{"id":1544,"date":"2010-03-07T03:09:54","date_gmt":"2010-03-07T01:09:54","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1544"},"modified":"2026-04-11T18:01:52","modified_gmt":"2026-04-11T16:01:52","slug":"kurzes-33-fruhling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1544","title":{"rendered":"Kurzes #33 \u00b7 Fr\u00fchling"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20160411_047_800_2.jpg\" \/><\/p>\n<p>Er war noch nicht vollst\u00e4ndig aufgewacht, da wu\u00dfte er bereits, da\u00df dieser Tag etwas Besonderes besa\u00df. Ein leises Gl\u00fccksgef\u00fchl durchstr\u00f6mte ihn, als habe sich etwas ereignet, das er schon lange herbeigesehnt hatte. Voll Elan sprang er aus dem Bett und zog die Vorh\u00e4nge zur\u00fcck. Morgendliches Sonnenlicht flutete ins Zimmer. Er mu\u00dfte kurz die Augen schlie\u00dfen, denn die Helligkeit schmerzte seine noch ans Halbdunkel gew\u00f6hnten Augen. Dann ri\u00df er f\u00f6rmlich das Fenster auf. Milde W\u00e4rme str\u00f6mte ins Zimmer, begleitet vom Gesang der V\u00f6gel und einem leicht s\u00fc\u00dflich herben Aroma. &ndash; Der Fr\u00fchling war endlich da!<!--more--><br \/>\nEr kam nicht wirklich \u00fcberraschend. Angek\u00fcndigt hatte er sich ja bereits, doch bisher eher zaghaft, als traute er sich nach dem zur\u00fcckliegenden harten Winter nicht so recht nach drau\u00dfen, f\u00fcrchtete sich davor, da\u00df der Winter allzu entschlossen seinen Platz verteidigen k\u00f6nnte, obwohl seine Zeit l\u00e4ngst abgelaufen war. Doch hatte er sich in den letzten Wochen ja wiederholt aufgeb\u00e4umt, als man bereits dachte, er sei nun endlich vorbei.<br \/>\nAber dieser Morgen lie\u00df keinen Zweifel mehr zu; der Fr\u00fchling hatte endg\u00fcltig den Sieg davon getragen.<br \/>\nNachdem er die notwendigen morgendlichen Verrichtungen erledigt hatte, beschlo\u00df er einen langen Spaziergang durch den nahegelegenen Stadtpark zu machen. Den ersten richtigen Fr\u00fchlingstag in einem geschlossenen Raum zu verbringen, erschien ihm als Frevel. Er nahm lediglich ein Buch mit.<br \/>\nKaum stand er vor dem Haus, fuhr ihm der Fr\u00fchling schon durch alle Glieder. Die W\u00e4rme, das Licht weckte Euphorie in ihm. Er schritt fr\u00f6hlich aus.<br \/>\nAber nicht nur ihm ging es so. Alle Menschen, denen er begegnete, schienen \u00e4hnlich zu empfinden. Nichts M\u00fcrrisches lag mehr auf ihren Gesichtern. Nicht der Drang, sich nur so lange als n\u00f6tig drau\u00dfen aufzuhalten, keine hochgeschlagenen Mantelkragen mehr, keine in die Stirn gezogen M\u00fctzen, keine dicken Schals, die kaum noch etwas vom Gesicht sehen lie\u00dfen, keine dicken Handschuhe, kurzum, keine bis zur Unf\u00f6rmigkeit vermummten Gestalten in dicken derben Schuhen. Leichte Kleider, farbenfrohe Stoffe, leichte Schuhe beherrschten das Stadtbild.<br \/>\nZu Beginn des Fr\u00fchlings wunderte er sich immer wieder aufs neue, wie viele gutaussehende Frauen es gab, wie chic sie waren, wie leicht ihr Gang war. Wo waren sie den Winter \u00fcber? Wenn es nicht so albern w\u00e4re, w\u00fcrde er behaupten, da\u00df sie Winterschlaf hielten. Sie waren selbstverst\u00e4ndlich auch im Winter da, nur war unter den dicken Schichten von Wolle und Stoff nichts von ihnen zu erkennen.<br \/>\nEr bevorzugte keinen bestimmten Typ. Ausstrahlung war f\u00fcr ihn wichtiger als die \u00dcbereinstimmung mit irgendeinem &ndash; von den Medien &ndash; vorgegebenen Sch\u00f6nheitsideal. Einer Frau, die mit sich selbst im Einklang ist, die ihren K\u00f6rper vorbehaltlos akzeptiert, die seine St\u00e4rken kennt aber die &ndash; vermeintlichen &ndash; Schw\u00e4chen nicht leugnet, strahlt ohnehin eine Faszination aus, der sich kaum jemand entziehen kann, am wenigsten er.<br \/>\nW\u00e4hrend sich die Knospen bisher eher z\u00f6gerlich entfaltet hatten, als zweifelten sie, ob sie sich bereits nach drau\u00dfen wagen konnten, entfalteten sie sich nun geradezu hemmungslos.<br \/>\nDer Stadtpark war belebt wie schon lange nicht mehr in den zur\u00fcckliegenden Monaten. Man schlenderte gemeinsam oder allein \u00fcber die gepflegten Wege, Kinder l\u00e4rmten fr\u00f6hlich, die Erwachsenen sprachen angeregt und entspannt miteinander. Manch einer sa\u00df auf einer der vielen B\u00e4nke oder mitten auf den Rasenfl\u00e4chen, las in einem Buch oder einer Zeitung oder hatte die Augen geschlossen, sa\u00df entspannt zur\u00fcckgelehnt, lie\u00df sich von der Fr\u00fchlingssonne bescheinen und hing seinen Gedanken nach.<br \/>\nEr setzte sich auf eine der wenigen freien B\u00e4nke, halb im Schatten eines gro\u00dfen Strauches, der fast vollst\u00e4ndig erbl\u00fcht war und ein intensives angenehmes, fast aphrodisisches Aroma verstr\u00f6mte. Er setzte sich nur ungern auf eine Bank, auf der schon jemand sa\u00df, dabei war er alles andere als sch\u00fcchtern. Doch es ihm war einfach lieber, der Zufall f\u00fchrte jemand zu ihm. Selbst wenn bereits jemand dort sa\u00df, mit dem er gerne ein Gespr\u00e4ch begonnen h\u00e4tte. Wie beispielsweise die attraktive Br\u00fcnette auf der Bank schr\u00e4g gegen\u00fcber, die selbstversunken und entspannt zur\u00fcckgelehnt, in einem Buch lesend, sa\u00df, die sch\u00f6nen langen Beine leger \u00fcbereinandergeschlagen, die schwarzumrandete Brille bis auf die Nasenspitze geschoben. Hin und wieder umspielte ein leises Lachen ihre vollen Lippen. Gem\u00e4chlich bl\u00e4tterte sie die Seiten um. Sie schien ihre Umgebung vollst\u00e4ndig vergessen zu haben.<br \/>\nEr schlug gleichfalls sein Buch auf, doch er las nicht, er betrachtete sie lieber. Ihre Selbstvergessenheit erm\u00f6glichte es ihm, das in aller Ruhe zu tun.<br \/>\nEr betrachtete sie mit den Augen des Bewunderers nicht mit denen des Eroberers, der zuerst das Terrain sondiert, um seine m\u00f6glichen Chancen herauszufinden. Ein Bewunderer erfreut sich bereits am Anblick des Sch\u00f6nen und Reizvollen. Er schaut aber auch unter die Oberfl\u00e4che, ja ihm gef\u00e4llt es, wenn sich das Sch\u00f6ne, das Reizvolle nicht auf den ersten Blick erschlie\u00dft, das Oberfl\u00e4chliche ist seine Sache nicht. Denn allzu leicht erweist sich Oberfl\u00e4chliches schnell als das was es ist. Oberfl\u00e4chliches stellt ohnehin nur den fl\u00fcchtigen Betrachter zufrieden, der gar kein Bed\u00fcrfnis hat, den Dingen auf den Grund zu gehen.<br \/>\nManch einem w\u00e4re die Frau gegen\u00fcber zu \u00fcppig oder gar zu alt erschienen. Alt f\u00fcr jemanden, der einem Jugendwahn huldigt. Alt war sie keineswegs, allenfalls eine Frau im besten Alter, aber auch das hat etwas Abwertendes, beinhaltet es doch, da\u00df sich ihre \u00bbbesten\u00ab Jahre bald dem Ende n\u00e4hern und die Rolle der Matrone ihr besser steht als die der Liebhaberin. Doch ist erotische Ausstrahlung nicht vom Alter abh\u00e4ngig.<br \/>\nSein Gegen\u00fcber mochte irgendwo in den Vierzigern sein, aber das war letztlich nebens\u00e4chlich. In ihrem dichten kastanienbraunen Haar zeigten sich nur vereinzelt graue Str\u00e4hnen, die nur bei n\u00e4herem Hinsehen ins Auge fielen. Die kleinen Lachf\u00e4ltchen um die dunklen Augen machten sie h\u00f6chstens reizvoller. Ihre Make-up war dezent und betonte ihre sch\u00f6nen dunklen Augen und die weichen Lippen.<br \/>\nSie strich sich eine Str\u00e4hne aus der Stirn, die ein leichter Wind dorthin geweht hatte und schlug gem\u00e4chlich eine weitere Seite um, wippte dabei leicht mit dem freien Fu\u00df und scharrte mit dem anderen kurz \u00fcber den Boden, was seinen Blick unwillk\u00fcrlich auf ihre Beine zog.<br \/>\nKein Zweifel, sie wu\u00dfte um die Sch\u00f6nheit ihrer langen Beine. Der enge schwarze Satinrock mit dem breiten schwarzen Lackg\u00fcrtel, der ihre Taille schmaler erscheinen lie\u00df als sie war, war gerade so lang, da\u00df er noch als \u00bbz\u00fcchtig\u00ab durchgehen konnte, aber doch so kurz, da\u00df er einen Blick auf ihre muskul\u00f6sen Schenkel und zugleich der Phantasie genug Raum bot. Und doch war er, ob beabsichtigt oder nicht &ndash; das lie\u00df sich beim besten Willen nicht sagen &ndash; so weit hochgerutscht, da\u00df sein Kennerblick den Ansatz ihrer Strumpfs\u00e4ume sehen konnte und er befriedigt feststellte, da\u00df es sich bei ihren hautfarbenen zarten Str\u00fcmpfe um echte Nahtnylons handelte.<br \/>\nGenie\u00dferisch lie\u00df er den Blick an ihren Schenkeln hinunterwandern, zu ihren angenehm geschwungenen Waden, die in auffallend schmalen Fesseln ausliefen. Wie bei einer Frau, die um die Sch\u00f6nheit ihrer Beine wei\u00df und sie gerne zeigt, nicht anders zu erwarten, waren die Abs\u00e4tze ihrer schwarzen Schuhe relativ hoch. Obwohl gepflegt, wirkten sie ein wenig ausgetreten, wie Lieblingsschuhe halt sind.<br \/>\nFast als w\u00e4re ihr bewu\u00dft, da\u00df jemand ihre sch\u00f6nen Beine bewunderte, lie\u00df sie den Schuh \u00fcber dem rechten Fu\u00df baumeln.<br \/>\nMehr aus Angst, sie k\u00f6nne bemerken, wie er die Blicke auf ihre F\u00fc\u00dfe, ihre Beine gerichtet hatte, hob er wieder den Blick.<br \/>\nSie wu\u00dfte nicht nur um die Sch\u00f6nheit ihrer Beine, sondern auch um die ihres Dekollet\u00e9s. Sie hatte die oberen Kn\u00f6pfe ihrer hellen Bluse mit dreiviertellangem Arm soweit ge\u00f6ffnet, wie es ging ohne allzu kokett zu wirken.<br \/>\nSie bl\u00e4tterte erneut eine Seite um und sein Blick blieb an ihren sch\u00f6nen schlanken H\u00e4nden h\u00e4ngen, deren halblange N\u00e4gel in einem dunklen Rotton lackiert hatte und die unberingt waren.<br \/>\nEr konnte nicht sagen, wie lange er sie bereits betrachtet hatte. Sie hatte nicht einmal den Blick gehoben. Sie schien ihn nicht zu bemerken.<br \/>\nEr vertiefte sich fast schuldbewu\u00dft in sein Buch.<br \/>\nSolange hatte er schon lange nicht mehr eine Frau, die ihm gefiel, betrachtet, ohne da\u00df sie es bemerkt hatte. Zwar wu\u00dfte er, da\u00df ein bewunderndes Betrachten nur selten abweisend aufgenommen wird. Aber er hatte sie bereits derma\u00dfen lange angesehen, da\u00df er sie eigentlich schon h\u00e4tte ansprechen m\u00fcssen. Aber er wollte ja nur bewundern und nicht verf\u00fchren. Dieser Fr\u00fchlingstag war einfach zu sch\u00f6n, um mehr als einen angenehmen Augenblick verlangen zu k\u00f6nnen. Noch war alles zu fragil. Es war ja noch kein Sommer. Frostige N\u00e4chte waren noch immer m\u00f6glich, auch wenn die Wahrscheinlichkeit von Tag zu Tag geringer wurde.<br \/>\nEr \u00fcberlegte bereits, ob er seine Wanderung durch den Park fortsetzen sollte, da sah er aus den Augenwinkeln heraus, wie die Sch\u00f6ne Lesende ein Lesezeichen zwischen die Seiten ihres Buches legte, es schlo\u00df und in ihrer ger\u00e4umigen Tasche verstaute. Sie zog ihren Schuh wieder an, stand auf und strich den Rock mit einer fast z\u00e4rtlich selbstverliebten Geste glatt. Sie schien sich ein wenig unschl\u00fcssig umzuschauen. Er vertiefte sich angestrengt in sein Buch, bevor ihn ihr Blick treffen konnte. Er traute sich nicht aufzusehen. Er h\u00f6rte ihre Schritte auf dem Kies. Er widerstand der Versuchung, aufzusehen, denn er wu\u00dfte nicht, in welche Richtung sie davonging. Er w\u00fcrde den Blick erst heben, wenn er ihre Schritte sich entfernen h\u00f6rte.<br \/>\nEr war derma\u00dfen darauf konzentriert zu lauschen, in welche Richtung sich ihre Schritte entfernten, da\u00df er in Wahrheit gar nichts h\u00f6rte, denn es gingen ja fortw\u00e4hrend Leute in beiden Richtungen an ihm vorbei. Und da er ihren Schritt ja gar nicht kannte, ging er in den Schritten der anderen unter.<br \/>\nDie Zeit schien ihm endloslang.<br \/>\nEr schrak fast ein wenig zusammen, als pl\u00f6tzlich ein Schatten auf ihn fiel. Und kurz darauf eine angenehm warme Stimme fragte, ob denn auf seiner Bank noch Platz sei.<br \/>\nEr wollte fast schon gelangweilt antworten, da\u00df das nat\u00fcrlich der Fall sei. Doch weil er wu\u00dfte, da\u00df man einen Menschen ansieht, wenn man mit ihm spricht, sah er erst auf und staunte nicht schlecht, als die Sch\u00f6ne Lesende von gegen\u00fcber vor ihm stand und ihn mit einem heiteren und auch ein wenig schelmischen L\u00e4cheln ansah.<br \/>\nFast h\u00e4tte er gestottert und ihr \u00fcbereifrig Platz angeboten, doch er besann sich und bat sie charmant, sich neben ihn zu setzen.<br \/>\nNoch bevor er seinen Satz beendet hatte, hatte sie sich bereits mit einer elegant flie\u00dfenden Bewegung dicht neben ihn gesetzt und schlug mit damenhafter L\u00e4ssigkeit die Beine \u00fcbereinander, so da\u00df ihm gar nichts anderes \u00fcbrig blieb, als erneut einen bewundernden Blick auf sie zu werfen.<br \/>\nSie sah ihn mit einem L\u00e4cheln an, das keinen Zweifel lie\u00df, da\u00df ihr seine bewundernden Blicke von Anfang an aufgefallen waren und da\u00df der sch\u00f6ne Fr\u00fchlingstag gerade erst begonnen hatte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er war noch nicht vollst\u00e4ndig aufgewacht, da wu\u00dfte er bereits, da\u00df dieser Tag etwas Besonderes besa\u00df. 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