{"id":1549,"date":"2010-03-08T17:25:53","date_gmt":"2010-03-08T16:25:53","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1549"},"modified":"2026-04-11T18:03:38","modified_gmt":"2026-04-11T16:03:38","slug":"kurzes-34-begegnung-auf-dem-friedhof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1549","title":{"rendered":"Kurzes #34 \u00b7 Begegnung auf dem Friedhof"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20120703_070_800_2.jpg\" \/><\/p>\n<p><i>Der folgende Text ist ein kurzer Auszug des Roman <\/i>\u00bbAdalberts Erbe\u00ab. <i>Zur Zeit noch in Bearbeitung.<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Schatten waren betr\u00e4chtlich l\u00e4nger und durchsichtiger geworden. Malte mu\u00dfte wohl etwas eingenickt sein. Ihm fiel ein, da\u00df er auf jeden Fall noch zum Friedhof gehen wollte, dem Grab seines Patenonkels einen Besuch abstatten. Eilig r\u00e4umte er das Geschirr in die K\u00fcche. Tisch und St\u00fchle lie\u00df er stehen, wo sie waren. Er holte die etwas ungelenk angefertigte Skizze, die ihm der alte Notar von der Lage des Grabes gegeben hatte, aus einer mitgebrachten Mappe mit diversen Schriftst\u00fccken das Erbe betreffend. Vermutlich h\u00e4tte er das Grab nach einigem Suchen auch ohne diese Skizze gefunden, allzu gro\u00df war der alte Friedhof ja nicht, wenn auch in die L\u00e4nge gezogen.<!--more--><br \/>\nSorgf\u00e4ltig schlo\u00df er das Haus ab, trat durch das Tor auf die Stra\u00dfen hinaus und ging gem\u00e4chlichen Schrittes zum Friedhof, der kaum zehn Minuten Fu\u00dfweg vom Haus entfernt lag.<br \/>\nAuf gelegentlichen Spazierg\u00e4ngen mit seinem Patenonkel waren sie h\u00e4ufig an dem Friedhof vorbeigekommen. Aus der halb im Scherz gemachten Bemerkung seines Patenonkels, eines Tages w\u00fcrde er ihn dort besuchen, war nun traurige Tatsache geworden. Die halbhohe Mauer aus roten Ziegeln, die den Friedhof umfriedete, die kleine aus denselben Ziegeln erbaute mit bunten Glasfenstern versehene Kapelle, die akkurat angelegten gepflegten Kieswege, hatten auf Malte schon immer wie Zeugen der Ewigkeit gewirkt, als w\u00e4ren sie schon immer hier gewesen und w\u00fcrden bis zum Ende aller Zeiten hier sein.<br \/>\nEr trat durch das offenstehende Tor, ging an der Tafel mit den \u00d6ffnungszeiten und Winterpflegehinweisen nebst einer Kurzfassung der Friedhofsordnung achtlos vorbei und holte die Lageskizze des alten Notars aus der Jackentasche. Nach dieser mu\u00dfte er die Kapelle rechter Hand liegen lassen und den Hauptweg mehr als die H\u00e4lfte entlang gehen. Dieser war schnurgerade angelegt und bot einen ungehinderten Blick auf das gegen\u00fcberliegende Tor, das auf einen breiten asphaltierten Feldweg hinausf\u00fchrte. Nach etwa siebzig Metern mu\u00dfte er sich links halten, dann ein St\u00fcck geradeaus gehen, vorbei an zwei schmalen Seitenwegen und sich erneut nach links wenden. In der N\u00e4he einer alten Eiche mu\u00dfte es dann sein.<br \/>\nMalte steckte die Lageskizze wieder in die Jackentasche zur\u00fcck und hob den Blick.<br \/>\nHatte er zuvor, w\u00e4hrend er kurz den Hauptweg entlang geblickt hatte, niemand gesehen, so schrak er fast zusammen, da ihm in vielleicht drei\u00dfig Metern Entfernung eine junge Frau entgegenkam, die H\u00e4nde in den Taschen ihrer langen dunklen Lederjacke vergraben. Sie ging den Weg mit ruhigen gemessenen Schritten entlang, was jedoch nicht an den auffallend hohen Abs\u00e4tzen ihrer Schuhe lag, denn auf diesen schritt sie sicher. Sie fiel ihm nicht nur auf, weil sie gro\u00df gewachsen war und eine ansprechende Silhouette besa\u00df, sondern vor allem weil sie einfach zu damenhaft elegant f\u00fcr diesen kleinen Ort wirkte. Zur Lederjacke, deren G\u00fcrtel sie so fest geschn\u00fcrt hatte, da\u00df ihre schmale Taille betont wurde, trug sie einen dunklen, scheinbar schlicht geschnittenen Lederrock gleicher Farbe, helle zarte Str\u00fcmpfe und gepflegte Schuhe aus feinem braunem Leder. Langes, \u00fcppiges rotbraunes Haar, im Nacken leger mit einer breiten schwarzen Samtschleife zusammengebunden, umrahmte ein traurig wirkendes, h\u00fcbsches, dezent geschminktes, ovales Gesicht mit vollen weichen Lippen. Eine ebenso elegante wie schlichte dunkle Sonnenbrille verdeckte die Augen. Scheinbar nur geradeaus sehend, den Blick mehr auf den Weg vor sich gerichtet als ihre Umgebung wahrnehmend, schritt sie an Malte vorbei. Wobei ihm f\u00fcr einen Moment ihr dezentes fruchtiges Parfum, dessen Duftnote ihm unbekannt war, in die Nase wehte. Er konnte sich des Eindrucks jedoch nicht erwehren, da\u00df ihr Parfum alles andere als zu den preiswerten z\u00e4hlte.<br \/>\nKaum war sie an ihm vorbei geschritten, blieb er einen Augenblick stehen und sah ihr nach, wie sie zielstrebig auf den Ausgang zuging.<br \/>\nIrgend etwas an dieser Frau war eigenartig, ohne da\u00df er es h\u00e4tte pr\u00e4zisieren k\u00f6nnen. Und es lag eindeutig nicht allein an ihrer Erscheinung. Aus dem Ort war sie auf keinen Fall, es gab hier so gut wie keine Bewohner, die sich eine so offenkundig teure Garderobe h\u00e4tten leisten k\u00f6nnen oder auch wollen. Sie repr\u00e4sentierte vom Scheitel bis zur Sohle die St\u00e4dterin.<br \/>\nNachdem sie durch das Tor getreten war, sich nach rechts gewandt hatte und somit aus seinem Blickfeld verschwunden war, ging Malte weiter. Er folgte der Lagekizze und mu\u00dfte &ndash; wie nicht anders erwartet &ndash; ein wenig suchen, wor\u00fcber er die Begegnung mit der sch\u00f6nen Unbekannten verga\u00df.<br \/>\nLange stand er vor dem Grab seines Patenonkels. Die Sonne stand bereits tief \u00fcber dem Horizont, Myriaden von Insekten schwirrten in ihren letzten Strahlen, die Schatten waren d\u00fcnn und sehr lang geworden. Ein leichter Wind trug vom angrenzenden Wald Tannenduft her\u00fcber. Die meisten der bereits verwelkten Kr\u00e4nze war entfernt worden. Dar\u00fcber da\u00df eine Vase mit frischen Blumen und ein Grablicht, das noch nicht lange brennen konnte, mitten auf dem Grab stand, machte Malte sich keine Gedanken. Sein Patenonkel besa\u00df genug Freunde und Bekannte im Ort, die daf\u00fcr verantwortlich sein konnten. Morgen vormittag w\u00fcrde er als erstes einen Kranz in der G\u00e4rtnerei unweit des Friedhofs bestellen.<br \/>\nMalte ging auf einem Umweg nach Hause zur\u00fcck, vorbei an einem Waldst\u00fcck, das an den Friedhof grenzte. Auf jedem Schritt und jedem Tritt wurde er an seinen Patenonkel erinnert und f\u00fchrte ihm vor Augen, da\u00df er \u00fcber die Jahre so gut \u00fcberall hier mit ihm gewesen war. Malte erinnerte sich an die vielen Geschichten, die er ihm auf ihren Spazierg\u00e4ngen erz\u00e4hlt hatte. Geschichten aus seiner Jugend ebenso wie aus dem Leben der Dichter, \u00fcber die er Zeit seines Lebens geforscht hatte, aber auch \u00fcber die Flora und Fauna des Waldes hatte er einiges zu berichten gewu\u00dft, und der kleine Malte hatte stets aufmerksam zugeh\u00f6rt.<br \/>\nMit den Jahren wandelte Malte sich vom kindlichen Zuh\u00f6rer in einen interessierten Jugendlichen, der nachfragte, wenn ihm etwas widerspr\u00fcchlich oder unvollst\u00e4ndig oder ungereimt erschienen war, und sich von seinem Patenonkel in interessante Diskussionen hatte verwickeln lassen. Sein Patenonkel hatte sich seine vorgebrachten Argumente aufmerksam angeh\u00f6rt und ruhig und sachlich geantwortet, und Malte vor allem das Gef\u00fchl gegeben, ernst genommen zu sein.<br \/>\nIm Nachhinein erkannte Malte, da\u00df er in seinem jugendlichen Ungest\u00fcm manches von sich gegeben hatte, \u00fcber das sein Patenonkel eigentlich nur den Kopf h\u00e4tte sch\u00fctteln und nachsichtig l\u00e4cheln m\u00fcssen, doch er hatte sich die Zeit genommen, Maltes Argumente zu widerlegen oder ihn dazuzubringen, seine Gedanken noch einmal einer Pr\u00fcfung zu unterziehen, so da\u00df Malte mehr als einmal das Gef\u00fchl gehabt hatte, ihm seien von allein die Widerspr\u00fcche und die Ungereimtheiten in seiner Argumentation aufgefallen.<br \/>\nIn leicht melancholischer Stimmung gelangte Malte zum Haus zur\u00fcck. Es d\u00e4mmerte bereits, und w\u00e4hrend er das Tor aufschlo\u00df, schaltete sich bereits die Stra\u00dfenbeleuchtung ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Text ist ein kurzer Auszug des Roman \u00bbAdalberts Erbe\u00ab. Zur Zeit noch in Bearbeitung. &nbsp; Die Schatten waren betr\u00e4chtlich l\u00e4nger und durchsichtiger geworden. Malte mu\u00dfte wohl etwas eingenickt sein. Ihm fiel ein, da\u00df er auf jeden Fall noch zum Friedhof gehen wollte, dem Grab seines Patenonkels einen Besuch abstatten. 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