{"id":3388,"date":"2016-12-25T00:40:05","date_gmt":"2016-12-24T23:40:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3388"},"modified":"2026-04-11T20:29:51","modified_gmt":"2026-04-11T18:29:51","slug":"kurzes-75-das-geheimnisvolle-rendezvous","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3388","title":{"rendered":"Kurzes #76 \u00b7 Das geheimnisvolle Rendezvous"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20160625_470_800_2.jpg\"\/><\/p>\n<p><p><em>Fortsetzung von<\/em> <a href=\"?p=3384\">\u00bbMarlies\u00ab<\/a> <em>und<\/em> <a href=\"?p=3382\">\u00bbZw\u00f6lf erotische Aquarelle\u00ab<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Marlies\u2019 Besuch hatte seine innere Unruhe zwar bes\u00e4nftigten, aber nicht zerstreuen k\u00f6nnen. Am n\u00e4chsten Tag lag wieder keine Nachricht der sch\u00f6nen Unbekannten im Briefkasten, wie auch am darauffolgenden. Fast eine Woche verging. Und mindestens einmal am Tag rief Marlies an, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen, wie sie sich ausdr\u00fcckte. Anteilnahme von Freunden ist etwas Sch\u00f6nes, kann mitunter aber auch reichlich l\u00e4stig werden.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die sch\u00f6ne Unbekannte beherrschte fast alle seine Gedanken. Seine gr\u00f6\u00dfte Bef\u00fcrchtung war, nie zu erfahren, warum er diese zw\u00f6lf sch\u00f6nen und sinnlichen Aquarelle erhalten hatte, was ihn mehr als einmal des Nachts schwei\u00dfgebadet aufwachen lie\u00df.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Auf den Tag eine Woche nach dem letzten Aquarell lag ein Standardbriefumschlag in seinem Kasten. Da\u00df er von IHR sein mu\u00dfte, erkannte er sogleich an der Handschrift, in der sein Name geschrieben war. Mit nerv\u00f6sen Fingern, zwischen Erleichterung und Furcht hin und her pendelnd, schlie\u00dflich konnte er auch eine f\u00fcr ihn wenig angenehme Erkl\u00e4rung enthalten, ri\u00df er den Umschlag noch am Briefkasten auf.<!--more--><\/p>\n<p class=\"einzug\">Auf einem Blatt feinem handgesch\u00f6pftem Schreibpapier stand in einer sch\u00f6nen, mit einer Kalligraphiefeder geschrieben Handschrift:<\/p>\n<div class=\"zitate\">\n<p><em>Du fragst Dich sicher seit einer Woche, was nach diesen Bl\u00e4ttern kommen wird. Geduld! Nicht mehr lange und Du erf\u00e4hrst es.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<p>Er las den Text mindestens dreimal hintereinander, obwohl er kaum mi\u00dfzuverstehen war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Erst als er vor seinem Schreibtisch stand, wurde ihm bewu\u00dft er, da\u00df er beim Lesen die Treppe hinauf in die Wohnung zur\u00fcckgegangen war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Anstatt da\u00df ihn diese Ank\u00fcndigung beruhigte, steigerte sie seine Nervosit\u00e4t.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWieso l\u00e4\u00dft sie dich damit \u00fcber ihre wahren Absichten im Dunkeln\u00ab, verstand Marlies ihn nicht, die er etwas sp\u00e4ter anrief, da er mit jemanden dar\u00fcber reden mu\u00dfte. \u00bbDas ist doch so klar wie dicke Tinte; die Frau steht ungeheuer auf dich und will nur <i>eines<\/i> von dir, das aber auf eine Weise, die sicherlich nicht nur mich vor Neid erblassen l\u00e4\u00dft.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Irgendwo hatte sie ja recht, aber Skepsis war nun einmal sein zweiter Vorname. Er diskutierte darum nicht weiter mit ihr.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wie dem auch sei, er <i>mu\u00dfte<\/i> die Urheberin dieser Aquarelle kennenlernen!<\/p>\n<p class=\"einzug\">Es war nicht allein die sch\u00f6ne geheimnisvolle Frau, als die sie sich darstellte, die Sch\u00f6pferin einer einf\u00fchlsamen Erotik, sondern in erster Linie der Wunsch, derjenigen zu begegnen, die in der Lage war, sich so etwas auszudenken und durchzuf\u00fchren. Ohne jemandem nahetreten zu wollen, wu\u00dfte er in meinem gesamten Freundes- und Bekanntenkreis niemanden, der auf diese phantasievolle Weise vorgegangen w\u00e4re. Er fieberte mehr als zuvor dem Tag entgegen, an dem er die angek\u00fcndigte Aufkl\u00e4rung erhalten sollte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Erneut verstrichen drei Tage. Drei Tage, die ihm unendlich lang erschienen und w\u00e4hrend denen er sich unz\u00e4hlige Male die Zeichnungen ansah und den Brief mehrfach las. Die Phasen zwischen den einzelnen Briefen waren lang genug, um seine Erwartung auf einem gleichbleibend hohen Niveau zu halten, und nicht Gefahr zu laufen, da\u00df er das Interesse verlor.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Als er schlie\u00dflich einen gepolsterten Umschlag mit der bekannten Handschrift, in dem f\u00fchlbar ein harter Gegenstand lag, aus dem Briefkasten holte, war er gleicherma\u00dfen erleichtert und aufgeregt. Er ri\u00df den Umschlag sogleich auf und heraus fielen zwei an einem Ring befestigte Schl\u00fcssel und ein Zettel auf dem stand:<\/p>\n<div class=\"zitate\">\n<p><em>Komme morgen um 14 Uhr zur<\/em> Alten Bergstra\u00dfe Nr. 13<em>, zweiter Stock rechts. Dann wirst Du erfahren, wer Dir diese Bl\u00e4tter geschickt hat.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<p>Endlich etwas Konkretes. Was ihn aber kaum beruhigte, denn von nun an besch\u00e4ftigte ihn die Frage, was ihn dort erwarten w\u00fcrde, obwohl es wahrlich nicht viele M\u00f6glichkeiten gab.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Den Rest des Tages verbrachte er in gro\u00dfer innerer Unruhe. Marlies rief er nicht an und sie rief ihn gl\u00fccklicherweise auch nicht an. Er hatte absolut keine Lust, sich ihre gutgemeinten Ratschl\u00e4ge anzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"einzug\">In der Nacht schlief er unruhig. In seinen Tr\u00e4umen durcheilte er verschiedene, ihm unbekannte alte H\u00e4user mit riesigen Wohnungen und endlosen Fluren. An den W\u00e4nden hingen die Aquarelle \u00fcberlebensgro\u00df und wurden die dargestellten Szenen lebendig, sobald er sie nur einen Moment betrachtete. Er begegnete sch\u00f6nen unbekannten Frauen, die ich nur von hinten oder verschwommen sah, einige von ihnen besa\u00dfen eine auffallende \u00c4hnlichkeit mit Marietta oder Francesca, die aber beim N\u00e4herkommen g\u00e4nzlich verschwanden, und die er nicht erreichen konnte. Dazwischen begegnete ihm sogar Marlies, die ihm lachend erkl\u00e4rte, da\u00df sie ihm die Aquarelle geschickt h\u00e4tte, um ihm wieder zu ihrem Liebhaber zu machen, schlie\u00dflich habe er bisher alle ihre Avancen ignoriert, so da\u00df sie sich gezwungen sah, zu einem solchen Mittel zu greifen. Die Vorstellung, mit Marlies eine Beziehung haben zu m\u00fcssen, lie\u00df ihn schwei\u00dfgebadet aufwachen. Es war ihm im ersten Moment unsagbar peinlich, da\u00df ihn diese Vorstellung derart schreckte. Zum Gl\u00fcck w\u00fcrde sie nie etwas davon erfahren.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Reichlich zerschlagen stand er am sp\u00e4ten Morgen auf und nahm ein ausgiebiges Bad.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Es war ein wunderbarer sonniger Fr\u00fchlingstag, wie geschaffen f\u00fcr ein geheimnisvolles Rendezvous mit einer faszinierenden sch\u00f6nen Frau. Die V\u00f6gel gaben ihr liebliches Konzert, das Gr\u00fcn sprie\u00dfte und die Bl\u00fcten zeigten sich in ihrer vollen Pracht. Er wu\u00dfte es wohl zu w\u00fcrdigen, doch die Nervosit\u00e4t hielt ihn gefangen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nach einem Blick in den Stadtplan stellte er fest, da\u00df die <i>Alte Bergstra\u00dfe<\/i> gar nicht so weit vom Zentrum entfernt lag, wie er zuerst vermutet hatte. Es handelte sich um eine ruhige Seitenstra\u00dfe, von denen es in dieser Stadt einige gab. Man konnte sich durchaus nur einen Steinwurf von einer belebten Kreuzung befinden und doch das Gef\u00fchl haben, in einer Oase der Ruhe zu leben. Das war eines der Dinge, die er an dieser Stadt sch\u00e4tzte. Er wohnte vergleichbar.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die Nummer 13 war ein \u00e4lteres gepflegtes Haus mit einem kleinen leicht verwilderten Vorgarten, der zum Gehweg hin von einer niedrigen rauhverputzten Mauer abgegrenzt wurde. Zu beiden Seiten des schmalen Weges, dessen Betonplatten verschiedentlich Spr\u00fcnge aufwiesen, wuchs eine frisch auf die H\u00f6he der Mauer gestutzte Hecke. Er ging die drei Stufen zum Eingang hinauf, der ein St\u00fcck hineingebaut war, so da\u00df er ausreichend vor Wind und Wetter gesch\u00fctzt war. Er sah auf die Klingelleiste. Es gab sechs Wohnungen, auf jeder Etage zwei. Neben allen war ein Namensschild angebracht bis auf eine. Was ihn nicht wunderte, obwohl er sich einen Hinweis gew\u00fcnscht h\u00e4tte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er versuchte einen der beiden Schl\u00fcssel. Der erste Versuch gelang. Das sah er als gutes Omen an. Wie jeder moderne Mensch war er grunds\u00e4tzlich nicht abergl\u00e4ubisch, au\u00dfer wenn es angebracht war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er dr\u00fcckte die T\u00fcr auf und trat in den k\u00fchlen, im leichten Halbdunkel liegenden Hausflur. Ein langer, halbdunkler Gang f\u00fchrt zur Treppe, die im zum Hof hinaus liegenden Teil des Hauses lag, das eigentliche Treppenhaus wurde von gro\u00dfen Fenstern hell erleuchtet.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er stieg die etwas steilen leicht ausgetretenen Stufen mit klopfendem Herzen hinauf. Er begegnete niemandem. Auf dem letzten Absatz vor der betreffenden Etage blieb er am Flurfenster stehen, dessen rechter Fl\u00fcgel ge\u00f6ffnet war. Er schaute in einen Hof, in dem auf einer gro\u00dfen vermoosten Rasenfl\u00e4che drei uralte Linden und verschiedene, leicht verwachsene bl\u00fchende Str\u00e4ucher wuchsen. Die Rasenfl\u00e4che grenzte an die R\u00fcckfront einer Reihe niedriger mit Dachpappe gedeckter Garagen, die im Hof des gegen\u00fcberliegenden Hauses standen. In den Linden hatten sich V\u00f6gel niedergelassen, die mit ihrem Gesang den Hof erf\u00fcllten und ihn zu einem Idyll werden lie\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er ri\u00df mich von dem beruhigenden Anblick los und ging die letzten Stufen hinauf.<\/p>\n<p class=\"einzug\">An der T\u00fcr war ebensowenig ein Namensschild.<\/p>\n<p class=\"einzug\">F\u00fcr einen Moment war er versucht, an der Nachbarwohnung zu klingeln und zu fragen, wer die gegen\u00fcberliegende Wohnung gemietet hatte. Doch er glaubte nicht, da\u00df ihn das ernstlich weitergebracht h\u00e4tte, daf\u00fcr w\u00fcrde er mit Sicherheit einen reichlich merkw\u00fcrdigen Eindruck hinterlassen haben.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er steckte den anderen Schl\u00fcssel ins Schlo\u00df, drehte ihn, nachdem er tief durchgeatmet hatte, zweimal herum und betrat eine weitgehend dunkle Diele.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Seine an das helle Sonnenlicht gew\u00f6hnten Augen konnten sich kaum zurechtfinden. Gewohnheitsgem\u00e4\u00df taste er nach einem Lichtschalter. Er fand ihn und bet\u00e4tigte ihn. Aber die Diele blieb dunkel, wurde nur vom durch die offene T\u00fcr hereinfallenden Treppenhauslicht erhellt. Das gen\u00fcgte ihm, um zu sehen, da\u00df die von der Decke herabh\u00e4ngende Fassung bar jeder Gl\u00fchbirne war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er schlo\u00df die T\u00fcr hinter sich. Halbdunkel umfing ihm. Nachdem seine Augen sich einigerma\u00dfen daran gew\u00f6hnt hatten, erkannte er vier ge\u00f6ffnete T\u00fcren, durch die gen\u00fcgend Licht hereinfiel, so da\u00df er sich bewegen konnte, ohne irgendwo anzusto\u00dfen, wobei diese Gefahr gering war, denn die Diele war bis auf drei Garderobenhaken links neben der T\u00fcr leer. Er steckte den Schl\u00fcssel in die rechte Jackentasche und betrat den ersten Raum.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Darin war eine fest eingebaute K\u00fcchenzeile und ein kleiner quadratischer Tisch mit zwei St\u00fchlen, ein leises Brummen zeigte, da\u00df der K\u00fchlschrank in Betrieb war. Er \u00f6ffnete ihn. Auch hier war die Gl\u00fchbirne ausgebaut. Er war leer bis auf eine volle Flasche Mineralwasser.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Der Grund f\u00fcr das D\u00e4mmerlicht waren die heruntergelassenen, aber leicht ge\u00f6ffneten Jalousien und die dicht zugezogenen Vorh\u00e4ngen. Das durch die Ritzen der Jalousie fallende Sonnenlicht warf auf die R\u00fcckseite der Vorh\u00e4nge helle Streifen, die sich im Luftzug des gekippten Fensters leicht bewegten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er versuchte den Vorhang aufzuziehen, aber es gelang nicht. Er war in der Gardinenleiste festgestellt, was sich ohne zur Hilfename einer Leiter und Werkzeug nicht \u00e4ndern lie\u00df. Ebenso widersetzte sich die Jalousie seinen Versuchen, sie zu hochzuziehen. Sie war gleicherma\u00dfen trickreich fixiert.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er verlie\u00df die K\u00fcche und ging in das Zimmer gegen\u00fcber, einem Wohnzimmer, m\u00f6bliert mit zwei bequemen, nicht mehr ganz neuen Ledersesseln, einem leeren B\u00fccherregal und einem niedrigen Glastisch. Auch hier waren Jalousie und Vorh\u00e4nge auf die gleiche Art fixiert.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er hielt sich hier nicht lange auf und betrat den Raum am Ende der Diele, der sich als kleines Bad mit einem ebenso kleinen Fenster erwies, bei dem es gen\u00fcgte, einen dichten Vorhang davor zu befestigen, um es in D\u00e4mmerlicht zu tauchen. Neben dem Waschbecken hingen zwei frische Handt\u00fccher, und ein neues St\u00fcck Seife lag in der Seifenschale \u00fcber dem Waschbecken. Er drehte den Wasserhahn auf und lie\u00df kaltes Wasser \u00fcber die Unterarme laufen. Das erfrischte und beruhigte ihn ein wenig. Nachdem er die H\u00e4nde abgetrocknet hatte, nahm er den letzten Raum in Augenschein. Die W\u00e4nde waren in einem kr\u00e4ftigen Blau gestrichen, soweit sich das in diesem D\u00e4mmerlicht beurteilen lie\u00df. Auf dem Boden lag ein kurzfloriger Teppich in \u00e4hnlicher Farbe. Ein breites Messingbett mit blauer Satinbettw\u00e4sche bezogen stand mittig an der Wand, rechts und links zwei niedrige Nachttische. Dem Fenster gegen\u00fcber stand ein Frisiertisch mit gro\u00dfem Spiegel und einem schmalen Stuhl davor, dem Bett gegen\u00fcber ein nicht sehr gro\u00dfer zweit\u00fcriger Kleiderschrank. Das Schlafzimmer ging wie die K\u00fcche auf den Hof hinaus. Auch hier war das Fenster ge\u00f6ffnet, spielte der Luftzug mit den Vorh\u00e4ngen. Dieser Raum war mehr als die anderen von einem leichten, kaum wahrnehmbaren s\u00fc\u00dflich herben Duft erf\u00fcllt, der nicht von der Flora des Hofes stammen konnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Hatte man sich einmal an das Halbdunkel gew\u00f6hnt, war es in allen R\u00e4umen hell genug, um mehr als nur schemenhafte Umrisse zu erkennen. Aber wiederum nicht so hell, um beispielsweise lesen oder Dinge detaillierter betrachten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Alles f\u00fcgte sich ins Bild der anonymen Aquarelle und Briefe. Eine lichtdurchflutete Wohnung h\u00e4tte ihn weitaus mehr in Erstaunen versetzt. Die sch\u00f6ne Unbekannte wollte es ihm so schwer als m\u00f6glich machen, sie au\u00dferhalb dieser Wohnung zu erkennen. So wurde die Wohnung zu einer eigenen, von der Au\u00dfenwelt abgeschlossenen geheimnisvollen Welt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Eine wohltuende Stille umgab ihn. Irgendwo im Haus ging die Toilettensp\u00fclung. Kurz darauf h\u00f6rte er Schritte, drau\u00dfen ein vorbeifahrendes Auto.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er war nicht mehr ganz so nerv\u00f6s wie beim Betreten der Wohnung. Es war mehr Ungeduld als Furcht vor dem Unbekannten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er konnte sich nicht lange allein in der Wohnung aufgehalten haben, dennoch war es ihm unm\u00f6glich zu sagen, wieviel Zeit verstrichen war. Ihm schien jedes Zeitgef\u00fchl abhanden gekommen zu sein, als habe die Wohnung ihren eigenen Zeitablauf. Ihm kam jeder Augenblick unendlich kurz und unendlich lang zugleich vor.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Pl\u00f6tzlich, ohne Ank\u00fcndigung durch Schritte im Treppenhaus, h\u00f6rte er die Wohnungst\u00fcr gehen. Er stand mit dem Gesicht zum Fenster und dem R\u00fccken zur T\u00fcr. Er f\u00fchlte sich unf\u00e4hig, mich umzudrehen. Wie festgewachsen stand er mitten im Zimmer. Das Herz schlug ihm bis zum Hals.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die Wohnungst\u00fcr wurde leise geschlossen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er hielt den Atem an.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Leise Schritte kam n\u00e4her. Die Person setzte auf Zehenspitzen gehend, vorsichtig einen Fu\u00df vor den anderen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">In diesem Moment wurde ihm fast schmerzlich bewu\u00dft, da\u00df er sich in einer fremden Wohnung befand, was auch nichts daran \u00e4nderte, da\u00df er den Schl\u00fcssel dazu hatte. W\u00e4re er jetzt in einem Alptraum &ndash; die Situation hatte schlie\u00dflich etwas Traumhaftes an sich &ndash;, w\u00e4re er im n\u00e4chsten Moment bestimmt barsch gefragt worden, was er hier mache, oder irgend was anders, weitaus bedr\u00fcckenderes w\u00e4re passiert, woraus er allerdings durch ein erl\u00f6sendes Erwachen befreit worden w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Beim Ank\u00f6mmling konnte es sich nur um seine sch\u00f6ne Unbekannte handeln. In wenigen Augenblicken w\u00fcrde er sie zum ersten Mal sehen. W\u00fcrde sich davon \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, da\u00df sie kein Aquarell war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er sp\u00fcrte, wie sie jetzt im T\u00fcrrahmen stand und ihn beobachtete. Langsam trug der Luftzug das Aroma eines leichten fruchtigen, aber auch eine Spur herben Parfums zu ihm her\u00fcber. Es war der gleiche Duft, den er beim Betreten der Wohnung nur noch schwach wahrgenommen hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Unwillk\u00fcrlich versuchte er mich zu erinnern, ob er eine Frau kannte, die ein \u00e4hnliches oder gar gleiches Parfum benutzte. Er zog noch immer die M\u00f6glichkeit in Betracht, da\u00df die Aquarelle von jemandem kamen, den er von irgendwoher kannte. Aber er konnte es keiner Frau zuordnen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wie lange sie so dastanden, sie im T\u00fcrrahmen, er mit dem R\u00fccken zu ihr mitten im Zimmer, konnte er nicht sagen, ebenso wenig warum er sich nicht sogleich umgedreht hatte, als er h\u00f6rte, wie jemand die Wohnung betrat. Er war ja nicht Orpheus, darum brauchte er auch nicht zu bef\u00fcrchten, da\u00df seine Eurydike auf immer entschwinden w\u00fcrde, tat er es zu fr\u00fch.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Dann gab er sich einen inneren Ruck. Das regungslose Verharren war noch schwerer zu ertragen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Langsam drehte er sich um, als f\u00fcrchtete er entweder eine gro\u00dfe Entt\u00e4uschung zu erleben oder, was viel schlimmer w\u00e4re, da\u00df hinter ihm niemand w\u00e4re und er lediglich ein Opfer seiner \u00fcberreizten Phantasie war. Von beidem konnte keine Rede sein. Auch als er ein zweites Mal hinsah, verschwand SIE nicht. Er war erfreut, erleichtert, fasziniert, alles zugleich.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die Person im T\u00fcrrahmen war gro\u00df, leicht zum Molligen neigend mit angenehmen Proportionen, sie hatte das rechte Bein leicht vor das linke gesetzt, auf dem sie ihr Gewicht ruhen lie\u00df, um bequemer zu stehen. Sie war auf ihren hohen Abs\u00e4tzen gr\u00f6\u00dfer als er, ohne sie mu\u00dfte sie seine Gr\u00f6\u00dfe haben. Sie war unverkennbar die Frau auf den Aquarellen. Das Haar war wundervoll dicht und schwer und tiefbraun, im D\u00e4mmerlicht fast schwarz, die Lippen sinnlich \u00fcppig, leicht ge\u00f6ffnet und tiefrot geschminkt. Mehr konnte er von ihrem Gesicht nicht sehen. Eine schlichte, dennoch aufwendig gearbeitete schwarzseidene Maske bedeckte es zur H\u00e4lfte. Aber auch ohne die Maske war sie ihm unbekannt. Allein an ihrer Gr\u00f6\u00dfe und ihrem herrlichen taillenlangen Haar h\u00e4tte er sie leicht erkannt. Ihr Alter, falls das \u00fcberhaupt bei einer faszinierenden, sch\u00f6nen und begehrenswerten Frau von Bedeutung ist, war unm\u00f6glich zu sch\u00e4tzen, auf Grund der Maske, des D\u00e4mmerlichtes. Sie konnte Ende zwanzig sein, aber auch schon Anfang vierzig, vermutlich irgendwo dazwischen. Ihren feminin \u00fcppigen K\u00f6rper umschmiegte ein hautenges \u00e4rmelloses dekolletiertes Kleid aus stoffweichem schwarzen Leder.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er betrachtete sie wie die Fleischwerdung einer erf\u00fcllten Verhei\u00dfung, seiner geheimsten Sehns\u00fcchte. Es machte ihr nichts aus, da\u00df er sie ausgiebig und begehrlich musterte. Ein sanftes L\u00e4cheln umspielte ihren Mund. Kaum merklich hob und senkte sich ihre \u00fcppige Brust unter den Atemz\u00fcgen. Sie schien um einiges ruhiger als er. Ihr Parfum erf\u00fcllte mittlerweile den Raum. Er sog den Duft tief durch die Nase ein.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ihre Haltung strahlte Zufriedenheit aus, als habe sie nicht einen Augenblick daran gezweifelt, da\u00df er ihrer Einladung Folge leisten k\u00f6nnte. Andererseits; wer h\u00e4tte einer solchen auch widerstehen k\u00f6nnen? Sicherlich niemand, au\u00dfer er w\u00e4re ein schrecklicher Ignorant.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nicht ein Wort wurde zwischen ihnen gesprochen. Ihm w\u00e4re es auch nicht m\u00f6glich gewesen. Zudem er f\u00fcrchtete, da\u00df ein Laut den Zauber brechen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Im Treppenhaus waren Schritte zu vernehmen und unten ging die Haust\u00fcr. Drau\u00dfen fuhr ein Auto fuhr vorbei.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er wu\u00dfte nicht, was er tun sollte. Er stand nur da. Er konnte sich nicht einmal dazu \u00fcberwinden, auf sie zuzugehen, dabei sehnte er sich danach, diese Frau in den Armen zu halten, sie zu sp\u00fcren, ihre W\u00e4rme, ihre Lebendigkeit. Letztlich konnte er nicht anders, als alles weitere ihr zu \u00fcberlassen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie ging langsam auf ihn zu. Sie setzte jeden Schritt auf Wirkung bedacht. Sie ging nicht einfach auf ihn zu, sie reduzierte den Abstand zwischen ihnen nicht blo\u00df r\u00e4umlich, sondern vor allem pers\u00f6nlich.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er hielt zum wiederholten Male den Atem an. Er befand sich v\u00f6llig in ihrem Bann. Sie beherrschte die Situation.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mit jedem Schritt, es waren kaum f\u00fcnf, die sie sich ihm n\u00e4herte, sp\u00fcrte er ihre physische Gegenwart mehr. Es gab in diesem Moment nur sie und ihn.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie blieb so dicht vor mir stehen, wie es m\u00f6glich war, ohne da\u00df sie sich ber\u00fchrten. Er sp\u00fcrte ihren warmen wohlriechenden Atem im Gesicht, glaubte ihren Herzschlag, der auch leicht beschleunigt war, nicht nur zu h\u00f6ren, sondern auch zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Obwohl das Verlangen, sie in die Arme zu schlie\u00dfen, sie mit K\u00fcssen zu bedecken, l\u00e4ngst \u00fcberm\u00e4chtig war, war er noch immer wie gel\u00e4hmt. Ich f\u00fchlte, da\u00df eine allzu voreilige Geste seinerseits, sie zum R\u00fcckzug veranlassen w\u00fcrde und das k\u00f6nnte er sich nie verzeihen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie lie\u00df ihn nicht lange im unerf\u00fcllten Begehren. Ihr Verlangen war kaum geringer als seines. Sie k\u00fc\u00dfte ihn, wozu sie sich ein wenig hinunterbeugen mu\u00dfte. Sanft, weich, kaum sp\u00fcrbar ber\u00fchrte sie seine Lippen mit ihren, schob ihm entschlossen die warme feuchte Zunge in den Mund, den er bereitwillig \u00f6ffnete. Sie k\u00fc\u00dfte ihn genie\u00dferisch, als h\u00e4tte sie alle Zeit der Welt, als wolle sie diesen Ku\u00df endlos auskosten. Str\u00f6me der Lust und des Wohlbefindens durchstr\u00f6mten ihn.<\/p>\n<p class=\"einzug\">W\u00e4hrend sie ihn ausgiebig k\u00fc\u00dfte, er ihre K\u00fcsse nur erwidern konnte, zog sie ihn schnell doch ohne Hast mit geschickten Fingern und ihn zugleich streichelnd aus. Dabei schob sie ihn langsam zum Bett, das sie in dem Moment erreichten, als er bar seiner Kleidung war. Von einem Moment auf den anderen lag er r\u00fccklings darauf. Sie selbst hatte jeden Versuch, sie von ihrem Kleid zu befreien, bereits im Ansatz mit sanften Gesten, aber darum nichtsdestoweniger energisch abgewehrt. Nicht einmal ihre sch\u00f6nen Br\u00fcste durfte er aus der Umh\u00fcllung des weichen Stoffs befreien. Dabei h\u00e4tte er gerne einen Blick auf das kleine Muttermal geworfen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er unterlie\u00df schlie\u00dflich seine fruchtlosen Versuche. Wenn er dieses Rendezvous mit ihr genie\u00dfen wollte, wenn er sie genie\u00dfen wollte, dann mu\u00dfte er sich ihren Spielregeln unterwerfen. Was ihm nicht leicht fiel. Es war ja nicht so, da\u00df er einer Frau noch nie den aktiven Teil \u00fcberlassen habe, doch war das immer aus der momentanen Stimmung heraus geschehen. Diese Sch\u00f6ne jedoch hatte von Anfang an beschlossen, ihm den passiven Part zuzuteilen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Als er endlich bereit war, sich ihr hinzugeben, entspannte er sich und wurde mit einem traumhaften Genu\u00df daf\u00fcr belohnt. Sie erwies sich als leidenschaftliche einf\u00fchlsame Geliebte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie roch herrlich, besa\u00df eine ebenso zarte wie feste Haut. Es sp\u00fcrte das weiche Leder ihres Kleides, das sie soweit wie n\u00f6tig hochschoben hatte, als sie sich auf ihn legte, ihren K\u00f6rper an seinem rieb, f\u00fchlte ihren sich stetig beschleunigenden Herzschlag. Ich sp\u00fcrte ihre zarten Str\u00fcmpfe an meinen Schenkeln, ihre Schuhe, die sie nicht ausgezogen hatte. Jede Ber\u00fchrung ihrer sensiblen Finger hinterlie\u00dfen wohlige Schauern auf seiner Haut, erhitzte Stellen. Sie grub die halblangen, dunkel lackierten N\u00e4geln in die Haut, hinterlie\u00df deutliche Spuren auf seiner Haut, die ihm wohlige elektrisierende Schauer durch den K\u00f6rper laufen lie\u00dfen. Sie lie\u00df ihm Speichel in den Mund laufen, um ihn dann vermischt mit dem seinen mit ihren K\u00fcssen zu trinken. Die Bewegungen ihres Scho\u00dfes steigerten seine Erregung. Sie verstand es, diese auf einem gleichbleibend hohem Niveau zu halten. Als er das erste Mal in ihr zum Orgasmus kam, lie\u00df sie seine Erregung nicht allzuweit absinken und ihn langsam einem zweiten n\u00e4hern. Er war in einer Stimmung, in der er sich ihr endlos, bis zur v\u00f6lligen Ersch\u00f6pfung hingegeben h\u00e4tte. Dieser Nachmittag wurde ein einziger langer Liebesakt mit gelegentlichen Unterbrechungen des kurzen Entspannens, in denen sie ihn in sich behielt, sich aber mit ihrem ganzen Gewicht, ihrem wunderbaren Frauenk\u00f6rper auf ihn legte. Er hielt sie in den Armen, als wollte er sie nie mehr loslassen. Sie sahen sich tief in die Augen. Ihre waren dunkel, tiefsinnig und sch\u00f6n, soweit er das in dem sp\u00e4rlichen Licht des Zimmers erkennen konnte. Doch blieb ihre Maske trennend, lie\u00df sie f\u00fcr ihn weiterhin anonym bleiben, zumal bisher nicht ein Wort gesprochen hatte, auch ihr lustvolles St\u00f6hnen war eher verhalten gewesen, im Gegensatz zu der Sprache ihres K\u00f6rpers. An ihrem Blick w\u00fcrde er sie sp\u00e4ter nur unter besonderen Umst\u00e4nden wiedererkennen k\u00f6nnen, letztlich nur in einer vergleichbaren Lage.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Am sp\u00e4ten Nachmittag verlie\u00df sie ihn. Die Sonne schien nur noch schwach und in der Wohnung war es jetzt so dunkel, da\u00df sich nur mit M\u00fche etwas erkennen lie\u00df. Er sah mit halbge\u00f6ffneten Augen, wie sie ihr Kleid richtete und dann mit einem letzten Blick auf ihn, der tiefe Zufriedenheit ausdr\u00fcckte, den er allerdings mehr f\u00fchlte als wirklich sah, die Wohnung verlie\u00df.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er f\u00fchlte sich sehr matt. Er konnte sich kaum erinnern, wann er das letzte Mal so exzessiv mit einer Frau zusammen gewesen war. Lediglich Marlies fiel ihm ein, was ihm ein wenig unangenehm war, als h\u00e4tte er sie seinerzeit gegen ihren Willen verf\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Es gelang ihm nicht, aufzustehen und der sch\u00f6nen Unbekannten zu folgen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er ben\u00f6tigte fast eine halbe Stunde, bis er aufstehen und sich anziehen konnte. Als er in der Jackentasche nach dem Hausschl\u00fcssel suchte, fand er ihn nicht mehr. Vielleicht hatte er ihn in der K\u00fcche ablegt, obschon er sicher war, gewohnheitsgem\u00e4\u00df in die Jackentasche gesteckt zu haben. Aber in der K\u00fcche war er nicht. Er lie\u00df auch sonst nirgendwo finden. SIE mu\u00dfte ihn mitgenommen haben. Das war die einzige schl\u00fcssige Erkl\u00e4rung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fortsetzung von \u00bbMarlies\u00ab und \u00bbZw\u00f6lf erotische Aquarelle\u00ab. &nbsp; Marlies\u2019 Besuch hatte seine innere Unruhe zwar bes\u00e4nftigten, aber nicht zerstreuen k\u00f6nnen. Am n\u00e4chsten Tag lag wieder keine Nachricht der sch\u00f6nen Unbekannten im Briefkasten, wie auch am darauffolgenden. Fast eine Woche verging. 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