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Kurzes #56 – Chambre d’Amour

Blitze zuckten. Der Donner grollte unnatürlich laut. Das Gewitter befand sich genau über dem Stadtteil. Er schaffte es gerade noch, den schützenden Hausdurchgang zu erreichen, bevor der fast schwarze Himmel seine Schleusen öffnete.

Der Regen peitschte durch die Straßen. Das Wasser konnte gar nicht so schnell abfließen, wie es von oben kam. Die auftreffenden Tropfen bildeten auf der dünnen, alles überziehenden Wasserschicht Blasen. In den Straßenrinnen hatten sich kleine reißende Bäche gebildet. Keine Menschenseele war mehr zu sehen.

Er lehnte sich mit der linken Schulter an die Wand des Durchgangs und beobachtete interessiert das Naturschauspiel. Was blieb ihm auch anderes übrig, wollte er nicht innerhalb kürzester Zeit bis auf die Haut durchnäßt werden?

Es waren nur wenige Augenblicke vergangen, als er hinter sich eine Tür gehen und das Klacken hoher Absätze auf Betonplatten hörte. Diese Melodie erfüllte ihn stets mit einem leichten, lustvoll prickelnden Gefühl. Es waren entschlossene Schritte, die sich schnell näherten. Er widerstand dem Drang, sich umzudrehen, weil er kaum mehr als Umrisse gesehen hätte, lag doch der ganze Durchgang im Dunkel.

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Kurzes #55 – Ängste

Die Angst ist ein gefährliches Raubtier, das geduldig auf den Moment lauert, in dem sein Opfer am ahnungslosesten ist, um dann gnadenlos zuzupacken.

Die Leuchtziffern des Radioweckers zeigten 2:52 Uhr. Holger versuchte sich zu erinnern, was ihn geweckt hatte. Soweit er sich entsinnen konnte, waren seine Träume reichlich konfus gewesen. Er war aus einem erwacht, der irgendeinen Bezug zu einem längst vergangenen Abschnitt seines Lebens besaß. Er wollte aufstehen, doch schien es, als drücke ihn die unsichtbare Hand eines Riesen aufs Bett. Er war nicht in der Lage, auch nur ein Glied zu regen, obwohl er nicht den Eindruck besaß, plötzlich von einer Lähmung befallen worden zu sein. Er versuchte sich gegen diesen Druck zu stemmen, denn das Gefühl, unter dem Druck der Riesenhand zu ersticken, und einer sich ihm von hinten nähernden Bedrohung nicht ausweichen zu können, wurde immer stärker. So sehr er sich jedoch auch anstrengte, der Druck der unsichtbaren Hand war stärker. Ein Anflug von Panik stieg in ihm auf, die Angst nie mehr aufstehen zu können und hilflos der sich ihm unweigerlich nähernden Gefahr ausgeliefert zu sein, wurde immer stärker. Bevor es für ihn jedoch wirklich bedrohlich zu werden begann, war er schweißgebadet erwacht.
Doch war er jetzt tatsächlich wach? Schließlich hatte er zu Beginn jenes Traumes ja auch den Eindruck gehabt, wach zu sein. Oder befand er sich lediglich in einem erneuten Traum, der nur ein weiterer in einer Reihe von Träumen war, die ineinander verschachtelt zu sein schienen, wie diese berühmten russischen Puppen?
Wenigstens wußte er, daß ihn nichts daran hindern könnte, aufzustehen.
Holger lauschte auf Geräusche. Es war ruhig im Haus. Marianne schlief. Sie lag wie üblich auf der Seite, ihm den Rücken zugewandt. Ihre Atemzüge waren ruhig und gleichmäßig. (mehr …)

Buchneuerscheinung: Ein (fast) alltäglicher Fall

Es ist soweit! Mein neues Buch ist erschienen! Es ist nicht nur ein Kriminalroman sondern zugleich auch die Geschichte einer – lustvollen – Selbstfindung der Hauptperson, in der es zudem um Vertrauen, Mißtrauen und jemandem etwas nicht zutrauen geht. Und wie leicht man durch unbegründetes Mißtrauen eine große Liebe aufs Spiel setzen kann.
Eine Leseprobe gibt es hier

Klappentext

In einer Siedlung, die abgebrochen werden soll, um Neubauten Platz zu machen, wird die Leiche einer Frau gefunden, die nackt auf einem alten Bettgestell gefesselt liegt. Alles deutet darauf hin, daß eine BDSM-Session gehörig daneben gegangen ist. Doch wer war bei der Frau gewesen? Wer hat sie gefesselt und mit einem Seidenschal gewürgt? Es wird in alle Richtungen ermittelt. Kommissarin Eva Gerbroth begibt sich im Rahmen ihrer Ermittlungen auch in die örtliche BDSM-Szene. Auf einer Party lernt sie den Szene-Photographen und passionierten Dom Jean kennen, von dem Eva sofort fasziniert ist. Durch ihn erfährt sie mehr über sich selbst als über ihren Fall, der bald eine überraschende Wende nimmt, als Eva entdeckt, daß Jean die Tote gekannt hat, obwohl er es ihr gegenüber leugnet.

Armin A. Alexander
Ein (fast) alltäglicher Fall
ISBN 978-3-8423-1920-2
244 S., PB, € 18,95
Bei Amazon
Zur Leseprobe

Wer rastet, der rostet #8

Es ist soweit! Mein neues Buch ist fertig und wird vorraussichtlich Anfang September erscheinen. Es ist ein Kriminalroman mit allen wichtigen Elementen, und zugleich auch die Geschichte einer – lustvollen – Selbstfindung der Hauptperson, in der es zudem um Vertrauen, Mißtrauen und jemandem etwas nicht zutrauen geht. Und wie leicht man durch unbegründetes Mißtrauen eine große Liebe aufs Spiel setzen kann.
Eine Leseprobe gibt es hier

Klappentext

In einer Siedlung, die abgebrochen werden soll, um Neubauten Platz zu machen, wird die Leiche einer Frau gefunden, die nackt auf einem alten Bettgestellt gefesselt liegt. Alles deutet darauf hin, daß eine BDSM-Session gehörig daneben gegangen ist. Doch wer war bei der Frau gewesen? Wer hat sie gefesselt und mit einem Seidenschal gewürgt? Es wird in alle Richtungen ermittelt. Kommissarin Eva Gerbroth begibt sich im Rahmen ihrer Ermittlungen auch in die örtliche BDSM-Szene. Auf einer Party lernt sie den Szene-Photographen und passionierten Dom Jean kennen, vom dem Eva sofort fasziniert ist. Durch ihn erfährt sie mehr über sich selbst als über ihren Fall, der bald eine überraschende Wende nimmt, als Eva entdeckt, daß Jean die Tote gekannt hat, obwohl er es ihr gegenüber leugnet.

 

Zitat des Tages #69

Woher mag wohl die entsetzliche Abneigung des Menschen herrühren, sich zu zeigen, wie er ist, in seiner Schlafkammer, wie in seinen geheimsten Gedanken? In der Körperwelt ist alles wechselseitig, das, was es sich sein kann, und zugleich sehr aufrichtig. Nach unsern Begriffen sind die Dinge gegen einander alles Mögliche, was sie sein können, und der Mensch ist es nicht. Er scheint mehr das zu sein, was er nicht sein sollte. Die Kunst sich zu verbergen, oder der Widerwille, sich geistlich oder moralisch nackend sehen zu lassen, geht bis zum Erstaunen weit.

Georg Christoph Lichtenberg (1.07.1742–24.02.1799)

Kurzes #50 – Die Folgen

Der folgende Text ist der dritte und letzte Teil von: Fluchtgedanken und Der Fluchtversuch.

 

Die nächsten Stunden erwiesen sich als Steigerung dieses Alptraums. Zwar hatte er überlebt, aber innerhalb der folgenden Tage, Wochen und Monate fragte er sich oft, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn der Junge ihn einfach erschossen hätte.
Nachdem seine Wunde notdürftig verbunden worden war – wohl damit er keine Blutstropfen auf dem Boden der Wachstube hinterließ –, wurde er in den Ort zurückgebracht und vom dortigen Leiter der Vopo, einem feisten Menschen mit kahlem Schädel, glattrasiertem gerötetem Gesicht›verhört‹, der seine Uniform wie eine Auszeichnung trug und die makellos an ihm saß, als sei sie seine eigentliche Haut, obwohl sie sich über seinem Bauch spannte. Ein leichter Alkoholgeruch ging von dem Mann aus.
Der Mann ließ seinen Aggressionen freien Lauf. Er schrie Ulrich unentwegt an, als koste es ihn keine Kraft, als sei es sein größtes Vergnügen. Ulrich achtete nicht auf den Inhalt der Worte, der nur eine endlose Folge von Klassenkampfparolen, Platitüden und Beschimpfungen war. Für ihn war es kaum mehr als ein lautes unartikuliertes Brüllen ohne jeden Sinn und Nutzen. (mehr …)

Kurzes #49 – Der Fluchtversuch

Der folgende Text ist die Fortsetzung von: Fluchtgedanken

 

Am achten August 1987 war sein Entschluß endgültig, die Flucht zu wagen. Es war ein warmer, wolkenloser Spätsommerabend und nahezu windstill. Er hoffte, daß die Hunde ihn deshalb nicht so schnell würden wittern können. Schon einige Wochen zuvor hatte er einen robusten Seitenschneider aus dem Kombinat mitgehen lassen, was keinem je aufgefallen war. Er bemühte sich den ganzen Tag über in niemandem auch nur den geringsten Verdacht über sein Vorhaben aufkommen zu lassen. Bereits in der vorigen Nacht hatte er ein Bündel geschnürt, das neben dem Wichtigsten, dem Seitenschneider, einige Wäschestücke zum Wechseln und die wichtigsten Papiere enthielt, damit man ihn ›Drüben‹ auch als einen Flüchtling anerkannte. (mehr …)

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