{"id":3348,"date":"2016-12-15T23:57:36","date_gmt":"2016-12-15T22:57:36","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3348"},"modified":"2026-04-09T12:15:44","modified_gmt":"2026-04-09T10:15:44","slug":"alte-krimis-der-frauenmoerder-von-hugo-bettauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3348","title":{"rendered":"\u00bbAlte\u00ab Krimis \u00b7 \u00bbDer Frauenm\u00f6rder\u00ab von Hugo Bettauer"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/inter.jpg\" alt=\"Interpretationen\" \/><\/p>\n<p>In Berlin, zu Beginn der 1920er Jahre, verschwinden innerhalb von sechs Wochen vier junge Frauen spurlos. Sie hinterlassen alle wenige Habseligkeiten und alle haben einen Br\u00e4utigam, der gelinde gesagt, etwas fragw\u00fcrdig erscheint. Dr. Clusius, Chef der Kriminalpolizei, sieht darin keine Zuf\u00e4lligkeit, sondern geht von einem Verbrechen aus. Er vertraut Krause, seinem besten Mann, der anf\u00e4nglich der Annahme seines Vorgesetzten mit Skepsis begegnet, den Untersuchungen an. Bei den F\u00e4llen gibt es auffallende Gemeinsamkeiten; jede der jungen Frauen mietete ein Zimmer und bezahlen es im voraus. Wenige Tage sp\u00e4ter verk\u00fcndeten sie, da\u00df sie ein oder zwei Tage mit ihrem Br\u00e4utigam verreisen w\u00fcrden, um sich ein Haus anzusehen. Diese H\u00e4user befinden sich alle in derselben Gegen an der Havel. Sie haben nur soviel Gep\u00e4ck dabei, wie f\u00fcr zwei Tage notwendig ist. In drei F\u00e4llen sind Zeugen vorhanden, die den jeweiligen Br\u00e4utigam gesehen haben. Laut ihrer Beschreibung \u00e4hneln sich die drei M\u00e4nner stark, so da\u00df die Wahrscheinlichkeit hoch ist, da\u00df es sich um denselben Mann handeln k\u00f6nnte. Krause ist bald davon \u00fcberzeugt, da\u00df sein Chef mit der Vermutung eines Verbrechens richtig liegt und nimmt die Ermittlungen auf.<!--more--><\/p>\n<p class=\"einzug\">Krause \u2013 eigentlich Joachim von Dengern, Spro\u00df einer alten, vornehmen aber wenig beg\u00fcterten Familie \u2013 ger\u00e4t durch eine Intrige in die M\u00fchlen der Justiz und wird f\u00fcr ein Vergehen, da\u00df er nicht begangen hat, zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, von denen ihm ein Jahr erlassen wurde. Sein jetziger Chef der Kriminalpolizei hatte seiner als junger Kommissar die Ermittlungen geleitet und war von Joachims Schuld \u00fcberzeugt. Nach seiner Haftentlassung ermittelte Dengern akribisch in eigener Sache, entlarvte den wahren Schuldigen und erreichte ein Wiederaufnahmeverfahren, in dem er nachwies, da\u00df sein damaliger Chef, Justizrat Rodenbach, der tats\u00e4chliche T\u00e4ter war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Krause\/Dengern h\u00e4tte nach diesem Erfolg, in der er seine F\u00e4higkeiten unter Beweis gestellt hatte, seinen alten Beruf als Jurist wiederaufnehmen k\u00f6nnen, doch hatte das Erlebnis, die Haftzeit tiefe Spuren in ihm hinterlassen; er wurde menschenscheu, ergab sich dem Trunk und steuerte in gro\u00dfen Schritte auf die Mittellosigkeit zu. Da begegnete er Clusius, der nun Chef der Kriminalpolizei geworden war, zuf\u00e4llig in einem Weinlokal. Clusius, beeindruckt dem jungen Mann und seinen F\u00e4higkeiten als Ermittler, bietet ihm eine Stellung bei der Kriminalpolizei an. Dengern erkennt seine Chance seine derzeitige Bahn, die steil dem Abgrund hinunterf\u00fchrt zu verlassen, willigt ein und ist fortan unter dem Namen Krause t\u00e4tigt. Er \u00fcbertrifft die Erwartungen von Clusisus und dem Polizeichef.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Krauses Zeugenbefragung im Fall der spurlos verschwundenen Frauen bringt wenig Stichhaltiges zutage. Die jungen Frauen scheinen austauschbar zu sein, f\u00fchren Allerweltsnamen \u2013 M\u00fcller, M\u00f6ller, Jensen, Pfeiffer \u2013 sie erw\u00e4hnen keine Freunde, Bekannte oder Verwandte, scheinen tats\u00e4chlich allein auf der Welt zu sein, sie sind nicht \u00e4rmlich an sich, obschon ihre Hinterlassenschaft diesen Eindruck erweckt. Deren Hinterlassenschaft ist es, die Krause stutzig werden l\u00e4\u00dft, da einiges bei n\u00e4herem Hinsehen sich widerspricht.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Eine f\u00fcnfte junge Frau verschwindet unter \u00a0vergleichbaren Umst\u00e4nden. Obschon die Berliner Kriminalpolizei Aufrufe zur Feststellung der Identit\u00e4t der verschwundenen Frauen landesweit in die Zeitungen einstellt, namentlich in den Heimatorten, die von den jungen Frauen angegeben wurden, meldet sich niemand, der sie kennt, was das ganze noch ein wenig mysteri\u00f6ser werden l\u00e4\u00dft, da h\u00f6chst unwahrscheinlich zu sein scheint, da\u00df <i>keine<\/i> von ohne Verwandtschaft sein soll, die sie m\u00f6glicherweise vermi\u00dft.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Durch Zufall st\u00f6\u00dft Krause bei seinen weiteren Nachforschungen auf den ebenso begabten wie erfolglosen jungen Schriftsteller Thomas Hartwig, der augenf\u00e4llig mit der Personenbeschreibung des omin\u00f6sen Br\u00e4utigams der verschwundenen Frauen \u00fcbereinstimmt. Krause setzt sich auf Hartwigs Fersen. Der Verdacht gegen Hartwig als mutma\u00dflicher T\u00e4ter verh\u00e4rtet sich zusehends. Die Beweislast wirkt vor allem durch bei Hartwig gefundene Briefe von den verschwundenen Frauen an Hartwig, die eindeutige auf Heiratsabsichten erkennen lassen. Sollte Hartwig am Geld der verschwundenen Frauen interessiert gewesen sein?<\/p>\n<p class=\"einzug\">Und dann gibt es noch Lotte Fr\u00f6hlich, Freundin und \u00bbBraut\u00ab von Thomas Hartwig, die vom \u00c4u\u00dferen her auffallend in das Schema der verschwundenen Frauen pa\u00dft.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Thomas Hartwig wird auf Grund der Indizien- und Beweislast, die Krause heranschafft, des Mordes an den jungen Frauen \u00fcberf\u00fchrt, jedoch schweigt er sich bei seiner Festnahme zu den Vorw\u00fcrfen aus. <i>\u00bbUnd nun, meine Herren, bitte ich Sie, sich keine M\u00fche mehr zu geben, da ich keine weitere Frage beantworten werde. Nicht einmal die, ob ich schuldig oder unschuldig bin. Sp\u00e4ter, vor meinen wirklichen Richtern, werde ich mich vielleicht \u2014 ich wei\u00df es heute noch nicht \u2014 \u00e4u\u00dfern, bis dahin m\u00fcssen Sie aber auf jedwede Unterhaltung mit mir verzichten.\u00ab<\/i><\/p>\n<p class=\"einzug\">Wenngleich die Beweislast gegen Hartwig erdr\u00fcckend, kommen Krause mit der Zeit Zweifel. Er setzt seine Nachforschungen fort und macht eine Entdeckung, die alles in ein g\u00e4nzlich anderes Licht stellt. Hartwig ist offenbar kein \u00bbnaiver\u00ab M\u00f6rder, der es \u00bbnur\u00ab auf das Geld der Frauen abgesehen hat, sondern er hat einen ausgekl\u00fcgelten Plan verfolgt, in dem Lotte Fr\u00f6hlich eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle spielt. Thomas Hartwigs Proze\u00df wird auf eine andere Weise spektakul\u00e4r, als alle sich vorgestellt haben, nur f\u00fcr Krause ist es nicht \u2013 mehr \u2013 \u00fcberraschend.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hugo_Bettauer\" target=\"_blank\">Hugo Bettauer<\/a> (* 1879\u2013\u2020 1925) hat sich von einem realen franz\u00f6sischen Fall inspirieren lassen \u2013 Egon Roland \u00bb<i>Der Fall Landru<\/i>\u00ab \u2013 wenn er ihn auch auf eine ganz eigene Weise und weitaus weniger tragische Weise bearbeitet.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mit Krause hat Bettauer einen typischen Antihelden geschaffen, selbst Opfer eines Justizirrtums \u2013 was f\u00fcr sich genommen eine spannende Geschichte geben w\u00fcrde, so wie Bettauer diesen in einem kurzen \u00dcberblick schildert \u2013, was deutliche Spuren bei ihm hinterl\u00e4\u00dft. \u00bb<i>Krause war ein ungl\u00fccklicher Mensch und hatte einen Knacks weg, von dem er sich nicht erholen konnte.<\/i>\u00ab Krause ergibt nach erfolgreicher Rehabilitierung, die ihm durch eine gro\u00dfz\u00fcgig bemessene Haftentsch\u00e4digung eine Zeitlang ohne finanzielle Probleme leben l\u00e4\u00dft, doch ergibt er sich dem Trunk und dabei rinnt ihm das Geld durch die Finger und f\u00fchrt dem Abgrund zu. Das Angebot, seine F\u00e4higkeiten als Ermittler in den Dienst der Polizei nimmt er zu einem Zeitpunkt an, ist daher seine Rettung.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Der Fall der verschwundenen Frauen stellt seine F\u00e4higkeiten auf eine harte Probe. Wie in jener Sache, die ihn selbst ins Gef\u00e4ngnis gebracht hat, scheinen die Indizien und Beweise f\u00fcr die Schuld des jungen Schriftstellers erdr\u00fcckend zu sein, und Krause scheint ihnen erst auf den Leim zu gehen, wie seinerzeit Clusius bei ihm. Doch Krause hat sich auf Grund der eigenen Erfahrung seine Skepsis bewahrt und gibt sich nicht mit der Erkl\u00e4rung zufrieden, die doch so eindeutig zu sein scheint, wodurch er einen erneuten Justizirrtum verhindert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Berlin, zu Beginn der 1920er Jahre, verschwinden innerhalb von sechs Wochen vier junge Frauen spurlos. 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