{"id":3259,"date":"2016-11-29T14:59:53","date_gmt":"2016-11-29T13:59:53","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3259"},"modified":"2026-04-11T20:17:09","modified_gmt":"2026-04-11T18:17:09","slug":"kurzes-70-evamarias-gummiregenmantel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3259","title":{"rendered":"Kurzes #70 \u00b7 Evamarias Gummiregenmantel"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/gummimantel-01.jpg\"\/><\/p>\n<p>Die vielleicht dreihundert Meter lange Gasse mit dem ausgetretenen Pflaster, die sich mit geringer Steigung die kleine Anh\u00f6he hinaufzog, auf der die kleine Stadt erbaut worden war, geno\u00df bereits im Mittelalter einen zweifelhaften Ruf, der ihr bis heute anhaftet, ohne da\u00df selbst alteingesessene Bewohner sagen konnten, worauf dieser sich begr\u00fcndete. Sie hatte sich seitdem nur insofern ver\u00e4ndert, als da\u00df alte H\u00e4user neuen gewichen &ndash; die jedoch l\u00e4ngst wieder alt waren &ndash; die Gasse befestigt und an die \u00f6ffentliche Kanalisation angeschlossen worden war. Das Sonnenlicht drang lediglich am sp\u00e4ten Nachmittag und auch nur im Sommer f\u00fcr zwei bis drei Stunden bis auf das Pflaster hinunter. Es gab zwei Werkst\u00e4tten, die mehr schlecht als recht gingen. Wer hier wohnte, tat es nicht freiwillig, sondern weil es ihn hierher verschlagen hatte und er es nicht mehr schaffte, fortzuziehen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ungef\u00e4hr in der Mitte, relativ nah am Scheitelpunkt des Bogens, in dem die Gasse verlief, lag ein kleines Hotel, strenggenommen eine Absteige, sauber zwar, doch alles andere als heimelig, da es schon vermeintlich bessere Zeiten gesehen zu haben schien. Wer hier ein Zimmer wollte, der nahm es nicht, um zu \u00fcbernachten, denn Reisende verirrten sich nur h\u00f6chst selten in diesen Teil der kleinen Stadt, sondern mietete es stundenweise<!--more-->.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Eine Handvoll Prostituierte ging in der Gasse unbehelligt von Zuh\u00e4ltern ihrem Gewerbe nach; das einzige in dieser Gasse ausge\u00fcbte Gewerbe, das sich f\u00fcr die, die es betrieben, einigerma\u00dfen bezahlt machte. Lediglich die lokale Verwaltung besa\u00df ein wachsames Auge auf die Gunstgewerblerinnen, was sich jedoch in der Sorge ersch\u00f6pfte, ob sie die regelm\u00e4\u00dfigen amtlichen Untersuchungen durchf\u00fchren lie\u00dfen und ihre Steuern und \u00fcbrigen Abgaben ordnungsgem\u00e4\u00df entrichteten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die Frauen warteten diskret auf Kunden. Jede besa\u00df ihren festen Platz, den die anderen respektierten. Sie waren nicht \u00fcbertrieben geschminkt, von durchschnittlicher Attraktivit\u00e4t und durchaus adrett zu nennen. Ihre R\u00f6cke waren nicht unbedingt k\u00fcrzer als die herrschende Mode und auch die Oberteile nicht sonderlich tief ausgeschnitten. Sie unterschieden sich im gro\u00dfen und ganzen in keiner Weise von \u203aanst\u00e4ndigen\u2039 B\u00fcrgersfrauen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">An kalten wie an Regentagen suchten sie in der schummerigen kleinen Kneipe schr\u00e4g gegen\u00fcber dem Stundenhotel Unterschlupf. Dort hatten sie ihren angestammten Bereich, in dem sie auch von Freiern angesprochen werden konnten, jedoch unauff\u00e4llig, damit die \u00fcbrigen G\u00e4ste, ausnahmslos Bewohner der Gasse, sich nicht bel\u00e4stigt f\u00fchlten, die sich ohnehin nie an ihnen st\u00f6ren w\u00fcrden. Die Frauen geh\u00f6rten f\u00fcr sie zu ihrer Gasse, seit sie sich erinnern konnten, und niemand w\u00e4re je unh\u00f6flich oder gar herablassend ihnen gegen\u00fcber geworden. Man tolerierte sich, aber man suchte auch nicht den Kontakt zueinander, wenn es nicht unbedingt sein mu\u00dfte. Jede hatte ihre Stamm- und ihre Laufkundschaft; Lehrlinge wie Gymnasiasten, Arbeiter wie Angestellte und hin und wieder auch jemand aus der \u203aOberschicht\u2039 der kleinen Stadt, dem die gepflegten und bodenst\u00e4ndigen Frauen dieser Gasse lieber waren als die aufgetakelten und gek\u00fcnstelt wirkenden in den Bordellen der nahen Gro\u00dfstadt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Evamaria war wie die Mehrzahl ihrer Kolleginnen eines Tages in der Gasse aufgetaucht und hatte stillschweigend den Platz neben der kleinen Schreinerei eingenommen, die seit Generationen an dieser Stelle ans\u00e4ssig war und bei der es schien, als w\u00fcrde sie keine weitere mehr \u00fcberleben k\u00f6nnen, und doch gab es sie noch immer. Da niemand auf diesen Platz, kaum zehn Schritte vom Hotel entfernt, Anspruch erhob, hatte Evamaria ihn behalten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Erst als sie ihren Platz neben der Schreinerei eingenommen hatte, wurde sich, und das auch nur kurz, dar\u00fcber gewundert, warum niemand vor ihr ihn f\u00fcr sich beansprucht hatte, obwohl die schmale Durchfahrt einen guten Schutz vor Regen bot, einen weitaus besseren als die Hauseing\u00e4nge in deren N\u00e4he die \u00fcbrigen Frauen ihre Pl\u00e4tze hatten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Woher Evamaria kam und was sie zuvor gemacht hatte, wu\u00dfte keiner und interessierte letztlich auch niemanden. Da sie sich von Anfang an den allgemeinen Gepflogenheiten im Umgang miteinander f\u00fcgte, wurde sie schnell respektiert. Sie bewohnte ein kleines Zimmer in einer Pension am Rande der kleinen Stadt, die sauber war und wo den Pensionsg\u00e4sten keine Fragen gestellt wurden, solange sie p\u00fcnktlich ihre Miete bezahlten und nichts taten, was Vertreter der Ordnungsmacht auf den Plan gerufen h\u00e4tte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Vom Alter her lag ungef\u00e4hr in der Mitte dem ihrer Kolleginnen. Sie war auf ihre besondere Weise die h\u00fcbscheste von ihnen, kr\u00e4ftig vom Wuchs wie die meisten; breite H\u00fcften, st\u00e4mmige Beine, jedoch mit ungew\u00f6hnlich schmalen Fesseln, \u00fcppigen schweren Br\u00fcsten. Das dunkle, dichte kaum schulterlange Haar wirkte immer ein wenig ungek\u00e4mmt, was ihr einen sinnlich verwegenen Ausdruck verschaffte. Sie schminkte sich kaum mehr als notwendig und roch immer nach Lavendelseife. Meist trug sie einen engen knielangen, vom Alter bereits leicht speckigen ungef\u00fctterten Lederrock, dessen seitlichen Schlitz sie soweit vergr\u00f6\u00dfert hatte, da\u00df er bei jedem Schritt den Strumpfsaum und einen schmalen Streifen nackter Haut sehen lie\u00df. Zudem besa\u00df sie eine Vorliebe f\u00fcr scheinbar altmodische Strumpfhalter, die aber bei ihren Kunden ankamen und die sie bequemer als die meist knappen neumodischen fand. Auf ihren gepflegten und eleganten, wenn auch leicht ausgetretenen Schuhen mit beinahe turmhohen Abs\u00e4tzen ging sie sicher.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Das Gehen auf hohen Abs\u00e4tzen war f\u00fcr sie ein erotisches Vergn\u00fcgen. Es machte ihr Spa\u00df, die Gasse zehn Schritte hinauf und zehn Schritte hinunter zu schreiten, langsam und mit Bedacht einen Fu\u00df vor den anderen zu setzen. Sie mochte das selbstversunkene Schreiten, das leicht scharrende Ger\u00e4usch der Abs\u00e4tze auf dem alten Stra\u00dfenpflaster sehr, das nicht wirklich f\u00fcr das Gehen auf hohen Abs\u00e4tzen ideal war. Dabei wiegte sie die H\u00fcften auf eine bet\u00f6rende Weise und mit offener Koketterie. Doch geschah es nicht allein, um Kunden auf sich aufmerksam zu machen, sondern nicht wenig aus Eigenliebe heraus, als wollte sie sich selbst verf\u00fchren. Mitunter war sie derma\u00dfen selbstversunken dabei, da\u00df es eine Weile dauerte, bis sie bemerkte, wie ein potentieller Kunde sie schon eine geraume Weile gen\u00fc\u00dflich betrachtete, weil er so fasziniert von ihrer Art war, einen Fu\u00df vor den anderen zu setzen und dabei die H\u00fcften zu wiegen, da\u00df er sich nicht traute, sie anzusprechen, bevor sie ihm nicht ihre Aufmerksamkeit zuwandte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie erschreckte schon lange nicht mehr, wenn sie aus ihrer Selbstversunkenheit erwachte, sondern sp\u00fcrte ein eigenartiges Gef\u00fchl von Dominanz, wenn sie sah, wie der Mann in ehrfurchtsvoller Distanz dastand und darauf zu warten schien, da\u00df sie ihm ihre Gunst gew\u00e4hrte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mit den Jahren hatte sie sich einen Spa\u00df daraus gemacht, den Zeitpunkt bewu\u00dft hinauszuz\u00f6gern, an dem sie den ergeben wartenden Kunden ihr Wohlwollen zuwandte. Sie pflegte den Betreffenden aus den Augenwinkeln heraus zu beobachten und einzusch\u00e4tzen, wie lange er sich wohl w\u00fcrde hinhalten lassen, bevor er ungeduldig wurde und zu einer ihrer Kolleginnen ging, was nur \u00e4u\u00dferst selten geschah; war ein Mann einmal von ihr angetan, wollte er sie auch haben. Die Art und Weise wie der betreffende Mann auf ihren Hintern oder ihre Waden oder Fesseln sah, erlaubte es ihr einzusch\u00e4tzen, ob sie einen Fetischisten oder einen Devoten vor sich hatte, die sich nichts sehnlicher w\u00fcnschten, als ihr nicht nur im \u00fcbertragenen Sinn zu F\u00fc\u00dfen zu liegen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie besa\u00df sch\u00f6ne F\u00fc\u00dfe, das beteuerten nicht nur ihre Kunden, sondern das hatte ihr vor Jahren auch ein Orthop\u00e4de best\u00e4tigt, von dem sie sich wegen einer, im Grunde harmlosen, Verstauchung hatte behandeln lassen. Die Art wie er es gesagt hatte, hatte mehr nach einem Liebhaber sch\u00f6ner F\u00fc\u00dfe als nach dem Arzt geklungen. Aber gerade darum wog sein Urteil doppelt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie widmete sich jeden Abend, sobald sie wieder in ihrer Pension war und zu Abend gegessen hatte, mindestens eine Stunde der Pflege ihrer F\u00fc\u00dfe und sie dankten es ihr, in dem sie sie beinahe m\u00fchelos den ganzen Tag \u00fcber in der kleinen Gasse trugen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie entschied erst, was sie zu tun bereit war, wenn ein Kunde sie ansprach. Selbstverst\u00e4ndlich erf\u00fcllte sie die \u00fcblichen W\u00fcnsche wie ihre Kolleginnen. Sie w\u00e4re auch nie auf die Idee gekommen, es ohne Kondom zu machen. Selbst wenn ein Kunde es vorschlug, ihr sogar einen sp\u00fcrbar h\u00f6heren Preis anbot, lie\u00df sie sich nicht darauf ein. Meist pflegte sie dann mit einem leicht verschmitzten L\u00e4cheln zu erkl\u00e4ren, da\u00df ein Kondom sie sexuell stark errege, ganz gleich ob in der M\u00f6se oder im Mund. Das hatte bisher immer geholfen, denn eine Professionelle, die dabei wirklich erregt wurde und deren Lustger\u00e4usche wom\u00f6glich nicht oder nur wenig gespielt waren, wog das Benutzen eines Kondoms bei weitem auf. Wirklich in sich hinschmunzeln lie\u00df sie, da\u00df es zu einem gro\u00dfen Teil der Wahrheit entsprach; das Haptische, der Geschmack, der Geruch der d\u00fcnnen Gummih\u00e4utchen fand sie bet\u00f6rend.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie konnte nicht sagen, ob sie die Fetischisten oder die Devoten bevorzugte. Es gab Fetischisten, die begn\u00fcgten sich beinahe damit, ihr die bestrumpften F\u00fc\u00dfe massieren zu k\u00f6nnen und einige beherrschten es derma\u00dfen gut, da\u00df Evamaria mitunter das Bed\u00fcrfnis hatte, sie daf\u00fcr zu bezahlen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Andere f\u00fchlten sich von ihrem \u00fcppigen Hintern angezogen, \u00fcber dem sich ihr Lederrock verlockend spannte. Hatte sie einen solchen Kunden vor sich, wiegte sie die H\u00fcften derma\u00dfen lasziv, da\u00df dem Betreffenden buchst\u00e4blich der Atem stockte und er es kaum erwarten konnte, ihren in Leder verpackten Hintern nicht nur mit K\u00fcssen zu bedecken. War sie mit einem solchen auf dem Zimmer, stellte sie sich vorgebeugt, mit leicht gespreizten Beinen und sich mit den Armen auf einen Stuhl aufst\u00fctzend, vor ihn hin und streckte ihm woll\u00fcstig den Hintern entgegen. Ob er ihr ihn nun mit K\u00fcssen bedeckte, ihn massierte, mit den H\u00e4nden z\u00e4rtlich \u00fcber das weiche Leder strich, sich an ihm rieb oder solange hinter ihr stehend onanierte, bis er sich auf ihren Lederrock entleerte und manchmal sogar anschlie\u00dfend sein Sperma gen\u00fc\u00dflich darauf verrieb, war ihr im Grunde einerlei, denn sie fand nichts Ungew\u00f6hnliches an den W\u00fcnschen ihrer Fetischisten und ihrer Devoten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mit der Zeit \u00fcberwogen die Fetischisten und die Devoten unter ihren Kunden bei weitem, was ihr ganz recht und lieber war als die \u203aNormalen\u2039, die lediglich eine schnelle Nummer oder einen geblasen oder einen heruntergeholt haben wollten. Bei ihnen war oft alles derma\u00dfen gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig, der Wunsch beherrschend, es so schnell als m\u00f6glich hinter sich bringen zu wollen, um dann zur Tagesordnung \u00fcbergehen zu k\u00f6nnen, da\u00df sie beinahe Mitleid mit ihnen bekam, weil sie offenkundig nicht zu genie\u00dfen verstanden.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Auch wenn es mitunter so aussehen mochte, als seien gerade die Fetischisten nur an ihrem Lederrock, ihren F\u00fc\u00dfen, ihren Str\u00fcmpfen, ihren Schuhen oder ihren Stiefel, wenn sie hin und wieder und nicht nur an kalten Tagen welche trug, interessiert und nicht auch ein wenig an ihr selbst, so nahmen diese sie viel st\u00e4rker als Frau wahr als die sogenannten \u203aNormalen\u2039. Im Grunde verband sie viel mit ihnen, letztlich war sie auch eine Leder-, Fu\u00df- und Schuhfetischistin, wie sie sich hin und wieder halb im Scherz und halb im Ernst eingestand.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sp\u00fcrte sie, wie der Schwanz eines Kunden anschwoll, sobald sie ihm den Fu\u00df ob mit oder ohne Schuh darauf setzte, lief auch ihr ein elektrisierendes Kribbeln durch den K\u00f6rper. Brachte sie ihn mit den F\u00fc\u00dfen zum H\u00f6hepunkt und sah sie, wie er sich ins Kondom entleerte &ndash; sie bestand auch hier auf den Gebrauch eines Kondoms, da sie wenig Lust versp\u00fcrte, anschlie\u00dfend die Str\u00fcmpfe wechseln zu m\u00fcssen, obwohl sie im Grunde die Vorstellung, wie das Sperma vom zarten Stoff aufgesogen wurde, anregend fand, doch mu\u00dfte es von einem Mann, zu dem sie sich hingezogen f\u00fchlte &ndash; sp\u00fcrte sie, wie sie na\u00df wurde und sich in ihrem Scho\u00df ein wundervolles Kribbeln breitmachte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mit ihren Devoten war es \u00e4hnlich. Sie mochte es, lagen sie ihr zu F\u00fc\u00dfen, sich von ihr \u203aniedermachen\u2039 lie\u00dfen und erwies der Betreffende sich als besonders \u203afolgsam\u2039, erlaubte sie ihm sogar, sie mit dem Mund zum H\u00f6hepunkt zu bringen, was dieser oft meisterlich beherrschte. Dann sch\u00e4mte sie sich fast, daf\u00fcr Geld zu nehmen, aber nur fast, denn kaum war ihr Orgasmus verklungen, gewann ihr Gesch\u00e4ftssinn wieder die Oberhand, wodurch sie ihren Orgasmus erst wirklich und ohne Schuldgef\u00fchle genie\u00dfen und die Distanz zu ihrem Kunden bewahren konnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die W\u00fcnsche ihrer Fetischisten und Devoten nahmen sich vergleichsweise bescheiden aus. Wer das wirklich \u203aAusgefallene\u2039 suchte, der besuchte in der nahegelegenen Gro\u00dfstadt eines der Studios.<\/p>\n<p class=\"einzug\">So angenehm es an kalten Tagen auch war, sich in der kleinen Kneipe aufzuhalten, so \u00e4rgerte sie es, an Regentagen au\u00dferhalb des Winters dort das Ende des Regens abzuwarten. Sie mochte den Regen auf eine eigene Weise. Nicht den heftigen Gu\u00df, der einen binnen weniger Minuten bis auf die Haut durchn\u00e4\u00dfte, sondern den leichten, den Landregen, der einen ganzen Tag ohne Pause niedergehen konnte. An ihrem Platz stand sie zwar recht gut gesch\u00fctzt. Doch irgendwann war jeder Mantel durchn\u00e4\u00dft und mit einem Schirm herumzustehen war auch nicht das Wahre. Dagegen st\u00f6rten sie nasse F\u00fc\u00dfe nicht, im Gegenteil, nicht selten schritt sie absichtlich durch die Pf\u00fctzen, die sich in dem unregelm\u00e4\u00dfigen Pflaster gebildet hatte. Einige ihrer Fetischisten mochten es sehr, ihr die regennassen F\u00fc\u00dfe zu massieren.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ein einfacher Plastikregenmantel fand nicht ihren Zuspruch, er war nicht unbedingt etwas, das viele Kunden anlockte. Eine Zeitlang hatte sie mit dem Gedanken gespielt, sich einen schwarzen Lackmantel zulegen, aber der schien ihr wiederum zu chic f\u00fcr diese Gasse.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ein Besuch bei einer entfernten Tante in der nahegelegenen Gro\u00dfstadt, die in ihrer Jugend dem gleichen Gewerbe nachgegangen war, jedoch nicht auf der Stra\u00dfe sondern in einem der ersten H\u00e4user der Stadt, bevor sie einen erfolgreichen deutlich \u00e4lteren Notar geheiratet hatte, der bereits seit mehreren Jahren verstorben war, l\u00f6ste ihr \u203aProblem\u2039.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie half der Tante beim Aufr\u00e4umen des Kleiderschranks, die regelm\u00e4\u00dfig Kleider an wohlt\u00e4tige Einrichtungen gab, die sie entweder nicht mehr brauchte oder die nicht mehr modern waren oder die sie aus anderen Gr\u00fcnden nicht mehr trug. Dabei fielen ihr zwei dunkelgraue Regenm\u00e4ntel aus leichtem gummierten Stoff auf, die zwar alt aber sehr gepflegt waren. Die Tante hatte ihr Interesse bemerkt und erz\u00e4hlte von einem Schmunzeln begleitet, da\u00df diese M\u00e4ntel nicht nur bestens vor Regen sch\u00fctzten, sondern sie zu ihrer \u203aaktiven\u2039 Zeit einige Kunden gehabt hatte, die sich gerade von diesen M\u00e4nteln erotisch angezogen gef\u00fchlt hatten und ausschlie\u00dflich deswegen zu ihr gekommen waren, weil sie diese \u203adabei\u2039 anbehalten oder extra angezogen hatte. Sie habe sie vor allem aus Sentimentalit\u00e4t aufbewahrt und sich bisher nicht von ihnen trennen k\u00f6nnen, wobei sie keinen Zweifel daran lie\u00df, da\u00df ihr verstorbener Mann einer dieser Kunden gewesen war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Das Leuchten in Evamarias Augen, w\u00e4hrend sie mit den H\u00e4nden beinahe z\u00e4rtlich \u00fcber die seidige Oberfl\u00e4che der M\u00e4ntel strich, lie\u00df es der Tante leichtfallen, sie zu fragen, ob sie die beiden M\u00e4ntel haben wolle. Evamaria, die sich in erster Linie f\u00fcr die M\u00e4ntel als Witterungsschutz interessierte &ndash; zumindest redete sie sich das ein, obwohl f\u00fcr sie bereits zu diesem Zeitpunkt feststand, da\u00df sie diese auch \u203adabei\u2039 tragen w\u00fcrde, sobald einer ihrer Kunden es w\u00fcnschte &ndash;, nahm das Geschenk nur zu gerne an.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wenige Tage darauf bot sich die erste Gelegenheit, einen der M\u00e4ntel w\u00e4hrend der Arbeit zu tragen. Obwohl der Fr\u00fchling bereits in vollem Gang war, lie\u00df das Wetter wenig davon sp\u00fcren. Es war zwar nicht ausgesprochen k\u00fchl, aber es regnete h\u00e4ufiger als es w\u00fcnschenswert w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Es ging ein ausgiebiger Landregen nieder. Ihre Kolleginnen verbrachten die meiste Zeit des Tages gezwungenerma\u00dfen in der Kneipe. Nur sie hielt sich \u00fcberwiegend drau\u00dfen auf. Der Mantel war bequem und leicht, sie sp\u00fcrte ihn kaum, und hielt sie trocken. Die Kapuze hatte sie \u00fcbergezogen und den G\u00fcrtel enggeschn\u00fcrt, so da\u00df ihre \u00fcppigen Br\u00fcste, auf die sie stolz war, betont wurden. Der Regen lie\u00df die wasserundurchl\u00e4ssige Au\u00dfenseite gl\u00e4nzen. Ihre Schuhe waren zwar recht bald durchweicht und die Str\u00fcmpfe na\u00df, aber oben herum trocken zu sein und nur an den F\u00fc\u00dfen und die Str\u00fcmpfe bis hinauf zu den Waden na\u00df, lie\u00df sie sich sichtlich wohlf\u00fchlen. Sie schritt gen\u00fc\u00dflicher als gew\u00f6hnlich aus, die H\u00e4nde in den Manteltaschen vergraben, geno\u00df das leise monotone Trommeln des Regens auf der Kapuze.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie geno\u00df diesen Regentag. Der Geruch des frischfallenden Regens, sein leises Rauschen, die relative Ruhe, die ihn begleitete &ndash; wirklich l\u00e4rmend war es in dieser Gasse nie &ndash; gefiel ihr. Es erinnerte sie an ihre Kindheit, wenn sie an Regentagen stundenlang am offenen Fenster gesessen und in den kleinen Garten hinter dem Haus hinausgesehen hatte. Sie war auf dem Land aufgewachsen, dort wurde Regen nicht als widriges Wetter betrachtet, sondern seine lebenspendende Funktion gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Regen besa\u00df f\u00fcr sie daher auch etwas Aphrodisierendes, und nicht nur weil sie dabei auch an ihr erstes Mal erinnert wurde. Sie war f\u00fcnfzehn gewesen und hatte mit einem Nachbarsjungen vor einem pl\u00f6tzlichen Regengu\u00df in einem Heuschober Unterschlupf gesucht. Sie waren beide v\u00f6llig durchn\u00e4\u00dft gewesen. Der Duft des frischen Heus hatte sein \u00fcbriges dazu getan. Es war an sich nichts Besonders gewesen, aber sie hatte einen Orgasmus gehabt, ihren ersten durch einen Mann. Die Erinnerung, der Regen lie\u00dfen sie sogar ein wenig feucht werden.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie hatte an diesem Tag bisher nur zwei Kunden, nicht mehr als \u00fcblich an einem Regentag und auch ihre Kolleginnen, die sich im stillen \u00fcber ihr Verhalten wunderten, aber nicht weiter dar\u00fcber nachdachten, hatten kaum mehr. Futterneid gab es unter ihnen nicht.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Von diesem Tag an trug sie stets den Gummiregenmantel, sobald nur irgendwie der Anschein von Regen zu entdecken war, schlo\u00df ihn aber nur, wenn es wirklich regnete. Auch fand sie, da\u00df er gut zu ihren Lederr\u00f6cken pa\u00dfte. Schnell hatte man sich an diese \u00e4u\u00dfere Ver\u00e4nderung bei ihr gew\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Die vielleicht dreihundert Meter lange Gasse mit dem ausgetretenen Pflaster, die sich mit geringer Steigung die kleine Anh?he hinaufzog, auf der die kleine Stadt erbaut worden war, geno? bereits im Mittelalter einen zweifelhaften Ruf, der ihr bis heute anhaftet, ohne da? selbst alteingesessene Bewohner sagen konnten, worauf dieser sich begr?ndete. Sie hatte sich seitdem nur insofern ver?ndert, als da? alte H?user neuen gewichen ? die jedoch l?ngst wieder alt waren ? die Gasse befestigt und an die ?ffentliche Kanalisation angeschlossen worden war. Das Sonnenlicht drang lediglich am sp?ten Nachmittag und auch nur im Sommer f?r zwei bis drei Stunden bis auf das Pflaster hinunter. Es gab zwei Werkst?tten, die mehr schlecht als recht gingen. Wer hier wohnte, tat es nicht freiwillig, sondern weil es ihn hierher verschlagen hatte und er es nicht mehr schaffte, fortzuziehen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ungef?hr in der Mitte, relativ nah am Scheitelpunkt des Bogens, in dem die Gasse verlief, lag ein kleines Hotel, strenggenommen eine Absteige, sauber zwar, doch alles andere als heimelig, da es schon vermeintlich bessere Zeiten gesehen zu haben schien. Wer hier ein Zimmer wollte, der nahm es nicht, um zu ?bernachten, denn Reisende verirrten sich nur h?chst selten in diesen Teil der kleinen Stadt, sondern mietete es stundenweise.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Eine Handvoll Prostituierte ging in der Gasse unbehelligt von Zuh?ltern ihrem Gewerbe nach; das einzige in dieser Gasse ausge?bte Gewerbe, das sich f?r die, die es betrieben, einigerma?en bezahlt machte. Lediglich die lokale Verwaltung besa? ein wachsames Auge auf die Gunstgewerblerinnen, was sich jedoch in der Sorge ersch?pfte, ob sie die regelm??igen amtlichen Untersuchungen durchf?hren lie?en und ihre Steuern und ?brigen Abgaben ordnungsgem?? entrichteten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die Frauen warteten diskret auf Kunden. Jede besa? ihren festen Platz, den die anderen respektierten. Sie waren nicht ?bertrieben geschminkt, von durchschnittlicher Attraktivit?t und durchaus adrett zu nennen. Ihre R?cke waren nicht unbedingt k?rzer als die herrschende Mode und auch die Oberteile nicht sonderlich tief ausgeschnitten. Sie unterschieden sich im gro?en und ganzen in keiner Weise von ?anst?ndigen? B?rgersfrauen.<!--more--><\/p>\n<p class=\"einzug\">An kalten wie an Regentagen suchten sie in der schummerigen kleinen Kneipe schr?g gegen?ber dem Stundenhotel Unterschlupf. Dort hatten sie ihren angestammten Bereich, in dem sie auch von Freiern angesprochen werden konnten, jedoch unauff?llig, damit die ?brigen G?ste, ausnahmslos Bewohner der Gasse, sich nicht bel?stigt f?hlten, die sich ohnehin nie an ihnen st?ren w?rden. Die Frauen geh?rten f?r sie zu ihrer Gasse, seit sie sich erinnern konnten, und niemand w?re je unh?flich oder gar herablassend ihnen gegen?ber geworden. Man tolerierte sich, aber man suchte auch nicht den Kontakt zueinander, wenn es nicht unbedingt sein mu?te. Jede hatte ihre Stamm- und ihre Laufkundschaft; Lehrlinge wie Gymnasiasten, Arbeiter wie Angestellte und hin und wieder auch jemand aus der ?Oberschicht? der kleinen Stadt, dem die gepflegten und bodenst?ndigen Frauen dieser Gasse lieber waren als die aufgetakelten und gek?nstelt wirkenden in den Bordellen der nahen Gro?stadt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Evamaria war wie die Mehrzahl ihrer Kolleginnen eines Tages in der Gasse aufgetaucht und hatte stillschweigend den Platz neben der kleinen Schreinerei eingenommen, die seit Generationen an dieser Stelle ans?ssig war und bei der es schien, als w?rde sie keine weitere mehr ?berleben k?nnen, und doch gab es sie noch immer. Da niemand auf diesen Platz, kaum zehn Schritte vom Hotel entfernt, Anspruch erhob, hatte Evamaria ihn behalten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Erst als sie ihren Platz neben der Schreinerei eingenommen hatte, wurde sich, und das auch nur kurz, dar?ber gewundert, warum niemand vor ihr ihn f?r sich beansprucht hatte, obwohl die schmale Durchfahrt einen guten Schutz vor Regen bot, einen weitaus besseren als die Hauseing?nge in deren N?he die ?brigen Frauen ihre Pl?tze hatten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Woher Evamaria kam und was sie zuvor gemacht hatte, wu?te keiner und interessierte letztlich auch niemanden. Da sie sich von Anfang an den allgemeinen Gepflogenheiten im Umgang miteinander f?gte, wurde sie schnell respektiert. Sie bewohnte ein kleines Zimmer in einer Pension am Rande der kleinen Stadt, die sauber war und wo den Pensionsg?sten keine Fragen gestellt wurden, solange sie p?nktlich ihre Miete bezahlten und nichts taten, was Vertreter der Ordnungsmacht auf den Plan gerufen h?tte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Vom Alter her lag ungef?hr in der Mitte dem ihrer Kolleginnen. Sie war auf ihre besondere Weise die h?bscheste von ihnen, kr?ftig vom Wuchs wie die meisten; breite H?ften, st?mmige Beine, jedoch mit ungew?hnlich schmalen Fesseln, ?ppigen schweren Br?sten. Das dunkle, dichte kaum schulterlange Haar wirkte immer ein wenig ungek?mmt, was ihr einen sinnlich verwegenen Ausdruck verschaffte. Sie schminkte sich kaum mehr als notwendig und roch immer nach Lavendelseife. Meist trug sie einen engen knielangen, vom Alter bereits leicht speckigen ungef?tterten Lederrock, dessen seitlichen Schlitz sie soweit vergr??ert hatte, da? er bei jedem Schritt den Strumpfsaum und einen schmalen Streifen nackter Haut sehen lie?. Zudem besa? sie eine Vorliebe f?r scheinbar altmodische Strumpfhalter, die aber bei ihren Kunden ankamen und die sie bequemer als die meist knappen neumodischen fand. Auf ihren gepflegten und eleganten, wenn auch leicht ausgetretenen Schuhen mit beinahe turmhohen Abs?tzen ging sie sicher.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Das Gehen auf hohen Abs?tzen war f?r sie ein erotisches Vergn?gen. Es machte ihr Spa?, die Gasse zehn Schritte hinauf und zehn Schritte hinunter zu schreiten, langsam und mit Bedacht einen Fu? vor den anderen zu setzen. Sie mochte das selbstversunkene Schreiten, das leicht scharrende Ger?usch der Abs?tze auf dem alten Stra?enpflaster sehr, das nicht wirklich f?r das Gehen auf hohen Abs?tzen ideal war. Dabei wiegte sie die H?ften auf eine bet?rende Weise und mit offener Koketterie. Doch geschah es nicht allein, um Kunden auf sich aufmerksam zu machen, sondern nicht wenig aus Eigenliebe heraus, als wollte sie sich selbst verf?hren. Mitunter war sie derma?en selbstversunken dabei, da? es eine Weile dauerte, bis sie bemerkte, wie ein potentieller Kunde sie schon eine geraume Weile gen??lich betrachtete, weil er so fasziniert von ihrer Art war, einen Fu? vor den anderen zu setzen und dabei die H?ften zu wiegen, da? er sich nicht traute, sie anzusprechen, bevor sie ihm nicht ihre Aufmerksamkeit zuwandte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie erschreckte schon lange nicht mehr, wenn sie aus ihrer Selbstversunkenheit erwachte, sondern sp?rte ein eigenartiges Gef?hl von Dominanz, wenn sie sah, wie der Mann in ehrfurchtsvoller Distanz dastand und darauf zu warten schien, da? sie ihm ihre Gunst gew?hrte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mit den Jahren hatte sie sich einen Spa? daraus gemacht, den Zeitpunkt bewu?t hinauszuz?gern, an dem sie den ergeben wartenden Kunden ihr Wohlwollen zuwandte. Sie pflegte den Betreffenden aus den Augenwinkeln heraus zu beobachten und einzusch?tzen, wie lange er sich wohl w?rde hinhalten lassen, bevor er ungeduldig wurde und zu einer ihrer Kolleginnen ging, was nur ?u?erst selten geschah; war ein Mann einmal von ihr angetan, wollte er sie auch haben. Die Art und Weise wie der betreffende Mann auf ihren Hintern oder ihre Waden oder Fesseln sah, erlaubte es ihr einzusch?tzen, ob sie einen Fetischisten oder einen Devoten vor sich hatte, die sich nichts sehnlicher w?nschten, als ihr nicht nur im ?bertragenen Sinn zu F??en zu liegen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie besa? sch?ne F??e, das beteuerten nicht nur ihre Kunden, sondern das hatte ihr vor Jahren auch ein Orthop?de best?tigt, von dem sie sich wegen einer, im Grunde harmlosen, Verstauchung hatte behandeln lassen. Die Art wie er es gesagt hatte, hatte mehr nach einem Liebhaber sch?ner F??e als nach dem Arzt geklungen. Aber gerade darum wog sein Urteil doppelt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie widmete sich jeden Abend, sobald sie wieder in ihrer Pension war und zu Abend gegessen hatte, mindestens eine Stunde der Pflege ihrer F??e und sie dankten es ihr, in dem sie sie beinahe m?helos den ganzen Tag ?ber in der kleinen Gasse trugen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie entschied erst, was sie zu tun bereit war, wenn ein Kunde sie ansprach. Selbstverst?ndlich erf?llte sie die ?blichen W?nsche wie ihre Kolleginnen. Sie w?re auch nie auf die Idee gekommen, es ohne Kondom zu machen. Selbst wenn ein Kunde es vorschlug, ihr sogar einen sp?rbar h?heren Preis anbot, lie? sie sich nicht darauf ein. Meist pflegte sie dann mit einem leicht verschmitzten L?cheln zu erkl?ren, da? ein Kondom sie sexuell stark errege, ganz gleich ob in der M?se oder im Mund. Das hatte bisher immer geholfen, denn eine Professionelle, die dabei wirklich erregt wurde und deren Lustger?usche wom?glich nicht oder nur wenig gespielt waren, wog das Benutzen eines Kondoms bei weitem auf. Wirklich in sich hinschmunzeln lie? sie, da? es zu einem gro?en Teil der Wahrheit entsprach; das Haptische, der Geschmack, der Geruch der d?nnen Gummih?utchen fand sie bet?rend.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie konnte nicht sagen, ob sie die Fetischisten oder die Devoten bevorzugte. Es gab Fetischisten, die begn?gten sich beinahe damit, ihr die bestrumpften F??e massieren zu k?nnen und einige beherrschten es derma?en gut, da? Evamaria mitunter das Bed?rfnis hatte, sie daf?r zu bezahlen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Andere f?hlten sich von ihrem ?ppigen Hintern angezogen, ?ber dem sich ihr Lederrock verlockend spannte. Hatte sie einen solchen Kunden vor sich, wiegte sie die H?ften derma?en lasziv, da? dem Betreffenden buchst?blich der Atem stockte und er es kaum erwarten konnte, ihren in Leder verpackten Hintern nicht nur mit K?ssen zu bedecken. War sie mit einem solchen auf dem Zimmer, stellte sie sich vorgebeugt, mit leicht gespreizten Beinen und sich mit den Armen auf einen Stuhl aufst?tzend, vor ihn hin und streckte ihm woll?stig den Hintern entgegen. Ob er ihr ihn nun mit K?ssen bedeckte, ihn massierte, mit den H?nden z?rtlich ?ber das weiche Leder strich, sich an ihm rieb oder solange hinter ihr stehend onanierte, bis er sich auf ihren Lederrock entleerte und manchmal sogar anschlie?end sein Sperma gen??lich darauf verrieb, war ihr im Grunde einerlei, denn sie fand nichts Ungew?hnliches an den W?nschen ihrer Fetischisten und ihrer Devoten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mit der Zeit ?berwogen die Fetischisten und die Devoten unter ihren Kunden bei weitem, was ihr ganz recht und lieber war als die ?Normalen?, die lediglich eine schnelle Nummer oder einen geblasen oder einen heruntergeholt haben wollten. Bei ihnen war oft alles derma?en gesch?ftsm??ig, der Wunsch beherrschend, es so schnell als m?glich hinter sich bringen zu wollen, um dann zur Tagesordnung ?bergehen zu k?nnen, da? sie beinahe Mitleid mit ihnen bekam, weil sie offenkundig nicht zu genie?en verstanden.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Auch wenn es mitunter so aussehen mochte, als seien gerade die Fetischisten nur an ihrem Lederrock, ihren F??en, ihren Str?mpfen, ihren Schuhen oder ihren Stiefel, wenn sie hin und wieder und nicht nur an kalten Tagen welche trug, interessiert und nicht auch ein wenig an ihr selbst, so nahmen diese sie viel st?rker als Frau wahr als die sogenannten ?Normalen?. Im Grunde verband sie viel mit ihnen, letztlich war sie auch eine Leder-, Fu?- und Schuhfetischistin, wie sie sich hin und wieder halb im Scherz und halb im Ernst eingestand.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sp?rte sie, wie der Schwanz eines Kunden anschwoll, sobald sie ihm den Fu? ob mit oder ohne Schuh darauf setzte, lief auch ihr ein elektrisierendes Kribbeln durch den K?rper. Brachte sie ihn mit den F??en zum H?hepunkt und sah sie, wie er sich ins Kondom entleerte ? sie bestand auch hier auf den Gebrauch eines Kondoms, da sie wenig Lust versp?rte, anschlie?end die Str?mpfe wechseln zu m?ssen, obwohl sie im Grunde die Vorstellung, wie das Sperma vom zarten Stoff aufgesogen wurde, anregend fand, doch mu?te es von einem Mann, zu dem sie sich hingezogen f?hlte ? sp?rte sie, wie sie na? wurde und sich in ihrem Scho? ein wundervolles Kribbeln breitmachte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mit ihren Devoten war es ?hnlich. Sie mochte es, lagen sie ihr zu F??en, sich von ihr ?niedermachen? lie?en und erwies der Betreffende sich als besonders ?folgsam?, erlaubte sie ihm sogar, sie mit dem Mund zum H?hepunkt zu bringen, was dieser oft meisterlich beherrschte. Dann sch?mte sie sich fast, daf?r Geld zu nehmen, aber nur fast, denn kaum war ihr Orgasmus verklungen, gewann ihr Gesch?ftssinn wieder die Oberhand, wodurch sie ihren Orgasmus erst wirklich und ohne Schuldgef?hle genie?en und die Distanz zu ihrem Kunden bewahren konnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die W?nsche ihrer Fetischisten und Devoten nahmen sich vergleichsweise bescheiden aus. Wer das wirklich ?Ausgefallene? suchte, der besuchte in der nahegelegenen Gro?stadt eines der Studios.<\/p>\n<p class=\"einzug\">So angenehm es an kalten Tagen auch war, sich in der kleinen Kneipe aufzuhalten, so ?rgerte sie es, an Regentagen au?erhalb des Winters dort das Ende des Regens abzuwarten. Sie mochte den Regen auf eine eigene Weise. Nicht den heftigen Gu?, der einen binnen weniger Minuten bis auf die Haut durchn??te, sondern den leichten, den Landregen, der einen ganzen Tag ohne Pause niedergehen konnte. An ihrem Platz stand sie zwar recht gut gesch?tzt. Doch irgendwann war jeder Mantel durchn??t und mit einem Schirm herumzustehen war auch nicht das Wahre. Dagegen st?rten sie nasse F??e nicht, im Gegenteil, nicht selten schritt sie absichtlich durch die Pf?tzen, die sich in dem unregelm??igen Pflaster gebildet hatte. Einige ihrer Fetischisten mochten es sehr, ihr die regennassen F??e zu massieren.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ein einfacher Plastikregenmantel fand nicht ihren Zuspruch, er war nicht unbedingt etwas, das viele Kunden anlockte. Eine Zeitlang hatte sie mit dem Gedanken gespielt, sich einen schwarzen Lackmantel zulegen, aber der schien ihr wiederum zu chic f?r diese Gasse.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ein Besuch bei einer entfernten Tante in der nahegelegenen Gro?stadt, die in ihrer Jugend dem gleichen Gewerbe nachgegangen war, jedoch nicht auf der Stra?e sondern in einem der ersten H?user der Stadt, bevor sie einen erfolgreichen deutlich ?lteren Notar geheiratet hatte, der bereits seit mehreren Jahren verstorben war, l?ste ihr ?Problem?.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie half der Tante beim Aufr?umen des Kleiderschranks, die regelm??ig Kleider an wohlt?tige Einrichtungen gab, die sie entweder nicht mehr brauchte oder die nicht mehr modern waren oder die sie aus anderen Gr?nden nicht mehr trug. Dabei fielen ihr zwei dunkelgraue Regenm?ntel aus leichtem gummierten Stoff auf, die zwar alt aber sehr gepflegt waren. Die Tante hatte ihr Interesse bemerkt und erz?hlte von einem Schmunzeln begleitet, da? diese M?ntel nicht nur bestens vor Regen sch?tzten, sondern sie zu ihrer ?aktiven? Zeit einige Kunden gehabt hatte, die sich gerade von diesen M?nteln erotisch angezogen gef?hlt hatten und ausschlie?lich deswegen zu ihr gekommen waren, weil sie diese ?dabei? anbehalten oder extra angezogen hatte. Sie habe sie vor allem aus Sentimentalit?t aufbewahrt und sich bisher nicht von ihnen trennen k?nnen, wobei sie keinen Zweifel daran lie?, da? ihr verstorbener Mann einer dieser Kunden gewesen war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Das Leuchten in Evamarias Augen, w?hrend sie mit den H?nden beinahe z?rtlich ?ber die seidige Oberfl?che der M?ntel strich, lie? es der Tante leichtfallen, sie zu fragen, ob sie die beiden M?ntel haben wolle. Evamaria, die sich in erster Linie f?r die M?ntel als Witterungsschutz interessierte ? zumindest redete sie sich das ein, obwohl f?r sie bereits zu diesem Zeitpunkt feststand, da? sie diese auch ?dabei? tragen w?rde, sobald einer ihrer Kunden es w?nschte ?, nahm das Geschenk nur zu gerne an.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wenige Tage darauf bot sich die erste Gelegenheit, einen der M?ntel w?hrend der Arbeit zu tragen. Obwohl der Fr?hling bereits in vollem Gang war, lie? das Wetter wenig davon sp?ren. Es war zwar nicht ausgesprochen k?hl, aber es regnete h?ufiger als es w?nschenswert w?re.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Es ging ein ausgiebiger Landregen nieder. Ihre Kolleginnen verbrachten die meiste Zeit des Tages gezwungenerma?en in der Kneipe. Nur sie hielt sich ?berwiegend drau?en auf. Der Mantel war bequem und leicht, sie sp?rte ihn kaum, und hielt sie trocken. Die Kapuze hatte sie ?bergezogen und den G?rtel enggeschn?rt, so da? ihre ?ppigen Br?ste, auf die sie stolz war, betont wurden. Der Regen lie? die wasserundurchl?ssige Au?enseite gl?nzen. Ihre Schuhe waren zwar recht bald durchweicht und die Str?mpfe na?, aber oben herum trocken zu sein und nur an den F??en und die Str?mpfe bis hinauf zu den Waden na?, lie? sie sich sichtlich wohlf?hlen. Sie schritt gen??licher als gew?hnlich aus, die H?nde in den Manteltaschen vergraben, geno? das leise monotone Trommeln des Regens auf der Kapuze.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie geno? diesen Regentag. Der Geruch des frischfallenden Regens, sein leises Rauschen, die relative Ruhe, die ihn begleitete ? wirklich l?rmend war es in dieser Gasse nie ? gefiel ihr. Es erinnerte sie an ihre Kindheit, wenn sie an Regentagen stundenlang am offenen Fenster gesessen und in den kleinen Garten hinter dem Haus hinausgesehen hatte. Sie war auf dem Land aufgewachsen, dort wurde Regen nicht als widriges Wetter betrachtet, sondern seine lebenspendende Funktion gesch?tzt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Regen besa? f?r sie daher auch etwas Aphrodisierendes, und nicht nur weil sie dabei auch an ihr erstes Mal erinnert wurde. Sie war f?nfzehn gewesen und hatte mit einem Nachbarsjungen vor einem pl?tzlichen Regengu? in einem Heuschober Unterschlupf gesucht. Sie waren beide v?llig durchn??t gewesen. Der Duft des frischen Heus hatte sein ?briges dazu getan. Es war an sich nichts Besonders gewesen, aber sie hatte einen Orgasmus gehabt, ihren ersten durch einen Mann. Die Erinnerung, der Regen lie?en sie sogar ein wenig feucht werden.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie hatte an diesem Tag bisher nur zwei Kunden, nicht mehr als ?blich an einem Regentag und auch ihre Kolleginnen, die sich im stillen ?ber ihr Verhalten wunderten, aber nicht weiter dar?ber nachdachten, hatten kaum mehr. Futterneid gab es unter ihnen nicht.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Von diesem Tag an trug sie stets den Gummiregenmantel, sobald nur irgendwie der Anschein von Regen zu entdecken war, schlo? ihn aber nur, wenn es wirklich regnete. Auch fand sie, da? er gut zu ihren Lederr?cken pa?te. Schnell hatte man sich an diese ?u?ere Ver?nderung bei ihr gew?hnt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die vielleicht dreihundert Meter lange Gasse mit dem ausgetretenen Pflaster, die sich mit geringer Steigung die kleine Anh\u00f6he hinaufzog, auf der die kleine Stadt erbaut worden war, geno\u00df bereits im Mittelalter einen zweifelhaften Ruf, der ihr bis heute anhaftet, ohne da\u00df selbst alteingesessene Bewohner sagen konnten, worauf dieser sich begr\u00fcndete. 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