Reihe in der in loser Folge bekannte und weniger bekannte Texte von Wolfgang Borchert kurz vorgestellt werden.

 

Wolfgang Borcherts leidenschaftliches und eindrucksvolles Plädoyer gegen den Krieg ist zweigeteilt. Es beginnt mit einer Reihe suggestiver Appelle, die sich zwar zuvorderst an bestimmte Berufs- und Bevölkerungsgruppen richtet, doch dadurch, daß jeder Appell nicht nur auf das Gewissen zielt, sondern jeweils mit den Personalpronomen DU beginnt, gefolgt von einem Punkt, kann der Leser gar nicht anders als sich ebenso persönlich angesprochen fühlen als spräche Borchert ihm mit seinem Namen an. (mehr …)

Kurzes #11 – Der Stuhl

Der folgende Text ist ein weiterer Auszug aus dem in kürze erscheinenden Buch »Nachhilfestunden«. Darin wird erzählt wie Rüdiger durch Zufall zu einem altersschwachen Stuhl kommt, der ihm aber gute Dienste bei der Lösung von Ullas Konzentrationsproblem leisten wird.

„Was macht dein Nachhilfeschüler“, fragte Rolf mehr mit beiläufigem Interesse, während er angestrengt im Küchenschrank kramte.
Er war ein ebenso passionierter Kaffeetrinker wie Rüdiger ein Teetrinker, weshalb er sich aus alter Freundschaft heraus und als guter Gastgeber gezwungen sah, Tee aufzugießen. Irgendwo mußte er noch welchen haben. Er hatte doch immer Tee im Haus. Man wußte ja nie, wer zu Besuch kam. Es wäre mehr als peinlich am bewußten Morgen danach auf die Frage: „Hast du auch Tee?“ antworten zu müssen: „Wie? Tee? Du trinkst Tee?“ Wie viele hoffnungsvolle Beziehungen hatten auf diese Weise schon ein jähes Ende genommen, bevor sie sich richtig entfalten konnten? (mehr …)

Ein paar Gedanken über Realismus – in der Literatur

Im Prinzip scheint es einfach; auf der einen Seite die reine Fiktion und sie muß gar nicht so offensichtlich daher kommen wie im Genre des Fantasy- oder SF-Romans. Auf der andere Seite die literarischen Texte die sich – scheinbar – mit der Realität auseinandersetzen. Wenn von irgendwelchen Wesen mit übersinnlichen Kräften erzählt wird, weiß jeder; hier läßt der Autor seiner Phantasie die Zügel schießen. Aber der Umkehrschluß muß nicht zwingend auf Realismus schließen lassen. (mehr …)

Wolfgang Borchert »Das Gesamtwerk«

Interpretationen

Sicherlich werden sich viele aus dem Schulunterricht – je nach Generation – noch an die Kurzgeschichten »Nachts schlafen die Ratten doch«, »Stimmen sind da – in der Luft – in der Nacht« oder vielleicht auch an das Drama »Draußen vor der Tür« erinnern. Gehören doch die Texte von Wolfgang Borchert bereits seit einigen Jahrzehnten zum Standardkanon der Literatur nach 1945 im Deutschunterricht. Vermutlich werden die meisten sie eher als lästige Pflichtübung angesehen haben, weil es ihnen schwerfiel, sich in die Welt die Autor beschreibt hineinzuversetzen. Für Jugendliche, die in der Geborgenheit eines demokratischen Rechtsstaats aufgewachsen sind, muß die Lebenswirklichkeit mit der Wolfgang Borchert sich auseinanderzusetzen hatte, schier unglaublich erscheinen. (mehr …)

Kurzes #10 – Überraschender Besuch

Marius und sein Freund, die ihn am Abend zuvor besucht hatten, waren erst in den frühen Morgenstunden gegangen. Als er sie zum Wagen begleitet hatte, zeigte sich im Osten bereits ein heller Streifen.
Unsinnigerweise war er zur selben Zeit wie gewöhnlich aufgestanden. Doch schon bald forderte die durchwachte Nacht ihren Tribut. Herzhaft gähnend hatte er nachgegeben und sich für ein Stündchen oder zwei aufs Sofa im Arbeitszimmer gelegt. Er war kaum in einen wohligen Halbschlummer hinübergeglitten, als es klingelte. Schlaftrunken sah er zum Telephon hinüber, glaubte im ersten Moment, das Klingeln sei von dort gekommen. Ein zweites, diesmal länger andauerndes Läuten belehrte ihn eines besseren. Träge und verschlafen stand er auf und ging nach unten. (mehr …)

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