{"id":1537,"date":"2010-03-06T03:18:10","date_gmt":"2010-03-06T02:18:10","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1537"},"modified":"2026-04-11T17:58:48","modified_gmt":"2026-04-11T15:58:48","slug":"kurzes-32-nachtliche-schritte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1537","title":{"rendered":"Kurzes #32 \u00b7 N\u00e4chtliche Schritte"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20160516_008_800_2.jpg\" \/><\/p>\n<p><i>Der folgende Text ist ein kurzer Auszug des Roman <\/i>\u00bbAdalberts Erbe\u00ab. <i>Zur Zeit noch in Bearbeitung.<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Nacht schlief Malte unruhig. Er hatte die T\u00fcr zu seinem Zimmer geschlossen als f\u00fcrchtete er, die Leere im Haus k\u00f6nnte in der Nacht auch sein Zimmer besetzen.<br \/>\nZuvor hatte er lange wach gelegen, versucht sich mit einem Buch abzulenken. Das Fenster hatte er leicht ge\u00f6ffnet gelassen. Von den verwilderten Str\u00e4uchern, die vor dem Haus wuchsen, stieg s\u00fc\u00dflich herber Duft ins Zimmer. Das Zirpen der Grillen war in der Stille gut zu vernehmen &ndash; ein Ger\u00e4usch, das er in der Stadt vermi\u00dfte. Das Laub der beiden Buchen rauschte leise im seichten Nachtwind.<br \/>\nEs war ihm gelungen zwei Seiten an einem St\u00fcck in seinem Buch zu lesen &ndash; er hatte sich jenen Band mit orientalischen M\u00e4rchen aus der Bibliothek geholt &ndash; als ihn n\u00e4herkommende Schritte aufhorchen lie\u00dfen. Normalerweise gew\u00f6hnliche Ger\u00e4usche wie das Vorbeifahren eines Autos oder Schritte auf dem Pflaster waren zu n\u00e4chtlicher Stunde in dieser Seitenstra\u00dfe derart selten, da\u00df sie sofort aufhorchen lie\u00dfen.<!--more--><br \/>\nVerst\u00e4ndlich, da\u00df das langsam n\u00e4herkommende rhythmische Klacken hoher Abs\u00e4tze auf Betonplatten seine Aufmerksamkeit weckte. Sofort stellte er sich von einem Schmunzeln begleitet vor &ndash; da ihm seine Vorstellung etwas reichlich klischeehaft erschien &ndash;, wie diese Frau von ihrem Liebhaber kam, noch ganz in der Erinnerung an die angenehmen sinnlichen und erf\u00fcllten Stunden, noch den Geruch des Geliebten am K\u00f6rper.<br \/>\nDoch so richtig wollte ihm eine romantische Vorstellung nicht gelingen. Zu sehr war er mit den Gedanken bei seinem verstorbenen Patenonkel, zudem machte ihm die bereits vor \u00fcber drei Monaten erfolgte Trennung von einer Frau nach beinahe dreij\u00e4hriger Beziehung immer noch zu schaffen. Zwar hatte das Ende ihrer Beziehung sich durchaus lange zuvor angek\u00fcndigt, obwohl er es damals nicht hatte wahrhaben wollen, aber als sie dann doch die Beziehung beendete, hatte es ihn \u00fcberrascht und geschmerzt, obwohl ihm bewu\u00dft war, da\u00df er eigentlich nur noch Freundschaft f\u00fcr sie empfunden hatte. Dennoch lauschte Malte weiterhin den sich n\u00e4hernden Schritten, bis deren Urheberin entweder vorbei oder in eines der umliegenden H\u00e4user gegangen w\u00e4re.<br \/>\nAls die Schritte ungef\u00e4hr auf der H\u00f6he seines Hauses angelangt waren, verstummten sie pl\u00f6tzlich. Die Frau war offenkundig stehen geblieben. Vermutlich war das Haus gegen\u00fcber ihr Ziel und in wenigen Augenblicken w\u00fcrde er dessen T\u00fcr gehen h\u00f6ren, wenn sie diese nicht so leise schlo\u00df, da\u00df er nichts davon mitbekam.<br \/>\nDoch blieb das Ger\u00e4usch einer ins Schlo\u00df gezogenen Haust\u00fcr aus. Nach wenigen Minuten, einem bedeutend l\u00e4ngeren Zeitraum als selbst in der un\u00fcbersichtlichsten Tasche ben\u00f6tigt wurde, um nach dem Hausschl\u00fcssel erfolgreich zu suchen, vermutete er, da\u00df sie wirklich die Haust\u00fcr so leise geschlossen hatte, da\u00df es ihm entgangen war. Mit einem gleichg\u00fcltigen Achselzucken versuchte er sich wieder auf sein Buch zu konzentrieren.<br \/>\nEr hatte kaum einen weiteren Absatz gelesen, da erinnerte er sich pl\u00f6tzlich an die Sch\u00f6ne vom Friedhof am Nachmittag, die er fast vergessen hatte. Eine interessante Frau, keine Frage. Schade, da\u00df man Frauen wie ihr eher selten begegnet auch in der Stadt, wo sie doch h\u00e4ufiger anzutreffen sein sollten. Zumindest mu\u00dfte sie beruflich erfolgreich sein, um sich in ihrem Alter bereits derart teure Garderobe leisten zu k\u00f6nnen. Wenn es nun diese Frau war, deren Schritte er vorhin geh\u00f6rt hatte? F\u00fcr einen Moment formte sich vor seinem geistigen Augen das Bild, wie sie die H\u00e4nde in den Taschen ihrer langen Lederjacke &ndash; ohne dunkle Brille &ndash; gem\u00e4chlich durch seine Stra\u00dfe ging, entlang der hohen Mauer vor seinem Haus. Doch er verwarf dieses Bild sofort, wenn auch nicht ohne Bedauern. Aber dann m\u00fc\u00dfte sie ja vor seinem Tor stehengeblieben sein und noch immer dort stehen, wof\u00fcr es nun wirklich nicht den geringsten Grund gab. Jene n\u00e4chtliche Spazierg\u00e4ngerin von vorhin konnte jedoch nur auf der gegen\u00fcberliegenden Seite geschritten und ins Haus gegen\u00fcber gegangen sein, alles andere w\u00e4re unrealistisch.<br \/>\nMalte atmete tief durch, bedauerte es ein wenig, wie banal das Leben leider nur allzuoft ist, und widmete sich wieder seinem Buch.<br \/>\nEr las einen weiteren Absatz und noch einen und schon hatte er wieder zwei Seiten geschafft. Doch so richtig m\u00fcde wurde er nicht, obwohl er am Morgen ungewohnt fr\u00fch aufgestanden war, und keine der N\u00e4chte, seit er den Brief vom alten Notar erhalten, wirklich durchgeschlafen hatte.<br \/>\nDa erschollen die Schritte unmittelbar nach einem leichten Scharren auf dem Pflaster von neuem und entfernten sich langsam, und wie es ihm schien &ndash; nachdenklich; insofern man Stimmungen anhand von Schrittger\u00e4uschen beurteilen kann. Die Frau war also nicht in das Haus gegen\u00fcber gegangen, sondern mu\u00dfte die ganze Zeit \u00fcber auf dem Gehweg vor seinem oder dem gegen\u00fcberliegenden Haus gestanden haben. Wie ein leichter Schock durchfuhr es ihn, da\u00df seine wilde Spekulation vielleicht gar keine solche sein k\u00f6nnte. Doch er verwarf den Gedanken sofort wieder, schlie\u00dflich war er noch nie ein Anh\u00e4nger des Solipzismus gewesen.<br \/>\nMalte warf einen Blick auf die Uhr. Es war sp\u00e4ter als er vermutet hatte. Er versuchte sich zu erinnern, wann die Schritte pl\u00f6tzlich verstummt waren, konnte sich aber nur ungef\u00e4hr daran erinnern. Wie dem auch sei, sie mu\u00dfte ann\u00e4hernd eine Stunde vor dem Haus gestanden, ohne sich ger\u00fchrt zu haben. Das war auch ohne seine romantische Phantasie eigenartig genug. Warum stand jemand mitten in der Nacht &ndash; selbst wenn es eine angenehme Fr\u00fchlingsnacht war &ndash; vor einem Haus ohne hineinzugehen? Es sei denn, er wartete auf jemanden &ndash; aber kaum mitten in der Nacht und fast eine Stunde lang. Wenn sich innerhalb der zur\u00fcckliegenden Jahre nichts ge\u00e4ndert hatte, wohnte im Haus gegen\u00fcber nur ein altes Ehepaar, in den H\u00e4usern rechts und links daneben ein pensionierter Arzt und ein \u00e4lterer Architekt mit seiner Frau, die Kinder waren erwachsen und schon ein Jahr bevor Malte das letzte Mal hier zu Besuch gewesen war, ausgezogen. Wenn diese Frau Gast in einem dieser H\u00e4user war, warum war sie dann nicht hineingegangen?<br \/>\nMalte sch\u00fcttelte den Kopf. Was ging es ihn an? Ganz gleich was ihm zu diesem Thema einfiel; es waren in jedem Fall reine Spekulationen, eine so wahrscheinlich oder unwahrscheinlich wie die andere. Schlie\u00dflich wu\u00dfte er nichts \u00fcber diese Frau und ihre Gr\u00fcnde, warum sie solange auf dem Gehweg gestanden hatte.<br \/>\nMalte mu\u00dfte herzhaft g\u00e4hnen. Die M\u00fcdigkeit schien letztlich doch ihren Tribut zu fordern. Er schlug das Buch zu und legte es auf den Nachttisch. Dann schaltete er die Nachttischlampe aus. Im Dunkeln liegend &ndash; die Stra\u00dfenlaterne, die unweit seiner Einfahrt stand, erhellte das Zimmer schwach &ndash; dachte er nur noch kurz an die vermeintlich mysteri\u00f6sen Schritte, bis sie wieder der geheimnisvollen Person mit der er das Erbe seines Patenonkels teilen sollte, Platz machten; das war in Maltes Augen wirklich mysteri\u00f6s.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Text ist ein kurzer Auszug des Roman \u00bbAdalberts Erbe\u00ab. Zur Zeit noch in Bearbeitung. &nbsp; W\u00e4hrend der Nacht schlief Malte unruhig. Er hatte die T\u00fcr zu seinem Zimmer geschlossen als f\u00fcrchtete er, die Leere im Haus k\u00f6nnte in der Nacht auch sein Zimmer besetzen. Zuvor hatte er lange wach gelegen, versucht sich mit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[37,32,36],"tags":[42,38,41,57],"class_list":["post-1537","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kurze-geschichten","category-literarisches","category-werkstatt","tag-bucher","tag-kurzgeschichten","tag-literatur","tag-werkstatt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1537"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1537\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8384,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1537\/revisions\/8384"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}