Nicci French »Seit er tot ist«

von
Armin A. Alexander

Eleanor, eine junge Frau von Mitte dreißig, ist an einem trüben Herbsttag mitten in den Vorbereitungen fürs Abendessen als es an der Tür klingelt. Zuerst glaubt sie, daß ihr Mann Greg seinen Hausschlüssel vergessen haben könnte oder es sich gar um einen Vertreter handelt. Doch es sind zwei Polizistinnen, die ihr mitteilen, daß ihr Mann einen tödlichen Autounfall hatte. Nach diesem ersten Schock muß Eleanor einen zweiten, vielleicht schlimmeren verkraften; im Wagen saß eine andere Frau – Milena Livingston. Sollte Greg eine Geliebte gehabt haben? Der Anschein spricht dafür und keiner von Eleanors Freunden und Verwandten, selbst Gregs Geschäftspartner kann sich einen anderen Grund vorstellen, daß diese Frau bei Greg im Wagen saß. Zumal sich herausstellt, daß diese Frau obwohl verheiratet ständig Liebesaffären hatte. Doch trotz allem glaubt Eleanor nicht an die Untreue ihres Mannes. Sie stellt eigene Nachforschungen an, sieht sich dabei dem Vorwurf der Realitätsflucht ausgesetzt. Doch Eleanor läßt sich nicht beirren. Unter falschem Namen arbeitet sie für kurze Zeit für den Partyservice den Milena mit ihrer Geschäftspartnerin, Frances Shaw, betrieb. Hier sucht und findet Eleanor auch Anhaltspunkte, die ihre Zweifel an Gregs Untreue bestätigen. Als sie eines Abends das Büro des Partyservices aufsucht, macht sie eine grausige Entdeckung. Die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen und Eleanor gerät selbst in Gefahr.

 

Das Autoren- und Ehepaar Nicci Gerard und Sean French gelingt es aus einer für den Einzelnen schockierden und einschneidenden aber doch in einer voll motorisierten Gesellschaft beinahe alltäglichen Situation – ein Ehepartner erfährt von Verkehrstot des anderen – eine alptraumhafte zu machen. Zuerst scheint alles klar, die Angehörigen trauern, die Frau, die mit im Wagen saß, konnte nur die Geliebte sein. Warum sich nicht damit abfinden? Ändern läßt sich das ohnehin nicht mehr und man sollte wieder zur Tagesordnung übergehen. Es wird anschaulich geschildert, wie diese Gleichgültigkeit um sich greift und wie die junge Witwe, die ihren Mann besser zu kennen glaubt als die anderen und das auch zu beweisen versucht, als überspannt, wenn nicht gar therapiebedürftig abgestempelt wird, nur damit sich ihre Umgebung nicht mit der Wirklichkeit auseinandersetzen muß. Und daß es richtig ist, Zweifeln nachzugehen, auch wenn sie den Nachforschenden in eine gefährliche Situation bringen können. Aber wirklich gefährlich wird es erst, wenn der Betreffende allein zu stehen kommt.

 

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