{"id":1598,"date":"2010-03-20T19:39:39","date_gmt":"2010-03-20T18:39:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1598"},"modified":"2026-04-11T18:17:21","modified_gmt":"2026-04-11T16:17:21","slug":"kurzes-39-der-gipsfus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1598","title":{"rendered":"Kurzes #39 \u00b7 Der Gipsfu\u00df"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20160907_014_800_2.jpg\" \/><\/p>\n<p>\u00bbUnd dann war\u2019s passiert. Ich sp\u00fcrte einen stechenden Schmerz im rechten Fu\u00df und Sterne tanzten mir vor den Augen\u00ab, schlo\u00df er seine etwas blumenreiche Erz\u00e4hlung \u00fcber den Unfallhergang.<br \/>\n\u00bbUnd was sagt der Arzt\u00ab, fragte Bernd, der ihm aufmerksam und &ndash; wie er meinte &ndash; mit leichter Schadenfreude zugeh\u00f6rt hatte.<br \/>\n\u00bbDa\u00df er schon lange nicht mehr einen so sauberen Bruch eines Sprungbeins gesehen h\u00e4tte, seit er die Universit\u00e4t verlassen habe\u00ab, erwiderte Rolf, trotz allem nicht ohne einen gewissen Stolz, denn er vertrat den Grundsatz, wenn man schon etwas macht, dann sollte man es auch richtig machen, selbst wenn\u2019s weh tut.<br \/>\n\u00bbDer Mann hat jedenfalls Humor\u00ab, war Bernd nicht sehr beeindruckt. \u00bbUnd wie lange mu\u00df der Fu\u00df in Gips bleiben?\u00ab<!--more--><br \/>\n\u00bbSechs Wochen. Viel Laufen soll ich nicht. Am besten zu Hause bleiben und den Fu\u00df die meiste Zeit hochlegen.\u00ab<br \/>\n\u00bbKommst du denn zurecht?\u00ab<br \/>\n\u00bbMaria schaut ja regelm\u00e4\u00dfig vorbei und du willst ja auch ab und zu kommen. So brauche ich nicht raus. Na ja, und au\u00dferdem habe ich jetzt viel Zeit zum Lesen.\u00ab<br \/>\nBernd sah auf seine Uhr.<br \/>\n\u00bbIch mu\u00df langsam gehen. Kathrin hat mich gebeten, noch etwas einzukaufen. Sie hat f\u00fcr heute abend eine neue Kollegin eingeladen, die extra f\u00fcr die aktuelle Ausstellung eingestellt worden ist. Sozusagen eine Art Arbeitsessen.\u00ab Bernd klang nicht gerade begeistert, was weniger am Gast als daran liegen d\u00fcrfte, da\u00df er mit Kathrin den Abend lieber allein verbringen w\u00fcrde.<br \/>\nSie waren seit kurzen verheiratet und er der Ansicht, da\u00df Frischverm\u00e4hlte w\u00e4hrend der ersten Monate ihre Abende ausschlie\u00dflich in trauter Zweisamkeit verbringen sollten. Ungeachtet der Tatsache, da\u00df sie schon vor der Hochzeit fast zwei Jahre zusammengelebt hatten.<br \/>\n\u00bbKommt sie alleine?\u00ab<br \/>\n\u00bbWer?\u00ab war er offenkundig in Gedanken.<br \/>\n\u00bbKathrins Kollegin!\u00ab<br \/>\n\u00bb\u2019tschuldigung, ich dachte gerade an was anderes. Nein, sie bringt ihren Mann mit. Soviel ich wei\u00df, ist er irgendwo im mittleren Management.\u00ab Er sch\u00fcttelte sich leicht angewidert.<br \/>\nDas war also der wahre Grund, weshalb er auf diesen Abend keine Lust hatte. Seit er vor Jahren eine unerquickliche Beziehung mit einer BWL-Studentin gehabt hatte, besa\u00df er eine Aversion gegen alle, die diesen Berufszweig ergriffen haben. Was Rolf durchaus verstehen konnte, obwohl es ja ganz passable Leute darunter geben soll.<br \/>\n\u00bbKann ich noch was f\u00fcr dich tun\u00ab, erkundigte er sich hilfsbereit im Aufstehen.<br \/>\n\u00bbNein, danke, gr\u00fc\u00df Kathrin von mir.\u00ab<br \/>\n\u00bbWerde ich machen\u00ab, versprach er.<br \/>\n\u00bbWie geht\u2019s Maria?\u00ab Er stand vor mir, die H\u00e4nde l\u00e4ssig in den Hosentaschen, wie jemand, der \u00fcber endlos viel Zeit verf\u00fcgte.<br \/>\nRolf verkniff sich ein Schmunzeln. Bernd wollte seinen Aufbruch offenkundig so lange als m\u00f6glich hinausz\u00f6gern, dabei kann er es normalerweise gar nicht erwarten, seiner Kathrin in die Arme zu sinken.<br \/>\n\u00bbEs geht ihr gut.\u00ab<br \/>\n\u00bbUnd wie steht es so zwischen euch?\u00ab<br \/>\n\u00bbBernd\u00ab, lachte Rolf, \u00bbwir sind beide l\u00e4ngst nur noch gute Freunde. Wobei man das \u203aNur\u2039 in Anf\u00fchrungsstriche setzen mu\u00df. Das wei\u00dft du doch!\u00ab<br \/>\n\u00bbJa, ja\u00ab, meinte er gedankenverloren. \u00bbNur habe ich nicht verstanden, warum ihr nicht mehr zusammen seid.\u00ab<br \/>\n\u00bbWarum bist du mit Gisela nicht mehr zusammen, oder mit Veronika beispielsweise?\u00ab Gisela war die BWL-Studentin. Rolf konnte sich diesen Seitenhieb nicht verkneifen. Bernd zuckte leicht unter der schmerzlichen Erinnerung zusammen. \u00bbBernd, ich glaube, du sollst jetzt wirklich gehen, wenn du noch etwas einkaufen willst. Au\u00dferdem solltest du Kathrin nicht unn\u00f6tig warten lassen.\u00ab<br \/>\nEr verstand diesen Wink mit dem Zaunpfahl.<br \/>\n\u00bbJa, ja, schon gut\u00ab, lenkte er schuldbewu\u00dft ein. \u00bbIch geh\u2019 ja schon. Ich schaue morgen im Laufe des Tages wieder vorbei\u00ab, versprach er und reichte Rolf zum Abschied die Hand. \u00bbDu brauchst nicht aufzustehen\u00ab, wehrte er gro\u00dfm\u00fctig ab, als Rolf nach seinem Kr\u00fcckstock griff.<br \/>\nNachdem die T\u00fcr ins Schlo\u00df gefallen war, lehnte Rolf sich mit einem tiefen Seufzer zur\u00fcck. Er mochte Bernd sehr, aber manchmal war er froh, wenn dieser gegangen war.<br \/>\nRolfs Fu\u00df begann unter dem Gips leicht zu jucken. Au\u00dferdem pochte er immer noch ein wenig. Es war nicht mehr wirklich schmerzhaft, nur l\u00e4stig.<br \/>\nRolf nahm das Buch wieder zur Hand, in dem er gelesen hatte, bevor Bernd gekommen war. Doch schon nach dem ersten Absatz verlor er die Lust und legte es wieder weg.<br \/>\nRolfs Unfall lag kaum vierundzwanzig Stunden zur\u00fcck und schon begann er sich zu langweilen.<br \/>\nEr lehnte sich zur\u00fcck und verschr\u00e4nkte die Arme im Nacken.<br \/>\nIn der Wohnung war es ungew\u00f6hnlich ruhig. Es war ein herrlich sonniger Fr\u00fchlingsnachmittag. Das Gezwitscher der V\u00f6gel war das einzige Ger\u00e4usch, das durch das gekippte, zum Hof hinausgehende Wohnzimmerfenster drang. Es war kaum zu bemerken, da\u00df es mitten in der Stadt war. Rolfs Wohnung lag im dritten Stock eines verwinkelten Altbaus mit Innenhof. Genaugenommen waren es mehrere H\u00e4user, die zur Stra\u00dfe zwar eine einheitliche Front bildeten, aber zum Hof hinaus verschiedene, scheinbar willk\u00fcrlich hingesetzte Anbauten hatten. Von seinem Wohnzimmerfenster aus konnte er bequem das Bad und das Schlafzimmer einer, eine halbe Etage tiefer liegenden Wohnung im Nachbarhaus einsehen. Sie stand zur Zeit leer. Vom Haus gegen\u00fcber konnte aber niemand zu ihm hineinsehen, denn \u00fcber jener Wohnung war bereits das Dachgescho\u00df. Rolfs Bad blickte auf eine gut sechs Meter entfernte fensterlose Wand eines anderen Anbaus. Die Wohnungen waren so verwinkelt wie die H\u00e4user selbst, was lange schmale und w\u00e4hrend der meisten Zeit des Tages dunkle Flure mit sich brachte. Die R\u00e4ume aber waren gut geschnitten und hell.<br \/>\nDie Sonnenstrahlen wanderten langsam \u00fcber die B\u00fccherwand.<br \/>\nRolf mu\u00df wohl ein wenig eingenickt sein &ndash; er hatte vergangene Nacht nur sehr wenig geschlafen, einerseits hatte sein Fu\u00df gepocht, andererseits war es alles andere als einfach mit einem Gipsfu\u00df eine bequeme Schlafstellung einzunehmen &ndash;, denn das L\u00e4uten des Telephons, das er sich in Griffweite gelegt hatte, lie\u00df ihn heftig zusammenschrecken.<br \/>\nEs war Angela. Sie hatte mehr aus einer Laune heraus kurz zuvor Maria angerufen und durch sie von seinem Unfall erfahren. Er freute sich \u00fcber ihren Anruf. Seit sie vor zwei Jahren aus beruflichen Gr\u00fcnden nach Hamburg \u00fcbergesiedelt war, war der Kontakt zwischen Rolfs und ihr leider etwas eingeschlafen. Sie hatten sich somit viel zu erz\u00e4hlen und als Rolf den H\u00f6rer wieder auflegte, hatte er nicht nur ein warmes Ohr.<br \/>\nDie schw\u00e4cher werdende Abendsonne warf bereits lange Schatten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbUnd dann war\u2019s passiert. 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