{"id":318,"date":"2008-12-28T21:54:47","date_gmt":"2008-12-28T20:54:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=318"},"modified":"2026-04-03T12:16:41","modified_gmt":"2026-04-03T10:16:41","slug":"kurzes-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=318","title":{"rendered":"Kurzes #1 \u00b7 Autofahrt im Regen"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/inter.jpg\" \/><\/p>\n<p><i>Unter dem Titel \u00bbKurzes\u00ab stelle ich ab heute in loser Reihenfolge Fragmente oder in sich abgeschlossene Geschichten ein.<br \/>\nDen Anfang macht der Beginn einer Autofahrt in einer weitl\u00e4ufigen Hochmoorlandschaft.<\/i><\/p>\n<p>Seit dem fr\u00fchen Morgen war der Himmel wolkenverhangen. Kaum da\u00df sie die behagliche Geborgenheit des Hauses verlassen hatten, fielen die ersten Tropfen. Er beeilte sich in den Gel\u00e4ndewagen einzusteigen. Bernice legte keine Eile an den Tag. Die wenigen, noch sp\u00e4rlich fallenden Tropfen schienen ihr keine Aufmerksamkeit wert zu sein.<!--more--><br \/>\nIm Wagen sitzend, w\u00e4hrend Bernice gem\u00e4chlich das Heck umrundete, um zur Fahrerseite zu gelangen, kam ihm die Flucht vor den Tropfen ?bertrieben vor. Diese waren zwar ungew\u00f6hnlich dick, wirkten als seien sie aus d\u00fcnnfl\u00fcssigem \u00d6l, aber man mu\u00dfte sich schon etwas anstrengen, wollte man wirklich von ihnen getroffen werden.<br \/>\nEr warf einen Blick auf die niedrige aus lose und ohne M\u00f6rtel aufeinander gelegten Feldbruchsteinen bestehende Mauer, die den eher k\u00e4rglichen Vorgarten umfriedete und aus deren Ritzen Moos und Gr\u00e4ser wuchsen. Zwischen dieser Mauer und der schmalen Stra\u00dfe, deren Asphalt an manchen Stellen br\u00fcchig war \u2013 nicht vom Verkehr, au\u00dfer einem Heu einfahrenden Traktor verirrten sich nur wenige Fahrzeuge hierhin, sondern durch die \u00fcberwiegend feuchte Witterung \u2013 lag nur ein etwa einen Meter breiter Streifen fetten saftig gr\u00fcnen Grases, ein flacher Graben, der aber nur nach starken Regenf\u00e4llen Wasser f\u00fchrte; zu gierig sog der Boden dieser Landschaft jeden fallenden Tropfen auf.<br \/>\nSein kondensierender Atmen beschlug die Seitenscheibe. Obwohl bereits Mitte Mai war es noch recht frisch.<br \/>\nBernice stieg wortlos ein, startete den Motor und fuhr los. Als ihr gem\u00fctliches au\u00dferhalb des kleinen Dorfes liegendes altes Haus ihren Blicken entschwunden war, fielen die Tropfen dichter und sie mu\u00dfte die Scheibenwischer einschalten. Der Regen trommelte auf das Blech, vermischte sich mit dem gleichm\u00e4\u00dfigen Singen des Motors und dem Rauschen der L\u00fcftung und lie\u00df in ihm ein Gef\u00fchl der Behaglichkeit und Geborgenheit aufkommen.<br \/>\nIn der Ferne fuhr ein Traktor \u00fcber eine der Wiesen.<br \/>\nDie Schauer ebbte schnell ab. Die Vormittagssonne bahnte sich m\u00fchsam einen Weg durch die Wolken, brach sich in den noch vereinzelt fallenden Regentropfen und tauchte f\u00fcr einige Minuten die weite Moorlandschaft in ein bizarres grelles und w\u00e4\u00dfriges Licht bis sich die n\u00e4chste Wolke vor sie schob und die Landschaft wieder in das vorherige matte Licht zur\u00fcckfiel. Der Wind, der in schwachen B\u00f6en \u00fcber das Land strich, schob die Wolken vor sich her als treibe er eine Herde schmutzig grauer Schafe \u00fcber eine endlose blaue Weide. Gro\u00dfe graue Felsen ragten aus dem dichten in allen nur denkbaren Gr\u00fcnt\u00f6nen schillernden Teppich aus Moosen, Gr\u00e4sern und Heidekr\u00e4utern empor. Dieses Schauspiel wirkte auf einen Fremden faszinierend und unwirklich zugleich. Immer wieder dr\u00fcckte der Wind einzelne Regentropfen an die Scheiben. Bernice hatte die Scheibenwischer abgestellt. Gelegentlich tauchte in der Ferne ein kleiner Hain mit knorrigen B\u00e4umen und B\u00fcschen hinter einem der gr\u00f6\u00dferen Felsen auf, um nach einer Weile hinter dem n\u00e4chsten zu verschwinden, wenn die Stra\u00dfe einer Biegung folgte oder durch eine Bodensenke f\u00fchrte.<br \/>\nErneut brach die Sonne f\u00fcr einige Augenblicke durch die Wolken um sogleich wieder dahinter, diesmal f\u00fcr l\u00e4nger, zu verschwinden, um abermals einsetzendem Regen das Feld zu \u00fcberlassen. Der Asphalt gl\u00e4nzte vor N\u00e4sse. Die Wolken schienen nach allen Seiten undurchdringlich zu sein und er meinte schon, sich das kurze Durchbrechen der Sonne nur eingebildet zu haben. Die Landschaft wurde mit l\u00e4nger werdender Fahrt zwar h\u00fcgeliger, ver\u00e4nderte aber sonst wenig ihr Aussehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Titel \u00bbKurzes\u00ab stelle ich ab heute in loser Reihenfolge Fragmente oder in sich abgeschlossene Geschichten ein. Den Anfang macht der Beginn einer Autofahrt in einer weitl\u00e4ufigen Hochmoorlandschaft. Seit dem fr\u00fchen Morgen war der Himmel wolkenverhangen. Kaum da\u00df sie die behagliche Geborgenheit des Hauses verlassen hatten, fielen die ersten Tropfen. 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