{"id":1123,"date":"2009-09-09T18:58:17","date_gmt":"2009-09-09T16:58:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1123"},"modified":"2026-04-09T20:19:11","modified_gmt":"2026-04-09T18:19:11","slug":"gunther-freitag-brendels-fantasie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1123","title":{"rendered":"G\u00fcnther Freitag \u00bbBrendels Fantasie\u00ab"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/rezen.jpg\" \/><\/p>\n<div style=\"float:left;padding-right:10px;padding-bottom:5px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/freitag_brendels_fantasie.png\" border=\"0\" \/><\/div>\n<p>Der unheilbar an einem Gehirntumor erkrankte Fabrikant H\u00f6ller hat eine Vision: Die ideale Interpretation von Franz Schuberts \u00bbWandererphantasie\u00ab. Seinen Wunschpianisten hat er bereits auserkoren; den greisen Alfred Brendel. Nun ben\u00f6tigt er nur noch den idealen Konzertsaal in der idealen Landschaft. Als letztere kommt f\u00fcr H\u00f6ller einzig die Toskana infrage. Um seinen Traum verwirklichen zu k\u00f6nnen, verkauft er sein Unternehmen, das Klimaanlagen f\u00fcr Autos produziert, an russische Investoren. H\u00f6ller bezieht eine Pension in einem kleinen, von der Landwirtschaft gepr\u00e4gten toskanischen Ort, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint und wo er die \u00bbWandererphantasie\u00ab aufgef\u00fchrt haben m\u00f6chte. Von dort schreibt er regelm\u00e4\u00dfig Briefe an den in London lebenden Pianisten. Doch erh\u00e4lt H\u00f6ller nie eine Antwort.<!--more--><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>G\u00fcnther Freitag erz\u00e4hlt in einem nahezu schn\u00f6rkellosen, angenehmen Stil mitunter von subtilem Humor begleitet, wie ein Mann, der Zeit seines Lebens nach au\u00dfen ein unauff\u00e4lliges, ja eigentlich nichtssagendes Leben gef\u00fchrt hat, erkennen mu\u00df, da\u00df ihm nur noch kurze Zeit zum Leben bleibt und er bisher nichts von dem getan hat, was ihn wirklich interessierte. Um nicht auch noch die wenigen ihm verbleibenden Monaten ungenutzt verstreichen zu lassen und der Welt nichts anders als ein Unternehmen f\u00fcr Klimaanlagen und seinen Kindern Geld zu hinterlassen, versucht er zielstrebig seinen Traum umzusetzen; die ideale Interpretation seiner geliebten \u00bbWandererphantasie\u00ab von Franz Schubert.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Doch wird aus der Suche nach dem passenden Ort immer mehr eine Suche nach sich selbst und eine Bilanz seines bisherigen Lebens an der Seite einer sch\u00f6nen und erfolgreichen Anw\u00e4ltin, mit der er einen Sohn, der nichts anderes als seinen beruflichen Erfolg im Sinn und einer \u00fcber alle Ma\u00dfen verw\u00f6hnten und launischen Tochter hat. Ehefrau und Kinder interessieren sich jeder auf ihre Weise nur f\u00fcr sich selbst. H\u00f6llers Bem\u00fchungen, seine Kinder doch noch einigerma\u00dfen zu sozialisieren, werden von seiner Frau entschlossen hintertrieben. H\u00f6ller fehlte Zeit seines Lebens die Kraft, sich gegen\u00fcber seiner Frau durchzusetzen. Selbst den Verkauf der Fabrik betreibt er hinter ihrem R\u00fccken und verschweigt seiner Familie seine unheilbare Krankheit.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Aber auch auf der Suche nach dem passenden Auff\u00fchrungsort f\u00fcr die \u00bbWandererphantasie\u00ab tun sich f\u00fcr H\u00f6ller unerwartete Schwierigkeiten auf. Er begegnet skurrilen Typen, unter anderem einem zwangsweise in den Ruhestand versetzten Lehrer, der zwar als vom Leben Entt\u00e4uschter das tagesaktuelle Geschehen bissig kommentiert, aber nichtsdestotrotz den Kern der Probleme illusionslos erfa\u00dft.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Absurde Geschichten die H\u00f6ller in Zeitungen liest oder ihm erz\u00e4hlt werden, verdeutlichen den Aberwitz des Alltags, nicht nur von dem, in dem sich H\u00f6ller bewegt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">H\u00f6llers Geschichte ist vor allem eine Geschichte des Scheiterns einer gro\u00dfen Idee. Aber eines Scheiterns auf hohem Niveau. H\u00f6ller l\u00e4\u00dft sich jedoch durch nichts von seinem Ziel abbringen, versucht die Probleme, die sich ihm stellen so gut als m\u00f6glich zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">H\u00f6ller mag auf seine Umwelt verr\u00fcckt wirken, doch bleibt seine Umgebung den Beweis schuldig, da\u00df sie <i>nicht<\/i> verr\u00fcckt ist. Mitunter dr\u00e4ngt sich der Eindruck auf, da\u00df H\u00f6ller der einzig wirklich \u00bbNormale\u00ab ist.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Einmal mehr gilt, da\u00df der Weg das Ziel ist, und man nur selbst dem Leben einen Sinn geben kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der unheilbar an einem Gehirntumor erkrankte Fabrikant H\u00f6ller hat eine Vision: Die ideale Interpretation von Franz Schuberts \u00bbWandererphantasie\u00ab. Seinen Wunschpianisten hat er bereits auserkoren; den greisen Alfred Brendel. Nun ben\u00f6tigt er nur noch den idealen Konzertsaal in der idealen Landschaft. 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