{"id":3059,"date":"2016-11-08T01:48:12","date_gmt":"2016-11-08T00:48:12","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3059"},"modified":"2026-04-11T20:08:56","modified_gmt":"2026-04-11T18:08:56","slug":"kurzes-66-die-gouvernante","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3059","title":{"rendered":"Kurzes #66 \u00b7 Die \u203aGouvernante\u2039"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20160625_365_800_2.jpg\"\/><\/p>\n<p>F\u00fcr Lars war sie in erster Linie \u203adie Gouvernante\u2039. Tats\u00e4chlich hie\u00df sie Lisbeth Schmitz-Grewe, war Mitte vierzig, geschieden und arbeitete seit etwas mehr als einem Jahr in der gleichen Abteilung.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ihren Spitznamen hatte sie von Lars auf Grund ihres Auftretens und ihrer Art sich zu kleiden bekommen. Sommers wie winters trug sie \u00fcber die Knie reichende hell- oder dunkelbraune schlichte R\u00f6cke zu meist hellen hochgeschlossenen lang\u00e4rmligen Blusen, ihre Str\u00fcmpfe &ndash; wahrscheinlich eher Strumpfhosen als Str\u00fcmpfe, wie Lars sich sogleich verbesserte, denn er konnte sich nicht vorstellen, da\u00df eine Frau wie Lisbeth Schmitz-Grewe etwas anderes als langweilige spie\u00dfige Strumpfhosen aus dem Discounter tragen k\u00f6nnte, obwohl weder ihre R\u00f6cke noch ihre Blusen oder ihre Schuhe auf irgendeine Weise billig wirkten &ndash; waren ausnahmslos hautfarben und von mittlerer St\u00e4rke, wobei Lars sich \u00fcber blickdichte auch nicht gewundert h\u00e4tte. Ebenso erschien es ihm als Tatsache, da\u00df sie schlichte unerotische wei\u00dfe Unterw\u00e4sche trug. Ihre Schuhe mit in der Regel halbhohen Abs\u00e4tzen &ndash; an k\u00fchleren Tagen trug sie zumeist Stiefel &ndash; verrieten dagegen eine schlichte Eleganz.<!--more--><\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie schien eine Vorliebe f\u00fcr enganliegende schwarze, braune, graue oder beige \u00fcberwiegend mittellange Handschuhe aus feinem Leder zu haben, die sich wie eine zweite Haut um ihre H\u00e4nde schmiegte. Lars konnte sich nur an wenige, wirklich warme Tage erinnern, an denen er sie ohne Handschuhe gesehen hatte. Was in ihm die Vermutung hatte entstehen lassen, ob sie nicht einen ausgepr\u00e4gten Fetisch f\u00fcr Lederhandschuhe besa\u00df. Ganz so abwegig war der Gedanke nicht, hatte er doch mehrmals beobachten k\u00f6nnen, wie sie ihre Handschuhe auf eine besondere, fast schon z\u00e4rtlich selbstverliebte Weise \u00fcberstreifte, wobei ihn jedes Mal ein leichter wohliger Schauer durchlief und er glaubte, f\u00fcr einen Augenblick ein verkl\u00e4rtes L\u00e4cheln \u00fcber ihre ansonsten beherrschte Mimik laufen zu sehen. Im Gegenzug schien sie stets einen Seufzer des Bedauerns unterdr\u00fccken zu m\u00fcssen, sobald sie diese auszog.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Lars konnte sich nicht helfen, aber gerade ihre Handschuhe und besonders die, denen anzusehen war, da\u00df sie h\u00e4ufig getragen wurden, gaben ihrer Erscheinung etwas Damenhaftes. Dieser Eindruck war unabh\u00e4ngig davon, da\u00df f\u00fcr Lars Handschuhe ein unverzichtbares Accessoire f\u00fcr eine Dame sind.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ob Lisbeth Schmitz-Grewe ohne weiteres als attraktive Frau bezeichnet werden konnte, wu\u00dfte Lars nicht wirklich zu sagen. Jedoch konnte er zwei Dinge an ihr bedenkenlos als sch\u00f6n bezeichnen; ihre schlanken unberingten gepflegten H\u00e4nde mit den kurzen unlackierten N\u00e4geln und die angenehm geschwungenen Waden mit den auffallend schmalen Fesseln &ndash; mehr sah er durch ihre langen R\u00f6cke von ihren Beinen ja nicht.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sobald sich die Gelegenheit bot, es \u203aunauff\u00e4llig\u2039 tun zu k\u00f6nnen, warf Lars nur zu gerne einen Blick auf Lisbeth Schmitz-Grewes Beine. Auch wenn er ihre beinahe wadenlangen R\u00f6cke gerne \u203akritisierte\u2039, so sagten sie ihm grunds\u00e4tzlich mehr zu als kurze, die einen ungehinderten Blick auf die Beine ihrer Besitzerin gew\u00e4hren. Lars war ein Bewunderer sch\u00f6ner Frauenbeine und als solcher liebte er auch das Geheimnisvolle, das sich den Blicken nicht sogleich verr\u00e4t. Den Rest gab er lieber seiner Phantasie anheim.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Lisbeth Schmitz-Grewe war weder klein noch gro\u00df, weder \u00fcberm\u00e4\u00dfig schlank noch wirklich mollig, weder flachbr\u00fcstig knabenhaft noch m\u00fctterlich \u00fcppig. Die breiten schwarzen Lederg\u00fcrtel, die sie gew\u00f6hnlich trug, lie\u00dfen ihre Taille etwas schmaler und ihre H\u00fcften ein wenig breiter erscheinen. Das mittellange dunkelblonde Haar, in dem sich bereits verschiedentlich graue Str\u00e4hnen entdecken lie\u00dfen, trug sie prinzipiell streng nach hinten zu einem Knoten frisiert. Ihr Make-up war so dezent, da\u00df es fast schien, als lege sie keines auf. Ihre vollen Lippen, die sich gerne einmal sp\u00f6ttisch kr\u00e4uselten, waren stets ungeschminkt. Die meisten Leute bedachte sie aus ihren blauen Augen \u00fcber die randlose Brille hinweg mit einem Blick, der einsch\u00fcchternd wirkte, wobei Lars nicht einmal mit Bestimmtheit sagen konnte, ob sie es mit Absicht tat oder es nur eine \u00fcber die Jahre entstandene Marotte von ihr ohne tieferen Sinn war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Den Kollegen begegnete sie grunds\u00e4tzlich mit distanzierter H\u00f6flichkeit. Sie redete nur selten mehr als notwendig, war aber zugleich nicht wirklich ungesellig, hin und wieder war sie einer kleinen Plauderei gegen\u00fcber nicht abgeneigt, wie Lars bereits mehrfach selbst erfahren durfte. Dabei w\u00e4re Lars nie in den Sinn gekommen, da\u00df Lisbeth Schmitz-Grewe sich h\u00e4ufiger mit ihm als mit den \u00fcbrigen Kollegen \u00fcber mehr als nur das beruflich Notwendige austauschte. Aber auch ihm erz\u00e4hlte sie so gut wie nie etwas aus ihrem Privatleben.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Tauschten sich montags die Kollegen dar\u00fcber aus, was sie am Wochenende unternommen hatten, hielt Lisbeth Schmitz-Grewe sich beinahe demonstrativ im Hintergrund und schien alle mit einem fast schon bemitleidenswerten Blick zu bedenken, weil sie zu glauben schienen, da\u00df irgend jemand, au\u00dfer ihnen selbst, ihre, im Grunde langweiligen, meist famili\u00e4ren Unternehmungen interessieren k\u00f6nnten. Lars dachte im Prinzip \u00e4hnlich, aber er h\u00e4tte es nie offen gezeigt, sondern h\u00f6rte mit h\u00f6flicher Aufmerksamkeit zu. Selbst versp\u00fcrte er nicht das geringste Bed\u00fcrfnis etwas von seinen Wochenendaktivit\u00e4ten zu berichten. Da er, neben Lisbeth Schmitz-Grewe, der einzige in der Abteilung war, der derzeit weder Familie noch eine feste Partnerschaft besa\u00df, schien auch keiner von ihm eine aktive Teilnahme an den Gespr\u00e4chen zu erwarten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Keiner der Kollegen schien auf irgendeine Weise an Lisbeth Schmitz-Grewes Distanziertheit Ansto\u00df zu nehmen. Allerdings h\u00e4tte sich auch keiner getraut, ihr gegen\u00fcber selbst kleine Anspielungen zu machen, denn ihr wurde mehr Achtung als dem Abteilungsleiter Bremer entgegengebracht, der selbst geh\u00f6rigen Respekt vor Lisbeth Schmitz-Grewe zu haben schien.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Vielleicht trotz oder gerade weil sie so wenig von sich preisgab, faszinierte die gut zehn Jahre \u00e4ltere Lisbeth Schmitz-Grewe Lars auf besondere Weise.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00c2\u00a0<\/p>\n<p>Lars erwachte an diesem Mittwochmorgen leicht zerschlagen. Nachdem er mitten in der Nacht von einem heftigen Gewitter aus dem Schlaf gerissen worden war, hatte er lange gebraucht, bis er wieder einschlafen konnte. Der fast tropische Regen, der im Gefolge des Gewitters \u00fcber der Stadt niedergegangen war, war gegen Morgen in einen feinen Landregen \u00fcbergegangen. Nichts schien darauf hinzudeuten, da\u00df das sch\u00f6ne Fr\u00fchsommerwetter der letzten Tage so bald zur\u00fcckkehren k\u00f6nnte. Zudem hatte es sich merklich abgek\u00fchlt, jedoch nicht so, da\u00df die w\u00e4rmenden Pullover wieder aus dem Schrank herausgekramt werden mu\u00dften.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Als er, noch immer leicht verschlafen, an der Haltestelle unweit der Firma aus dem Bus stieg, hatte der Regen eine Pause eingelegt. Der Himmel pr\u00e4sentierte sich aber weiterhin Grau in Grau und es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis der Regen wieder einsetzte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Von einem herzhaften G\u00e4hnen begleitet wollte er gerade die Einfahrt zum kleinen Parkplatz vor dem Verwaltungsgeb\u00e4ude betreten, als Lisbeth Schmitz-Grewe in ihrem, nicht mehr allzu neuen aber gepflegten, kleinen roten Auto an ihm vorbei auf den Parkplatz fuhr.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Zwar gab es f\u00fcr die Mitarbeiter keine festen Stellpl\u00e4tze, doch Lisbeth Schmitz-Grewe parkte stets auf demselben Platz, den ihr niemand streitig zu machen schien. Ganz gleich, wann sie kam; auf \u203aihrem Platz\u2039 stand nie ein anderes Fahrzeug.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Aus einem unerfindlichen Grund blieb Lars stehen und sah ihr zu, wie sie souver\u00e4n einparkte, den Motor abstellte, schwungvoll die Fahrert\u00fcr \u00f6ffnete und mit damenhafter Eleganz ausstieg. Dabei rutschte ihr der Rock f\u00fcr einen Moment so weit hoch, da\u00df er das linke Knie sehen lie\u00df.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Lars glaubte zuerst sich get\u00e4uscht zu haben, denn es schien, als reichten die schwarzen, sich wie ein Handschuh um ihre Beine schmiegenden Stiefel aus feinem Leder bis zu den Schenkeln hinauf. Diese M\u00f6glichkeit war f\u00fcr Lars so wenig wahrscheinlich, da\u00df er es f\u00fcr ein Schattenspiel an diesem tr\u00fcben Morgen hielt und sie wohl eher schwarze fast blickdichte Str\u00fcmpfe trug.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er bekam keine Gelegenheit, seine Beobachtung best\u00e4tigen zu k\u00f6nnen, denn Lisbeth Schmitz-Grewe schlo\u00df bereits die T\u00fcr ihres Autos ab und der, wie \u00fcblich, wadenlange Rock lie\u00df nur sehen, da\u00df die Abs\u00e4tze ihrer Stiefel, auf denen so sicher wie auf flachen Sohlen ging, nicht nur f\u00fcr ihre Verh\u00e4ltnisse ungew\u00f6hnlich hoch waren.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er sah ihr nach, wie sie zum Eingang schritt. Dabei wiegte sie die H\u00fcften auf eine damenhafte und zugleich auch ein wenig kokette Weise, ihre gro\u00dfe Ledertasche in der Rechten mit einer leichten L\u00e4ssigkeit haltend.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Von hinten st\u00f6rte ihn an ihr eigentlich nur ihre strenge Frisur, ansonsten fand er sie bet\u00f6rend in dem langen hellbraunen Rock, der bei jedem Schritt ein reizvolles Faltenspiel bot, der kurzen taillierten Jacke mit den dreiviertellangen \u00c4rmeln, die einen ungehinderten Blick auf ihre langen schwarzen Lederhandschuhe erm\u00f6glichte. Ihm war schon fr\u00fch aufgefallen, da\u00df sie Jacken mit dreiviertellangen \u00c4rmeln stets in Verbindung mit fast ellenbogenlangen Lederhandschuhen trug.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Selbst als sie l\u00e4ngst das Verwaltungsgeb\u00e4ude betreten hatte, sah er ihr noch nach. Er konnte sich nicht helfen, sie wirkte an diesem Morgen ungeheuer faszinierend auf. Und diese Faszination zog sich nicht aus dem, was er beim Aussteigen glaubte beobachtet zu haben, auch nicht aus der Tatsache, da\u00df die Abs\u00e4tze ihrer schicken Stiefel ungewohnt hoch waren, sondern da\u00df er zum ersten Mal eine starke erotische Ausstrahlung von ihr ausgehend gesp\u00fcrt hatte. Beinahe war er geneigt anzunehmen, da\u00df es sich bei jener Frau nicht um Lisbeth Schmitz-Grewe, sondern um jemand anderen gehandelt haben k\u00f6nnte. Aber das war absurd.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbTr\u00e4umst du, oder wartest du auf jemanden\u00ab, ri\u00df Holgers fr\u00f6hliche Stimme ihn aus seinen Gedanken.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Holger war der einzige von den Kollegen mit dem er auch au\u00dferhalb der Firma Kontakt pflegte. Beide waren im gleichen Alter.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Das einzige was ihn an Holger st\u00f6rte, war dessen beinahe schon penetrante morgendliche Frische. Lars war zwar kein ausgesprochener Morgenmuffel, aber vor der Fr\u00fchst\u00fcckspause ging er es lieber ein wenig gem\u00e4chlich an.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Lars murmelte irgend etwas zur Entschuldigung, was Holger jedoch nicht weiter beachtete, denn er lie\u00df sich bereits \u00fcber das Wetter aus, w\u00e4hrend sie gemeinsam das Verwaltungsgeb\u00e4ude betraten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Auf dem Weg vom Treppenhaus zu seinem B\u00fcro, das am Ende des Flurs lag, mu\u00dfte Lars an der kleinen K\u00fcche vorbei. Lisbeth Schmitz-Grewe, noch in Jacke und Handschuhen, schaltete gerade den Wasserkocher ein, um das Wasser f\u00fcr ihren Morgentee hei\u00df zu machen. Dabei wandte sie ihm das Profil zu und er glaubte, etwas Aufgekratztes in ihrer Mimik zu erkennen, w\u00e4hrend sie ansonsten am Morgen eher gelangweilt wirkte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er sch\u00fcttelte kaum merklich den Kopf, die schlecht verbrachte Nacht spielte seiner Phantasie vermutlich erneut einen Streich.<\/p>\n<p class=\"einzug\">In seinem B\u00fcro warf er, wie jeden Morgen, einen kurzen Blick aus dem Fenster. Der Regen hatte wieder eingesetzt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er holte sich aus der K\u00fcche eine Tasse Kaffee und hielt sich ein wenig l\u00e4nger als gew\u00f6hnlich dort auf, als er sah, da\u00df das Wasser im Kocher siedete. Er h\u00e4tte es nie zugegeben, am wenigsten vor sich selbst, doch er wartete darauf, da\u00df Lisbeth Schmitz-Grewe hereinkommen w\u00fcrde, um ihren Tee aufzubr\u00fchen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er brauchte nicht lange zu warten. Sie gr\u00fc\u00dfte ihn freundlich und schenkte ihm sogar ein L\u00e4cheln, was sie eher selten tat und das ihn eigent\u00fcmlich ber\u00fchrte, w\u00e4hrend sie das hei\u00dfe Wasser in eine Tasse go\u00df, in der bereits ein Teebeutel lag.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie tauschten allgemeine Floskeln \u00fcbers Wetter aus, w\u00e4hrenddessen er bem\u00fcht war, nicht zu auff\u00e4llig auf ihre Stiefel zu schauen, die zwar liebevoll gepflegt, aber nichtsdestotrotz h\u00e4ufig getragen wurden, obwohl er sich nicht darin erinnern konnte, da\u00df sie diese schon einmal im B\u00fcro angehabt hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Als sie mit ihrer Tasse, in der noch der Teebeutel zog, die kleine K\u00fcche verlie\u00df, sah er ihr aufmerksam nach.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Der breite schwarze Lederg\u00fcrtel mit der schlichten Schnalle betonte ihre H\u00fcften, auch wenn es ihm noch schwerfiel zu glauben; Lisbeth Schmitz-Grewe &ndash; durch ihre hohen Abs\u00e4tze nur unwesentlich kleiner als er &ndash; wiegte die H\u00fcften auf eine durchaus bet\u00f6rende und kokette Weise, als mache sie es f\u00fcr einen Bewunderer, was ihn nun vollends irritierte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nachdenklich ging er in sein B\u00fcro zur\u00fcck. Weil er an diesem Vormittag einen dringenden Vorgang bis zur Mittagspause zu bearbeiten hatte, besa\u00df er kaum Gelegenheit, n\u00e4her \u00fcber seine Beobachtungen nachzudenken.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nach der Mittagspause wurde die Zeit f\u00fcr ihn lang. Im Grunde hatte er im Augenblick wenig zu tun. Aber Bremer darum zu bitten, sich den Nachmittag freinehmen zu k\u00f6nnen, versp\u00fcrte er auch keine gro\u00dfe Lust. Der ergiebige Landregen machte keinerlei Lust auf irgend etwas. Darum konnte er auch im B\u00fcro bleiben und das tun, was er schon immer machen wollte, den Schreibtisch aufr\u00e4umen zum Beispiel.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Doch irgendwie fehlte ihm auch dazu die Lust und statt dessen sah er in den Regen hinaus. Das gleichm\u00e4\u00dfige Brummen des L\u00fcfters seines Rechners hatte etwas Einschl\u00e4ferndes.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Lisbeth Schmitz-Grewe kam herein, um den w\u00f6chentlichen Beitrag f\u00fcr die Kaffeekasse einzusammeln. Eine T\u00e4tigkeit, die von den Kollegen lange abwechselnd und stets mit Nonchalance betrieben worden war. Mit dem Ergebnis, da\u00df immer irgend etwas fehlte und die Kasse gerade dann leer war, wenn neuer Kaffee oder Tee oder Kekse h\u00e4tten gekauft werden m\u00fcssen. Kaum war Lisbeth Schmitz-Grewe in ihre Abteilung versetzt worden, hatte sie die Sache in die Hand genommen. Und obwohl sie alle weniger in die Kasse einzahlten als fr\u00fcher, gab es jetzt stets ausreichend Kaffee, Tee und Kekse.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er war \u00fcber diese Abwechslung nicht nur wegen seiner augenblicklichen Langeweile dankbar, sondern er stellte fest, da\u00df ihm heute ihre Gesellschaft auf eine besondere Weise angenehmer als bisher war. Sie schien aufgekratzter als \u00fcblich zu sein. Und wieder glaubte er, da\u00df ein leises L\u00e4cheln um ihre vollen weichen Lippen spielte. \u00dcberhaupt schien er heute viel st\u00e4rker das Weibliche in ihr zu sehen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Als sie mit ihrer Liste unter dem Arm und der schwarzledernen B\u00f6rse in der Hand, in der sie das Geld der Kaffeekasse aufbewahrte, verlie\u00df, meinte er, da\u00df sie diesmal geradezu auff\u00e4llig provokant die H\u00fcften wiegte, und die Vermutung, da\u00df sie f\u00fcr einen Bewunderer tat, wurde fast zu einer kleinen Gewi\u00dfheit.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Kaum hatte sie das B\u00fcro verlassen, verflog der Zauber aber auch schon und er war \u00fcberzeugt, sich das nur eingebildet zu haben. Es gelang ihm einfach nicht, sich Lisbeth Schmitz-Grewe vorbehaltlos als kokette Verf\u00fchrerin vorzustellen, die sich und ihren K\u00f6rper vorbehaltlos bejahte, weil sie wu\u00dfte, welch sch\u00f6ne Gef\u00fchle er ihr verschaffen konnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er rief seine Emails ab &ndash; es waren nur wenige und unwichtige dazu &ndash; st\u00fctzte den Kopf auf den Arm auf, blickte in den Regen hinaus und lie\u00df die Gedanken schweifen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr Lars war sie in erster Linie \u203adie Gouvernante\u2039. Tats\u00e4chlich hie\u00df sie Lisbeth Schmitz-Grewe, war Mitte vierzig, geschieden und arbeitete seit etwas mehr als einem Jahr in der gleichen Abteilung. Ihren Spitznamen hatte sie von Lars auf Grund ihres Auftretens und ihrer Art sich zu kleiden bekommen. 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