{"id":2516,"date":"2016-10-09T07:09:53","date_gmt":"2016-10-09T05:09:53","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=2516"},"modified":"2026-04-11T21:16:03","modified_gmt":"2026-04-11T19:16:03","slug":"lese-empfehlungen-j-w-goethe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=2516","title":{"rendered":"Lese-Empfehlungen \u00b7 J. W. Goethe"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/inter.jpg\" alt=\"Interpretationen\" \/><\/p>\n<p><em>In dieser Rubrik gebe ich Empfehlungen, welche Werke von einem bestimmten Autor und aus welchen Gr\u00fcnden ich als besonders lesenswerte empfinde. Wie nicht anders m\u00f6glich ist diese Auswahl subjektiv, wie alle Empfehlungen von Texten, die man \u00bbunbedingt\u00ab gelesen haben sollte, &ndash; gerne auch ein wenig hochtrabend als Literatur-Kanon bezeichnet \ud83d\ude09 &ndash; selbst die Heranziehung weitgehend objektiver Kriterien \u00e4ndert daran nur bedingt etwas.<\/em><\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00a0<\/p>\n<p>Den Anfang mache ich mit der wohl gr\u00f6\u00dften Identifikationsfigur f\u00fcr die deutsche Literaturgeschichte schlechthin &ndash; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johann_Wolfgang_von_Goethe\" target=\"_self\">Johann Wolfgang von Goethe<\/a> (28.8.1749&ndash;22.3.1832), vergleichbar in seiner Wirkung mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/William_Shakespeare\" target=\"_blank\">William Shakespeare<\/a> (ca. 23.4.1564&ndash;23.4.1616) f\u00fcr die englische. Shakespeare ist an dieser Stelle nicht ohne Grund erw\u00e4hnt, schlie\u00dflich war Shakespeare f\u00fcr den Dramatiker Goethe ein wichtiger Inspirator, neben dem altgriechischen Drama. Die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr legt er in seinem autobiographischen Werk \u00bbDichtung und Wahrheit\u00ab hier ausf\u00fchrlich dar. Seines Erachtens hatte das deutsche Theater seiner Zeit wenig Innovatives zu bieten, wie man heute sagen w\u00fcrde. Tats\u00e4chlich f\u00e4llt es aus heutiger Sicht auch belesenen Zeitgenossen schwer, deutsche Dramatiker vor der sogenannten Goethe-Zeit aufzuz\u00e4hlen. Auch wenn er sich anf\u00e4nglich besonders von Shakespeare inspirierte f\u00fchlte, so wendete er sich sp\u00e4ter st\u00e4rker seinem zweiten Ideal zu, des altgriechischen Dramas. Gut zu sehen beim Faust; w\u00e4hrend der erste Teil, \u00fcberwiegend vom Shakespearschen Theater inspiriert ist, sind beim durchaus sperrigen zweiten Teil, sind die Bez\u00fcge zur altgriechischen Trag\u00f6die unverkennbar und nicht nur, weil \u00fcber weite Strecken die Themen dort entliehen worden sind. Wenngleich meist nur der erste Teil als Lekt\u00fcre empfohlen wird, meine ich, da\u00df f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Dramatikers Goethe beide Teile gelesen werden sollten. Auf Grund der besonderen L\u00e4nge des zweiten Teils wird man kaum Gelegenheit bekommen, diesen ungek\u00fcrzt auf der B\u00fchne erleben zu k\u00f6nnen &ndash; es w\u00fcrden mehrere durchschnittliche Theaterabende ben\u00f6tigt werden.<!--more--><\/p>\n<p class=\"einzug\">Jedoch geht es mir an dieser Stelle weniger um Goethe als Dramatiker, sondern um Goethe als Romancier, obgleich seine Liebe zum Theater sich durch sein gesamtes Prosawerk zieht.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00a0<\/p>\n<p>In \u00bbWilhelm Meisters Lehrjahre\u00ab (1795), der Prototyp, des vielleicht deutschesten Literaturgenres schlechthin, dem Bildungsroman, und meiner ersten Empfehlung seines Prosawerkes, ist der junge Wilhelm Meister vom Theater derart ergriffen, da\u00df sein ganzes Denken und Handeln daran ausgerichtet zu sein scheint. Seine Faszination f\u00fcrs Theater f\u00fchrt ihn in die Welt hinaus und l\u00e4\u00dft ihn Erfahrungen sammeln &ndash; eine Liebesbeziehung, aus der ein Kind hervorgeht, eine vermeintliche Waise, um die er sich k\u00fcmmert und deren Familiengeschichte wiederum besondere Verbindungen zu seinem Leben besitzt &ndash; die ihn vom im guten Sinn naiven J\u00fcngling zum verantwortungsvoll und vorausschauenden Erwachsenen werden lassen. Wenngleich er der Meinung ist, da\u00df seine Handlungen \u00fcberwiegend rein von den Umst\u00e4nden gepr\u00e4gt sind, so lenkt doch der <em>Abb\u00e9<\/em> im Hintergrund seinen Weg, wie dieser Wilhelm gegen Ende ausf\u00fchrlich darlegt, die Thematik der besonderen Beziehung von Lehrer und Sch\u00fcler, da\u00df der Lehrer den Sch\u00fcler lenkend begleitet, ohne da\u00df dieser sich bevormundet f\u00fchlt, sondern vorrangig beratend zur Seite steht.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wie der Faust so besitzt auch der Wilhelm Meister eine l\u00e4ngere Entstehungsgeschichte, die beide auf eine Urfassung zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, die beide erst Jahrzehnte nach Goethes Tod ver\u00f6ffentlicht wurden &ndash; \u00bbUrfaust\u00ab (1887), \u00bbWilhelm Meisters theatralische Sendung\u00ab (1911). Die Urfassung seien auch deshalb empfohlen, um nicht nur die Entwicklung der Werke nachzuvollziehen, sondern auch um die Entwicklung, die Bildung ihres Autors. Goethe selbst hat ja sein Leben als Gesamtkunstwerk betrachtet.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00a0<\/p>\n<p>\u00bbDie Wahlverwandtschaften\u00ab (1809) spiegeln den \u00bbreifen\u00ab Goethe wider und den Zwiespalt in der sich ein reifer Mann befindet, wenn er seine Liebe zu einer weitaus j\u00fcngeren Frau entdeckt, und dies seine als gefestigt geglaubte Ehe vor gro\u00dfe Herausforderungen stellt. Zugleich erlebt er die Gattin von einf\u00fchlsamer und verst\u00e4ndnisvoller Seite, mehr Freundin als \u00bbhintergangene\u00ab Ehefrau. Als sicher geglaubte Auffassungen geraten ins Wanken und m\u00fcssen neu \u00fcberdacht werden, Goethes vielleicht leisestes und gerade daher eindrucksvollstes Prosa-St\u00fcck und nicht zuletzt ein weiterer Bildungsroman, doch diesmal nicht vom J\u00fcngling zum Erwachsenen, sondern vom Erwachsenen zum wirklich reifen Menschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser Rubrik gebe ich Empfehlungen, welche Werke von einem bestimmten Autor und aus welchen Gr\u00fcnden ich als besonders lesenswerte empfinde. 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