{"id":1954,"date":"2011-01-19T00:30:39","date_gmt":"2011-01-18T23:30:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1954"},"modified":"2026-04-11T19:17:28","modified_gmt":"2026-04-11T17:17:28","slug":"kurzes-53-begegnung-im-auwald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1954","title":{"rendered":"Kurzes #53 \u00b7 Begegnung im Auwald"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20070710_2_0027_800.jpg\" \/><\/p>\n<p><i>Ein Spaziergang im Auwald bringt eine unerwartete Begegnung.<\/i><\/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unser Tal war schon immer \u00e4u\u00dferst regenreich gewesen. Durch die besondere geographische Lage &ndash; unser Tal war umgeben von einem Mittelgebirgszug &ndash; waren die Winter mild und trocken, die Sommer zwar nicht allzu warm, daf\u00fcr waren die Temperaturen bereits Ende M\u00e4rz angenehm. Erst Anfang November wurde es k\u00fchler, zugleich mit dem Nachlassen der Niederschl\u00e4ge. Diese gingen die meiste Zeit des Jahres als anhaltender Nieselregen oder ergiebiger Landregen nieder. Richtig heftige G\u00fcsse gab es nur in den Sommermonaten, meist nach mehreren regenfreien und sonnigen Tagen. Dichte W\u00e4lder und \u00fcppige Weiden durchzogen unser Tal, nebst einem gr\u00f6\u00dferen Flu\u00df und vielen kleineren B\u00e4che. Das Tal war schon immer relativ d\u00fcnn besiedelt gewesen, da die Feuchtigkeit nur bestimmte Formen der Landwirtschaft erm\u00f6glichte. Zwar sind unsere durchweichten Ackerb\u00f6den sehr fruchtbar, aber sie lassen sich schlecht bearbeiten.<br \/>\nDie \u00fcberwiegend nasse Witterung machte regenfeste Kleidung unentbehrlich, weshalb die meisten von uns wohl mehr Regenbekleidung und Gummistiefel besa\u00dfen als andere Sachen und ein geradezu fetischistisches Verh\u00e4ltnis dazu entwickelt hatten.<!--more--><br \/>\nIn diesem Fr\u00fchsommer hatte es selbst f\u00fcr unsere Verh\u00e4ltnisse viel geregnet. Darum interessierte mich, wie weit der gro\u00dfe Auwald \u00fcberflutet war. Zudem machte ich gerne Regenspazierg\u00e4nge. Man entwickelte in dieser Gegend zwangsl\u00e4ufig eine Vorliebe f\u00fcr Regenspazierg\u00e4nge, will man nicht die meiste Zeit des Jahres im Haus verbringen. Da es ungew\u00f6hnlich warm war, zog ich die olivgr\u00fcne Regenhose, den kurzen grauen Gummiregenmantel und die schwarzen Gummiwatstiefel auf der nackten Haut an.<br \/>\nAn meinem Haus grenzte auf der R\u00fcckseite eine gro\u00dfe Wiese, die wiederum an ein Waldst\u00fcck grenzte, das nahtlos in den Auwald \u00fcberging. Die Wiese wurde im Sp\u00e4tsommer als Schafweide benutzt, weshalb der Untergrund relativ fest war und auch bei starken Regenf\u00e4lle kaum aufweichte, daf\u00fcr blieb in den Vertiefungen lange das Wasser stehen.<br \/>\nAls ich das Haus verlie\u00df, ging ein leichter Nieselregen nieder. Sofort legte sich der feine Wasserfilm auf meinen Gummiregenmantel und lie\u00df ihn gl\u00e4nzen. Zugleich erf\u00fcllte mich ein leichtes Wohlgef\u00fchl, denn ganz gleich wie heftig es regnete, unter der wasserundurchl\u00e4ssigen gummierten Au\u00dfenseite meines Mantels blieb ich stets trocken.<br \/>\nDie H\u00e4nde l\u00e4ssig in den Taschen meines Gummiregenmantels vergraben, schritt ich gem\u00e4chlich aus und stapfte gen\u00fc\u00dflich durch jede erreichbare Pf\u00fctze, in denen das Wasser klar und in manchen sogar wadentief stand. Nicht nur als Kind stapfte man gerne in Gummistiefeln durch jede erreichbare Pf\u00fctze.<br \/>\nIch erreichte den Wald relativ schnell. Ein breiter fester Kiesweg f\u00fchrte mich in leichten M\u00e4andern zum Auwald. Ich begegnete auf dem ganzen Weg niemanden. Neben dem leisen gleichm\u00e4\u00dfigen Rauschen des Regens war das einzige mich begleitende Ger\u00e4usch das melodische Gezwitscher der V\u00f6gel.<br \/>\nIch war wohl eine halbe Stunde unterwegs, als ich eine einsame H\u00fctte erreichte. Sie war nicht sehr gro\u00df und mehr ein solider windgesch\u00fctzter Unterstand. Der eigentlich Auwald war nicht mehr weit.<br \/>\nIch hatte die H\u00fctte fast passiert, als ich ein St\u00fcck von ihr entfernt eine Frau bei einem Baum hocken sah. Sie blickte gedankenverloren zu Boden, so da\u00df sie mich nicht gleich sehen konnte. Ich hielt mich im Sichtschutz der H\u00fctte.<br \/>\nIch erkannte sie sofort. Sie wohnte am anderen Ende meiner Stra\u00dfe. Wir begegneten uns gelegentlich beim Einkaufen. Sie war eine h\u00fcbsche Frau in den Vierzigern mit mittellangen rotbraunen Haaren, etwas zum Molligen neigend, was ihr aber sehr gut stand. Bisher hatten wir kaum mehr als ein paar allgemeine Worte gewechselt.<br \/>\nSie trug einen dunkelgrauen Gummiregenmantel, der sich \u00fcber ihren \u00fcppigen Br\u00fcsten spannte und dadurch wirkte, als sei er ihr ein wenig zu klein, und dieselben schwarzen Gummiwatstiefel wie ich. Ein leises Prasseln auf dem Waldboden verriet unverkennbar, was sie gerade tat.<br \/>\nEs dauerte ein wenig, bis das Prasseln verstummte. Dabei umspielten ihre vollen weichen Lippen ein gen\u00fc\u00dflich L\u00e4cheln.<br \/>\nIch gebe zu, da\u00df ich gerne einer Frau beim Pinkeln zusehe. In diesem Moment war ich allerdings mehr damit besch\u00e4ftigt zu verhindern, da\u00df sie mich entdeckte, obwohl sie nicht einen Augenblick in meine Richtung sah und sich selbst mit Sicherheit allein glaubte.<br \/>\nKaum war sie fertig, stand sie auf, sah aber zum Gl\u00fcck immer noch nicht in meine Richtung. W\u00e4hrend sie sich den Gummimantel richtete, glaubte ich f\u00fcr einen Augenblick zu erkennen, da\u00df sie sehr wahrlich, ebenso wie ich, nichts darunter trug. Warum auch sollte sie anders bei diesem warmen Wetter handeln als ich?<br \/>\nOhne sich umzublicken, wandte sie mir den R\u00fccken zu und ging den Weg von der H\u00fctte weg entlang, zum Auwald hin. Also schien sie auch sehen zu wollen, wie weit der Auwald bereits \u00fcberflutet war.<br \/>\nIch lie\u00df ihr einen geh\u00f6rigen Vorsprung, bevor ich ihr folgte. Es war zwar nicht ganz fair, jemandem zu folgen, aber ich war neugierig, wohin sie gehen wollte.<br \/>\nFrosch schritt sie aus. Ich fand, da\u00df sie eine sch\u00f6ne R\u00fcckfront besa\u00df, insofern man das bei einer Frau beurteilen konnte, die einen Gummiregenmantel und Gummiwatstiefel trug und die H\u00e4nde in den Manteltaschen geschoben hatte. Trotzdem wiegte sie die breiten H\u00fcften auf eine durchaus bet\u00f6rende Weise, die wohl mehr Sinnes- und Lebensfreude als Koketterie ausdr\u00fcckte, zumal sie sicherlich \u00fcberzeugt war, allein zu sein.<br \/>\nDa der Weg langsam m\u00e4anderreicher wurde, konnte ich n\u00e4her aufschlie\u00dfen, wobei ich unter meinen Regensachen ganz sch\u00f6n ins Schwitzen kam, schlie\u00dflich ging sie relativ schnell.<br \/>\nIch war derma\u00dfen darauf konzentriert, aufzuschlie\u00dfen, da\u00df ich ihr beinahe zu nahe gekommen w\u00e4re, denn kaum war ich an einem gro\u00dfen alten Baum mit einem m\u00e4chtigen Stamm vorbei, sah ich sie nur wenige Meter vor mir am Wegrand stehen.<br \/>\nKaum hatte ich mich von meinem Schreck erholt, erkannte ich schon den Grund f\u00fcr ihr Stehenbleiben; wenige Schritte vor uns stand bereits das Wasser. Dabei befanden wir uns noch am Rand des eigentlich Auwaldes.<br \/>\nF\u00fcr einen Augenblick bef\u00fcrchtete ich bereits, das k\u00f6nnte ihre Neugierde befriedigt haben und sie in den Ort zur\u00fcckgehen. Doch dann ging sie ebenso entschlossen wie zuvor weiter den Weg entlang.<br \/>\nSie erreichte die Wasserfl\u00e4che schnell. Da das Gel\u00e4nde hier sanft abfiel, dauerte es ein ganzes St\u00fcck, bis uns das Wasser bis zu den Knien reichte. Bis hinunter zum Flu\u00dfufer reichte das Wasser kaum tiefer als bis zu den Oberschenkeln, nur an wenigen Stelle stand es mehr als h\u00fcfttief.<br \/>\nDer eigentliche Weg war beinahe zu Ende, die B\u00e4ume standen dichter. Dennoch hielt ich weiterhin Abstand zu ihr. Noch auf dem Hauptweg h\u00e4tte ich eine zuf\u00e4llige Begegnung vort\u00e4uschen k\u00f6nnen, hier fiel das deutlich schwerer, denn sie ging l\u00e4ngst querfeldein, insofern man in einem Wald von querfeldein sprechen konnte.<br \/>\nDas Wasser, das im \u00fcbrigen klar war, reichte uns bereits \u00fcber die Knie und ber\u00fchrte hin und wieder ihren Mantelsaum.<br \/>\nAn ihrer Haltung erkannte ich aber, da\u00df sie dieses Umherwaten sehr geno\u00df. Manchmal hatte ich sogar den Eindruck, da\u00df sie sich einfach ins Wasser fallen lassen w\u00fcrde und genu\u00dfvoll sp\u00fcren, wie ihr das Wasser in die hohen Stiefel und unter den Regenmantel lief. Doch sie tat es nicht.<br \/>\nIhre Lebensfreude war ansteckend und vermutlich sogar der Hauptgrund, warum ich ihr folgte. Es machte einfach Freude in ihrer N\u00e4he zu sein.<br \/>\nUnd dann sah ich sie pl\u00f6tzlich nicht mehr. Die B\u00e4ume standen hier besonders eng, das Laub der unteren \u00c4ste reichte fast bis auf die Wasserfl\u00e4che. Ich sah mich um, traute mich aber nur halbherzig, den Blickschutz meines Baumes zu verlassen. Ich lauschte, ob ich nicht h\u00f6rte, wie sich das Wasser unter ihren Schritten teilte. Aber nur das leise Rauschen des Regens auf das dichte Bl\u00e4tterdach war zu vernehmen, unterbrochen vom Gesang der V\u00f6gel.<br \/>\nIch wartete eine Minute ab und eine weitere. Sie tauchte nirgendwo auf. Ich ging einige Schritte. Auch hier war nichts zu h\u00f6ren und schon gar nichts zu sehen. Ich wartete noch einige Augenblicke ab, dann gestand ich mir ein, da\u00df ich sie verloren hatte, oder, was mir schlimmer erschien, da\u00df sie mich doch bemerkt hatte und sich leise ihres unerw\u00fcnschten Verfolgers entledigt hatte. Was an dieser Stelle ja nicht schwer war.<br \/>\nMit einem bedauernden Achselzucken machte ich mich auf den R\u00fcckweg. Lust bis hinunter zum Flu\u00dfufer, oder wo es \u00fcblicherweise verlief, zu gehen, hatte ich nicht mehr.<br \/>\nMit den Gedanken nun abwesend watete ich einige Schritte.<br \/>\nIch hatte kaum einen Baum passiert, da blieb ich wie festgehalten stehen, denn sie stand vor mir und l\u00e4chelte mich mehr als freundlich an. Sie betrachtete mich ein wenig am\u00fcsiert, mit leicht schiefgelegtem Kopf. Dann ging sie auf mich. Sie ergriff meine Hand und zog mich sanft aber bestimmt mit sich.<br \/>\nIch war einfach zu perplex, um etwas anderes zu tun, als mich von ihr mitrei\u00dfen zu lassen.<br \/>\nSie ging mit mir zu einer Stelle, an der das Wasser nur noch knietief war. Dort lehnte sie sich mit dem R\u00fccken an einen Baum. Sie legte mir die Arme um den Hals und zog mich an sich. Ich sp\u00fcrte ihre Br\u00fcste an meiner Brust, die sich deutlich hoben und senkten und ihren schneller werdenden Atemz\u00fcge. Fast mechanisch legte ich ihr die H\u00e4nde auf die Taille, sp\u00fcrte ihre W\u00e4rme durch den Gummimantel hindurch. Da\u00df sie nichts darunter trug, wurde nun f\u00fcr mich zur Gewi\u00dfheit. Sie k\u00fc\u00dfte mich, und w\u00e4hrend ich ihre Zunge an meiner sp\u00fcrte, erkannte ich, da\u00df man in einem \u00fcberfluteten Auwald noch mehr machen kann, als nur darin herumzuwaten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Spaziergang im Auwald bringt eine unerwartete Begegnung. &nbsp; Unser Tal war schon immer \u00e4u\u00dferst regenreich gewesen. Durch die besondere geographische Lage &ndash; unser Tal war umgeben von einem Mittelgebirgszug &ndash; waren die Winter mild und trocken, die Sommer zwar nicht allzu warm, daf\u00fcr waren die Temperaturen bereits Ende M\u00e4rz angenehm. 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