Herbert George Wells bei Projekt Gutenberg-DE

von
Armin A. Alexander

Interpretationen

Herbert George Wells’ (21.9.1866–13.8.1946) Todestag hat sich im vergangenen Jahr zum siebzigsten Mal gejährt und somit sind seine Werke aus der siebzigjährigen Schonfrist entlassen und ab dem 1.1.2017 in den Status der allgemeinen Verfügbarkeit übergegangen.

Herbert George Wells ist vor allem durch seine dem Science-Fiction-Genre zugehörigen Romane und Erzählung bekannt worden, in denen er sich gesellschaftskritisch mit einem ungezügelten Fortschritt, der nicht über mögliche Folgen nachdenkt, auseinandersetzt oder dieses Genre als Allegorie nutzt, um aktuelle gesellschaftliche und politische Fehlentwicklungen zu verdeutlich.

Orson Welles’ (6.5.1915–10.10.1985) Hörspieladaption von Wells’ wohl bekanntestem Werk, »Krieg der Welten« hat 1938 in den USA heftige Reaktionen ausgelöst. Das Hörspiel, das sich des Stilmittels der Reportage bediente, hat in manchen Gegenden beinahe Panik ausgelöst. Wenn es bei Wells auch Marsianer sind, die die Erde angreifen und erobern wollen, letztlich aber an den völligen anderen Lebensbedingungen scheitern, so kritisiert Wells damit den Kolonialismus, der letztlich zum Scheitern verurteilt sein muß.

»Die Riesen kommen!!« ist die Geschichte eines Experiments zweier Chemiker, die ein Wachstumspräparat entwickelt haben und es, ohne die möglichen Folgen zu bedenken, zuerst in einem Freilandexperiment zur Anwendung bringen. Dabei lassen sie selbst minimalste Vorsichtsmaßnahmen außer Acht, so daß das Präparat sich ungehindert außerhalb der Experimentalfarm verbreiten kann. Nicht nur das, Redwood, der eine der beiden Chemiker verabreicht es sogar seinem, erst wenige Monate alten Sohn. Nicht nur Pflanzen, Insekten und Tiere wachsen ins Überdimensionale, Kindern, denen es gegeben wird, müssen es solange nehmen, bis sie ausgewachsen sind, um Komplikationen in ihrer Entwicklung zu vermeiden. Das Experiment gerät vollends außer Kontrolle, wenngleich die ersten negativen Folgen noch beseitigt werden können, so ist das Wachstumspräparat einmal in der Welt und kann nicht mehr daraus entfernt werden und verändert diese langsam aber nachhaltig. Zum Schluß stehen sich wenige der neuen riesenhaften Menschen den alten, normalwüchsigen gegenüber, die sich von der Riesen in ihrer Existenz bedroht fühlen und zu radikalen Maßnahmen greifen. Wells beschreibt zudem in der Figur des Caterham wie einem Populisten, dessen einzige Fähigkeit darin besteht, seine Zuhörer mit leeren Parolen zu fesseln und ihre Ängste zu schüren und zu instrumentalisieren, zu Macht und Einfluß kommt und die Situation eskalieren läßt und somit den Weg einer friedlichen Lösung im Interesse aller verstellt.

In der »Die Insel des Dr. Moreau« wird Wissenschaft für einen Chirurgen zum Selbstzweck, ohne daß er an einen möglichen praktischen Nutzen für die Allgemeinheit denkt. Der einst bekannte Arzt und Chirurg Moreau, der nach einem Skandal, aus dem es ihm nicht gelingt, unbeschadet herauszukommen, zieht sich auf eine einsame Insel zurück, um dort seine Experimente fortzusetzen. Ein junger, durch Trunksucht gescheiterter angehender Arzt wird sein Assistent. Als dieser auf dem Schiff eines zweifelhaften Kapitäns für Moreau bestimmte Waren zur Insel bringt, unter anderem mehrere Tiere, retten sie einen Schiffbrüchigen, Edward Prendick, ein Engländer aus guter Gesellschaft, der eine Zeitlang naturwissenschaftliche Studien betrieben hat. Da der Kapitän Pendrick nicht auf seinem Schiff behalten will, wird dieser von Moreau widerwillig aufgenommen. Pendrick ist von den merkwürdigen Menschen, die sich außer Moreau und seinem Assistenten auf der Insel aufhalten, höchst irritiert. Er vermutet, daß Moreau an ihnen experimentiert hat. Die Schmerzensschreie eines mitgebrachten Pumas, den Moreau ohne Narkose operiert, treiben Pendrick aus dem Haus und lassen ihn die Inseln erkundigen. Er stößt auf eine erstaunliche Anzahl Personen, die ihn auf irgendeine Weise an verschiedene Tiere erinnern. Pendrick gelangt immer mehr zu der Überzeugung, daß Moreau unverantwortlich mit Menschen experimentiert. Er versucht sich dem Zugriff von Moreau zu entziehen, den er für einen gewissenlosen Arzt hält. Doch die Wahrheit ist noch ein wenig schauerlicher, denn die Wesen, die Moreau operiert hat, sind tatsächlich Tiere, Tiere, denen er versucht, ein menschliches Antlitz und Wesen zu geben. Sie denken, fühlen und verhalten sich auch im großen und ganzen auch wie Menschen, doch das Tier in ihnen bleibt unterschwellig präsent und drängt an die Oberfläche. Es kommt schließlich zur voraussehbaren Katastrophe, der nur Pendrick entrinnen kann. Bis er schließlich von der Insel entkommen kann, haben sich nicht nur einige der operierten Tiere gegenseitig getötet, sondern sind die Überlebenden wieder zu den Tieren geworden, die sie ursprünglich waren, ohne jede Erinnerung an ihre vermeintlich menschliche Lebensphase.

 

Neben dem Science-Fiction-Genre zugehörigen Roman und Erzählungen hat Wells auch andere verfaßt, jedoch ist er im deutschsprachigen Raum besonders für erstere bekannt geworden.

 

Bei Projekt Gutenberg-DE sind derzeit online verfügbar die folgenden Sciene-Fiction-Werke:

Der gestohlene Bazillus und andere Geschichten

Die ersten Menschen im Mond

Die Insel des Dr. Moreau

Die Riesen kommen!!

Die Zeitmaschine

 

Sowie folgende Texte aus anderen Genres:

Mr. Britling schreibt bis zum Morgengrauen

Der Traum

Ugh-Lomi

 

Weitere Werke sollen im Laufe des Jahres online gestellt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*