{"id":1375,"date":"2009-12-31T06:25:47","date_gmt":"2009-12-31T04:25:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1375"},"modified":"2026-04-11T17:18:27","modified_gmt":"2026-04-11T15:18:27","slug":"kurzes-22-begegnung-im-cafe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1375","title":{"rendered":"Kurzes #22 \u00b7 Begegnung im Caf\u00e9"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/fetischismus_03.jpg\" \/><\/p>\n<p><i>Die zweite Kurzgeschichte zum Thema Fetischismus.<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wohl oder \u00fcbel w\u00fcrde Tillmann das letzte St\u00fcck Weg laufen m\u00fcssen, wollte er nicht bis auf die Haut durchn\u00e4\u00dft werden. Im allgemeinen mochte er den Fr\u00fchlingsregen, aber nicht unbedingt, wenn er sich mittendrin und ohne Schirm befand. Diese praktische Erfindung lag wieder einmal dort, wo sie in einer solchen Situation nicht liegen sollte: bei ihm zu Hause in der Diele auf dem Schuhschrank. So konnte er ihn unterwegs zwar nirgendwo liegen lassen, doch daf\u00fcr war ihm jetzt eine kostenlose Dusche sicher.<br \/>\nNat\u00fcrlich war der Himmel bereits mit dichten grauen Wolken tief verhangen gewesen als er das Haus verlassen hatte. Zeichen genug zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob man denn nun das tragbare Regendach mitgenommen hatte und wenn nicht, noch einmal bequem umkehren konnte um es zu holen. Doch wie dem meist so ist; man vertraut naiv auf sein mehr als zweifelhaftes Gl\u00fcck und fordert mit dieser Gleichg\u00fcltigkeit der Macht der Elemente gegen\u00fcber, diese geradezu heraus, einem zum ungez\u00e4hlten Male zu beweisen, da\u00df ihre eindeutigen Vorank\u00fcndigungen stets Ernst zu nehmen sind.<!--more--><br \/>\nTrotz allem war Tillmann das Gl\u00fcck doch noch ein wenig hold, denn bevor sich die Schleusen g\u00e4nzlich \u00f6ffneten, hatte er sein Ziel erreicht und trat durch die Eingangst\u00fcr seines Stammbistros.<br \/>\nHinter ihm ergossen sich jetzt wahre Sturzb\u00e4che. Auf dem Stra\u00dfenpflaster stand innerhalb von Augenblicken eine d\u00fcnne Wasserschicht auf der die auftreffenden Tropfen gro\u00dfe Blasen bildeten. Schnell waren die Wege wie leergefegt. Jeder versuchte eiligst einen sch\u00fctzenden Unterstand zu finden. Schirme boten bei einem derartigen Wolkenbruch kaum noch einen hinreichenden Schutz. Die Reifen der Autos schleuderten wahre Font\u00e4nen auf die Gehwege, die Scheibenwischer kamen trotz h\u00f6chster Stufe nicht nach, die Windschutzscheiben einigerma\u00dfen blickfrei zu halten. In den Vertiefungen der abgefahrenen Fahrbahnteile bildeten sich schnell tiefe Pf\u00fctzen, durch die viele Fahrer gedankenlos ihre Vehikel lenkten und manchem ahnungslosen Passanten, der sich nicht schnell genug mit einem beherzten Sprung in Sicherheit bringen konnte, von oben bis unten beschmutzten.<br \/>\n\u00bbJa, es ist ein sehr feuchter Fr\u00fchling heuer\u00ab, empfing ihn Fran\u00c3\u00a7ois, der Wirt, der gerade die Espressomaschine neu beschickte.<br \/>\nTillmann strich sich das Wasser aus den Haaren, zog seine Jacke aus und h\u00e4ngte sie an den Kleiderst\u00e4nder in der N\u00e4he der Theke.<br \/>\n\u00bbSehr feucht\u00ab, best\u00e4tigte er und trocknete mit einem Taschentuch seine Brillengl\u00e4ser. \u00bbWer jetzt nicht das Gl\u00fcck hat einen einigerma\u00dfen gesch\u00fctzten Unterstand zu finden, der braucht heute abend kein Bad mehr.\u00ab<br \/>\n\u00bbOder eine gute Reinigung\u00ab, entgegnete Fran\u00c3\u00a7ois n\u00fcchtern und schlo\u00df den Deckel der Espressomaschine.<br \/>\nAuf jemanden, der ihn nicht kannte, konnte er schon als etwas humorlos erscheinen. Doch besa\u00df Fran\u00c3\u00a7ois sehr wohl Humor, aber einen schwer ergr\u00fcndbaren. Dar\u00fcber hinaus konnte sich wohl keiner, der ihn n\u00e4her kannte, vorstellen, da\u00df ihn irgend etwas oder irgend jemand ernsthaft aus der Ruhe bringen konnte. Er besa\u00df stets ein offenes Ohr f\u00fcr den Kummer seiner G\u00e4ste, konnte stundenlang zuh\u00f6ren, gab dabei selten mehr als ein gelegentliches interessiertes Kopfnicken von sich und verstand es meisterlich immer den Rat zu geben, den der andere sich aus tiefstem Herzen gew\u00fcnscht hatte.<br \/>\nF\u00fcr Fran\u00c3\u00a7ois\u2019 Verhalten gab es zwei mehr oder weniger plausible Theorien: Erstens stammte er &ndash; zumindest nach eigenen Angaben, die bisher keiner widerlegen konnte &ndash;, aus einer alten Dynastie von Bistrowirten &ndash; es wurde gemunkelt, da\u00df einer seiner Vorfahren schon bei C\u00e4sars Einfall in Gallien in dritter Generation einen Gasthof betrieben haben soll, doch d\u00fcrfte das ins Reich der Sagen und Fabeln geh\u00f6ren &ndash;, verbrieft war lediglich, da\u00df sein Vater ein kleines Bistro bei Nantes besa\u00df, das dieser wiederum von seinem Vater \u00fcbernommen hatte, doch dann verlor sich die Spur im Dunkel der Geschichte. Fran\u00c3\u00a7ois selbst sah sich in jungen Jahren berufen franz\u00f6sische Bistrokultur ins \u00f6stliche Nachbarland zu exportieren und war damit bis heute sehr erfolgreich. Zum zweiten setzte sich die Mehrzahl seiner G\u00e4ste aus K\u00fcnstlern zusammen; einigen etablierten, wozu er seine eigene Person in aller Bescheidenheit z\u00e4hlen durfte, viele die noch am Anfang ihres Werdeganges standen und sich mehr mit dem Problem besch\u00e4ftigen mu\u00dften, woher sie n\u00e4chste Woche das Geld f\u00fcr ihre warmen Mahlzeiten nehmen sollten als mit ihrer Arbeit, und &ndash; das war wohl unvermeidlich &ndash; einige wenige, die sich gerne daf\u00fcr hielten, aber au\u00dfer nichtssagenden Reden \u00fcber st\u00e4ndig in der Schwebe befindlichen Projekten, die so diffus waren, da\u00df sie wohl selbst nicht wu\u00dften, wor\u00fcber sie eigentlich gerade sprachen, bisher nichts Erw\u00e4hnenswertes vorweisen konnten.<br \/>\n\u00bbOder die\u00ab, pflichtete Tillmann Fran\u00c3\u00a7ois bei und setzte seine Brille wieder auf ohne die er nicht allzuviel klar und deutlich wahrnehmen konnte. Gl\u00fccklicherweise waren seine Bilder und Photographien stets klar und deutlich.<br \/>\n\u00bbDas gleiche wie \u00fcblich\u00ab, fragte Fran\u00c3\u00a7ois mehr der H\u00f6flichkeit halber und putzte eine Lache von dem kleinen Rost der Maschine auf den die Tassen gestellt wurden weg.<br \/>\n\u00bbDasselbe wie immer\u00ab, best\u00e4tigte Tillmann und setzte sich an einen Tisch am Fenster.<br \/>\nEr sa\u00df gerne am Fenster, beobachtete die Szenen, die sich in dieser schmalen Stra\u00dfe, ums\u00e4umt von H\u00e4usern die \u00fcberwiegend um neunzehnhundert erbaut worden waren, abspielten. Sie war eher m\u00e4\u00dfig belebt, aber gerade deshalb bot sich dem aufmerksamen Betrachter manch interessante Szenerie. Die soziale Struktur &ndash; wissenschaftlich ausgedr\u00fcckt &ndash; war gemischt, wenn auch der Anteil jener mit k\u00fcnstlerischen Berufen \u00fcberdurchschnittlich hoch zu sein schien. Sein ger\u00e4umiges Atelier, aus dessen gro\u00dfz\u00fcgigen Fensterfl\u00e4chen er eine gute Aussicht \u00fcber diesen Stadtteil besa\u00df, lag in einer kleinen Nebenstra\u00dfe, lediglich zweihundert Meter vom Bistro entfernt. Das Haus selbst war als eines der ersten dieses Viertels bereits in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts erbaut worden und stand seit langem unter Denkmalschutz. Erst vor wenigen Jahren waren alle Installationen erneuert und eine moderne Gasheizung eingebaut worden. Wenn man den Erz\u00e4hlungen der \u00e4lteren Bewohner Glauben schenkte, dann hatten schon einige gro\u00dfe Kollegen das Atelier vor ihm bewohnt. Er mochte dieses Viertel, es besa\u00df Charme <i>und<\/i> Geschichte, nicht zuletzt, weil es zwei gro\u00dfe Kriege und vor allem die Erneuerungswut der Stadtplaner der F\u00fcnfziger und Sechziger Jahre nahezu unbesch\u00e4digt \u00fcberstanden hat. Sogar das Kopfsteinpflaster war immer noch der vorherrschende Stra\u00dfenbelag. Das Viertel selbst lag unweit des belebten Stadtzentrums und besa\u00df trotzdem etwas kleinst\u00e4dtisch Gem\u00fctliches. Einige Stra\u00dfen wurden noch von uralten Linden ges\u00e4umt und ein kleiner gepflegter Park bildete fast eine Art Dorfanger.<br \/>\n\u00bbHier, bitte, Ihr <i>caf\u00e9 au lait<\/i> und Ihre Waffeln. Sie wurden eben erst frisch gemacht.\u00ab Fran\u00c3\u00a7ois stellte beides vor ihm auf den Tisch.<br \/>\nDie dampfenden Waffeln gl\u00e4nzten von der hei\u00dfen Butter. Ihr Aroma zog schnell in Tillmanns Nase und verst\u00e4rkte die Vorfreude auf diesen Gaumenschmaus.<br \/>\n\u00bbDanke, Fran\u00c3\u00a7ois\u00ab, entgegnete er.<br \/>\n\u00bbIch habe einen Auflauf mit \u00c4pfeln im Ofen. Wenn Sie ein St\u00fcck m\u00f6chten? Ich wei\u00df doch, wie gerne Sie dergleichen m\u00f6gen\u00ab, f\u00fcgte er fast v\u00e4terlich hinzu.<br \/>\nEr konnte allem s\u00fc\u00dfen Geb\u00e4ck nur schwer widerstehen. Aber er \u00fcbertrieb es auch nie, denn es w\u00e4re ein zu hoher Preis f\u00fcr Naschsucht, wenn sich das in den ber\u00fchmten Jahresringen niederschl\u00fcge. Au\u00dferdem behielt so das Naschwerk seinen Reiz als etwas Besonderem.<br \/>\n\u00bbNat\u00fcrlich h\u00e4tte ich gerne ein St\u00fcck davon, das wissen Sie doch genau, Fran\u00c3\u00a7ois.\u00ab<br \/>\nMit einem Anflug der Zufriedenheit um die Mundwinkel, widmete Fran\u00c3\u00a7ois sich wieder seinen \u00fcbrigen, im Augenblick nicht sehr zahlreichen G\u00e4sten.<br \/>\nIm hinteren Teil sa\u00df einsam an einem Ecktisch ein junger Romancier, der bereits mit einem begehrten Nachwuchspreis bedacht worden war, vertieft in die Korrektur von Druckfahnen. Am Nebentisch versuchten sich zwei junge Musiker dar\u00fcber einig zu werden, ob ein Akkord sich so oder anders vielleicht besser in die Harmonie eines neuen Liedes einf\u00fcgte. Unweit von ihm hatte sich ein stadtbekannter Karikaturist niedergelassen und arbeitete an einer Karikatur f\u00fcr die morgige Ausgabe einer etablierten Tageszeitung. Am Tisch gegen\u00fcber seinem sa\u00df ein P\u00e4rchen. Er, ein vielversprechender junger Maler, sie sein bevorzugtes Modell und derzeitige Lebensgef\u00e4hrtin. Ein h\u00fcbsches zartes Ding von zwanzig Jahren mit dunkelblonden Haaren und \u00fcppigen knallrot geschminkten Lippen. Sie hatte sich an seine Schulter gelehnt und schien zu schlummern, w\u00e4hrend er auf seinem Zeichenblock einige Skizze mit schnellen, sicheren Strichen anfertigte. Tillmanns Blick blieb auf ihren hellbestrumpften, l\u00e4ssig \u00fcbereinandergeschlagenen Beinen mit einem bewunderndem L\u00e4cheln ruhen. Ihre Waden waren kr\u00e4ftig und lie\u00dfen ihre Fesseln schmaler wirken als sie tats\u00e4chlich waren. Sie wippte gelegentlich mit dem freien Fu\u00df, was Tillmanns Blick auf ihre F\u00fc\u00dfe zog. Ihre hochhackigen Schuhe waren bereits ein wenig ausgetreten, wenn auch gepflegt, legten zugleich Zeugnis davon ab, da\u00df ihre Tr\u00e4gerin eine Vorliebe f\u00fcr hochhackiges Schuhwerk besa\u00df und sie nicht nur zu besonderen Gelegenheiten trug. Tillmanns Blicke strichen beinahe z\u00e4rtlich \u00fcber die bestrumpften Beine der jungen Sch\u00f6nen. Er lie\u00df den Blick von ihren F\u00fc\u00dfen aufw\u00e4rts zu ihren Knien wandern und zum Saum ihres knielangen schwarzen Lederrocks, der ein wenig abgetragen wirkte, wie ein Lieblingskleidungsst\u00fcck nun einmal mit der Zeit ist. Tillmann erinnerte sich, da\u00df sie fast immer diesem Rock trug, sah er sie irgendwo allein oder in Begleitung ihres Freundes.<br \/>\nTillmann ri\u00df sich von ihrem Anblick los und sah zur Theke hin\u00fcber.<br \/>\nFran\u00c3\u00a7ois sp\u00fclte and\u00e4chtig Gl\u00e4ser und Tassen und lie\u00df seinen Blick mit beinahe v\u00e4terlichem Stolz auf den Anwesenden ruhen.<br \/>\nTillmann machte sich \u00fcber die erste Waffel her und geno\u00df den <i>caf\u00e9 au lait<\/i>, der wie wohl alles was es bei Fran\u00c3\u00a7ois gab, unzweifelhaft eine Spezialit\u00e4t darstellte.<br \/>\nDer Wolkenbruch ging langsam in einen ausgiebigen Landregen \u00fcber. Die Stra\u00dfen belebten sich wieder. Die Regentropfen tanzten nur noch auf den Pf\u00fctzen. Die Menschen gingen mit hochgeschlagenen Kragen und aufgespannten Schirmen eilig ihrer Wege.<br \/>\nTillmann warf einen Blick zu der jungen Sch\u00f6nen hin\u00fcber, die aus ihrem scheinbaren Schlummer erwacht zu sein schien. Sie fl\u00fcsterte ihrem Freund etwas zu und stand auf. Mit einer l\u00e4ssigen Bewegung zog sie ihren engen, durch das Sitzen hochgerutschten Rock hinunter und ging mit leicht wiegenden H\u00fcften zur Toilette. Tillmann folgte ihr mit den Blicken. Sie ging souver\u00e4n auf ihren hohen Abs\u00e4tzen.<br \/>\nTillmann wollte sich gerade an seiner zweiten Waffel laben, da erblickte er Annekathrin, wie sie die Stra\u00dfe \u00fcberquerte. Ungeachtet des Regens war sie ohne Schirm unterwegs. W\u00e4hrend es bei ihm die reine Schusseligkeit war, da\u00df er gew\u00f6hnlich den seinen zu Hause lie\u00df, war es bei ihr der Normalzustand. Er war sich sogar sicher, da\u00df sie gar keinen besa\u00df. Regen machte ihr nichts aus. Es st\u00f6rte sie nicht, wenn sie na\u00df wurde. Ihr kurzer schwarzer Lackmantel triefte vor N\u00e4sse. Sie mu\u00dfte schon l\u00e4nger in dem Wetter unterwegs sein. Sie hatte den Kragen hochgeschlagen, den G\u00fcrtel eng geschn\u00fcrt, was ihre schmale Taille und ihre \u00fcppige Brust nur noch mehr betonte, und die H\u00e4nde tief in den Taschen vergraben. Das rotbraune kurze lockige Haar klebte ihr am Kopf. Achtlos schritt sie mit ihren eleganten schwarzen hochhackigen Schuhen durch eine kleine Pf\u00fctze, die ihren Weg kreuzte. Ihre schwarzen Str\u00fcmpfe waren mit deutlich sichtbaren Dreckspritzern \u00fcbers\u00e4t. Zielsicher steuerte sie das Bistro an. Ob sie ihn schon erblickt hatte, konnte er nicht sagen. Sie besa\u00df die F\u00e4higkeit alles zu sehen, ohne da\u00df man sah, da\u00df <i>sie<\/i> es sah.<br \/>\nSie stie\u00df die T\u00fcr kraftvoll auf, sah sich nicht um, sondern entledigte sich sogleich des nassen Mantels, den sie achtlos an den Kleiderst\u00e4nder h\u00e4ngte, wo das herabtropfende Wasser eine Lache auf dem Boden bildete. Fran\u00c3\u00a7ois war ihre Ankunft nicht entgangen. Mehr aus H\u00f6flichkeit gr\u00fc\u00dfte sie ihn kurz und steuerte zielstrebig Tillmanns Tisch an. Sie setzte sich mit einer flie\u00dfenden Bewegung und schlug die langen muskul\u00f6sen Beine mit den schmalen Fesseln \u00fcbereinander, wobei, beabsichtigt oder nicht, bei ihr lie\u00df sich das nie sagen, ihr enger nicht sehr langer dunkelblauer Lederrock hochrutschte und viel von ihren sch\u00f6nen langen Bein sehen lie\u00df.<br \/>\n\u00dcber acht Jahre kannten beide sich bereits, und noch immer empfand er in ihrer Gegenwart ein gewisses hochsinnliches Kribbeln, das selbst weniger empfindliche Gem\u00fcter aus dem Konzept bringen konnte.<br \/>\n\u00bbLange nicht gesehen\u00ab, sagte sie statt eines Gru\u00dfes und bediente sich von seiner zweiten Waffel, die sie mit ihren schlanken feingliedrigen Fingern zerpfl\u00fcckte und st\u00fcckchenweise zwischen die vollen sinnlichen Lippen schob.<br \/>\n\u00bbWenn du drei Tage als lang bezeichnest\u00ab, meinte er nur und beobachtete, wie seine Waffel ziemlich z\u00fcgig in ihrem Mund verschwand.<br \/>\n\u00bbEs gab einmal Zeiten, da erschien dir eine Trennung von mir von drei Stunden als lang\u00ab, meinte sie nur und leckte sich die Butter eindeutig lasziv von den Fingern.<br \/>\nAnschlie\u00dfend nahm sie einen langen Schluck von seinem <i>caf\u00e9 au lait<\/i>.<br \/>\nDamit hatte sie nat\u00fcrlich recht und er machte sich auch nicht die M\u00fche es zu leugnen.<br \/>\nWie zuf\u00e4llig streifte sie unter dem Tisch Tillmanns Wade mit dem Fu\u00df, was ihm ein angenehmes Kribbeln verursachte.<br \/>\n\u00bbWas darf ich Ihnen bringen\u00ab, erkundigte sich Fran\u00c3\u00a7ois bei Annekathrin.<br \/>\n\u00bbEinen Espresso.\u00ab<br \/>\n\u00bbIch habe einen Apfelauflauf, frisch aus dem Ofen.\u00ab<br \/>\n\u00bbBringen Sie ihr auch ein St\u00fcck\u00ab, entschied Tillmann f\u00fcr sie.<br \/>\nEs handelte sich dabei um reinen Selbstschutz, denn sie konnte einem k\u00f6stlichen Naschwerk ebenso wenig widerstehen wie er, und ehe sie seine Portion ganz allein verschlang, sollte sie besser ihre eigene haben.<br \/>\n\u00bbJa, bringen Sie mir eine Portion, Fran\u00c3\u00a7ois\u00ab, war Annekathrin einverstanden.<br \/>\nFran\u00c3\u00a7ois zog sich zur\u00fcck.<br \/>\n\u00bbEs freut mich, da\u00df du dich immer noch um mein Wohlergehen bem\u00fchst\u00ab, sagte sie in einem Tonfall und mit einem Augenaufschlag, der seinen Blutdruck gegen seinen Willen ansteigen lie\u00df.<br \/>\n\u00bbMir liegt eben an dir\u00ab, erwiderte Tillmann ehrlich und richtete den Blick unwillk\u00fcrlich auf die junge Sch\u00f6ne, die in diesem Moment zu ihrem Freund zur\u00fcckging.<br \/>\n\u00bbIch sehe, da\u00df du noch immer den Reiz sch\u00f6ner Frauenbeine zu sch\u00e4tzen wei\u00dft\u00ab, sagte Annekathrin mit einem leisen L\u00e4cheln.<br \/>\nTillmann w\u00e4re beinahe verlegen geworden, da er fand, da\u00df ein Mann in Gesellschaft einer Frau sich nicht nach anderen Frauen umsehen sollte.<br \/>\nAnnekathrin rieb leicht die Waden aneinander, so da\u00df er glaubte, den zarten Stoff leise knistern zu h\u00f6ren und sogleich den Blick wieder auf ihre Beine richtete.<br \/>\n\u00bbIch bin eben ein Bewunderer des Sch\u00f6nen\u00ab, sagte er, nachdem er den kurzen Anflug von Verlegenheit \u00fcberwunden hatte.<br \/>\n\u00bbIch wei\u00df, und ich habe es auch nicht vorwurfsvoll gemeint\u00ab, erwiderte sie mit einem etwas am\u00fcsierten L\u00e4cheln dar\u00fcber, da\u00df ein Mann seines Alters noch so leicht verlegen werden konnte. \u00bbSie hat wirklich sch\u00f6ne Beine.\u00ab<br \/>\n\u00bbAber nicht so sch\u00f6ne wie deine\u00ab, erwiderte er ein wenig zu schnell.<br \/>\n\u00bbSchleimer\u00ab, erwiderte sie liebevoll und strich sich eine nasse Locke aus der Stirn. \u00bbIch bin ganz zufrieden mit ihnen.\u00ab<br \/>\nSie sah zu dem jungen Paar hin\u00fcber. Er hatte mit Zeichnen aufgeh\u00f6rt und streichelte ihr mit den Fingerspitzen \u00fcber die zartbestrumpften Schenkel. Sie l\u00e4chelte ihn an. Es war un\u00fcbersehbar, da\u00df ihr seine Z\u00e4rtlichkeiten gefielen.<br \/>\nTillmann sah ebenfalls zu dem jungen Paar hin\u00fcber.<br \/>\n\u00bbIch bin mir sicher, da\u00df sie ihre Str\u00fcmpfe und ihren Lederrock auch beim V\u00f6geln anbeh\u00e4lt\u00ab, fuhr Annekathrin mehr zu sich selbst fort.<br \/>\nWie nebenbei begann sie Tillmanns auf dem Tisch ruhende Rechte mit den Fingerspitzen zu streicheln. Er vermochte bis heute nicht zu sagen, wann sie etwas aus Gedankenlosigkeit tat, wann aus Bed\u00fcrfnis.<br \/>\n\u00bbWas bringt dich auf den Gedanken\u00ab, fragte Tillmann, obwohl er die Antwort eigentlich schon kannte.<br \/>\n\u00bbWeil ich es selbst auch so halte\u00ab, erwiderte Annekathrin grinsend.<br \/>\nTillmann hatte mit dieser Antwort nicht gerecht. Obwohl er sie bereits so lange kannte, konnte sie ihn mit ihren unerwarteten Antworten noch immer \u00fcberraschen. Er verdrehte leicht genervt die Augen.<br \/>\n\u00bbErstens, so wie ihr Lederrock aussieht, so sch\u00f6n speckig an ihrem sch\u00f6nen Po, w\u00fcrde es mich nicht wundern, wenn sie auch hin und wieder in ihm schl\u00e4ft, da ist es doch nicht unwahrscheinlich, da\u00df sie ihn auch beim V\u00f6geln tr\u00e4gt. Au\u00dferdem steht er darauf und es w\u00fcrde mich nicht wundern, wenn er auch schon \u00fcber ihrem Rock gekommen w\u00e4re. Und so wie sie sich das Streicheln ihrer bestrumpften Schenkel gefallen l\u00e4\u00dft, genie\u00dft sie selbst das Tragen von zarten Str\u00fcmpfen.\u00ab<br \/>\nEhe Tillmann darauf antworten konnte, kam Fran\u00c3\u00a7ois und brachte den Apfelauflauf. Er war froh \u00fcber diese Unterbrechung, denn er h\u00e4tte nicht gewu\u00dft, was er Annekathrin darauf antworten sollte.<br \/>\n\u00bbNein, mein Lieber\u00ab, fuhr sie fort, als Fran\u00c3\u00a7ois sie allein gelassen hatte, ohne eine Antwort von ihm abzuwarten. \u00bbDu glaubst gar nicht, wie viele Frauen es m\u00f6gen halb angezogen beim V\u00f6geln zu sein.\u00ab<br \/>\nSie trennte mit der Gabel ein St\u00fcck von dem dampfenden Apfelauflauf ab, Zimtduft stieg aus der F\u00fcllung empor, und schob es zwischen die vollen Lippen. Dabei massierte sie seine Wade ausgiebig mit ihrem Fu\u00df. Sie machte das stets, wenn sie sich irgendwo gegen\u00fcber oder nebeneinander sa\u00dfen und er hatte es immer gemocht.<br \/>\nTillmann schaute aus dem Fenster, w\u00e4hrend er seine Portion a\u00df. Der Regen w\u00fcrde wohl noch etwas anhalten, aber in der grauen Wolkendecke zeigten sich bereits einige Strukturen. Die Passanten gingen mit aufgespannten Schirmen weniger eilig ihres Weges als noch vor einer dreiviertel Stunde. Der Regen schien als das unvermeidliche Tageswetter akzeptiert worden zu sein.<br \/>\nAnnekathrin hatte recht. Noch jede seiner, trotz seines Alters nicht sehr zahlreichen Verflossenen, hatte zumindest hin und wieder gerne etwas erotisch ansprechendes beim Sex getragen.<br \/>\nTillmann legte Annekathrin die Rechte auf den Schenkel knapp unterhalb des Rocksaums und begann ihr sanft die empfindsame Innenseite mit den Fingern zu streicheln.<br \/>\nAnnekathrin geno\u00df seine Liebkosung mit einem zufriedenen L\u00e4cheln, w\u00e4hrend sie weiter von ihrem Apfelstrudel a\u00df.<br \/>\nManchmal fragte Tillmann sich, ob er Annekathrin nicht zuletzt darum begehrte, weil sie eine Vorliebe f\u00fcr zarte Str\u00fcmpfe, hochhackige Schuhe und schicke Lederr\u00f6cke besa\u00df und diese auch beim Sex gerne trug. Er versuchte sich zu erinnern, wann sie das letzte Mal <i>keine<\/i> Nylons beim Sex getragen hatte und kam zu keinem Ergebnis, was ihn beruhigte.<br \/>\nSie hatte ihren Apfelauflauf fast vollst\u00e4ndig aufgegessen, w\u00e4hrend er noch die H\u00e4lfte \u00fcbrig hatte.<br \/>\n\u00bbWas ist?\u00ab fragte sie und legte die Gabel auf den leeren Teller, \u00bbschmeckt dir der Auflauf nicht? Du bist doch gew\u00f6hnlich der erste von uns, der mit Essen fertig ist.\u00ab<br \/>\n\u00bbVielleicht weil ich mehr Hunger auf dich habe\u00ab, erwiderte er und blickte sie ein wenig aus treuen Hundeaugen an.<br \/>\nSie lachte auf und warf kurz den Kopf in den Nacken. Dann beugte sie sich zu ihm hin\u00fcber und sagte leise und eindringlich: \u00bbOder auf meine Nylons, meine hochhackigen Schuhe und meinen Lederrock?\u00ab<br \/>\nEr sp\u00fcrte ihren nach Apfel und Zimt riechenden Atem im Gesicht. Genie\u00dferisch und ein wenig lasziv leckte sie sich die Lippen.<br \/>\n\u00bbAuf <i>dich<\/i> und deine Nylons, deine hochhackigen Schuhe und deinen Lederrock\u00ab, erwiderte er unger\u00fchrt.<br \/>\n\u00bbDas wei\u00df ich doch\u00ab, erwiderte sie, \u00bbaber ich h\u00f6re es gerne von dir. Als eine Liebhaberin von Nylons, hochhackigen Schuhen und engen Lederr\u00f6cken genie\u00dfe ich es, doppelt deswegen begehrt zu werden.\u00ab<br \/>\nTillmann atmete tief durch. Ihm war warm geworden. Aber er hatte auch mit dem Spiel begonnen, obwohl er wu\u00dfte, da\u00df sie sich beim Flirten nur wenig Hemmungen auferlegte.<br \/>\nMit einem sichtlich zufriedenen L\u00e4cheln, da\u00df sie ihn wieder einmal aus der Reserve gelockt hatte, lehnte sie sich zur\u00fcck.<br \/>\nTillmann wich ihrem Blick aus und sah nach drau\u00dfen. Der Regen hatte aufgeh\u00f6rt.<br \/>\n\u00bbW\u00fcnschen Sie noch etwas\u00ab, erkundigte sich Fran\u00c3\u00a7ois, der wieder an ihren Tisch getreten war.<br \/>\nEr r\u00e4umte Annekathrins leeren Teller weg und warf einen kurzen strengen Blick auf Tillmann, weil dieser seinen Apfelauflauf noch nicht aufgegessen hatte.<br \/>\n\u00bbIch auch, danke. Der Apfelauflauf war einfach k\u00f6stlich, Fran\u00c3\u00a7ois\u00ab, versicherte Annekathrin.<br \/>\n\u00bbDas freut mich\u00ab, erwiderte Fran\u00c3\u00a7ois und entfernte sich.<br \/>\nDer junge Maler und seine sch\u00f6ne Freundin verlie\u00dfen das Lokal. Er hatte z\u00e4rtlich den Arm um ihre Taille gelegt.<br \/>\n\u00bbDie setzen ihr begonnenes Spiel an einem intimeren Ort fort\u00ab, war Annekathrin \u00fcberzeugt.<br \/>\n\u00bbVermutlich\u00ab, erwiderte Tillmann gedankenverloren, w\u00e4hrend er mit den Fingern l\u00e4ngst unter ihrem Rock war, bereits die nackte Haut oberhalb ihrer Strumpfs\u00e4ume streichelte.<br \/>\n\u00bbNoch ein paar Zentimeter weiter und Fran\u00c3\u00a7ois wird sich in Zukunft \u00fcberlegen, ob er uns noch einmal in sein Bistro l\u00e4\u00dft\u00ab, meinte sie fr\u00f6hlich als w\u00fcrde sie das nicht im geringsten st\u00f6ren.<br \/>\nEin wenig schuldbewu\u00dft hielt Tillmann mit seinen Liebkosungen inne. Er h\u00e4tte sich beinahe \u203avergessen\u2039. Annekathrin pre\u00dfte die Schenkel zusammen und hielt seine Hand fest.<br \/>\n\u00bbIch sp\u00fcre gerne deine Hand dort\u00ab, sagte sie.<br \/>\n\u00bbIch w\u00fcrde mich gerne mal wieder von dir mit deinen bestrumpften Zehen massieren lassen\u00ab, sagte er und a\u00df seinen Apfelauflauf mit der Linken auf.<br \/>\n\u00bbIch glaube auch, da\u00df es Zeit f\u00fcr uns ist, den Ort zu wechseln\u00ab, meinte sie mit einem vielsagenden L\u00e4cheln und entlie\u00df Tillmanns Hand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die zweite Kurzgeschichte zum Thema Fetischismus. &nbsp; Wohl oder \u00fcbel w\u00fcrde Tillmann das letzte St\u00fcck Weg laufen m\u00fcssen, wollte er nicht bis auf die Haut durchn\u00e4\u00dft werden. Im allgemeinen mochte er den Fr\u00fchlingsregen, aber nicht unbedingt, wenn er sich mittendrin und ohne Schirm befand. 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