{"id":1565,"date":"2010-03-14T14:05:39","date_gmt":"2010-03-14T13:05:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1565"},"modified":"2026-04-11T18:08:24","modified_gmt":"2026-04-11T16:08:24","slug":"kurzes-36-eine-vernissage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1565","title":{"rendered":"Kurzes #36 \u00b7 Eine Vernissage"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20130315_121_800_2.jpg\" \/><\/p>\n<p><i>Der folgende Text ist Ausszug aus<\/i> \u00bbEin neues Zimmer\u00ab <i>aus dem Erz\u00e4hlband<\/i> \u00bbFelizia &#038; Felix\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Gero sich auf den Weg zu Wolfs Vernissage in einer kleinen ein wenig vom Zentrum entfernt gelegenen Galerie machte, dachte er bereits nicht mehr an Marlies. Im Prinzip ging er nur aus der damals noch relativ frischen Freundschaft zu Wolf dorthin. Vernissagen langweilten Gero in der Regel. Sie besa\u00dfen f\u00fcr ihn immer etwas Verpflichtendes, war ihm der K\u00fcnstler pers\u00f6nlich bekannt. Ansonsten waren ihm zu viele Leute anwesend, die aus allen m\u00f6glichen Gr\u00fcnden dorthin gingen, jedoch nur selten der Kunst allein wegen.<!--more--><br \/>\nWolfs Vernissage war ausgezeichnet besucht. Da es ein warmer Fr\u00fchlingsabend war, hielten sich einige der Besucher vor der Galerie auf und unterhielten sich. Innen dr\u00e4ngten sich die Leute fast. Nur die wenigsten betrachteten Wolfs Arbeiten &ndash; verschiedene Gem\u00e4lde und eine Handvoll Zeichnungen, die Geros Geschmack trafen &ndash; die Mehrzahl stand in kleinen Gruppen zusammen und redete \u00fcber alles m\u00f6gliche, doch kaum \u00fcber Kunst im allgemeinen oder gar Wolfs Arbeiten im besonderen. Gero entdeckte Wolf in dem Raum, in dem seine Zeichnungen hingen im angeregten Gespr\u00e4ch mit einer Frau. Normalerweise w\u00e4re Gero geradewegs zu ihnen hingegangen, um Wolf zu begr\u00fc\u00dfen, doch jetzt blieb er fasziniert ein St\u00fcck von ihnen entfernt stehen. Wolf und die Frau standen seitlich zu Gero, so da\u00df sie ihn nicht sofort bemerkten, auch schienen sie derart in ihre Unterhaltung vertieft, da\u00df sie nicht auf ihre Umgebung achteten. Noch nie war Gero einer Frau begegnet, auf die das Attribut \u203adamenhaft\u2039 derma\u00dfen zutreffend war. Sie war etwas mehr als mittelgro\u00df, das dunkelbraune taillenlange Haar trug sie zu einem Zopf geflochten. Ihr Make-up war perfekt auf ihren Typ abgestimmt. Die vollen Lippen umspielte ein leises L\u00e4cheln, als am\u00fcsiere sie Wolfs Ausf\u00fchrungen ein wenig. Gegen sie wirkten die \u00fcbrigen anwesenden Frauen nachl\u00e4ssig gekleidet, obwohl ihr figurbetontes helles Leinenkost\u00fcm an sich nicht auff\u00e4llig war. Die hautfarbenen Str\u00fcmpfe, die ihre sch\u00f6nen Beine umh\u00fcllten, waren dagegen edler, wie auch ihre braunen Schuhe mit den beinahe turmhohen Abs\u00e4tzen handgearbeitet und aus feinem Leder waren. Gero ben\u00f6tigte einige Augenblicke, bis er dahinter kam, warum sie sich von allen anwesenden Frauen deutlich absetzte, schlie\u00dflich war sie beileibe nicht die einzige attraktive Frau hier &ndash; sie strahlte eine Selbstsicherheit und Souver\u00e4nit\u00e4t in Verbindung mit nat\u00fcrlicher Autorit\u00e4t aus, Eigenschaften, wie sie Gero bisher noch nie gemeinsam in einer Person begegnet waren. Es schien schwer vorstellbar, da\u00df sie ihre Ziele nicht erreichte. F\u00fcr Geros Geschmack waren ihre H\u00fcften etwas zu breit und ihre Br\u00fcste sichtlich zu \u00fcppig. Gero konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, da\u00df bei letzteren der Natur etwas nachgeholfen worden war, andererseits konnte er sich nicht vorstellen, da\u00df eine Frau wie sie dergleichen zur Hebung ihres Selbstbewu\u00dftseins unternahm. Eine Vermutung die sich sp\u00e4ter als richtig erweisen sollte. Weil Gero selber gro\u00df und schlank mit einer Tendenz zum Hageren war, suchte er das optische Gegenst\u00fcck zu sich. Wenn er auch kein Verehrer eines knabenhaften fast schon androgynen Ideals war. Dennoch f\u00fchlte er sich auf eine besondere Weise zu dieser Frau hingezogen, was ihn vor allem deshalb ein wenig irritierte, weil er \u00fcberzeugt war, da\u00df eine Frau wie sie sich nur f\u00fcr M\u00e4nner interessierte, die gleicherma\u00dfen selbstbewu\u00dft, und erfolgreich waren und zu denen z\u00e4hlte er sich eindeutig nicht.<br \/>\nGero konnte nicht sagen, wie lange er dastand und zu Wolf und der Frau hin\u00fcbersah, bis Wolf kurz in seine Richtung blickte und den Freund erkannte. Liebensw\u00fcrdig winkte Wolf Gero zu. Mit einer Mischung aus H\u00f6flichkeit, Neugier und ein wenig Scheu vor der Pers\u00f6nlichkeit dieser Frau, trat Gero zu ihnen.<br \/>\n\u00bbGero, darf ich dir Marlies vorstellen\u00ab, sagte Wolf mit einer leichten Feierlichkeit. \u00bbUnd das ist Gero, Marlies. Ich habe dir ja von ihm erz\u00e4hlt. Ein guter Freund, lesenswerter Autor und ungl\u00e4ubiger Thomas. Er wollte mir absolut nicht glauben, da\u00df du etwas ganz Besonderes bist.\u00ab<br \/>\nGero h\u00e4tte dem Freund am liebsten einen kr\u00e4ftigen Tritt vors Schienbein f\u00fcr diesen Nachsatz gegeben. Marlies jedoch l\u00e4chelte Gero derma\u00dfen freundlich an, w\u00e4hrend sie ihm die Hand reichte, da\u00df er sich das f\u00fcr sp\u00e4ter aufhob, und fast schon wieder vers\u00f6hnt war.<br \/>\nMarlies\u2019 Hand f\u00fchlte sich angenehm an, ihr H\u00e4ndedruck war fest. Ihre sch\u00f6nen schlanken H\u00e4nde waren unberingt, die N\u00e4gel halblang und dunkelrot lackiert. Dieselbe Farbe besa\u00df auch ihr Lippenstift. Sie benutzte ein dezent fruchtiges Parfum. Trotz ihrer hohen Abs\u00e4tze war sie kleiner als Gero, dessen Blick unwillk\u00fcrlich von ihrem \u00fcppigen Dekollet\u00e9 angezogen wurde. Ihr wei\u00dfes seidenes Oberteil enth\u00fcllte mehr als es verh\u00fcllte und wirkte doch nicht kokett. Da\u00df Marlies ihren K\u00f6rper vorbehaltlos akzeptierte war nicht zu \u00fcbersehen. Auch was ihre starke erotische Ausstrahlung betraf, hatte Wolf in keiner Weise \u00fcbertrieben. Zugleich umgab Marlies eine Aura des Unnahbaren, die Gero Schwierigkeiten bereitete, sich vorzustellen, da\u00df tats\u00e4chlich etwas zwischen ihr und Wolf gewesen sein sollte. Marlies\u2019 warme Altstimme rundete f\u00fcr Gero ihre Erscheinung gelungen ab.<br \/>\nNachdem sich die erste \u00dcberraschung \u00fcber das Zusammentreffen und Marlies\u2019 au\u00dfergew\u00f6hnliche Erscheinung bei Gero legte, wuchs der Freund um ein ganzes St\u00fcck in seiner Achtung. Geros Ansicht nach geh\u00f6rte Einiges dazu, um eine solche Frau erobern zu k\u00f6nnen.<br \/>\nGeros anf\u00e4ngliche Vermutung, da\u00df Marlies sich nach einigen Worten, die sie rein aus H\u00f6flichkeit, weil er Wolfs Freund war mit ihm wechselte, von ihnen verabschieden w\u00fcrde, bewahrheitete sich nicht. Im Gegenteil unterhielt sie sich \u00fcber eine Stunde angeregt mit Gero, w\u00e4hrend Wolf sich l\u00e4ngst anderen Besuchern widmete.<br \/>\nAls Marlies sich von Gero verabschiedete &ndash; da sie am n\u00e4chsten Tag den Fr\u00fchzug nach Berlin nehmen mu\u00dfte, konnte sie nicht mit zum anschlie\u00dfenden kleinen Essen gehen, zu dem Wolfs Galerist einige Ausgew\u00e4hlte geladen hatte, darunter einige Freunde Wolfs einschlie\u00dflich Gero &ndash; besa\u00df Gero nicht nur ihre ebenso schlichte wie edle Visitenkarte mit ihrer Privatadresse, sondern zugleich eine Einladung zum gemeinsamen Abendessen am kommenden Dienstag. Marlies setzte einfach voraus, da\u00df Gero am kommenden Dienstag Zeit habe, und Gero kam gar nicht auf den Gedanken, zu \u00fcberlegen, ob er an jenem Abend \u00fcberhaupt k\u00f6nne.<br \/>\nW\u00e4hrend Gero nachdenklich vor der Galerie stand, Marlies\u2019 Visitenkarte noch nicht eingesteckt, ihr nachsah, wie sie w\u00fcrdevoll davonschritt, die H\u00fcften auf eine elegant sinnliche Weise wiegend, trat Wolf, der mit sichtlicher Genugtuung beobachtet hatte, wie Marlies und Gero die ganze Zeit \u00fcber anregend miteinander geplaudert hatten, zu Gero und sagte ein wenig selbstgef\u00e4llig:<br \/>\n\u00bbHabe ich nun recht gehabt, was Marlies angeht oder nicht?\u00ab<br \/>\n\u00bbZumindest hast du nicht allzu sehr \u00fcbertrieben\u00ab, erwiderte Gero mit einem leicht verlegenen L\u00e4cheln.<br \/>\nEr brachte es nicht \u00fcber sich, Wolf gegen\u00fcber offen Abbitte abzuleisten, denn seines Erachtens konnte man bei Marlies gar nicht \u00fcbertreiben.<br \/>\n\u00bbF\u00fcr einen Dichter bist du reichlich n\u00fcchtern eingestellt\u00ab, schmollte Wolf kurz. \u00bbAber gib zu, da\u00df du <i>trotzdem<\/i> ihrer Faszination erlegen bist.\u00ab<br \/>\n\u00bbWenn es dich beruhigt\u00ab, antwortete Gero mit einem schwach unterdr\u00fcckten Seufzer, abgesehen davon hatte Wolf recht; er h\u00e4tte sich Marlies\u2019 Faszination wirklich nicht entziehen k\u00f6nnen, selbst wenn er gewollt h\u00e4tte.<br \/>\nGeros Gedanken waren den \u00fcbrigen Abend \u00fcberwiegend bei Marlies. Und er fragte sich, warum sie sich \u00fcberhaupt mit ihm zum Essen verabredet hatte.<br \/>\nNach diesem Essen verschwendete Gero keinen Gedanken mehr auf die Frage, warum Marlies seine Gesellschaft suchte. Er nahm es einfach als unab\u00e4nderliche Tatsache hin. Da\u00df ihre Gegenwart nicht seiner Eitelkeit schmeichelte, war eine der Eigenschaften die Marlies an Gero sch\u00e4tzte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Pressestimmen<\/p>\n<p><i>F\u00fcnf Kurzgeschichten serviert uns Armin A. Alexander in seinem Buch \u00bbFelizia &#038; Felix\u00ab und jede ist voller Poesie und liebevoller Z\u00e4rtlichkeit. [&#8230;]<br \/>\nJede der f\u00fcnf Storys ist ein Genuss, dennoch gef\u00e4llt mir die erste am besten, die den Titel Marmeladent\u00f6rtchen tr\u00e4gt.<br \/>\nDort trifft ein Mann auf einem Fest von Freunden eine attraktive Frau. Da er vom Regen \u00fcberrascht und nass wird, bietet sie ihm an, ihn mit zu sich zu nehmen, damit er warm duschen und sich umziehen kann. W\u00e4hrend seine Kleidung im Trockner ist, kocht er als Gegenleistung f\u00fcr sie. Zum Nachtisch gibt es Tee und selbstgebackene T\u00f6rtchen \u2026 Und w\u00e4hrend das Aroma von gutem Tee und frisch Gebackenem durch die K\u00fcche zieht, vernascht die Dame des Hauses doch lieber zuerst den Koch.<br \/>\nEin wunderbares Buch f\u00fcr diese Jahreszeit. Es inspiriert dazu, es sich auf dem Sofa mit Wolldecke und Tee gem\u00fctlich zu machen, um zu lesen und zu tr\u00e4umen.[&#8230;]<\/i><br \/>\nZilli in den <a href=\"http:\/\/www.schlagzeilen.com\" target=\"_blank\">\u00bbSchlagzeilen\u00ab<\/a> Nr. 106<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Text ist Ausszug aus \u00bbEin neues Zimmer\u00ab aus dem Erz\u00e4hlband \u00bbFelizia &#038; Felix\u00ab &nbsp; Als Gero sich auf den Weg zu Wolfs Vernissage in einer kleinen ein wenig vom Zentrum entfernt gelegenen Galerie machte, dachte er bereits nicht mehr an Marlies. 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