{"id":3384,"date":"2016-12-23T19:41:43","date_gmt":"2016-12-23T18:41:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3384"},"modified":"2026-04-11T20:28:20","modified_gmt":"2026-04-11T18:28:20","slug":"kurzes-75-marlies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3384","title":{"rendered":"Kurzes #75 \u00b7 Marlies"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20140812_0446_800_2.jpg\"\/><\/p>\n<p><em>Fortsetzung von<\/em> <a href=\"?p=3382\">\u00bbZw\u00f6lf erotische Aquarelle\u00ab<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit drei Tagen lag in seinem Briefkasten weder ein Umschlag mit einem neuen Aquarell noch ein Brief, der Aufkl\u00e4rung h\u00e4tte bringen k\u00f6nnen. Was ihn langsam aber sicher unruhig werden lie\u00df, schlie\u00dflich war er \u00fcberzeugt, da\u00df die anonymen Aquarelle erst der Anfang war. Er bem\u00fchte sich um Geduld und versuchte sich in etlichen Erkl\u00e4rungen, die diese Unterbrechung verursacht haben k\u00f6nnten, unabh\u00e4ngig vom Grad der Wahrscheinlichkeit, was ihn folglich in keiner Weise beruhigte, da ihm im Gegenzug mindestens ebenso viele Argumente einfielen, weshalb die \u00dcbersendung des letzten Aquarells zugleich das letzte sein k\u00f6nnte, was er von der ihm unbekannten K\u00fcnstlerin h\u00f6rte. Er war sich selbst gegen\u00fcber ehrlich genug zuzugeben, das alles reine Spekulation war, au\u00dfer den Aquarellen hatte er ja nichts, auf das er sich st\u00fctzen konnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">So verbrachte er den dritten Tag ohne Nachricht bis zum fr\u00fchen Nachmittag.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Als es an seiner T\u00fcr klingelte, schrak er heftig zusammen, hatte f\u00fcr einen kurzen Moment den Eindruck, ihm w\u00fcrde das Herz stehen bleiben. Mit rasendem Herzen und zitternden Fingern \u00f6ffnete er die T\u00fcr.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbAch, du bist es\u00ab, entfuhr es ihm zugleich erleichtert und entt\u00e4uscht.<!--more--><\/p>\n<p class=\"einzug\">Er konnte nicht sagen, mit wem oder was er gerechnet hatte. Er war derart vertieft in seine Szenarien gewesen, da\u00df er die reale Au\u00dfenwelt aus seiner Wahrnehmung weitgehend verbannt hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDanke f\u00fcr die nette Begr\u00fc\u00dfung\u00ab, meinte Marlies leicht pikiert. \u00bbWenn das so ist, kann ich ja wieder gehen.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie machte tats\u00e4chlich Anstalten, auf dem Absatz kehrt zu machen. Was er durch eine spontane herzliche Umarmung verhinderte, die im absoluten Gegensatz zu seiner ersten Reaktion auf ihr Erscheinen stand, und zog sie f\u00f6rmlich in die Wohnung, was sie erst recht mi\u00dftrauisch werden lie\u00df.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie l\u00f6ste sich aus seiner Umarmung, als sie zu lang f\u00fcr eine rein freundschaftliche Geste wurde und ging ins Wohnzimmer, wo sie ihre gro\u00dfe Umh\u00e4ngetasche neben die Couch stellte und sich auf diese mit \u00fcbereinander geschlagenen Beinen setzte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbIch dachte, ich besuche dich mal wieder, nachdem du so lange nichts von dir hast h\u00f6ren lassen.\u00ab Der Vorwurf in ihrer Stimme war un\u00fcberh\u00f6rbar.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er setzte sich leicht verkrampft ihr gegen\u00fcber auf die Lehne des Sessels.<\/p>\n<p class=\"einzug\">So gerne er sich am Anblick ihrer sch\u00f6nen langen muskul\u00f6sen Beinen weidete, diesmal fehlte ihm einfach der Sinn daf\u00fcr. Er achtete wenig auf ihren neuen dunkelbraunen, knielangen engen Rock, die d\u00fcnnen schwarzen Str\u00fcmpfe &ndash; sie war eine der wenigen Frauen, die er kannte, die ausschlie\u00dflich Str\u00fcmpfe trug &ndash;, ihre hochhackigen, ebenfalls neuen Schuhe. Er besa\u00df ein Faible f\u00fcr Str\u00fcmpfe und hochhackige Schuhe und sie zeigte gerne ihre Beine. Sie nahm ihn deshalb gerne mit, wenn sie Str\u00fcmpfe und Schuhe kaufte. Sie veranstaltete stets eine kleine Modenschau, was ihnen beiden gro\u00dfe Freude bereitete, weshalb die Verk\u00e4uferinnen sie stets f\u00fcr ein gl\u00fcckliches Liebespaar hielten. Darum entging ihr auch seine derzeitige Ignoranz, wenn man es denn so nennen will, nicht, zumal ihr ohnehin nur wenig verborgen blieb, was ihn betraf.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie strich sich eine Str\u00e4hne ihres schulterlangen, dichten schwarzen Haares aus der Stirn und musterte ihn nachdenklich.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Bisher hatte er noch keinem die Aquarelle gezeigt, sie waren ihm zu pers\u00f6nlich. Bei Marlies jedoch machte er eine Ausnahme. Nicht nur weil er ihr Urteil in Kunstdingen sch\u00e4tzte, sie war f\u00fcr ihn mehr als eine gute Freundin, oft ein \u203aBeichtvater\u2039. Eine Position, die sie einander gegen\u00fcber wechselseitig einnahmen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er f\u00fchrte ich sie in sein Arbeitszimmer, zeigte ihr die Bl\u00e4tter und erz\u00e4hlte ihr, wie er an sie gekommen war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbGeil\u00ab, rief sie beim Anblick der in zwei Reihen an den Magnetleisten h\u00e4ngenden Aquarelle aus.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie betrachtete sie aufmerksam, w\u00e4hrend er hinter ihr stand und mit gemischten Gef\u00fchlen auf ihr Urteil wartete. Er f\u00fchlte sich wie jemand, der zum ersten Mal seine Werke, in die er viel Arbeit gesteckt hat, einem fachlich versierten Publikum zeigt und selbst nicht so recht wei\u00df, wo er sein Werk einordnen kann.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie lie\u00df sich mit dem Anschauen Zeit, was seine innere Unruhe nicht gerade minderte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">W\u00e4re er ausgeglichener gewesen, so w\u00e4re ihn nicht entgangen, da\u00df sie die Bl\u00e4tter nicht nur mit den Augen der Kulturwissenschaftlerin betrachtete, sondern vor allem mit denen der Voyeurin, der Genie\u00dferin von erotischen Darstellungen. Er dachte nicht einen Augenblick daran, da\u00df die dargestellte Sch\u00f6ne haargenau dem Typ entsprach, den sie selbst bevorzugte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbHe, die sind wirklich gut\u00ab, war sie vorbehaltlos begeistert und sah ihn mit gl\u00e4nzenden Augen an. \u00bbDie K\u00fcnstlerin versteht etwas von ihrer Arbeit.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWieso kommst du darauf, da\u00df sie von einer Frau sind?\u00ab fragte er fast ein wenig erstaunt, obwohl er selbst keinen Moment an dieser Tatsache zweifelte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWeil nur eine Frau diese spezielle Sicht hat, auch wenn das vielleicht etwas altfeministisch klingen mag. Unzweifelhaft steht die dargestellte Sch\u00f6ne, die nat\u00fcrlich auf allen Bl\u00e4ttern dieselbe Person ist, im Mittelpunkt. F\u00fcr mich sieht es eindeutig nach Selbstportrait aus. Nach einem narzi\u00dftischen sogar. Sie ist in sich selbst, in ihren K\u00f6rper, in die Lust, die sch\u00f6nen Gef\u00fchle, die er ihr verschafft, verliebt. Das sieht man gut an der Haltung auf dem ersten Blatt, wie sie sich eincremt auf dem zweiten, wie sie sich anzieht, wie sie sich selbst liebt, wie sie diesen Mann liebt, der eindeutig Beiwerk ist. Was sich ja daran zeigt, da\u00df er nur grob skizziert ist. Wenn sie in ihm auch kein reines Objekt, keinen lebenden Dildo sieht, wenn du so willst. Man k\u00f6nnte allerdings auf den Gedanken kommen, da\u00df sie dich darstellt\u00ab, f\u00fcgte sie mit einem schelmischen Augenzwinkern hinzu.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbZu dem Schlu\u00df bin ich auch schon gekommen.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWas? Da\u00df er du bist?\u00ab verstand sie ihn absichtlich mi\u00df.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDas meine ich damit nicht\u00ab, sagte er ungewollt streng und verzog etwas s\u00e4uerlich die Miene.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er war nicht in der Stimmung f\u00fcr ihre kleinen Neckereien.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWarum fragst du mich dann?\u00ab entgegnete sie etwas k\u00fchl und warf den Kopf leicht zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Trotz aller Abgekl\u00e4rtheit, die sie gerne zur Schau trug, war sie empfindsam und bekam sehr schnell etwas in den falschen Hals. Wenigstens hielten diese gelegentlichen Verstimmungen nie mehr als einige Augenblicke an.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWeil ich deine unabh\u00e4ngige fachliche Meinung h\u00f6ren wollte. Und weil ich dein Urteil sch\u00e4tze, nicht nur in Kunstfragen\u00ab, sagte er eine Spur zu vers\u00f6hnlich.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er stritt sich ungern mit ihr und schon gar nicht \u00fcber Kleinigkeiten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbSchleimer\u00ab, meinte sie mit einem breiten Grinsen und einem koketten Augenaufschlag, der ihre Aussage relativierte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbSie sind eindeutig nach der Natur gearbeitet\u00ab, nahm sie den Faden ihrer Argumentation wieder auf. \u00bbSie beherrscht die Technik des Aquarells wie nur wenige. Man glaubt einen alten Meister vor sich zu haben.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDenkst du an einen bestimmten?\u00ab fragte er etwas verwundert, denn an eine solche Parallele hatte er nicht einen Augenblick gedacht.<\/p>\n<p>\u00bbNein, an niemand Bestimmtes. Es ist die Perfektion, die mich darauf bringt. Sie sind eindeutig nicht f\u00fcr eine \u00d6ffentlichkeit gedacht, sondern nur f\u00fcr eine bestimmte Person. Diese Bl\u00e4tter sollen nur zwei Personen sehen; die, die sie gemacht hat und die, f\u00fcr die sie bestimmt sind. Zumindest die eine ist mir bestens bekannt: DU!\u00ab Sie bohrte ihm dabei spielerisch den Finger in die Brust.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDas ist mir klar\u00ab, entgegnete er und hielt ihre Hand fest, denn es tat durchaus weh.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie tat als verstehe sie ihn nicht:<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWenn dir das alles klar ist, warum zeigst du mir die Bl\u00e4tter dann?\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWeil ich, wie schon gesagt, dein fachliches Urteil h\u00f6ren wollte\u00ab, sagte er ein wenig ungehalten, womit sie sich aber nicht zufrieden gab.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWenn es dir darum geht, h\u00e4ttest du auch Francesca oder Marietta fragen k\u00f6nnen.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbMarietta auf keinen Fall, das wei\u00dft du genau\u00ab, war seine Reaktion ungewollt heftig.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWeil sie scharf auf dich ist?\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWeil sie nervig ist, launisch bis zum Exze\u00df und weil ich sie so wenig als m\u00f6glich sehen will.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbF\u00fcr eine Zeitlang hatte ich den Eindruck, da\u00df was zwischen euch w\u00e4re.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbHattest nicht nur du. Aber wenn du Marietta n\u00e4her kennenlernst, besser gesagt, so gut wie ich sie kennengelernt habe, dann m\u00f6chtest du sie nur noch von weitem sehen.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbGut, sie ist etwas eigen, das gebe ich zu\u00ab, meinte sie beschwichtigend, obwohl sie seine heftige Ablehnung immer noch nicht nachvollziehen konnte. Vielleicht w\u00fcrde er ihr ein anderes Mal seinen \u203aLeidensweg\u2039 mit Marietta \u203abeichten\u2039. \u00bbObschon sie eine dieser sch\u00f6nen drallen Frauen ist, deren erotische Ausstrahlung k\u00f6rperlich sp\u00fcrbar ist und deren Gegenwart einen hei\u00df durchl\u00e4uft, da sie keinen Zweifel daran lassen, da\u00df sie bei der Liebe gerade das Au\u00dfergew\u00f6hnliche zu genie\u00dfen verstehen und es auch einfordern. So richtig warm bin ich nie mit ihr geworden, dabei reizt sie mich schon &ndash; aber lassen wir das. Genaugenommen haben wir nie mehr als einige Worte miteinander gewechselt, und auch nur, wenn es unumg\u00e4nglich war. &ndash; Ihr habt wirklich noch nie miteinander gev\u00f6gelt?\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbSch\u00f6n, da\u00df du stets an die h\u00f6heren Dinge im Leben denkst.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Kaum hatte er es gesagt, tat es ihn auch bereits leid, denn physisch war er Marietta gegen\u00fcber in keiner Weise abgeneigt. Vers\u00f6hnlich fuhr er fort:<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWir waren zweimal dicht davor, unsere Beziehung zu vertiefen. Aber jedesmal bekam sie Panik und verhielt sich alles andere als &ndash; fair &ndash; sagen wir es mal so. Gut, ich war zuvor wohl allzu z\u00f6gerlich und sie vielleicht allzu ungeduldig gewesen. Sobald bei ihr etwas auf Anhieb nicht so l\u00e4uft, wie sie es sich vorstellt, l\u00e4\u00dft sie ihrer Entt\u00e4uschung freien Lauf, bisweilen ziemlich barsch. Bei einer anderen Gelegenheit, da stand \u00fcbrigens schon fest, da\u00df es nichts zwischen uns werden w\u00fcrde, habe ich sie sogar angeschnauzt und das ziemlich heftig. Sp\u00e4ter war es mir peinlich. Immerhin war es in ihrer Wohnung und die Nachbarn haben mich sicherlich geh\u00f6rt. Nein, ich bin froh, gez\u00f6gert zu haben. So erotisch reizvoll sie in ihrer \u00dcppigkeit auch sein mag, das Verhalten, das sie mitunter an den Tag legt, k\u00fchlt die Leidenschaft f\u00fcr sie st\u00e4rker ab, als es ein K\u00fcbel Eiswasser, den man \u00fcber sich sch\u00fcttet, es je k\u00f6nnte.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbUnd ich dachte immer, gerade die Frauen mit ausgepr\u00e4gter Pers\u00f6nlichkeit w\u00fcrden dich besonders reizen\u00ab, meinte sie sp\u00f6ttisch, aber sie schien ihn zu verstehen. \u00bbVielleicht sucht sie auch nur jemanden, der ihr mal zeigt wo es lang geht. Wundern w\u00fcrde mich das nicht, bei ihrer provokativen Art. Es gibt Frauen, die w\u00fcnschen sich eine starke m\u00e4nnliche Hand, die bei Bedarf auch schon einmal ausrutschen darf und es auch sollte. &ndash; Tja, Frauen, man kann nicht mit ihnen, aber man kann auch nicht ohne sie leben\u00ab, f\u00fcgte sie \u00fcbertrieben resigniert hinzu.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er sagte nichts dazu.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbUnd warum nicht Francesca?\u00ab insistierte sie weiter.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWeil ich mit Francesca nicht so gut befreundet bin wie mit dir und darum nicht glaube, derart private Dinge mit ihr besprechen zu k\u00f6nnen.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDein Vertrauen ehrt mich\u00ab, war sie mit dieser Antwort ebensowenig zufrieden. \u00bbBisher dachte ich, zwischen dir und Francesca w\u00e4re etwas.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWie kommst du jetzt darauf?\u00ab er war ein wenig genervt, weil sie ihm offenbar unterstellte, da\u00df er mit jeder Frau, deren Gesellschaft ihm angenehm war, etwas haben m\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbZum einen stehst du doch auf sch\u00f6ne \u00fcppige atemberaubende S\u00fcdeurop\u00e4erinnen, bei so einem Busen und solchen Beinen, und an feuriger Leidenschaft steht sie selbst Marietta in nichts nach, da m\u00fc\u00dften deine Hormone eigentlich Purzelb\u00e4ume schlagen vor Begeisterung \u2026 aber gut &ndash; und zum anderen baggerst du immer ziemlich heftig an ihr herum, wenn ihr euch begegnet. Zudem scheint sie dich auch nicht gerade als Heimsuchung zu empfinden. \u00dcberhaupt scheinen gerade die au\u00dfergew\u00f6hnlichen Frauen dich zu umschwirren, wie die Motten das Licht.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDanke f\u00fcr die Blumen\u00ab, meinte er trocken.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nicht da\u00df es ihm unangenehm gewesen w\u00e4re. Aber trotz aller Sympathie, die zwischen Francesca und ihm zweifelsohne vorhanden war, Francesca konnte sich f\u00fcr seine Photographie absolut nicht begeistern und das war, vor allem in seinen Augen, ein un\u00fcberwindbarer Gegensatz. Marlies war, wie Marietta letztlich auch, eine eifrige Bewunderin seiner Arbeit und nicht zuletzt auch F\u00f6rderin, darum w\u00fcrde sie es sicherlich schwer nachvollziehen k\u00f6nnen. Zudem f\u00fcrchtete er, da\u00df sie, sobald sie es wu\u00dfte, mit Francesca eine Diskussion anfangen k\u00f6nnte, in der sie fachliche mit pers\u00f6nlichen Dingen vermischte. Er kannte Marlies einfach zu gut, um leichtfertig ein solches Risiko einzugehen. Weshalb er ihr nicht darauf antwortete. Doch anscheinend erwartete sie auch keine.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbIch frage mich gerade\u00ab, meinte sie nachdenklich, \u00bbob das nicht Francesca sein k\u00f6nnte. Die Figur k\u00f6nnte hinkommen.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbFrancescas Haare sind deutlich k\u00fcrzer und lockiger. Au\u00dferdem ist sie kleiner\u00ab, gab er zu bedenken.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDas sind keine Photos\u00ab, warf sie ein.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDas wohl nicht. Doch sind wir nicht \u00fcbereingekommen, da\u00df es sich um realistische Darstellungen handelt?\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbIch glaube auch nicht ernstlich, da\u00df die Aquarelle Francesca darstellen und von ihr sind. Sie passen nicht wirklich zu ihr. Daf\u00fcr ist sie irgendwo zu n\u00fcchtern.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDas sagt nicht unbedingt was\u00ab, sah er sich aus einem unerfindlichen Grund gen\u00f6tigt, Francesca in Schutz zu nehmen. \u00bbWenn es um Erotik geht, dann steckt in den meisten von uns ein Mr. Hyde &ndash; in diesem Fall wohl eher eine Mrs. Hyde.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bb\u203aEs wohnen zwei Seelen, ach, in meiner Brust\u2039\u00ab, deklamierte Marlies \u00fcbertrieben pathetisch. \u00bbSchon m\u00f6glich. Wenn Stevensons Romanfigur auch eher f\u00fcr das D\u00fcstere im Menschen und nicht f\u00fcr die sinnliche Leidenschaft, f\u00fcrs Genie\u00dfen, f\u00fcr die Lust steht.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbZu seiner Zeit geh\u00f6rte die sexuelle Leidenschaft aber zu den d\u00fcsteren Seiten im Menschen\u00ab, korrigierte er sie ein wenig schulmeisterlich. \u00bbUnd bei nicht wenigen auch heute noch.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie ging nonchalant dar\u00fcber hinweg, vielleicht hatte sie auch gar nicht darauf geachtet.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWie dem auch sei. Ich glaube auch nicht, da\u00df sie von Francesca sind. Meine Einwand des N\u00fcchternen bezog sich in keiner Weise auf ihre Erotik, niemand, der sie ein wenig kennt, w\u00fcrde so etwas zu behaupten wagen. Zudem bezweifle ich, da\u00df sie so gut aquarellieren kann. Sie mag eine brillante Wissenschaftlerin sein, aber sicherlich keine begnadete K\u00fcnstlerin. Zumindest habe ich bisher noch nicht geh\u00f6rt, da\u00df sie \u00fcber <i>derartige<\/i> Talente verf\u00fcgt.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Da konnte ich ihr nicht widersprechen. Wenn sie so gut aquarellieren k\u00f6nnte, h\u00e4tte es sich sicherlich l\u00e4ngst herumgesprochen. Diese M\u00f6glichkeit schied auf jeden Fall aus.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbUnd du hast wirklich keine Ahnung, wem du sie aus stilistischen Gr\u00fcnden zuordnen k\u00f6nntest?\u00ab fragte er sie hilflos.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbNicht die geringste. Und dir f\u00e4llt auch keine Kollegin ein, von der die Arbeiten sein k\u00f6nnten?\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbVon denen die ich mehr oder weniger gut kenne, sicherlich nicht, kaum vom Stil und schon gar nicht vom \u00c4u\u00dferen her. Die einzige mit langen Haaren ist blond und zierlicher, au\u00dferdem w\u00fcrde sie ihre erotischen Avancen an meine Adresse anders formulieren, wenn sie es denn t\u00e4te.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbUnd warum w\u00fcrde sie es nicht tun\u00ab, fragte Marlies unversch\u00e4mt neugierig.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWie gut, da\u00df du nicht neugierig bist\u00ab, meinte er ironisch.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbFinde ich auch\u00ab, sagte sie entwaffnend.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er unterdr\u00fcckte einen Seufzer und sagte, da sie andernfalls keine Ruhe geben w\u00fcrde: \u00bbWeil sie gl\u00fccklich verheiratet ist und eine Tochter hat.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbVielleicht ein Grund, aber sicherlich kein Hindernis.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er ging nicht weiter darauf ein. Er konnte sich n\u00e4mlich des Gef\u00fchls nicht erwehren, da\u00df sie ihn in bestimmten Dingen nicht sonderlich Ernst nahm. Schlie\u00dflich wu\u00dfte sie, da\u00df er niemals mehr eine Beziehung mit einer verheirateten Frau eingehen w\u00fcrde, das eine Mal vor einigen Jahren, zu dem er sich hatte hinrei\u00dfen lassen, gen\u00fcgte ihm. Man war und blieb immer das f\u00fcnfte Rad am Wagen, so leidenschaftlich die Beteuerung der Gegenseite auch ausfielen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbStilistisch ist nicht unbedingt ein Beweis. Sie mu\u00df nicht f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit so arbeiten\u00ab, kam sie wieder zum eigentlichen Thema zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDas haben wir bereits mehrmals festgestellt\u00ab, sagte er leicht ungeduldig, denn es schien nicht, als k\u00e4men sie gemeinsam weiter, als er allein in der vergangenen Woche. \u00bbDennoch meine ich, da\u00df zumindest einige \u00c4hnlichkeiten mit ihrem bisherigen Werk bestehen sollten.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDenk an Picasso, der hat auch mehrmals seinen Stil gewechselt\u00ab, warf sie nicht sehr ernsthaft ein.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbJa, ich wei\u00df, bei jeder neuen Frau\u00ab, entgegnete er auch nicht unbedingt ernsthaft.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWenn man diese Motivation als einzigen Anla\u00df, den Stil zu wechseln, zu Grunde legt, wird die Anzahl deiner Stile sehr \u00fcberschaubar bleiben\u00ab, meinte sie s\u00fcffisant.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWas soll das jetzt hei\u00dfen?\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wenn sie schon eine solche Anspielung machte, sollte sie auch eine plausible Begr\u00fcndung daf\u00fcr parat haben. Es machte ihm durchaus Spa\u00df sich mit ihr zu necken, aber im Augenblick stand ihm nicht unbedingt der Sinn danach. Zumal hinter manch ihrer Neckerei eine gar nicht so neckende Einstellung stand.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbGib zu, da\u00df dein Liebesleben derzeit alles andere als aufregend ist. Gut, du lebst nicht gerade wie ein Asket. Aber du nutzt bei weitem nicht deine M\u00f6glichkeiten, was bei einem Mann, der derart gerne Sex hat und im Ruf als einf\u00fchlsamer Liebhaber steht, der gerade dem Ungew\u00f6hnlichen viel abgewinnen kann, was f\u00fcr eine Frau allein schon ein Argument f\u00fcr einen Mann darstellt. Und mit M\u00f6glichkeiten meine ich jetzt nicht nur Francesca und Marietta. Vielleicht ist Marietta auch nur so enervierend, weil du dich offenkundig weigerst, sie flach zu legen. Im Gegensatz zu euch M\u00e4nnern hat man uns Frauen nicht beigebracht, einen gegebenen Korb sang- und klanglos als unvermeidliches Schicksal zu akzeptieren. Wenn wir einen Mann flachlegen wollen, dann erwarten wir, da\u00df das auch mit sich machen l\u00e4\u00dft.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er verdrehte leicht enerviert die Augen. Auf dem Thema ritt sie gerne herum. Es gab Momente, da war sie f\u00fcr seinen Geschmack etwas zu sehr um sein pers\u00f6nliches Wohlergehen besorgt, zumal ihm ihr Hinweis auf seine F\u00e4higkeiten als Liebhaber, unangenehm war, erinnerte sie ihn doch damit an eine ebenso kurze wie \u00e4u\u00dferst intime Episode in ihrer Freundschaft, w\u00e4hrend der sie unbedingt herausfinden wollte, ob M\u00e4nner sie sexuell tats\u00e4chlich kalt lassen. Er hatte sich von ihr \u00fcberreden lassen, das \u203aExperiment\u2039 zu wagen. Das Ergebnis dieses rund eineinhalb Wochen andauernden Versuches, w\u00e4hrend dessen sie kaum aus dem Schlafzimmer herausgekommen waren, war eindeutig das Gegenteil von Kaltlassen gewesen. Es gab zwischen ihnen die stumme Absprach, \u00fcber diese Zeit unmittelbar niemals zu sprechen. Mit zunehmenden zeitlichen Abstand festigte sich in ihm immer mehr die \u00dcberzeugung, da\u00df das \u203aExperiment\u2039 nur vorgeschoben war. Unbewu\u00dft mu\u00df ihm das von Anfang an klar gewesen sein, gerade darum hatte er wohl so bereitwillig diesen Vorwand akzeptiert und ihr diesen \u203aFreundschaftsdienst\u2039 geleistet.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDu kennst meine Einstellung\u00ab, erwiderte er k\u00fchl, ihr damit zeigend, da\u00df er nun wirklich nicht in der Stimmung war, dar\u00fcber erneut einen fruchtlosen Disput zu f\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbIch wollte es nur mal gesagt haben\u00ab, verteidigte sie sich mit einem Achselzucken, das unverkennbar einem \u203aWenn du nicht willst, dann sieh doch zu, wie du zurechtkommst\u2039 entsprach.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er mu\u00dfte in eine Frau verliebt sein, ehe er auch eine sexuelle Beziehung zu ihr aufbauen konnte, und das war eben nicht oft der Fall. Dabei unterschlug er geflissentlich, da\u00df er auch schon einmal mit einer Frau v\u00f6gelte, in der er nicht verliebt war, nur weil er es nicht \u00fcbers Herz brachte, ihrem charmanten Werben um eine kurze Aff\u00e4re, eine Absage zu erteilen und er sich sicher sein konnte, da\u00df nie mehr als eine solchen zwischen ihnen sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWie lange bekommst du die Aquarelle schon\u00ab, akzeptierte sie nun seinen Wunsch, nicht weiter dar\u00fcber zu sprechen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbSeit etwas mehr als einer Woche.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbUnd es war niemals eine Nachricht dabei?\u00ab es fiel ihr sichtlich schwer, das zu glauben.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbNicht eine Zeile.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sein Tonfall sagte ihr, da\u00df er es selbst nicht so recht glauben konnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDas sieht wahrhaftig nach einer geheimnisvollen Verehrerin aus\u00ab, meinte sie mit einem tiefen sehns\u00fcchtigen Seufzer. \u00bbWarum bekomme ich keine solch sch\u00f6nen Bilder von einer Verehrerin.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbVielleicht hast du die falschen Verehrerinnen\u00ab, meinte er unversch\u00e4mt grinsend, als Retourkutsche auf vieles und doch nichts Konkretes, und letztlich auch ein wenig von Stolz erf\u00fcllt, da\u00df eine Frau seinetwegen einen derartigen Aufwand trieb.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbBl\u00f6dmann\u00ab, sagte sie darauf nur und hieb ihm die Faust spielerisch aber dennoch schmerzhaft in die Seite. &ndash; Wie gut, da\u00df Frauen nicht gewaltt\u00e4tig sind, dachte er bei sich unter einem leichten schmerzhaften Aufst\u00f6hnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fortsetzung von \u00bbZw\u00f6lf erotische Aquarelle\u00ab. &nbsp; Seit drei Tagen lag in seinem Briefkasten weder ein Umschlag mit einem neuen Aquarell noch ein Brief, der Aufkl\u00e4rung h\u00e4tte bringen k\u00f6nnen. 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