{"id":1926,"date":"2010-12-21T17:38:57","date_gmt":"2010-12-21T16:38:57","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1926"},"modified":"2026-04-13T16:41:43","modified_gmt":"2026-04-13T14:41:43","slug":"zitat-des-tages-79","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1926","title":{"rendered":"Zitat des Tages #79"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/zitat.png\" \/><\/p>\n<p><i>Da und heute &ndash; 21.12. &ndash; die l\u00e4ngste Nacht des Jahres bevorsteht, ein Gedicht von M\u00f6rike, in den er die Gedanken schildert, die er beim Warten auf dem Sonnenaufgang hat.<\/i><\/p>\n<div id=\"zitat\">\n<p class=\"lyriktitel\">An einem Wintermorgen,<br \/>vor Sonnenaufgang<\/p>\n<p class=\"vers\">\nO flaumenleichte Zeit der dunkeln Fr\u00fche!<br \/>\nWelch neue Welt bewegest du in mir?<br \/>\nWas ists, da\u00df ich auf einmal nun in dir<br \/>\nVon sanfter Wollust meines Daseins gl\u00fche?<!--more--><\/p>\n<p class=\"vers\">\nEinem Kristall gleicht meine Seele nun,<br \/>\nDen noch kein falscher Strahl des Lichts getroffen;<br \/>\nZu fluten scheint mein Geist, er scheint zu ruhn,<br \/>\nDem Eindruck naher Wunderkr\u00e4fte offen,<br \/>\nDie aus dem klaren G\u00fcrtel blauer Luft<br \/>\nZuletzt ein Zauberwort vor meine Sinne ruft.<\/p>\n<p class=\"vers\">\nBei hellen Augen glaub ich doch zu schwanken;<br \/>\nIch schlie\u00dfe sie, da\u00df nicht der Traum entweiche.<br \/>\nSeh ich hinab in lichte Feenreiche?<br \/>\nWer hat den bunten Schwarm von Bildern und Gedanken<br \/>\nZur Pforte meines Herzens hergeladen,<br \/>\nDie gl\u00e4nzend sich in diesem Busen baden,<br \/>\nGoldfarbgen Fischlein gleich im Gartenteiche?<\/p>\n<p class=\"vers\">\nIch h\u00f6re bald der Hirtenfl\u00f6ten Kl\u00e4nge,<br \/>\nWie um die Krippe jener Wundernacht,<br \/>\nBald weinbekr\u00e4nzter Jugend Lustges\u00e4nge;<br \/>\nWer hat das friedenselige Gedr\u00e4nge <br \/>\nIn meine traurigen W\u00e4nde hergebracht?<\/p>\n<p class=\"vers\">\nUnd welch Gef\u00fchl entz\u00fcckter St\u00e4rke,<br \/>\nIndem mein Sinn sich frisch zur Ferne lenkt!<br \/>\nVom ersten Mark des heutgen Tags getr\u00e4nkt,<br \/>\nF\u00fchl ich mir Mut zu jedem frommen Werke.<br \/>\nDie Seele fliegt, so weit der Himmel reicht,<br \/>\nDer Genius jauchzt in mir! Doch sage, <br \/>\nWarum wird jetzt der Blick von Wehmut feucht?<br \/>\nIsts ein verloren Gl\u00fcck, was mich erweicht?<br \/>\nIst es ein werdendes, was ich im Herzen trage?<\/p>\n<p class=\"vers\">\n&ndash; Hinweg, mein Geist! hier gilt kein Stillestehn:<br \/>\nEs ist ein Augenblick, und Alles wird verwehn!<\/p>\n<p class=\"vers\">\nDort, sieh, am Horizont l\u00fcpft sich der Vorhang schon!<br \/>\nEs tr\u00e4umt der Tag, nun sei die Nacht entflohn;<br \/>\nDie Purpurlippe, die geschlossen lag,<br \/>\nHaucht, halbge\u00f6ffnet, s\u00fc\u00dfe Atemz\u00fcge:<br \/>\nAuf einmal blitzt das Aug, und, wie ein Gott, der Tag<br \/>\nBeginnt im Sprung die k\u00f6niglichen Fl\u00fcge!<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"autor\">Eduard M\u00f6rike (8.9.1804&ndash;4.6.1875)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da und heute &ndash; 21.12. &ndash; die l\u00e4ngste Nacht des Jahres bevorsteht, ein Gedicht von M\u00f6rike, in den er die Gedanken schildert, die er beim Warten auf dem Sonnenaufgang hat. 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