{"id":3382,"date":"2016-12-23T09:06:52","date_gmt":"2016-12-23T08:06:52","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3382"},"modified":"2026-04-11T20:26:19","modified_gmt":"2026-04-11T18:26:19","slug":"kurzes-74-zwoelf-erotische-aquarelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3382","title":{"rendered":"Kurzes #74 \u00b7 Zw\u00f6lf erotische Aquarelle"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20161223_001_800_2.jpg\"\/><\/p>\n<p>Erst als er den gro\u00dfen grauen r\u00fcckseitig mit Karton verst\u00e4rkten Umschlag nebst der \u00fcbrigen Post auf seinen Schreibtisch legte, sah er, da\u00df er nicht mit der regul\u00e4ren Post gekommen sein konnte, da nur sein Name in einer ihm unbekannten Handschrift darauf stand, was verst\u00e4ndlicherweise seine Neugierde weckte. Er schnitt ihn auf. Er enthielt lediglich ein Blatt rauhes Aquarellpapier.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Es war ausgezeichnet und mit gro\u00dfer Liebe zum Detail gearbeitet. Es zeigte eine gro\u00dfe Frau mit einem ausgepr\u00e4gt femininen, nahezu perfekten K\u00f6rper und taillenlangen, dichten dunklen Haaren. Sie stand leicht nach links gewandt im Kontrapost. Sie hielt ein gro\u00dfes beiges flauschiges Handtuch vor dem Bauch, den Blick leicht nach unten gerichtet, das Gesicht vollst\u00e4ndig von den Haaren bedeckt. Im Gegensatz zur Detailverliebtheit, mit der sie dargestellt war, war der sie umgebende von warmem Licht durchflutete Raum lediglich mit zwei, drei Strichen angedeutet, die aber gen\u00fcgten, um ein Bad erkennen zu lassen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er wendete das Blatt mehrmals, doch es fand sich nicht die kleinste Spur einer Signatur.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er setzte sich an den Schreibtisch und nahm das Blatt nun mit Hilfe einer Lupe n\u00e4her in Augenschein.<!--more--><\/p>\n<p class=\"einzug\">Die Arbeit strahlte eine besondere Erotik aus. Es bestand kaum ein Zweifel, da\u00df es sich um ein Selbstportrait handelte. Diese Liebe zum Detail war Eigenliebe im positiven Sinne. Sie hatte nichts an sich besch\u00f6nigt. Der auf den ersten Blick perfekte K\u00f6rper hatte seine kleinen angenehmen Fehler. Ihre Br\u00fcste beispielsweise &ndash; sie fielen schon deshalb ins Auge, weil sie das Handtuch mit der Rechten dicht unter ihnen festhielt &ndash; waren keine ebenm\u00e4\u00dfigen Halbkugeln, sondern gaben un\u00fcbersehbar der Schwerkraft nach, doch ohne den Eindruck des H\u00e4ngens zu vermitteln. Die linke zierte au\u00dfen ein kleines ovales Muttermal. Der Warzenvorhof war relativ gro\u00df und dunkel. Die Finger waren schlank und unberingt, mit halblangen, in einem blassen Rot lackierten N\u00e4geln. Mit der Linken hielt sie das Handtuch knapp \u00fcber dem Scho\u00df fest. Es fiel in weiche Falten zwischen ihren langen Beinen, deren Schenkel muskul\u00f6s waren, die Waden angenehm gerundet und die Fesseln schmal. Die F\u00fc\u00dfe kamen dem klassisch-griechischen Ideal sehr nahe.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Obwohl sie auf den ersten Blick den eigenen K\u00f6rper nach einem erfrischenden Bad selbstverliebt abtrocknete, posierte sie un\u00fcbersehbar f\u00fcr einen Betrachter. Und nicht f\u00fcr irgendeinen zuf\u00e4lligen, sondern f\u00fcr einen ganz bestimmten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er stellte das Blatt vor den Monitor seines Computers und lehnte sich zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wer mochte ihm dieses kleine Meisterwerk geschickt haben? Und vor allem, aus welchem Grund heraus?<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die Antwort hatte er sich bereits gegeben, wenn sich sein Hang zur Skepsis auch weigerte, es ohne Widerspruch zu akzeptieren. Die Beantwortung der ersten Frage war da weitaus schwieriger.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Zuerst dachte er an einen seiner K\u00fcnstlerfreunde und -kollegen. Was er jedoch schnell wieder verwarf.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Zuerst einmal fielen alle M\u00e4nner heraus. Selbst wenn es kein Selbstportrait w\u00e4re, w\u00fcrde kein Mann einen Frauenakt so darstellen, selbst wann man unterstellte, das es keine typisch geschlechtliche Sicht auf den menschlichen K\u00f6rper gibt. Zum anderen lie\u00df es sich stilistisch niemandem zuordnen &ndash; wenn es auch die meisten seiner K\u00fcnstlerfreunde und -kollegen von der technischen Seite ohne weiteres hinbekommen h\u00e4tten, das einzig wirklich nicht unumst\u00f6\u00dfliche Argument. Und drittens mu\u00dften seiner Intuition nach Urheberin und Abgebildete identisch sein. Womit alle ihm bekannten K\u00fcnstlerinnen gleichfalls ausschieden. Keine von ihnen besa\u00df taillenlanges dunkles Haar. Die einzige, die langes Haar besa\u00df, war blond und zierlicher als die Abgebildete. Von der Figur her kamen allenfalls zwei in Frage, wenn er auch keine von ihnen bisher nackt gesehen hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wie dem auch sei, diese Argumentationsliste lie\u00dfe sich noch um einiges verl\u00e4ngern, ohne da\u00df ihm jemand einfiel, die mit der abgebildeten Sch\u00f6nen identisch w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Es war das Selbstbildnis einer unbekannten Verehrerin, was einerseits seiner Eitelkeit schmeichelte, ihn andererseits beunruhigte, da er keine Vorstellung bez\u00fcglich der weiteren Entwicklung besa\u00df.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er nahm sich den Umschlag erneut vor. Vielleicht hatte er ja was \u00fcbersehen. Er stellte ihn auf den Kopf, sch\u00fcttelte ihn, aber es kam nichts weiter zum Vorschein.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Obwohl er sich das Blatt bereits mehr als aufmerksam angesehen hatte, nahm er es mir erneut mit der Lupe vor, mit dem gleichen Ergebnis wie zuvor.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Zu guter Letzt befestigte er das Aquarell mit einem tiefen Seufzer der Kapitulation an der Magnetleiste \u00fcber dem Ruhesofa. Vielleicht w\u00fcrde ihm seine fortw\u00e4hrende Gegenwart eine Eingebung bringen. Diesen Gefallen tat es ihm nat\u00fcrlich nicht.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mehrmals am Tag verirrte sich sein Blick zu dem Aquarell, die Faszination stieg, zugleich auch die Ratlosigkeit.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Zwei Tage nach dem ersten Umschlag erhielt er einen zweiten. Er war alles andere als \u00fcberrascht. Im Stillen hatte er damit gerechnet. Die \u00fcbrige Post warf er achtlos auf den Schreibtisch und \u00f6ffnete den Umschlag mit leicht fahrigen Fingern.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er enthielt wieder nur ein Blatt desselben Aquarellpapiers.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Diesmal sa\u00df sie im selben Licht auf dem Rand einer Wanne und cremte sich ein. Sie wandte dem Betrachter st\u00e4rker als auf dem ersten Blatt das Profil zu. Das rechte Bein war angewinkelt, das linke hing fast entspannt herunter. In der Linken hielt sie einen halb durchsichtigen, blauschimmernden fast vollen Flakon, mit der Rechten verteilte sie die Lotion \u00fcber ihr rechtes Bein. Ihr Bauch warf sich in leichte, aber nicht unsch\u00f6ne, durchaus sinnliche Falten. Und wieder verdeckte das dichte Haar das Gesicht.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Das Blatt war so sch\u00f6n und so sinnlich wie das erste, ja er stellte sogar eine leichte Steigerung fest. Er betrachtete es mit derselben Aufmerksamkeit wie das erste, entdeckte aber ebensowenig wie an diesem einen Hinweis auf die Urheberin.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er h\u00e4ngte das Blatt zu dem ersten, betrachtete sie zusammen und blieb ratlos. Sicher war nur, da\u00df andere folgen w\u00fcrden und er nur vage spekulieren konnte, was sie zeigten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Am n\u00e4chsten Morgen und an den Tagen darauf \u00fcber etwas mehr als eine Woche hinweg fand er in seinem Briefkasten jeweils einen Umschlag mit einem Aquarell, manchmal auch mit zweien darin. Am Ende blickten ihm zw\u00f6lf Aquarelle in zwei Reihen von der Wand entgegen. Auf keinem der Bl\u00e4tter war der kleinste Hinweis auf die Urheberin zu entdecken. Ihre Identit\u00e4t lag immer noch im Dunkel.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Aus der Badezimmerszene wurde beim dritten Blatt eine Ankleideszene, begleitet von einem Wechsel des Raumes bei gleicher Lichtstimmung, die wesentlich zu der besonderen Atmosph\u00e4re beitrug, die allen Bl\u00e4ttern gemein war. Sie h\u00fcllte darauf den K\u00f6rper in ein leichtes, kurzes tailliertes Gewand aus halbdurchsichtigem Stoff, unter dem der dunkle Warzenvorhof ihrer Br\u00fcste mehr als nur angedeutet sichtbar wurde. Dieses Gewand trug sie auf allen weiteren Bl\u00e4ttern, wohl wissend, da\u00df ein geschickt mit einem Hauch von Stoff bekleideter K\u00f6rper bet\u00f6render wirkte als ein nackter. Nebenbei zeigte sie, da\u00df sie intensiv den Faltenwurf verschiedener Stoff studiert hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Aus der Ankleideszene wurde eine Ruheszene auf einem breiten, wiederum nur mit wenigen Strichen angedeutetem Bett. Sie sa\u00df, an das Kopfteil gelehnt, ein Kissen im R\u00fccken, das linke Bein ausgestreckt, das rechte angewinkelt, den Blick vom Betrachter abgewendet. Obwohl er ihr Gesicht durch das es verdeckende Haar nicht sah, besa\u00df ihr Blick etwas eindeutig in Erwartung versunkenes. Die Haltung der Finger ihrer Rechten lie\u00df erkennen, da\u00df sie sich zuvor entweder selbst gestreichelt hatte und jetzt innehielt oder jeden Augenblick damit begann. Die Linke ruhte auf vergleichbare Weise zwischen ihren Br\u00fcsten, zu denen sich sein Blick immer wieder hingezogen f\u00fchlte, dabei gab es vieles an ihr, das die gleiche Aufmerksamkeit verdiente.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Das n\u00e4chste Blatt unterschied sich nur in Details vom vorhergehenden. Lediglich ihre K\u00f6rperhaltung hatte sich leicht ver\u00e4ndert, aber doch so eindeutig, da\u00df kein Zweifel daran bestand, da\u00df sie onaniert hatte. Die Intimit\u00e4t der Bl\u00e4tter steigerte sich.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Auf dem n\u00e4chsten Blatt, an diesem Tag waren zum ersten Mal zwei im Umschlag, war sie nicht mehr allein und lie\u00dfen nichts mehr an Deutlichkeit zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Der Mann war wie die Umgebung nur angedeutet, wenn auch nicht ganz so sparsam. Ausgearbeitet waren lediglich die Partien, die f\u00fcr die jeweilige Szene, in denen sie ohne Ausnahme den aktiven Teil \u00fcbernahm, wichtig waren. Die Bl\u00e4tter zeigten verschiedene Liebesstellungen in einer Deutlichkeit, die nicht einmal die Photographie erreichen kann. Und doch waren sie in keiner Weise obsz\u00f6n und pornographisch im gew\u00f6hnlichen Sinn. Man konnte beim Betrachten ihre Lust, ihr gegenseitiges Begehren f\u00fcreinander, sogar ihren Orgasmus nachempfinden. Es gelang ihr mit diesen Bl\u00e4ttern das eigentlich Unm\u00f6gliche; Empfindungen, Leidenschaften zu visualisieren, so da\u00df ein Dritter sie nachvollziehen konnte, als w\u00e4ren es seine eigenen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Trotz ihres Naturalismus war allen Bl\u00e4ttern etwas Traumhaftes gemein.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Es war beinahe eine logische Folge, da\u00df die dargestellten Szenen ihn bis in die Tr\u00e4ume hinein verfolgten. In diesen sah er die dargestellten Szenen abwechselnd als Zuschauer und als Beteiligter, letzteres immer h\u00e4ufiger. So oft er es auch versuchte, es gelang ihm nie, ihr die Haare vom Gesicht zu entfernen. \u00dcber die Entt\u00e4uschung dieser vergeblichen Versuche erwachte er jedesmal in reichlich konfuser und ein wenig gedr\u00fcckter Stimmung. An sich waren es ja keine Alptr\u00e4ume. Mehr als einmal hatte er dabei das Gef\u00fchl, kurz vor einem herrlichen Orgasmus zu stehen, ausgel\u00f6st von einer der wunderbarsten und begehrenswertesten Frau, die ihm jemals in seinem Leben begegnet war. Ohne diese Sch\u00f6ne jemals gesehen zu haben, begehrte er sie derart, da\u00df es ihm nur noch unzureichend gelang, mich auf eine vern\u00fcnftige Arbeit zu konzentrieren. Zugleich wurde er immer ratloser. Was sollte eine Verf\u00fchrung, wenn der zu Verf\u00fchrende nicht wu\u00dfte, wer ihn verf\u00fchrte und ob das Ziel eine Realisation des Gezeigten war. Irgendwie mu\u00dfte es weitergehen. Es mu\u00dfte eine Aufl\u00f6sung geben!<\/p>\n<p class=\"einzug\">Daran klammerte er sich, umso mehr, weil von einem Tag auf den anderen keine weiteren Bl\u00e4tter mehr ankamen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst als er den gro\u00dfen grauen r\u00fcckseitig mit Karton verst\u00e4rkten Umschlag nebst der \u00fcbrigen Post auf seinen Schreibtisch legte, sah er, da\u00df er nicht mit der regul\u00e4ren Post gekommen sein konnte, da nur sein Name in einer ihm unbekannten Handschrift darauf stand, was verst\u00e4ndlicherweise seine Neugierde weckte. Er schnitt ihn auf. 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