{"id":1461,"date":"2010-01-25T20:24:41","date_gmt":"2010-01-25T18:24:41","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1461"},"modified":"2026-04-11T17:32:11","modified_gmt":"2026-04-11T15:32:11","slug":"kurzes-28-die-unnahbare","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1461","title":{"rendered":"Kurzes #28 \u00b7 Die \u203aUnnahbare\u2039"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20140812_0471_800_2.jpg\" \/><\/p>\n<p>\u00bbKennst du eine unnahbare Frau\u00ab, fragte mich Hansegon unvermittelt.<br \/>\n\u00bbWie meinst du das?\u00ab verstand ich nicht so recht, worauf er hinauswollte.<br \/>\nIch setzte meine Tasse Kaffee, die ich gerade zum Mund f\u00fchren wollte, wieder auf die Untertasse zur\u00fcck.<br \/>\n\u00bbIch meine, ob du jemals einer Frau begegnet bist, bei der du sofort wu\u00dftest, da\u00df, egal, was du auch versuchst, du niemals Erfolg haben w\u00fcrdest\u00ab, fuhr er fort.<br \/>\n\u00bbJa, ich erinnere mich an eine, die aus einem katholischen Elternhaus kam und nur als Jungfrau in die Ehe gehen wollte. Oder meinst du die, die sich ausschlie\u00dflich einen wohlhabenden Mann vorstellte?\u00ab beantwortete ich seine Frage alles andere als in seinem Sinne, das sah ich schon an seiner Miene.<br \/>\n\u00bbWitzbold. Nat\u00fcrlich meine ich nicht <i>diese<\/i> Art von Unnahbarkeit.\u00ab<!--more--><br \/>\n\u00bbDas dachte ich mir schon\u00ab, entgegnete ich, leicht entt\u00e4uscht, da\u00df mein, zugeben schaler Witz, keinen gro\u00dfen Anklang bei ihm fand. \u00bbAber ich verstehe trotzdem nicht, worauf du hinaus willst.\u00ab<br \/>\n\u00bbIch meine eine Frau, die etwas wirklich Besonderes ist. Die nicht nur, sagen wir ruhig, sehr sch\u00f6n ist, sondern dar\u00fcber hinaus hochintelligent und eine ganz besondere Ausstrahlung besitzt, vielleicht das, was man fr\u00fcher, als die M\u00e4nner noch Angst vor solchen Frauen hatte, als <i>Femme fatal<\/i> bezeichnete.\u00ab<br \/>\n\u00bbEine <i>Femme fatal<\/i> ist nicht unbedingt unnahbar, oder besser gesagt unerreichbar, eigentlich lebt eine <i>Femme fatal<\/i> davon, da\u00df sie f\u00fcr bestimmte M\u00e4nner durchaus erreichbar ist, wenn sie ihnen auch erst dann ihre Gunst gew\u00e4hrt, sobald sie eine stattliche Vorleistung erbracht haben. In der Regel finanzieller Art. Wobei ich allerdings frech behaupte, da\u00df ein Mann bei einer solchen Frau auch einiges an emotionaler Vorleistung aufbringen mu\u00df. Aber ich vermute langsam, worauf du hinaus willst.\u00ab<br \/>\nWas reichlich voreilig war, denn ich hatte immer noch keinen Schimmer, was er eigentlich sagen wollte.<br \/>\n\u00bbDas wei\u00df ich doch!\u00ab kam mein Exkurs auch nicht besser an. \u00bbLeider f\u00e4llt mir kein anderer Vergleich ein. Ich k\u00f6nnte auch sagen, eine Art Traumfrau, die dir vielleicht einmal im Leben begegnet und von der du wei\u00dft, da\u00df sie sich niemals f\u00fcr dich interessieren wird.\u00ab<br \/>\n\u00bbWie kommst du jetzt darauf?\u00ab nahm ich endlich den beabsichtigten Schluck Kaffee, sicher seiend, da\u00df es noch ein Weilchen dauern w\u00fcrde, ehe er sich verst\u00e4ndlich gemacht hatte.<br \/>\n\u00bbIch las vor kurzem einen Artikel \u00fcber die sogenannten \u203aSupermodels\u2039, die angeblich so viele M\u00e4nner zum Tr\u00e4umen anregen, oder diese Hollywoodschauspielerinnen, die als \u00fcberirdische Sch\u00f6nheit verkauft werden.\u00ab<br \/>\n\u00bbGut, aber du kannst diesen kaum \u00fcberdurchschnittliche Intelligenz bescheinigen, wobei wir den Aspekt der Sch\u00f6nheit besser unter der Rubrik, pers\u00f6nlicher Geschmack, ablegen wollen.\u00ab<br \/>\n\u00bbSicher, mit deiner Sarah k\u00f6nnen die wenigsten schon allein vom Aussehen her konkurrieren, wenn \u00fcberhaupt, eigentlich nur einige europ\u00e4ischen Schauspielerinnen, unter anderem diese Deutsche, ich komme jetzt nicht auf den Namen, so eine dunkelhaarige, du hast vor l\u00e4ngerem noch gesagt, da\u00df man von der sagen kann, da\u00df sie wirklich sch\u00f6n ist.\u00ab<br \/>\n\u00bbIch wei\u00df, wen du meinst, und da mein Namensged\u00e4chtnis auch nicht gerade besser ist, als deines, kann ich dir den Namen leider nicht nennen.\u00ab Tatsache war, da\u00df ich selbst nicht mehr wu\u00dfte, an wen ich damals gedacht hatte, einmal davon abgesehen, da\u00df ich mich gar nicht mehr erinnern konnte, dergleichen \u00fcberhaupt gesagt zu haben. Doch das wollte ich Hansegon gegen\u00fcber nicht unbedingt zugeben. \u00bbAu\u00dferdem brauchst du bei deiner Francesca auch nicht das Licht auszumachen, wenn sie die H\u00fcllen fallen l\u00e4\u00dft.\u00ab<br \/>\n\u00bbSicher, aber gegen deine Sarah kommt auch sie nicht an\u00ab, erkl\u00e4rte er n\u00fcchtern und in keinem sehr schmeichelhaften Tonfall f\u00fcr Francesca.<br \/>\n\u00bbLa\u00df das Francesca lieber nicht h\u00f6ren\u00ab, meinte ich lachend.<br \/>\nFrancesca war eine wirklich h\u00fcbsche Rothaarige, vielleicht ein wenig mollig von der Figur her, mit einem lebhaften Temperament ausgestattet und einer sehr angenehm klingenden Stimme, der man stundenlang lauschen konnte. Und w\u00e4re sie nicht die Freundin eines meiner \u00e4ltesten und besten Freunde und ich nicht mit Sarah liiert, so fiele es mir leicht, mich sterblich in sie zu verlieben, wie der Dichter sagt, und sie auf H\u00e4nden zu tragen; letzteres allerdings mehr im \u00fcbertragenen Sinne zu verstehen.<br \/>\n\u00bbIst auch gleich\u00ab, sagte er mit einer wegwischenden Handbewegung. \u00bbDarum geht es nicht. Obwohl Sarah auch ein wenig unnahbar wirkt, wie ich finde. Doch meine ich eine, die, wie ich schon sagte, hochintelligent und bildsch\u00f6n ist und \u00fcber eine besondere Pers\u00f6nlichkeit, eine gewisse Ausstrahlung verf\u00fcgt. Jetzt lache nicht, aber mit f\u00e4llt nur der Vergleich mit einer G\u00f6ttin als zutreffend ein.\u00ab<br \/>\n\u00bbIch sehe keinen Grund zu lachen\u00ab, versicherte ich ihm unger\u00fchrt und a\u00df ein St\u00fcck Erdbeerkuchen.<br \/>\nLachen war nicht ganz die Reaktion, die ich im Sinne hatte, mir schwebte eher ein verhaltenes Schmunzeln vor. Man mu\u00dfte ihm solche Metaphern nachsehen, seine fortw\u00e4hrende berufliche Besch\u00e4ftigung mit der Literatur und der Kultur des sp\u00e4ten neunzehnten Jahrhunderts hatte un\u00fcbersehbar ihre Spuren hinterlassen.<br \/>\n\u00bbDu verstehst jedenfalls, worauf ich hinaus will\u00ab, schien er sich sicher zu sein, da\u00df ich langsam hinter seine Absicht gekommen war.<br \/>\n\u00bbAuf eine Wunschfrau, die es, rein theoretisch, zwar gibt, von der man aber wei\u00df, da\u00df sie einem niemals begegnen wird, oder wenn man ihr dennoch begegnen sollte, da\u00df sie sich nie f\u00fcr einen interessieren wird, weil man ihr nicht ebenb\u00fcrtig ist, auf welchem Gebiet ist dabei erst einmal nebens\u00e4chlich. Wie der pubertierende J\u00fcngling, der sich in seine attraktive, junge Philosophieleherin verliebt, die gl\u00fccklich mit einem Mathematiker verheiratet ist\u00ab, konnte ich mich eines leicht ironischen Untertons nicht erwehren. \u00bbAlso, vereinfacht gesagt, da\u00df ein mittelgro\u00dfer, unscheinbarer, durchschnittlich gebildeter Mann, der auch ein durchschnittlicher Liebhaber ist, an keine sch\u00f6ne und kluge Frau gelangen kann.\u00ab<br \/>\n\u00bbEin krasser Vergleich, aber das in etwa meine ich\u00ab, schien er sich zufrieden zugeben. \u00bbUm noch einmal auf meine Frage zur\u00fcckzukommen: kennst du eine solche Frau?\u00ab<br \/>\n\u00bbKennst denn <i>du<\/i> eine solche?\u00ab antwortete ich mit einer Gegenfrage, vor allem um Zeit zum Nachdenken zu bekommen. \u00bbAbgesehen davon, k\u00f6nnte es sein, da\u00df du seit neuestem unter einem mangelnden Selbstwertgef\u00fchl leidest?\u00ab<br \/>\n\u00bbWarum?\u00ab blickte er mich leicht irritiert an.<br \/>\n\u00bbWarum sonst k\u00f6nntest du auf solche Gedanken kommen?\u00ab<br \/>\n\u00bbIch mu\u00dfte in der letzten Zeit wieder h\u00e4ufiger an ein Jugenderlebnis denken\u00ab, erwiderte er und wich meinem Blick aus. \u00bbIch war f\u00fcnfzehn und Julia eine Klasse \u00fcber mir und wohl das h\u00fcbscheste M\u00e4dchen der ganzen Schule. Ihre Eltern wohnten nicht weit von uns in einem gro\u00dfen Haus, ihr Vater war ein sehr erfolgreicher Architekt, ihre Mutter eine gutaussehende Dozentin f\u00fcr moderne Philologie, Julia war die Klassenbeste und behielt eigentlich zu allen Distanz, soweit ich mich erinnere. Na ja, du wei\u00dft ja, ich war da noch ein schm\u00e4chtiger J\u00fcngling, nicht gerade der Traum eines M\u00e4dchens in dem Alter.\u00ab<br \/>\n\u00bbDa du gerade eine von ungez\u00e4hlten Situationen gleicher Art schilderst, wie sie vielen Jungen in deinem Alter passiert ist, gilt diese nicht\u00ab, unterbrach ich ihn. \u00bbDenn ich bin mir sicher, da\u00df du es bei dieser Julia erst gar nicht versucht hast.\u00ab<br \/>\n\u00bbSo betrachtet, hast du eigentlich recht. Es war auch nur eine kurze Schw\u00e4rmerei, die wenig sp\u00e4ter verschwand, als ich meine erste Beziehung hatte. Sie zwar nicht so sch\u00f6n und auch nicht so klug, aber warmherzig und liebenswert. Sie, ich meine Julia, ist dann wenig sp\u00e4ter mit einem ziemlich unscheinbaren Jungen gegangen, der in allem reichlich durchschnittlich war. Das einzig herausragende an ihm, war das \u00fcppige Bankkonto seines Vaters, eines Managers in einem gro\u00dfen Konzern, bei welchem habe ich aber vergessen.\u00ab F\u00fcr mich schwang eine nicht zu \u00fcberh\u00f6rende Schadenfreude mit.<br \/>\n\u00bbAlso, dann war diese Julia doch nicht etwas so Besonderes\u00ab, meinte ich nur mit einem Achselzucken.<br \/>\n\u00bbJa, vermutlich\u00ab, erwiderte er und schien mit den Gedanken bereits bei einem anderen Thema zu sein. Nach einer Pause fuhr er fort: \u00bbNat\u00fcrlich kann diese besondere Ausstrahlung, die ich meine, erst eine erwachsene Frau haben. &ndash; Aber du scheinst meiner Frage auszuweichen.\u00ab<br \/>\n\u00bbNat\u00fcrlich kenne ich eine solche\u00ab, wollte ich diesen Vorwurf nicht auf mir sitzen lassen, der so unberechtigt, wie ich den Anschein geben wollte, gar nicht war.<br \/>\n\u00bbDu?\u00ab sah er mich nun ungl\u00e4ubig an. Er schien wohl mit keiner meiner Antworten zufrieden zu sein. \u00bbIch dachte immer, ein Dichter deiner Reputation kann <i>jede<\/i> haben.\u00ab<br \/>\n\u00bbDanke f\u00fcr die Blumen\u00ab, meinte ich trocken, da es bei n\u00e4herer Betrachtung ein reichlich zweifelhaftes Kompliment war. \u00bbWarum fragst du mich eigentlich, wenn du mir dann doch nicht glauben willst?\u00ab<br \/>\n\u00bbTut mir leid, aber vermutlich kenne ich dich zu gut, so da\u00df ich mir nicht vorstellen kann, da\u00df eine solche Frau an dir nicht interessiert sein k\u00f6nnte. Tu einfach so, als h\u00e4ttest du meine Reaktion nicht vernommen. &ndash; Kennst du eine solche?\u00ab<br \/>\n\u00bbNat\u00fcrlich. Sarah.\u00ab<br \/>\nEs war un\u00fcbersehbar, da\u00df er mit dieser Antwort noch weniger gerechnet hatte, denn er schaute mich mehr als erstaunt an.<br \/>\nIn seinem Gesicht war die \u00dcberzeugung zu lesen, da\u00df ich mich entschlossen hatte, ihn wirklich zu foppen.<br \/>\n\u00bbGut, Sarah ist eine bildsch\u00f6ne <i>und<\/i> eine hochintelligente Frau. Aber doch keine unnahbare. Das nehme ich dir nicht ab. Sie ist doch warmherzig und freundlich und liebenswert, ja sie macht auf mich einen eher bescheidenen, zur\u00fcckhaltenden Eindruck. Sie wei\u00df zwar, was sie will, aber sie w\u00fcrde niemals jemanden \u00fcberrennen, oder ihn herablassend behandeln.\u00ab<br \/>\n\u00bbErinnere mich daran, da\u00df ich nachher noch an der Apotheke vorbeigehe und eine gro\u00dfe Schachtel Aspirin kaufe\u00ab, unterbrach ich ihn wie beil\u00e4ufig.<br \/>\n\u00bbWarum\u00ab, sah er mich irritiert an, da ich ihm mitten in seine Eloge gefallen war.<br \/>\n\u00bbF\u00fcr Sarah. Ein Heiligenschein, wie du ihn ihr zugestehst, mu\u00df ganz sch\u00f6n dr\u00fccken.\u00ab<br \/>\nEr murmelte etwas wenig Schmeichelhaftes, dann fuhr er fort, als h\u00e4tte ich nichts gesagt, wenn auch ein wenig erdverbundener: \u00bbJedenfalls wird sie sich kaum mit einem Mann einlassen, der ihr nicht in gewisser Weise ebenb\u00fcrtig ist. Aber das allein macht noch nicht Unnahbarkeit aus.\u00ab<br \/>\n\u00bbJa, weil du sie kennst. Aber wei\u00dft du, wie <i>andere<\/i> sie sehen?\u00ab gab ich ernsthaft zu bedanken.<br \/>\n\u00bbNat\u00fcrlich nicht\u00ab, gab er ein wenig kleinlaut zu, wohl weil meine Erwiderung ein wenig zu barsch geklungen hatte. \u00bbDennoch glaube ich dir nicht so recht.\u00ab<br \/>\n\u00bbWeil du nicht wei\u00dft, wie Sarah und ich uns kennengelernt haben. Du warst schlie\u00dflich zu der Zeit f\u00fcr zwei Jahre in Venedig. Wo du \u00fcbrigens deiner Francesca begegnet bist.\u00ab<br \/>\n\u00bbDas war auch mit das Beste an meinem Venedigaufenthalt\u00ab, meinte er grinsend.<br \/>\n\u00bbDas meint der hiesige Museumsdirektor auch, denn mit ihr hat er eine Expertin f\u00fcr die Venezianische Malerei des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts bekommen.\u00ab<br \/>\n\u00bbUm auf <i>deine<\/i> Sarah zur\u00fcckzukommen\u00ab, ging Hansegon nicht weiter darauf ein, da er eine Retourkutsche seines Lobliedes auf Sarah bef\u00fcrchtete.<br \/>\n\u00bb<i>Meine<\/i> Sarah stand sehr wohl in dem Ruf eine unerreichbare Frau zu sein. Du glaubst gar nicht, wie viele gerne mit ihr angebandelt h\u00e4tten, aber sie zeigte allen die kalte Schulter und es waren nicht gerade unsympathische Typen darunter. Manche hielten sie schon f\u00fcr lesbisch. Aber sie wurde auch nicht auf eine Weise in Begleitung von Frauen gesehen, da\u00df man eine Best\u00e4tigung daf\u00fcr fand.\u00ab Und vers\u00f6hnlich f\u00fcgte ich hinzu: \u00bbWas du \u00fcber sie vorhin sagtest, stimmt zwar in den wesentlichen Punkten. Doch neigt sie auch dazu, in einer Umgebung, in der, sagen wir einmal, Empfindsamkeit als Schw\u00e4che ausgelegt werden kann, oder M\u00e4nnern gegen\u00fcber, die einfach nur mit ihr zusammensein wollen, weil sie zu den Frauen z\u00e4hlt, die das Ansehen eines erfolgreichen Mannes noch ein weiteres St\u00fcckchen anheben, oder einfach nur mit ihr v\u00f6geln  wollen, weil sie besser aussieht als andere, auf Distanz zu gehen, ja bis hin zu k\u00fchler Ablehnung.\u00ab<br \/>\n\u00bbTrotzdem kann ich nicht recht glauben, was du \u00fcber Sarah sagst\u00ab, erschien ihm dies auf den ersten Blick als zu ein zu widerspr\u00fcchliches Bild.<br \/>\n\u00bbWas ich \u00fcber Sarah sage, stimmt aber, mein Lieber\u00ab, sagte ich streng.<br \/>\n\u00bbIhr sprecht \u00fcber mich\u00ab, ert\u00f6nte pl\u00f6tzlich Sarahs warme Stimme hinter uns.<br \/>\nWir fuhren beide schuldbewu\u00dft zusammen, als h\u00e4tten wir hemmungslos \u00fcber sie hergezogen. Ich wagte nicht zu fragen, was sie von unserer Unterhaltung mitbekommen hatte.<br \/>\nSie gab mir einen z\u00e4rtlichen Ku\u00df und setzte sich neben mich. Sie schlug die sch\u00f6nen langen zartbestrumpften Beine mit damenhafter Eleganz \u00fcbereinander, wobei sie, scheinbar unbeabsichtigt, ihren dunkelblauen engen Lederrock soweit hochrutschen lie\u00df, da\u00df ich durch den seitlichen Schlitz einen Streifen ihres Strumpfsaumes sehen konnte.<br \/>\nDas war eines der kleinen Rituale, die wir in der \u00d6ffentlichkeit so sehr mochten. Sarahs Vorliebe f\u00fcr schicke Lederbekleidung, zarte Nylons und hochhackige Schuhe wurden von den meisten in unserem Freundes- und Bekanntenkreis als modische Extravaganz angesehen, doch war es f\u00fcr Sarah mehr als das &ndash; eine Passion, denn nur darin f\u00fchlte sie sich wirklich wohl und nicht nur im Alltag.<br \/>\nIch legte z\u00e4rtlich die Recht auf ihren Schenkel, das weiche Leder unter den Fingern lie\u00df mich ein wohlig sinnliches Gef\u00fchl durchstr\u00f6men. Sarah strich mir kurz z\u00e4rtlich mit dem Handr\u00fccken \u00fcber die Wange, dann fragte sie Hansegon: \u00bbWas macht Francesca?\u00ab<br \/>\n\u00bbSie versucht noch immer, sich an mich zu gew\u00f6hnen\u00ab, entgegnete er nicht sehr ernsthaft, aber doch mit liebevollem Unterton.<br \/>\nIhm war anzusehen, da\u00df er sich fragte, ob ich ihm keinen B\u00e4ren aufgebunden hatte.<br \/>\nAn der Sarah, die er kannte, war auch nichts scheinbar Unnahbares. Da hatte er recht. Aber er kannte schlie\u00dflich nicht die Ursache, warum sie sich seinerzeit so verhalten hatte.<br \/>\nIch kann nicht sagen, warum ich selbst Hansegon verschwiegen habe, da\u00df gerade Sarahs besondere Vorliebe f\u00fcr Lederbekleidung der Hauptgrund daf\u00fcr gewesen war. Leider hatte sie zu oft erleben m\u00fcssen, da\u00df ein Mann, f\u00fcr den sie sich interessierte, auf Distanz gegangen war, als er erfuhr, da\u00df sie Leder eben nicht nur aus modischer Extravaganz heraus trug, sondern vor allem, weil es f\u00fcr sie ein starkes sexuelles Stimulantia war. Es war f\u00fcr sie nie eine Frage, wie wichtig ihr das Tragen von Leder beim Sex war, denn sie versp\u00fcrte nicht die geringste Lust darauf zu verzichten. Ein \u00bbOhne\u00ab gab es f\u00fcr sie einfach nicht, darin war sie kompromi\u00dflos, und meines Erachtens hat nicht zuletzt diese Kompromi\u00dflosigkeit einen betr\u00e4chtlichen Teil zu der Ablehnung beigetragen, die sie hatte erfahren m\u00fcssen. Sie trennte nicht zwischen Lederbekleidung f\u00fcr den Alltag und Lederbekleidung f\u00fcr intime Stunden. Kaufte sie sich etwas Neues, dann zog sie es zuerst beim Sex an, um es sozusagen \u00bbeinzuweihen\u00ab.<br \/>\nEs ist wohl meine prinzipielle Aufgeschlossenheit gegen\u00fcber neuen Erfahrungen zu verdanken, da\u00df ich Sarahs \u00bbGest\u00e4ndnis\u00ab ihres ausgepr\u00e4gten Lederfetischs mit Neugier aufgenommen hatte, obwohl es in einer Weise vorbrachte, die keinen Zweifel an ihrer \u00dcberzeugung lie\u00df, da\u00df auch ich ihre Passion keinesfalls akzeptieren w\u00fcrde und wie die andere zuvor, mich h\u00f6flich aber entschieden empfehlen w\u00fcrde. Ihr Erstaunen, da\u00df ich ihre Vorliebe vorbehaltlos akzeptierte und es f\u00fcr mich \u00fcberhaupt kein Hindernis f\u00fcr eine Beziehung darstellte, war ehrlich gewesen und hatte mich nicht wenig am\u00fcsiert. Als ich schlie\u00dflich erleben durfte, welchen Genu\u00df sie beim Sex in ihrer geliebten Lederbekleidung erlebte, kam ich nicht mehr einen Augenblick auf den Gedanken, in ihrer Vorliebe irgend etwas \u00bbMerkw\u00fcrdiges\u00ab darin zu sehen.<br \/>\nGedankenverloren streichelte ich \u00fcber ihren Schenkel. Sarah, legte z\u00e4rtlich die Hand auf meine, und lie\u00df sie dort, w\u00e4hrend sie sich mit Hansegon unterhielt.<br \/>\nVielleicht w\u00fcrde ich ihm doch eines Tages erz\u00e4hlen, was es mit der von mir erw\u00e4hnten Unnahbarkeit auf sich hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbKennst du eine unnahbare Frau\u00ab, fragte mich Hansegon unvermittelt. \u00bbWie meinst du das?\u00ab verstand ich nicht so recht, worauf er hinauswollte. 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