{"id":1177,"date":"2009-11-03T00:06:57","date_gmt":"2009-11-02T23:06:57","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1177"},"modified":"2026-04-11T14:24:01","modified_gmt":"2026-04-11T12:24:01","slug":"kurzes-17-malte-und-das-paradies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1177","title":{"rendered":"Kurzes #17 \u00b7 Malte und das Paradies"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20070710_2_0031.jpg\" \/><\/p>\n<p><i>Der folgende kurze Text ist ebenfalls aus <\/i>\u00bbAdalberts Erbe\u00ab.<i> Zoe\u00ab ist vor\u00fcbergehend zu Malte ins Haus gezogen. Das strahlende Fr\u00fchlingswetter und seine Verliebheit in Zoe\u00ab lassen Malte Vergleiche mit Adam und Eva im Paradies anstellen, bei dem weder Adam noch Eva und schon gar nicht das Paradies gut wegkommen.<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die sonnendurchfluteten Fr\u00fchlingstage waren zur\u00fcckgekehrt. Der \u00fcppig gefallene Regen hatten der Flora in Maltes Garten einen beinahe explosionsartigen Wachstumschub beschert. Von den m\u00fchevollen Arbeiten, die er mit Florian gemeinsam darin geleistet hatte, war so gut wie nichts mehr zu sehen, was Malte aber nicht sonderlich st\u00f6rte, auch da\u00df der Rasen einen Schnitt gut vertragen k\u00f6nnte, nahm er mit einem gleichg\u00fcltigen Achselzucken hin. Die neue Bl\u00fctenpracht gefiel ihm im Gegenteil ausnehmend gut und erinnerte ihn einmal mehr an die gl\u00fccklichen Kindertage, die er hier verbracht hatte. Zoes Gegenwart verhinderte, da\u00df er dabei in eine melancholische Stimmung verfiel. Es gelang ihm, sich ungetr\u00fcbt am Wachstum, den \u00fcppigen Bl\u00fcten, den s\u00fc\u00dflich herben Aromen, die den Garten erf\u00fcllten zu erfreuen. Er f\u00fchlte sich inmitten diesen Bl\u00fctenmeeres besser als Adam mit seiner Eva im Paradies, denn erstens geh\u00f6rte ihm dieses kleine Paradies, zweitens konnte er so viele \u00c4pfel von den B\u00e4umen naschen wie er wollte ohne andere Folgen als V\u00f6lle und Bl\u00e4hungen bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen &ndash; da\u00df noch gar nicht die Jahreszeit f\u00fcr \u00c4pfel war, \u00fcbersah er dabei geflissentlich obwohl tats\u00e4chlich ein alter Apfelbaum, der im Herbst reichlich Fr\u00fcchte trug, hinten im Garten neben einem Pflaumenbaum wuchs.<!--more--><br \/>\nAbgesehen davon war diese Sch\u00f6pfungsgeschichte ohnehin voll von chauvinistischen Vorurteilen; die Frau als raffinierte Verf\u00fcherin und der Mann als naiver willensschwacher Trottel ohne Durchsetzungsverm\u00f6gen, von der eigenen Libido r\u00fccksichtslos beherrscht. Betrachtete man es genau, mu\u00df Adam ja ein richtiger Holzkopf gewesen sein. Und was soll an Erkenntnis so schlecht sein? Dumm aber gl\u00fccklich? Ist das die Botschaft, die vermittelt werden soll? Dann doch lieber wissend und sich mit Problemen auseinandersetzen, wenn der Preis f\u00fcr Gl\u00fcck Einf\u00e4ltigkeit ist. Und wie soll der Einf\u00e4ltige \u00fcberhaupt sein Gl\u00fcck genie\u00dfen k\u00f6nnen, wenn er es nicht zu w\u00fcrdigen wei\u00df, weil er dessen Gegenteil nicht kennt, es sich nicht erarbeiten mu\u00df? Und viertens &ndash; was f\u00fcr Malte das wichtigste war &ndash; gefiel ihm Zo\u00c3\u00ab weitaus besser als jene Urmutter &ndash; ihm dr\u00e4ngten sich sofort die Darstellungen der Eva bei den alten Meistern auf. Zo\u00c3\u00ab verstand es zudem, sich besser zu kleiden und \u00fcbertraf jene Gef\u00e4hrtin Adams als Geliebte wahrscheinlich um L\u00e4ngen &ndash; was auf Grund der den Umst\u00e4nden geschuldeten mangelnden praktischen Erfahrungen Evas vor ihrer Beziehung mit Adam nicht verwundern d\u00fcrfte. Andererseits d\u00fcrfte aus demselben Grund mit Adams F\u00e4higkeiten als Liebhaber auch nicht weither gewesen sein.<br \/>\nBei diesem Gedanken mu\u00dfte Malte schmunzeln und war erleichtert, da\u00df Frauen mittlerweile zugestanden wurde, ihre eigenen Erfahrungen machen zu k\u00f6nnen &ndash; naja, da\u00df sie sich das Recht dazu m\u00fchsam erk\u00e4mpft hatten, entsprach wohl mehr den Tatsachen, wie Malte bereitwillig und ehrlich zugab. Es war ohnehin ergiebiger mit Leuten zusammenzusein, die sich ein Recht erstritten hatten als mit jenen, denen es gro\u00dfz\u00fcgig gewehrt wurde. Letztere wu\u00dften es in der Regel nur selten zu w\u00fcrdigen. Mit einer Frau ohne Erfahrung zusammensein zu m\u00fcssen, empfand Malte als schaurige Vorstellung, an die er lieber keinen Gedanken verschwendete. An Erfahrungen mangelte es seiner sch\u00f6nen Geliebten jedenfalls nicht, wie Malte hatte ausgiebig feststellen k\u00f6nnen. An einem der Tag, an dem es pausenlos geregnet hatte, waren sie nur f\u00fcr die notwendigen Mahlzeiten aus dem Bett gekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende kurze Text ist ebenfalls aus \u00bbAdalberts Erbe\u00ab. Zoe\u00ab ist vor\u00fcbergehend zu Malte ins Haus gezogen. Das strahlende Fr\u00fchlingswetter und seine Verliebheit in Zoe\u00ab lassen Malte Vergleiche mit Adam und Eva im Paradies anstellen, bei dem weder Adam noch Eva und schon gar nicht das Paradies gut wegkommen. &nbsp; Die sonnendurchfluteten Fr\u00fchlingstage waren zur\u00fcckgekehrt. 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