{"id":1984,"date":"2011-04-25T15:04:24","date_gmt":"2011-04-25T13:04:24","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1984"},"modified":"2026-04-11T19:26:50","modified_gmt":"2026-04-11T17:26:50","slug":"kurzes-56-chambre-damour","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=1984","title":{"rendered":"Kurzes #56 \u00b7 Chambre d\u2019Amour"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20160625_324_800_2.jpg\" \/><\/p>\n<p>Blitze zuckten. Der Donner grollte unnat\u00fcrlich laut. Das Gewitter befand sich genau \u00fcber dem Stadtteil. Er schaffte es gerade noch, den sch\u00fctzenden Hausdurchgang zu erreichen, bevor der fast schwarze Himmel seine Schleusen \u00f6ffnete.<br \/>\nDer Regen peitschte durch die Stra\u00dfen. Das Wasser konnte gar nicht so schnell abflie\u00dfen, wie es von oben kam. Die auftreffenden Tropfen bildeten auf der d\u00fcnnen, alles \u00fcberziehenden Wasserschicht Blasen. In den Stra\u00dfenrinnen hatten sich kleine rei\u00dfende B\u00e4che gebildet. Keine Menschenseele war mehr zu sehen.<br \/>\nEr lehnte sich mit der linken Schulter an die Wand des Durchgangs und beobachtete interessiert das Naturschauspiel. Was blieb ihm auch anderes \u00fcbrig, wollte er nicht innerhalb k\u00fcrzester Zeit bis auf die Haut durchn\u00e4\u00dft werden?<br \/>\nEs waren nur wenige Augenblicke vergangen, als er hinter sich eine T\u00fcr gehen und das Klacken hoher Abs\u00e4tze auf Betonplatten h\u00f6rte. Diese Melodie erf\u00fcllte ihn stets mit einem leichten, angenehm sinnlichen Gef\u00fchl. Es waren kraftvolle, entschlossene Schritte, die sich schnell n\u00e4herten. Er widerstand dem Drang, sich umzudrehen, weil er kaum mehr als Umrisse gesehen h\u00e4tte, lag doch der ganze Durchgang im Dunkel.<!--more--><br \/>\nDie Schritte verstummten auf seiner H\u00f6he. Zugleich h\u00f6rte er einen ungehaltenen Seufzer, der zur H\u00e4lfte in einem erneuten Donner unterging. Er blickte leicht zur Seite. Weil sie jetzt auf seiner H\u00f6he war, konnte er es unauff\u00e4lliger tun.<br \/>\nAlso, in diesem Fall konnte das Gewitter ruhig noch was dauern, war sein erster Gedanke. Sie war gro\u00df. Das mittellange, \u00fcppige blonde Haar erweckte den Eindruck gepflegter Nachl\u00e4ssigkeit, da\u00df frau gerade aus den Armen ihres Liebhabers kommt und es gar nicht einsieht, warum sie die Spuren der genossenen Lust schamhaft verstecken soll. Ihren blauen Trenchcoat hatte sie enggeg\u00fcrtet, was ihre Taille schmaler wirken lie\u00df und ihre Oberweite betonte. Ihre Schuhe waren aus schwarzem feinem Leder, handgen\u00e4ht und un\u00fcbersehbar auf ihren schlanken Fu\u00df gearbeitet. Schwarze hauchzarte Nahtnylons umh\u00fcllten ein Paar schmaler Fesseln und wohlgeformter Waden.<br \/>\nSie blickte trotzig aus sch\u00f6nen dunklen, unter dichten Brauen liegenden Augen in den Regen hinaus, als empfinde sie das Wetter als pers\u00f6nlichen Affront, kaute nerv\u00f6s auf den vollen Lippen herum. Die H\u00e4nde hatte sie in die Manteltaschen geschoben. Sie tippte ungeduldig mit der rechten Fu\u00dfspitze auf den Boden, drehte den Fu\u00df gelegentlich auf dem Absatz hin und her, was ein scharrendes Ger\u00e4usch verursachte. Ihm schenkte sie keinerlei Beachtung, tat, als sei er gar nicht vorhanden.<br \/>\nVielleicht war seine Vermutung ja gar nicht so abwegig und sie hatte hier ihren Liebhaber f\u00fcr ein nachmitt\u00e4gliches Sch\u00e4ferst\u00fcndchen besucht. Dar\u00fcber hatten sie die Zeit vergessen, bis ihr schlagartig bewu\u00dft wurde, da\u00df ihr keine mehr blieb, sich in Ruhe anzuziehen, die Haare zu k\u00e4mmen, das Make-up aufzufrischen. Sie war hastig aus dem Bett gesprungen, eilig in ihre Kleider geschl\u00fcpft, hatte sich im Bad noch schnell die Lippen nachgezogen, die Augen mit dem Kajalstift umrandet, den Mantel \u00fcbergezogen, w\u00e4hrend sie ihm einen letzten fl\u00fcchtigen Ku\u00df gab, ein Danke f\u00fcr die sch\u00f6nen Stunden, die wie immer leider viel zu kurz gewesen waren, hatte die Wohnung verlassen und war die Treppen hinuntergeeilt. Der Grund f\u00fcr ihren \u00fcberst\u00fcrzten Aufbruch, ihre Ungeduld konnten ein wichtiger gesch\u00e4ftlicher Termin sein oder gar die zur\u00fcckkehrende Lebenspartnerin des Geliebten, oder da\u00df ihr Lebenspartner sie um eine bestimmte Stunde zur\u00fcckerwartete. Und jetzt hielt sie dieses Gewitter hier im Hausdurchgang fest.<br \/>\nEs blitzte und donnerte ohne Unterla\u00df. Der Regen fiel mit unverminderter Heftigkeit.<br \/>\nNat\u00fcrlich waren das nur wilde Vermutungen. Ihre Ungeduld, der Anla\u00df ihres Aufenthaltes hier konnte weitaus banaler sein; der Besuch einer Freundin beispielsweise &ndash; da\u00df sie hier wohnte schien ihm wenig wahrscheinlich, denn dann h\u00e4tte sie das Ende des Gusses in ihrer Wohnung abgewartet, was einen Besuch auch nicht wahrscheinlicher als seine romantischen Spekulationen sein lie\u00df, denn welcher Gastgeber l\u00e4\u00dft seinen Gast schon bei so einem Wetter gehen?<br \/>\nMit einem resignierenden Seufzer lehnte sie sich mit der rechten Schulter an die ihm gegen\u00fcberliegende Wand des Durchgangs. Sie schien einzusehen, da\u00df sie das Ende des Gusses wohl oder \u00fcbel w\u00fcrde abwarten m\u00fcssen, wollte sie nicht f\u00f6rmlich geduscht werden, denn ihr Mantel h\u00e4tte sie lediglich vor einem leichten Regen hinreichend gesch\u00fctzt. Au\u00dferdem war ihr Schuhwerk nur bedingt f\u00fcr Regenspazierg\u00e4nge geeignet.<br \/>\nIhn ignorierte sie weiterhin. Sie hatte bisher nicht einmal den Blick zu ihm gewandt. Es schien sie auch nicht zu k\u00fcmmern, da\u00df er sie beinahe unverholen, wenn auch nicht aufdringlich, sondern vielmehr bewundernd, was nur selten abwehrende Reaktionen hervorruft, betrachtete, denn wann wird einem schon mal die Wartezeit auf das Ende eines Gewitters durch die Gegenwart einer interessanten Frau verk\u00fcrzt?<br \/>\nAb und zu kaute sie ungeduldig auf der Unterlippe, scharrte mehr gelangweilt als ungehalten mit den Fu\u00df und sah in den Regen hinaus.<br \/>\nDas Gewitter zog sich ungew\u00f6hnlich lange hin. Oder kam es ihm nur so vor? Nur langsam wurden die Pausen zwischen den Blitzen l\u00e4nger, der Donner leiser. Aber der Regen hatte kaum etwas von seiner Heftigkeit eingeb\u00fc\u00dft.<br \/>\nEin Auto fuhr langsam vor\u00fcber, das Wasser spritzte in Font\u00e4nen zu beiden Seiten auf, die Scheibenwischer liefen auf h\u00f6chster Stufe, trotzdem durfte der Fahrer kaum etwas sehen.<br \/>\nSeine sch\u00f6ne \u203aLeidensgenossin\u2039 l\u00f6ste sich von der Wand. F\u00fcr den Augenblick bef\u00fcrchtete er, sie k\u00f6nnte die Geduld verloren haben und doch in den Regen hinausgehen, es in Kauf nehmen, schon nach wenigen Schritten durchn\u00e4\u00dft zu sein, nur um damit zu demonstrieren, da\u00df sie die Dominanz der Natur nicht akzeptierte, doch sie ging nach hinten, dort wo die T\u00fcr sein mu\u00dfte, aus der sie gekommen war. Er glaubte schon ein wenig entt\u00e4uscht, sie w\u00fcrde wieder ins Haus zur\u00fcckgehen. Doch sie ging auf die andere Seite, wo die Mauer einen leichten Versprung machte und M\u00fclltonnen standen. Sie hockte sich neben die Tonnen. Er konnte ihre Silhouette sehen. Kurz darauf h\u00f6rte er ein leises Prasseln auf dem Pflaster. Er mu\u00dfte schmunzeln. Sie pinkelte einfach hier im Durchgang, als sei sie allein, als k\u00f6nne er sie nicht sehen und best\u00fcnde auch keine Gefahr, da\u00df pl\u00f6tzlich jemand aus der T\u00fcr kommen k\u00f6nnte, die genau gegen\u00fcber der Stelle war, wo sie hockte.<br \/>\nAls sie fertig war, verharrte sie noch einen Augenblick, bevor sie aufstand und schritt nun gem\u00e4chlich nach vorne. Sie nahm ihre alte Stelle an der Wand wieder ein, die H\u00e4nde l\u00e4ssig in den Manteltaschen. Sie wirkte nicht mehr ungeduldig, fast schon gleichg\u00fcltig.<br \/>\nDer Regen hatte schon merklich nachgelassen, war aber immer noch zu heftig, um sich bereits aus dem Schutz des Durchgangs wagen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nSie strich sich eine Haarstr\u00e4hne aus der Stirn. Er l\u00e4chelte ihr freundlich zu. Doch sie ignorierte ihn scheinbar noch immer, aber ihre Augen umspielte ein schwaches zustimmendes L\u00e4cheln, ihre Haltung besa\u00df absolut nichts Abweisendes mehr.<br \/>\nAls nur noch vereinzelte Tropfen fielen &ndash; das Gewitter endete fast so pl\u00f6tzlich wie es begonnen hatte &ndash;, trat sie unvermittelt aus dem Durchgang, verharrte einen Augenblick, als sei sie unschl\u00fcssig, ob ihre getroffene Entscheidung die richtige sei, und schritt dann kraftvoll aus.<br \/>\nEr z\u00f6gerte nicht einen Moment und folgte ihr. F\u00fcr ihn gab es im Augenblick keine Alternative. Die gute halbe Stunde, die sie zusammen in dem Durchgang gestanden hatten, hatte ausgereicht, eine Vertrautheit zwischen ihnen zu schaffen, so da\u00df es ihm fast als Sakrileg erschien, ihr nicht zu folgen. Denn da\u00df er ihr folgen sollte, war offensichtlich.<br \/>\nSie ging schnell die Stra\u00dfe entlang, die H\u00e4nde in den Manteltaschen, den Blick entschlossen geradeaus gerichtet. Er hielt einen Abstand von nur wenigen Schritten, betrachte angetan ihre R\u00fcckfront, ihren festen runden Hintern, der sich bei jedem ihrer Schritte auf bet\u00f6rende Weise wiegte.<br \/>\nDieser Teil der Stadt besa\u00df viele verwinkelte Stra\u00dfen inmitten alter H\u00e4user aus der Gr\u00fcnderzeit. Oft genug mu\u00dfte er sich beeilen, um sie nicht aus den Augen zu verlieren, wenn sie in eine Seitenstra\u00dfe einbog und dabei meist auch noch die Stra\u00dfenseite wechselte.<br \/>\nEs regnete l\u00e4ngst nicht mehr, aber der Himmel war immer noch verhangen. Es waren wieder mehr Leute unterwegs, die jedoch weder auf ihn noch auf sie achteten. W\u00e4hrend des ganzes Weges sah sie sich nicht einmal nach ihm um. Und doch war er sicher, da\u00df sie darauf achtete, da\u00df sie sich nicht verloren. Er hatte l\u00e4ngst die Orientierung verloren, wu\u00dfte allenfalls ungef\u00e4hr, wo sie sich befanden. Durch die Mehrzahl der schmalen oft nur kurzen Stra\u00dfen ging er heute zum ersten Mal. Sie jedoch schien sich hier bestens auszukennen.<br \/>\nMehr als einmal fragte er sich, ob sie ihn vielleicht an der Nase herumf\u00fchrte.<br \/>\nSie bog in die n\u00e4chste Seitenstra\u00dfe ein. Er ging schneller. F\u00fcr den Moment verlor er sie aus den Augen. Er blieb stehen, lauschte auf das Klacken ihrer Abs\u00e4tze. Er vernahm es auch in einiger Entfernung, was ihn erleichterte und schon erblickte er, wenn auch nur f\u00fcr einen Moment, ihren blauen Trenchcoat. Da war sie schon in einem der H\u00e4user auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite verschwunden. Auf Anhieb h\u00e4tte er nicht sagen k\u00f6nnen in welchem.<br \/>\nHier war also ihr \u203aSpaziergang\u2039 zu Ende, dachte er leicht entt\u00e4uscht. Sollte er sich so in ihr geirrt haben? Irgendwie schien es ihm unsinnig, jetzt einfach aufzugeben.<br \/>\nEr besah sich die in Frage kommenden H\u00e4user auf der anderen Stra\u00dfenseite genauer. \u00dcber einem schmalen Durchgang hing die Leuchtreklame eines Hotels, das im hinteren Teil des Hauses lag. Es war eines dieser kleinen nicht zu teueren H\u00e4user mit einer Handvoll gepflegter, durchaus stilvoll eingerichteter Zimmer, wo man sich mehr als Freund des Hauses denn als Gast f\u00fchlte, deren Zimmer man ganz gew\u00f6hnlich tageweise, aber auch stundenweise mieten konnte, wenn der Portier sah, da\u00df hier nicht blo\u00df ein \u203aGesch\u00e4ft\u2039 abgewickelt werden sollte, sondern zwei Verliebte ein paar sch\u00f6ne Stunden miteinander verbringen wollten.<br \/>\nDas gab ihm die Zuversicht wieder. Ein letzter Zweifel blieb aber, ob er nicht doch ein Opfer seines Wunschdenkens war. Er sch\u00fcttelte diesen schnell ab &ndash; so sehr konnte er sich schlie\u00dflich nicht get\u00e4uscht haben &ndash; und ging mit leicht klopfendem Herzen auf den Eingang zu.<br \/>\nEr betrat einen gut beleuchteten langen Durchgang, der in einen Hof f\u00fchrte. Kurz davor lag der Eingang zum Hotel. Er ging die beiden Stufen hinauf und \u00f6ffnete die Glast\u00fcre, die in einen nicht sehr gro\u00dfen Vorraum f\u00fchrte. Hinter der Theke stand eine Frau in den F\u00fcnfzigern, in dezenter Eleganz gekleidet.<br \/>\nIhre Blicke trafen sich. Sie l\u00e4chelte ihm freundlich zu.<br \/>\n\u00bbDie junge Dame, die Sie suchen, befindet sich auf Zimmer 7 im zweiten Stock\u00ab, sagte sie freundlich, \u00bbdie Treppe hinauf und dann die zweite T\u00fcr links.\u00ab<br \/>\nEr nickte freundlich und ging den bezeichneten Weg. Ein dicker L\u00e4ufer auf den Stufen d\u00e4mpfte die Schritte. Auf der zweiten Etage sah er sofort den Lichtschimmer, der durch die benannte leicht ge\u00f6ffnete T\u00fcre fiel.<br \/>\nSeine Hand zitterte, als er sie auf die Klinke legte. Er atmete tief durch, gab sich einen inneren Ruck &ndash; schlie\u00dflich geh\u00f6rt den Mutigen die Welt &ndash; und \u00f6ffnete die T\u00fcr ganz.<br \/>\nIm Sessel unter dem Fenster gegen\u00fcber dem breiten Messingbett, das mit roter Seidenbettw\u00e4sche bezogen war und auf das der erste schwache Sonnenstrahl fiel, der durch die dichten Wolken drang, sa\u00df seine Sch\u00f6ne aus dem Durchgang. Sie hatte die Beine \u00fcbereinandergeschlagen, wippte gedankenverloren und keinesfalls ungeduldig mit dem rechten Fu\u00df, die sch\u00f6nen schlanken H\u00e4nde mit den halblangen unlackierten N\u00e4geln l\u00e4ssig auf den Armlehnen liegend. Den Mantel hatte sie ge\u00f6ffnet, darunter trug sie ein kurzes k\u00f6rperbetontes Kleid aus dunkler Seide, ein schmaler Streifen der S\u00e4ume ihrer Nahtnylons war zu sehen.<br \/>\nSie l\u00e4chelte ihm aufmunternd zu. Er erwiderte ihren Blick und ihr L\u00e4cheln.<br \/>\nKaum hatte er die T\u00fcr hinter sich geschlossen, stand sie auf, lie\u00df den Mantel \u00fcber die Schultern nach hinten gleiten, so da\u00df er auf dem Sessel zu liegen kam, und ging langsam auf ihn zu, jeden Schritt bewu\u00dft tuend.<br \/>\nSie legte nicht blo\u00df eine Entfernung zur\u00fcck, sondern durchma\u00df eine Distanz, den Blick auf ihn gerichtet, den seinen suchend. Er wich ihm nicht aus, konnte es gar nicht, versp\u00fcrte zugleich nicht nur Begehren nach ihr, sondern vor allem Vertrauen. Jeder Schritt &ndash; es waren kaum vier &ndash;, brachte sie ihm nicht nur r\u00e4umlich n\u00e4her. Ihr L\u00e4cheln beinhaltete nicht nur Ermunterung und Einladung, sondern im gewissen Sinn auch Triumph, da\u00df er ihrem Zauber erlegen war. Er konnte es schon bei ihrem ersten Schritt kaum mehr erwarten, bis sie endlich dicht vor ihm stand, sie sich ber\u00fchrten.<br \/>\nSie blieb dicht vor ihm stehen, legte ihm z\u00e4rtlich die H\u00e4nde auf die Schultern, ber\u00fchrte seine Lippen mit den ihren, von denen ein leichter Himbeergeschmack ausging, massierte sie sanft mit ihren und schob ihm die Zunge fast schon besitzergreifend zwischen die Lippen. Bei der ersten Ber\u00fchrung ihrer Zungenspitzen durchstr\u00f6mte beide eine Art leichter elektrisierender Schlag. Ebenso gen\u00fc\u00dflich wie sie ihn k\u00fc\u00dfte, erwiderte er ihr Zungenspiel; f\u00fcr ihn der Beweis, da\u00df sie alles andere als Phantasie war.<br \/>\nW\u00e4hrend sie sich k\u00fc\u00dften, voll ruhigem Genu\u00df, wie zwei erfahrene Gourmets, die wissen, da\u00df in der Ruhe die Kraft liegt, streifte sie ihm die Jacke \u00fcber die Schultern, so da\u00df sie langsam zu Boden glitt, kn\u00f6pfte ihm mit geschickten Fingern das Hemd auf. Sie zog ihn langsam aus, ohne dabei mit der Intensit\u00e4t ihrer K\u00fcsse nachzulassen.<br \/>\nEs dauerte nicht lange und er stand nackt vor ihr. Sie selbst war noch immer angezogen, hatte es verstanden, alle seine Versuche, den Rei\u00dfverschlu\u00df ihres Kleides zu \u00f6ffnen, geschickt abzuwehren, doch ohne ihm dabei irgendwie das Gef\u00fchl zu vermitteln, da\u00df ihr seine Ber\u00fchrungen unangenehm w\u00e4ren. Er verstand, da\u00df sie, zumindest vorerst, nicht bereit war, ihr Kleid abzulegen, sie die F\u00fchrung behalten wollte, und legte daf\u00fcr lieber seine H\u00e4nde auf ihre H\u00fcften, sp\u00fcrte ihren warmen festen Frauenk\u00f6rper durch die d\u00fcnne Seide des Kleides hindurch.<br \/>\nAls er nackt war, l\u00f6ste sie sich von ihm, trat einen Schritt zur\u00fcck, stemmte die H\u00e4nde in die H\u00fcften und sah ihn mit einem zufriedenen, aber auch schelmischen L\u00e4cheln an. Dann hob sie den Arm und ehe er sich\u2019s versah, hatte sie ihm einen kraftvollen, leicht schmerzenden Sto\u00df versetzt, der ihn r\u00fccklings aufs Bett warf.<br \/>\nEr schaute sie verdutzt an. Bevor er begriff, was weiter geschah, hatte sie ihm die Arme mit kurzen Seilst\u00fccken ans Bett gefesselt. Er sagte auch nichts, als sie mit seinen Beinen das gleiche tat. Dann kniete sie sich neben ihm aufs Bett. Er sp\u00fcrte ihr rechtes zartbestrumpften Knie in seiner Seite. Sie sah ihn triumphierend an und strich sich eine Haarstr\u00e4hne aus der Stirn, auf der kleine Schwei\u00dfperlen gl\u00e4nzten.<br \/>\nSein Herz schlug schneller. Er war einer Fremden ausgeliefert und doch \u00e4ngstigte ihn das nicht. Es gefiel ihm sogar auf eine ganz eigene Weise.<br \/>\nSie formte ihre rechte Hand zu einer Kralle und strich mit den N\u00e4geln \u00fcber seinen Bauch. Sie wendete nicht viel Kraft auf und der Schmerz bestand mehr in seiner Vorstellung, aber sie h\u00e4tte ihn problemlos blutig kratzen k\u00f6nnen, ohne da\u00df er etwas dagegen h\u00e4tte machen k\u00f6nnen. Sie sp\u00fcrte, wie sich seine Bauchmuskeln anspannten und ein zufriedenes L\u00e4cheln umspielte ihre sch\u00f6nen, halbge\u00f6ffneten von ihren K\u00fcssen noch feuchten Lippen.<br \/>\nIhre N\u00e4gel hatten eine, sich langsam r\u00f6tende Stelle auf seiner Haut hinterlassen.<br \/>\nSie beugte sich \u00fcber ihn, zum Nachttisch auf der anderen Seite. Er sp\u00fcrte die Seide ihres Kleides auf der Haut, ihre W\u00e4rme. Obwohl sie sein Gesicht kaum ber\u00fchrte, raubte es ihm den Atem.<br \/>\nSie zog sie Schublade auf und holte einen Knebel und einen schwarzen Seidenschal heraus und schlo\u00df sie wieder. Sie stieg \u00fcber ihn, setzte sich auf seinen Bauch und dr\u00fcckte die Knie in seine Rippen. Er sp\u00fcrte ihr ganzes Gewicht auf sich und f\u00fchlte seinen K\u00f6rper leicht in einen Schraubstock eingespannt. Das verst\u00e4rkte das Bewu\u00dftsein, dieser Frau hilflos ausgeliefert zu sein noch mehr und zugleich erregte es ihn so sehr, da\u00df er eine vollst\u00e4ndige Erektion bekam.<br \/>\nSie beugte sich hinunter. K\u00fc\u00dfte seine Augen, blickte ihn noch einmal l\u00e4chelnd, sich ihrer Macht \u00fcber ihn bewu\u00dft seiend, an und verband ihm dann die Augen mit dem Schal, der nicht den kleinsten Lichtstrahl durchlie\u00df.<br \/>\nSo eines seiner wichtigsten Sinne beraubt, nahm er mit den anderen alles intensiver wahr. Ihr Gewicht auf seinem K\u00f6rper verst\u00e4rkte sich, ihr Kleid schien bei jeder Bewegung lauter zu rascheln, der Stoff rauher, ihr Atem zu einem lauten Keuchen geworden zu sein. Was w\u00fcrde sie jetzt machen?<br \/>\nJeder Augenblick zog sich endlos hin. Da sp\u00fcrte er ihre Hand an seinen Wangen, doch war es kein z\u00e4rtliches Streicheln. Sie dr\u00fcckte ihm zwar durchaus sanft, aber nachdr\u00fccklich den Mund auf und kurz darauf schmeckte er ihren Speichel, den sie ihm aus der H\u00f6he in den Mund laufen lie\u00df. Wollte er nicht, da\u00df ihm dieser den Atem raubte, mu\u00dfte er ihn schlucken. Kaum hatte er es getan, entlie\u00df sie sein Gesicht aus ihrem Griff und k\u00fc\u00dfte ihn noch einmal, bevor sie ihm den Knebel in den Mund schob.<br \/>\nAls sie von ihm stieg, er so pl\u00f6tzlich ihres Gewichtes beraubt wurde, f\u00fchlte er sich alleingelassen.<br \/>\nSie stand neben dem Bett und betrachtete ihn mit einem fast selbstzufriedenen Ausdruck, die Arme in die H\u00fcften gestemmt. So gefiel er ihr. Er sah gut aus, keine Frage und ihm gefiel offenkundig, was sie mit ihm machte.<br \/>\nSie kniete sich wieder neben ihm aufs Bett und begann ihn zu streicheln. Immer wieder benutzte sie die N\u00e4gel, die sichtbare aber nicht sonderlich schmerzhafte Spuren auf seiner Haut hinterlie\u00dfen. Dieser st\u00e4ndige Wechsel von liebevoller Z\u00e4rtlichkeit und leichtem Schmerz, steigerte seine Erregung schnell ins Unertr\u00e4gliche, aber ihm war auch klar, da\u00df es ganz allein in ihrer Hand lag, wann und vor allem ob sie ihn erl\u00f6sen w\u00fcrde.<br \/>\nVorerst jedoch dachte sie nicht daran.<br \/>\nVon ihren sensiblen Fingern wechselte sie bald zu Lippen, Zunge und Z\u00e4hnen. Lindernd leckte sie \u00fcber die Kratzspuren, die sie auf seiner Haut hinterlassen hatte. Daf\u00fcr bi\u00df sie ihn leicht an anderen Stellen, nagte und leckte an seinen Brustwarzen. Doch anstelle, da\u00df sich seine Lust verminderte, wie er glaubte, als sie ihn das erste Mal an diesen empfindlichen Stellen bi\u00df, steigerte es sie.<br \/>\nAls sich ein leichtes Gef\u00fchl des Wundseins an den Brustwarzen bei ihm einstellte, h\u00f6rte sie auf, nahm ihm den Knebel ab, schob ihr Kleid bis zur Taille hoch, kniete sich auf Kopfh\u00f6he \u00fcber ihn und hielt ihm ihre feuchte nackte Venusmuschel vor Mund und Nase. Er sog ihren Duft fast gierig ein. Sie roch wunderbar. Sie lie\u00df sich so auf seinem Gesicht nieder, da\u00df er gerade genug Luft bekam, aber ihm nichts anderes \u00fcbrigblieb, als sie mit der Zunge zu verw\u00f6hnen, wollte er wieder frei atmen k\u00f6nnte. Um diese Position l\u00e4nger halten zu k\u00f6nnen, st\u00fctzte sie sich mit den Armen am Kopfteil des Bettes ab. Sie sp\u00fcrte seine Zunge an ihrem Scho\u00df, bewegte ihn leicht, damit er auch jede Stelle erreichen konnte.<br \/>\nSie warf den Kopf in den Nacken, st\u00f6hnte und keuchte laut. Er machte es wirklich gut. Er mu\u00dfte es aber auch, wollte er jemals seine Freiheit wiedererlangen.<br \/>\nSie gab sich ausgiebig seinen Liebkosungen hin. Ihm wurde warm unter ihrem bet\u00f6renden erregten Frauenk\u00f6rper. Schwei\u00df stand ihm auf der Stirn. Doch er geno\u00df es kaum weniger als sie.<br \/>\nAls sie sp\u00fcrte, da\u00df ihn langsam die Kraft verlie\u00df, befreite sie sein Gesicht von ihrer Last, rutschte tiefer und fand, da\u00df er jetzt eine Belohnung f\u00fcr die Lust die er ihr verschafft, verdient hatte.<br \/>\nSie nahm seinen hart angeschwollenen Penis in die Hand und f\u00fchrte ihn sich ein. Sie beugte sich vor, st\u00fctzte sich mit den Armen auf und verlustierte sich an ihm. Er tat das einzig Richtige in seiner Lage &ndash; er geno\u00df es einfach.<br \/>\nAls sie ihm die Augenbinde abnahm, blinzelte er. Seine Augen mu\u00dften sich erst an das helle Licht gew\u00f6hnten. Sie trug bereits ihren Mantel. Der Lichtfleck, der bei seinem Eintreten ins Zimmer aufs Bett gefallen war, war auf halber H\u00f6he der Wand angelangt.<br \/>\nSie l\u00e4chelte ihn fast z\u00e4rtlich an, w\u00e4hrend sie ihm die Arme losband. Aber nur diese. Bevor er richtig begriff, noch erwartete, da\u00df sie ihm auch die Beine losband, sich schon darauf freute, sie in die Arme zu nehmen, zum Dank f\u00fcr diesen erf\u00fcllten Nachmittag, der ihm eine ganz neue Welt des sinnlichen Erlebens aufgezeigt hatte, warf sie ihm noch einen letzten Blick zu und war schon aus dem Zimmer.<br \/>\nEr brauchte einige Augenblicke ehe er verstand und sich seiner ganz besonderen Ohnmacht bewu\u00dft wurde.<br \/>\nReichlich entt\u00e4uscht band er die Beine los. Er betrachtete fast sehns\u00fcchtig die Seile, die er in der Hand hielt, den Knebel und den Schal, die auf dem Nachttisch lagen, die einzig wirklich unbestechlichen Zeugen f\u00fcr die Realit\u00e4t der zur\u00fcckliegenden Stunden.<br \/>\nMit dem Seufzer der Erkenntnis, da\u00df er sie wohl nie wiedersehen w\u00fcrde, sollte nicht eines Tages der Zufall sein Verb\u00fcndeter sein, aber zugleich von der sch\u00f6nen Gewi\u00dfheit erf\u00fcllt, da\u00df ihm diese Erinnerung niemals w\u00fcrde genommen werden k\u00f6nnen, begann er sich anzuziehen.<br \/>\nErst jetzt, wo er die Entt\u00e4uschung halbwegs \u00fcberwunden hatte, fiel ihm auf, da\u00df sie die ganze Zeit \u00fcber nicht ein Wort miteinander gesprochen hatten, er nicht einmal ihren Namen wu\u00dfte.<br \/>\nBevor er das Zimmer verlie\u00df, warf er noch einen letzten Blick hinein, auf das Bett.<br \/>\nDieselbe Frau stand immer noch hinter der Theke, nickte ihm kurz zu und w\u00fcnschte ihm einen Sch\u00f6nen Tag. Er erwiderte ihren Gru\u00df. F\u00fcr den Moment war er versucht, sie nach der unbekannten Sch\u00f6nen zu fragen. Aber sie w\u00fcrde sicherlich nichts sagen. Zu ihrem Metier geh\u00f6rte Verschwiegenheit und dieses Gel\u00fcbde w\u00fcrde sie sicherlich nicht einem Fremden zuliebe brechen.<br \/>\nEr trat auf den Gehweg hinaus. Die Sonne stand tief, das Pflaster war fast schon wieder getrocknet, nur hier und da standen noch Pf\u00fctzen. Die Wolken hatten sich fast alle verzogen.<br \/>\nIn den folgenden Wochen kam er noch oft an jenem Durchgang vorbei, blieb h\u00e4ufig lange davor stehen, fast schon so lange, da\u00df er Aufmerksamkeit erregte, aber ihr ist er nie mehr begegnet. Das Hotel hatte er sp\u00e4ter zwar wiedergefunden, aber er ist nicht hineingegangen, vielleicht weil er mittlerweile f\u00fcrchtete, da\u00df dieser Nachmittag blo\u00df in seiner Phantasie existiert hat, der Anblick des Hotels, das ihn bei einem seiner fr\u00fcheren G\u00e4nge durch dieses Viertel aufgefallen war, dazu animierte hatte, sich auf diese Weise die Wartezeit im Durchgang auf das Ende des Gewitters zu verk\u00fcrzen. Selbst wenn es \u203anur\u2039 ein Tagtraum war, so nahm ihm das nichts von seiner Sch\u00f6nheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Blitze zuckten. Der Donner grollte unnat\u00fcrlich laut. Das Gewitter befand sich genau \u00fcber dem Stadtteil. Er schaffte es gerade noch, den sch\u00fctzenden Hausdurchgang zu erreichen, bevor der fast schwarze Himmel seine Schleusen \u00f6ffnete. Der Regen peitschte durch die Stra\u00dfen. Das Wasser konnte gar nicht so schnell abflie\u00dfen, wie es von oben kam. 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