Kategorie-Archiv »Der besondere Buch-Tip«

Karl Mays »Waldröschen« – mehr als nur ein Kolportageroman

Interpretationen

Von den südlichen Ausläufern der Pyrenäen her trabte ein Reiter auf die altberühmte Stadt Manresa zu. Er ritt ein ungewöhnlich starkes Maulthier, und dies hatte seinen guten Grund, denn er selbst war von hoher, mächtiger Gestalt, und wer nur einen einzigen Blick auf ihn warf, der sah sofort, daß dieser riesige Reitersmann eine ganz ungewöhnliche Körperkraft besitzen müßte. Und wie man die Erfahrung macht, daß gerade solche Kraftgestalten das frömmste und friedfertigste Gemüth besitzen, so lag auch auf dem offenen und vertrauenerweckenden Gesichte, und in den treuen, grauen Augen dieses Mannes ein Ausdruck, der keinen Glauben an den Mißbrauch so außerordentlicher Körperstärke aufkommen ließ.

 

Mit dieser Charakterisierung einer der Hauptpersonen, des Doktor Sternau, beginnt der erfolgreichste deutsche Kolportageroman des 19. Jhd. Erschienen in 109 Lieferungen auf 2612 Druckseiten vom 2.12.1882–16.08.1884. Übersetzt unter anderem ins Englische, Tschechische, Niederländische, Italienische, Slowenische und Polnische. (mehr …)

Emmanuèle Bernheim »Die Andere«

Interpretationen

Der jungen Ärztin Claire wird die Handtasche gestohlen. Kurz darauf taucht ein Fremder in ihrer Praxis auf, der mit Sicherheit kein Patient. Doch entgegen ihrer ersten Annahme ist er nicht der Dieb sondern der ehrliche Finder. Bevor sie ihn zur Rede stellen kann, verschwindet er. Der Dieb hat nur das Geld und die Kreditkarte entwendet. (mehr …)

Franz Kafka »Ein Hungerkünstler«

Der »Hungerkünstler« war lange Zeit die Jahrmarktsattraktion schlechthin. Sobald er in eine neue Stadt kam war er das Gespräch schlechthin. Jeder wollte ihn zumindest einmal am Tag sehen, während er in seinem Käfig vor sich hungerte. Das Publikum wählte Wächter, die in Dreiergruppen Tag und Nacht darauf achteten, daß er auch tatsächlich hungerte und nicht heimlich etwas aß oder ihm Essen von mitleidigen Seelen zugesteckt wurde. Der Hungerkünstler empfand es Affront, (mehr …)

Mary Wollstonecraft (Godwin) Shelley »Frankenstein«

Interpretationen

Mary Wollstonecraft (Godwin) Shelleys 1818 erschienener Roman „Frankenstein“ gilt als Urtyp des modernen Horrorromans, doch er ist weit mehr als das. Zur Zeit seiner Entstehung war die sogenannte „Gothic Novel“ ein beliebtes Genre, in deren Tradition Shelleys Roman steht. Die „Gothic Novel“ ist ebenso Schauerroman wie Phantastischer Roman, beschäftigt mit unerklärlichen Phänomenen, mit Geistererscheinungen. Als Äquivalente in der deutschen Literatur wären bspw. E. Th. A Hoffmann und Wilhelm Hauff zu nennen. Viele von E. A. Poes Erzählungen lassen sich ebenso in dieses Genres einordnen. (mehr …)

Franz Kafka »In der Strafkolonie«

Interpretationen

Anfang Oktober 1914 gerieten die Arbeiten an dem Roman »Der Proceß« ins Stocken. Kafka entschied sich, einen zweiwöchigen Urlaub zu nehmen, um die Arbeit am »Proceß« voranzutreiben. Statt dessen schrieb er an verschiedenen kürzeren Texten, vollendete aber nur ein Kapitel des »Verschollenen« und eben »In der Strafkolonie«. 1916 bot er den Text dem Kurt Wolff Verlag an, in dem bereits »Die Verwandlung« erschienen war. Nach einigen Diskussionen zwischen ihm und Wolff über die mögliche Erscheinungsform und einer Überarbeitungen seitens des Autors, er­schien die Novelle im Oktober 1919 in einer einmaligen Auflage von 1000 Exemplaren. Eine von annähernd fünfzig Veröffentlichungen zu Kafkas Lebzeiten. (mehr …)

Emmanuèle Bernheim »Der rote Rock«

Interpretationen

Ein winterlicher Freitagabend in Paris. Die Mitarbeiter der Metro streiken mal wieder. Laure muß nur noch wenige Sachen aus ihrer alten Wohnung holen. Ab morgen lebt sie bei ihrem Freund. Auf dem Weg zu Freunden, mit denen sie den Abend verbringen will, gerät sie in einen der vielen Staus, die sich durch den Streik gebildet haben. Sie nimmt, wie viele andere auch, einen Fremden mit, der durch den Streik nicht nach Hause kann. Ein gut aussehender Mann in den Vierzigern. In dieser Nacht entwickelt sich zwischen ihnen eine Beziehung, die für kurz in Laure den Gedanken aufkeimen läßt, nicht zu ihrem Freund zu ziehen, sondern mit diesem Mann eine neue Beziehung zu beginnen.

 

Emmanuèle Bernheim (30.11.1955–10.05.2017) erzählt in ihrem 1998 erschienen Roman in ihrem bekannt schnörkellosen doch nichtsdestoweniger plastischen Stil wie eine junge Frau auf Grund einer zufälligen Begegnung mit einem Fremden bereit zu sein scheint, ihren bisherigen Lebensentwurf völlig umzukrempeln. Noch einmal den Reiz, die Faszination einer neuen Bekanntschaft, einer neuen Liebe durchlebt, wie es sein würde mit diesem Fremden ein neues Leben zu beginnen. Obwohl sie letztlich weiß, daß sie bei ihrer ursprünglichen Entscheidung bleiben wird. Am Ende bleibt für Laure dennoch mehr als lediglich ein sogenannter ‚One-night-stand‘ übrig; die Erkenntnis, daß jederzeit ein Ereignis eintreffen kann, das die bisherige Lebensplanung in Frage stellen, zu einer Neuorientierung veranlassen kann.

 

Emmanuèle Bernheim: Der rote Rock »Bei Amazon

Heinrich Böll »Im Tal der donnernden Hufe«

Interpretationen

Ein heißer Sommertag in einer Kleinstadt in der zweiten Hälfte der Fünfziger Jahre. Während fast alle die jährliche Regatta am Flußufer verfolgen, versucht der vierzehnjährige Paul mehr denn je mit der Pubertät fertig zu werden. Das stark katholisch geprägte Milieu in dem er aufwächst, läßt ihm keinen Spielraum, sondern zwingt ihn dazu, das aufflammende Begehren rigoros zu unterdrücken. ‚Sünde‘ ist das Damoklesschwert, das über ihm schwebt. Zeitweise scheint Paul dazu bereit, ebenso rigorose Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Daß er es nicht tut verdankt er schließlich Katharina Mirzow, ‚die Mirzowa‘, wie sie ihm Ort gerufen wird. Ein Mädchen in Pauls Alter. Katharina ist für die bigotten Einwohner die Bedrohung der Unschuld der Jugend schlechthin. Ist sie trotz ihrer Jugend körperlich doch bereits ganz Frau. An diesem Samstag wartet sie eingeschlossen in der Wohnung ihrer Mutter bis es Zeit für sie ist ihren Zug zu nehmen. Sie soll für einige Jahre zu ihrem Vater nach Wien reisen, damit sie die Dorfjugend nicht verführen kann. Die anderen Bewohner wollen es so. Paul klettert über den Balkon in ihre Wohnung. Die Begegnung mit dem Mädchen gibt ihm schließlich seelischen Halt.

 

Heinrich Böll beschreibt in dieser 1957 verfaßten Erzählung einfühlsam die seelischen Nöte, die ein junger Mensch während der Pubertät im bigotten katholischen Kleinstadt Milieu ausgesetzt war (ist?). Weil ihm keine Möglichkeit gegeben wurde (wird?) die eigene Sexualität gemeinsam mit einem gleichaltrigen Mädchen zu entdecken und erfahren. Statt dessen muß alles Körperliche geleugnet und unterdrückt werden, denn es ist ja Sünde. Doch in den jungen Leuten Paul und Katharina und ebenso Pauls Freund Griff entsteht die Bereitschaft, sich dem auf Dauer nicht zu beugen.

 

Heinrich Böll: Im Tal der donnernden Hufe »Bei Amazon

Stefan Zweig »Angst«

Interpretationen

Irene ist mit einem erfolgreichen, begüterten Juristen verheiratet, der ihr geistig überlegen ist und mit dem sie zwei Kinder hat. Als sie eines Tages von ihrem Liebhaber auf dem Weg nach Hause ist, wird sie von einer Frau abgefangen, die sich als Ex-Geliebte von Irenes Liebhaber ausgibt. (mehr …)

Seiten: Zurück 1 2 3 4 5 6 Nächste