{"id":3441,"date":"2017-01-07T19:16:26","date_gmt":"2017-01-07T18:16:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3441"},"modified":"2017-09-22T19:15:34","modified_gmt":"2017-09-22T17:15:34","slug":"mark-twain-querkopf-wilson","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3441","title":{"rendered":"Mark Twain ?Querkopf Wilson?"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/gallery\/logos\/inter.jpg\" alt=\"Interpretationen\" \/><\/p>\n<div class=\"zitate\">\n<div><img decoding=\"async\"  class=\"buchtitel\" src=\"wp-content\/gallery\/logos\/twain-knallkopf-wilson.jpg\" \/><\/div>\n<p><i>Im Staate Missouri, auf dem rechten Ufer des Mississippi, liegt die Stadt, welche der Schauplatz dieser Geschichte ist. Sie hei?t Dawson, und man mu? von St. Louis bis dahin noch sechs Stunden mit dem Dampfboot stromabw?rts fahren.<\/i><\/p>\n<p class=\"einzug\"><i>Der Ort bestand im Jahre 1830 aus einer Anzahl freundlicher ein- oder zweist?ckiger, wei?get?nchter H?user, die ?ber und ?ber mit einem Gewirre von Schlingrosen, Jel?ngerjelieber und vielfarbigen Winden bedeckt waren. Zu jeder dieser h?bschen Heimst?tten geh?rte auch ein Vorg?rtchen mit wei? angestrichenem Staketenzaun. Dort bl?hten Goldlack, Stockrosen, Federnelken, Balsaminen und anders altmodische Blumen in ?ppiger F?lle, w?hrend auf den Fensterbrettern Holzk?sten mit Moosrosen prangten und Geranien in Blument?pfen ihr feuriges Rot mit der zarteren Farbe der Schlingrosen mischten, die an der Mauer in die H?he kletterten. Wenn drau?en auf dem Blumenbrett neben K?sten und T?pfen noch Raum war, so lag ? falls die Sonne schien ? sicher eine Katze da. [?]<\/i><\/p>\n<\/div>\n<p class=\"einzug\">?<\/p>\n<p>Mit dem Stilmittel des Idylls beginnt Mark Twain seinen 1894 erschienen Roman ?<a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/querkopf-wilson-6001\/1\" target=\"_blank\">Querkopf Wilson<\/a>?, im Deutschen auch als ?Knallkopf Willson? betitelt.<!--more--> Man f?hlt sich an die Welt von ?<a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/tom-sawyers-abenteuer-und-streiche-1673\/1\" target=\"_blank\">Tom Sawyer<\/a>? und ?<a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/huckleberry-finns-abenteuer-und-fahrten-1670\/1\" target=\"_blank\">Huckleberry Finn<\/a>? erinnert. Gemein ist diesen drei Werken jedoch nur der Handlungsort, die Gegend wo Mark Twain selbst aufgewachsen ist. Dawson ist einer dieser idyllischen Orte, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint oder nur im Schneckentempo voranschreitet. Alles geht einen gewohnten Gang und scheint auf ewig in Stein gemei?elt zu sein. Jeder kennt jeden und alle pflegen einen mehr oder weniger respektvollen Umgang miteinander. <i>?[?] Es war eine ruhige, wohlh?bige und zufriedene Stadt, vor f?nfzig Jahren erbaut und in zwar langsamem, aber stetigem Wachstum begriffen. [?]?<\/i> Schweinezucht und Getreideanbau sind eintr?glich und bestimmen ?berwiegend den Wohlstand des Ortes und seiner B?rger. Es gibt die anerkannten Honoratioren. <i>?[?] York Leicester Driscoll, z?hlte etwa vierzig Jahre und war Richter am Bezirksgericht. Stolz auf seine vornehme, altvirginische Abkunft, strebte er stets, es seinen Vorfahren gleich zu thun, nicht nur in betreff der Gastlichkeit, sondern auch durch sein etwas f?rmliches, w?rdevolles Wesen. Er war freigebig und gerecht, auch geno? er die gr??te Hochachtung und Liebe seiner Mitb?rger. Sein ganzes Trachten ging dahin, ein Edelmann zu sein ohne Furcht und Tadel. Das war seine einzige Religion, der er unverbr?chlich treu blieb [?]?,<\/i> wie auch der j?ngere Bruder des Richters, <i>?[?]der ein wohlhabender Mann [war], auch ein kluger Kopf in spekulativen Gesch?ften, und sein Besitzstand wuchs [?]<\/i>?, es fehlen auch die obligatorischen ledigen alten Tanten und die besten Freunde der Protagonisten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Zu Beginn der Handlung ? Januar 1830 ? sind die Br?der Driscoll kinderlos, der ?ltere, weil ihm dies bisher nicht verg?nnt war, Percy, der j?ngere, weil die <i>?[?] Kinder, die aber leider von Masern, Kroup und Scharlachfieber befallen wurden und dadurch dem Doktor Gelegenheit gaben, seine wirksamen, vorsintflutlichen Arzneimittel anzuwenden. Da wurden die Wiegen wieder leer. [?]? <\/i>Seine Frau bringt schlie?lich am ersten Februar noch einen Jungen zur Welt, verstirbt jedoch kaum eine Woche nach der Geburt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wie ?berall in den S?dstaaten zu jener Zeit, so h?lt sich auch die wei?e Bev?lkerung von Dawson Sklaven, die vornehmlich die Schweinezucht und den Getreideanbau besorgen. Im Gegensatz zu den Regionen weiter im S?den, <i>flu?abw?rts<\/i> im ?rtlichen Jargon, ist man sich hier mehr weniger bewu?t, da? Sklaven irgendwo auch Menschen sind. Aber auch hier stellt niemand das Sklavenhaltersystem infrage. Am selben Tag bringt die Sklavin Roxy im Hause Percy Driscoll auch einen Jungen zur Welt. Nach dem Tod von Frau Percy Driscoll wird die Betreuung des Stammhalters Roxy ?bertragen. <i>?[?] Sie konnte dabei ganz nach eigenem Gutd?nken verfahren, denn Herr Driscoll vertiefte sich bald wieder in seine Gesch?ftsangelegenheiten und lie? sie thun, was sie wollte. [?]?<\/i>.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Zur selben Zeit l??t sich ein neuer Bewohner in Dawson nieder, David Wilson, <i>?[?] ein junger Mann von schottischer Abstammung, der aus seiner Geburtsstadt im Staate New-York nach jener abgelegenen Gegend gewandert kam, um sein Gl?ck zu suchen. [?]?<\/i> Er ist Anwalt, macht einen angenehmen Eindruck <i>?[?] Seine klugen blauen Augen schauten offen und freim?tig drein und sie konnten zuweilen recht schalkhaft zwinkern. [?]?<\/i> Leider wird ihm sein Sinn f?r einen schalkhaften Humor bereits zu Anfang zum Verh?ngnis, denn so eingefahren die Bewohner des kleinen Ortes in ihren Gewohnheiten und Ansichten so, so unterentwickelt ist ihr Humor, sie nehmen jede Aussage f?r wahr an. Das Unverst?ndnis f?r seine humoristische Bemerkung <i>?[?] flog wie ein Lauffeuer durch die Stadt, sie war in aller Munde. Ehe noch eine Woche verging, hatte er seinen Taufnamen verloren und hie? statt dessen nur noch der ?Querkopf?. Mit der Zeit wurde er allgemein gesch?tzt und beliebt, aber der Spitzname hatte sich schon so fest eingenistet, da? er ihn nicht wieder los wurde. Er war nun einmal von Anfang an f?r einen Narren erkl?rt worden und der Spruch lie? sich weder drehen noch wenden. Zwar hatte die Bezeichnung bald keine feindselige oder unfreundliche Bedeutung mehr, aber sie haftete ihm dauernd an, volle zwanzig Jahre lang.?<\/i> Wilsons Karriere als Anwalt scheint damit bereits beendet, bevor sie begonnen hat. Mangels Mandanten bleibt ihm nichts anderes ?brig, als den Lebensunterhalt mehr schlecht als recht mit Buchhaltung und Landvermessung zu bestreiten. Sein Steckenpferd sind Fingerabdr?cke. Jeden Mitb?rger, dessen er habhaft werden kann, mu? seine Fingerabdr?cke auf kleinen Glasplatten abgeben, die Wilson akribisch dokumentiert und archiviert, was ?brigens die Auffassung der ?brigen B?rger von seinem schrulligen Charakter nur verst?rkt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Twain greift hier der tats?chlichen Entdeckung der Bedeutung von Fingerabdr?cken vor. Als der Roman erschien war die besondere Bedeutung von Fingerabdr?cken bei der Identit?tsfeststellung gerade erkannt worden.<\/p>\n<p class=\"einzug\">W?hrend Wilson im Sommer 1830 an seinem Schreibtisch sitzt, um mehrere Rechnungsb?cher in Ordnung zu bringen, wird er unfreiwillig Zeuge einer Unterhaltung zwischen zwei Sklaven, einem Mann und einer Frau. Der Mann, Jasper, ist der Idealtypus des Afrikaners, ?<i>[?] ein junger kohlschwarzer Neger von pr?chtigem Wuchs [?]<\/i>? Die Frau, Roxy, zeigt die Absurdit?t der US-amerikanischen Sklavenhaltergesellschaft jener Zeit nur zu deutlich auf. ?<i>[?] Nach Roxys Redeweise zu urteilen, h?tte man sie f?r eine Schwarze halten sollen, aber da irrte man sich gewaltig. Was etwa farbig an ihr war ? h?chstens der sechzehnte Teil ? das sah man nicht. [?] Dem Ansehen nach war Roxy wirklich so wei?, wie man nur irgend sein konnte, aber ihr eines farbiges Sechzehntel schlug alle anderen f?nfzehn Sechzehntel aus dem Felde und machte sie zur Negerin, zur verk?uflichen Sklavin. An ihrem Kinde war sogar nur ein Zweiunddrei?igstel farbig, aber es galt dennoch nach Gesetz und Sitte f?r einen Neger und Sklaven. Es hatte blaue Augen und blonde Locken, wie sein kleiner wei?er Altersgenosse; aber selbst der Vater des wei?en Knaben, der sich nur wenig um die Kinder bek?mmerte, konnte sie an der Kleidung unterscheiden: der kleine Wei?e trug ein feines, reich mit Falbeln besetztes Musselinkleidchen und ein Korallenhalsband, w?hrend der andere keinerlei Schmuck besa? und nur ein grobes leinenes Hemd anhatte, das ihm kaum bis zu den Knieen reichte. Der wei?e Knabe hie? Thomas ?? Becket Driscoll, der andere Valet de Chambre, ohne Vatersnamen ? den durfte kein Sklave f?hren. Roxana hatte die Benennung irgendwo aufgeschnappt; der Klang gefiel ihr, und da sie glaubte, es sei ein Rufname, begl?ckte sie ihren Liebling damit. Nat?rlich wurde er bald in ?Schamber? abgek?rzt. [?]<\/i>?.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wilson kommt mit Roxy ins Gespr?ch und nimmt von beiden Jungen in ihrer Obhut zum ersten Mal die Fingerabdr?cke. Rund zwei Monate sp?ter nimmet er sie erneut. Er will herausfinden, ob die Abdr?cke im Laufe des Lebens einer Ver?nderung unterworfen sind. ?<i>[?] Bei Kindern pflegte er in k?rzeren Pausen die Aufnahmen vorzunehmen, bei ?lteren Leuten in Pausen von einigen Jahren. [?]<\/i>?<\/p>\n<p class=\"einzug\">Kurz nach der zweiten Abnahme der Abdr?cke, ereignet sich ein Zwischenfall im Hause Percy Driscoll. Es wird Geld vermi?t. Kleinere Diebst?hle sind in den Haushalten mit Sklaven an der Tagesordnung bek?mmern kaum einen. Die Sklaven f?hlen verst?ndlicherweise keine Gewissensbisse dabei. Doch diesmal geht es nicht um einen silbernen L?ffel oder ein paar Kupferm?nzen. Percy Driscoll verliert die Geduld. Er droht dem Schuldigen an, ihn <i>flu?abw?rts<\/i> zu verkaufen. Das schlimmste, was einem Sklaven aus dieser Gegend widerfahren kann, dort besitzen die Wei?en eine weitaus objekthaftere Beziehung zu ihren Sklaven. Die T?ter gestehen schlie?lich. Percy Driscoll macht seine Drohung nur zur H?lfte wahr, zwar verkauft er die Schuldigen, jedoch nicht flu?abw?rts, sondern vor Ort. ?<i>[?] Die Schuldigen warfen sich in ?berschwenglichem Dankgef?hl vor ihm auf den Boden, k??ten ihm die F??e und versicherten, sie w?rden seine G?te nun und nimmermehr vergessen und ihr Leben lang f?r ihn beten. Sie meinten das ganz aufrichtig, denn, hatte er nicht wie ein Gott seine m?chtige Hand ausgereckt und die Pforten der H?lle vor ihnen verschlossen? ? Er selbst wu?te, da? er eine edle, hochherzige That vollbracht hatte und war innerlich stolz auf seine Gro?mut. Am Abend schrieb er den Vorfall in sein Tagebuch, damit sein Sohn ihn in sp?teren Jahren lesen k?nnte und durch sein Beispiel angetrieben w?rde, ebenfalls G?te und Menschlichkeit walten zu lassen. [?]<\/i>?<\/p>\n<p class=\"einzug\">Dieses einschneidende Erlebnis, dessen Zeuge Roxana wird, verleitet sie zu einem folgenschweren Entschlu?. Damit ihrem geliebten Sohn erspart bleibt, eines Tages auch das Opfer der Willk?r seiner Herrschaft zu werden, vertauscht sie die beiden Kinder, was niemandem auff?llt, da es ohnehin jedem schwer gefallen ist, die beiden Kinder auseinanderzuhalten, so ?hnlich sind sich mit ihren blonden Haaren und den blauen Augen. Nur einmal f?rchtet Roxana die Entdeckung ihrer Tat, als wenig sp?ter Wilson die Fingerabdr?cke der Jungen ein weiteres Mal nimmt. Wilson sch?pft jedoch keinen Verdacht. Tom, der Erbe eines Gutsbesitzers, w?chst als Sklave heran, w?hrend ?Schamber? zum Erbe eines Gutsbesitzers wird.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Kaum ist der Tausch durchgef?hrt ?ndern sich die Charakterz?ge der beiden Kinder vollst?ndig. Der echte ?Schamber? ? im weiteren Verlauf der Geschichte ?Tom? genannt, w?hrend der echte Tom, nun als ?Schamber? bezeichnet wird ? nimmt alle Unarten verw?hnter wei?er Kinder reicher Leute an, w?hrend ?Schamber? zu einem gewohnt dem?tigen Vertreter seiner Klasse wird. Selbst Roxy l??t sich bald von ihrem eigenen Sohn tyrannisieren, mit der Zeit glaubt sie tats?chlich daran, da? er der privilegierte Wei?e ist. ?Schamber? erh?lt von seinem Herrn und leiblichen Vater, der in ihm ja ?nur? einen Sklaven und somit sein Eigentum sieht, Schl?ge, weil er sich gegen die Mi?handlungen, die Tom ihm mutwillig zuf?gt, wehrt. ?<i>[?] Er machte Schamber klar, da? er unter keinen Umst?nden das Recht habe, die Hand gegen seinen kleinen Gebieter zu erheben.[?]<\/i>?<\/p>\n<p class=\"einzug\">Tom und Schamber wachsen gemeinsam auf und k?nnten vom Charakter nicht unterschiedlicher sein. 1845 stirbt Percy Driscoll, schenkt Roxy noch auf dem Totenbett die Freiheit. Seinen vermeintlichen Sohn ?bergibt er der Obhut seines Bruders York und dessen Frau. ?<i>[?] Das kinderlose Ehepaar freute sich dar?ber. Leute, die keine Kinder haben, sind in diesem Punkt nicht sehr anspruchsvoll. [?]<\/i>?. Einen Monat vor Percys Tod hatte der Richter ihm Schamber abgekauft, da ihm zu Ohren gekommen war, da? Tom seinen Vater ?berreden wollte, den Gef?hrten seiner Kindertage flu?abw?rts zu verkaufen. Er <i>[?] w?nschte dies ?rgernis zu vermeiden, da er wu?te, wie ung?nstig es allgemein beurteilt wurde, wenn man mit Haussklaven auf solche Weise verfuhr, ohne da? ein zwingender Grund vorlag. [?]<\/i>?<\/p>\n<p class=\"einzug\">Tom erwartet nach dem Tod des Vaters eine unangenehme ?berraschung, denn dieser ?<i>[?] hatte alles an das Gelingen seiner gro?en Landspekulation gesetzt, allein, er starb, ohne seinen Zweck zu erreichen. Kaum war er ins Grab gestiegen, so brach die ganze Herrlichkeit zusammen, und der bisher so beneidete junge Erbe und Gl?ckspilz ward zum Bettler. [?]<\/i>?. Jedoch macht er sich nicht viel daraus, schlie?lich ?<i>[?] brachte [es] ihm keinen Schaden; sein Onkel versprach ihm, er solle nach seinem Tode der Erbe seines gesamten Verm?gens werden [?]<\/i>?.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Seine Tante ?<i>[?] geno? die Freude, den unvergleichlichen Tom ihr eigen zu nennen, noch zwei Jahre lang ? zeitweise war das Gl?ck wohl nicht ganz ungetr?bt, aber es beseligte sie doch. Dann starb sie, aber ihr Gatte setzte mit Hilfe seiner kinderlosen Schwester, der verwitweten Frau Pratt, das Verh?ltnis zu Tom in alter Weise fort. Tom wurde zu seiner vollsten Zufriedenheit geh?tschelt, verw?hnt und verzogen ? wenigstens in der Regel. Das ging so weiter, bis er neunzehn Jahre alt war, dann schickte man ihn nach Yale auf die Universit?t. Er hatte vorher alle m?gliche Nachhilfe erhalten, doch zeichnete er sich dort in keiner Weise aus. Zwei Jahre blieb er in Yale, dann wurde ihm die Anstrengung zu viel und er kam nach Hause. [?]<\/i>?<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wieder zu Hause hat Tom sich ?u?erlich zwar ver?ndert, er ist ?<i>[?] nicht mehr schroff und m?rrisch, sondern verbindlich, glatt und geschmeidig [?]<\/i>?. Daf?r hat er einige neue Gewohnheiten mitgebracht. ?<i>[?] das Trinken betrieb er ziemlich offenkundig, das Spielen aber nur heimlich. Da? er sich auf kein Gl?cksspiel einlassen durfte, wo es seinem Onkel zu Ohren kommen konnte, wu?te er recht gut. [?]<\/i>?. Aufgrund seiner neuen Gewohnheiten meiden ihn die alten Kameraden im Ort. Ihnen sind seine modischen Affektiertheit zu st?dtisch und somit zuwider. Sie lassen ihn ihre Abneigung deutlich sp?ren, worauf er einlenkt und sich bez?glich der Kleider den allgemeinen Gepflogenheiten der kleinen Stadt anpa?t. Tom verlegt ohnehin seine Aktivit?ten bez?glich Spielen und Trinken nach St. Louis, da er wei?, wie sein Onkel dar?ber denkt. Dieser gibt das Richteramt und alle anderen beruflichen T?tigkeiten 1850 auf. ?<i>[?] Er lebte jetzt schon seit drei Jahren in behaglicher Mu?e als Pr?sident des Freidenker-Klubs, dessen einziges Mitglied Querkopf Wilson war. Die allw?chentlichen Beratungen dieser Gesellschaft bildeten nunmehr das Hauptlebensinteresse des alten Rechtsgelehrten. [?]<\/i>? Der alte Driscoll sch?tzt Wilson ob seiner besonderen geistigen F?higkeiten, was er auch weithin kundtut, dennoch sind die ?brigen Mitb?rger nicht von ihrer Meinung bez?glich Wilson, die sie seit zwanzig Jahren pflegen, abzubringen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">W?hrenddessen erh?lt die kleine Stadt zwei Neuzug?nge, zwei Br?der, Zwillinge, junge Italiener. Sie sind weitgereiste Musiker und bezaubern durch ihr freundliches Wesen. Sie bringen durch ihr musikalisches Talent ein wenig von der gro?en weiten Welt in das verschlafene Landst?dtchen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Als die Br?der in verschiedenen B?rgerh?usern Konzerte geben, wird in den H?usern der G?ste w?hrend deren Abwesenheit eingebrochen. Auf Grund von Zeugenaussagen wird eine Frau als T?terin vermutet. Jedoch ist es der verkleidete Tom, der sich aufgrund hoher Verluste im Spiel gen?tigt sieht, auf diese Weise das n?tige Geld f?r seine Schulden herbeizuschaffen. Roxy kommt dahinter. W?hrend sie sich in einem verlassenen Haus am Rande der Stadt, von dem die Bewohner ?berzeugt sind, da? es dort spukt und sie es darum meiden, treffen, offenbart sie ihm seine Herkunft als Sklave.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nach ihrer Freilassung hat sie als Stubenm?dchen auf den Flu?dampfern gearbeitet, h?here Ambitionen hatte sie nicht besessen, sie hatte als Sklavin nicht einmal lesen und schreiben gelernt. Sie war beliebt wegen ihres Flei?es und ihres Wesens und schaffte es von ihrem Lohn einen nicht unwesentlichen Teil zur?ckzulegen. Als sie aufgrund von Rheuma ihre Arbeit aufgehen mu?te, mu?te sie erfahren, da? sie durch den Zusammenbruch der Bank, bei der sie ihr Konto hatte, mittellos geworden war. Sie hoffte, durch das Gest?ndnis Tom gegen?ber, ihn zu einer ?Leibrente? zu erpressen. Tom geht widerwillig darauf ein.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nachdem er aus dem Ertrag der Einbr?che seine Schulden bis aufs weitere beglichen hat, nimmt er sich vor, der Spielleidenschaft zu entsagen, was ihm auch eine Zeitlang gelingt. Doch der R?ckfall l??t nicht lange auf sich warten und seine Verluste sind gr??er als zuvor. Erneut versucht er durch den Ertrag von Einbr?chen seine Spielschulden zu begleichen. Bei einem seiner Raubz?ge f?llt ihm der reich mit Edelsteinen verzierte Dolch der italienischen Zwillinge in die Hand. Der Dolch ist das Geschenk eines indischen F?rsten, einem Bewunderer ihrer Musik.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Zwischen den Zwillingen und Tom entstehen Spannungen, die ihre alleinige Ursache in Toms Charakter haben. Es kommt zu einem Skandal, bei dem Tom sich weigert, dem Italiener auf die ?bliche archaische Weise des Duells Genugtuung zu verschaffen. Darauf zerrei?t der Richter, das Testament, in dem er Tom zu seinem Erben eingesetzt hat. Das hat er in den zur?ckliegenden Jahren bereits einige Male getan. Tom erf?hrt davon und diesmal glaubt er, da? der Onkel seinen Entschlu? nicht mehr r?ckg?ngig machen wird.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nach einer langen Unterredung mit Wilson willigt Tom doch noch in ein Duell ein. Daraufhin setzt der Onkel ihn wieder zum Erben ein, ohne es ihm mitzuteilen. Tom wird jedoch heimlich Zeuge seiner Wiedereinsetzung.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sowohl die Zwillinge als auch Tom steigen durch dieses Duell betr?chtlich in der Achtung der ?brigen B?rger.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Derweil besch?ftigen die Stadt und Wilson die unaufgekl?rten Einbruchdiebst?hle, hinter denen immer noch jene beobachtete alte Frau vermutet wird. Wilson ist ?berzeugt, den Fall in B?lde aufkl?ren zu k?nnen. Trotz einer ausgeschriebenen hohen Belohnung bleibt gerade der wertvolle indische Dolch der Zwillinge verschwunden. Es wird bereits gemunkelt, da? dieser nie existiert hat.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Tom verl??t f?r einige Zeit erneut die Stadt, um seine Beute bis auf den Dolch, der ihn als Dieb ?berf?hren w?rde, zu verkaufen. Die Erl?se aus dem Diebesgut sind aber bei weitem nicht ausreichend, um die Spielschulden begleichen zu k?nnen und den wertvollen Dolch kann er ja nicht verkaufen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Roxy schl?gt ihm vor, sich von ihm als Sklavin verkaufen zu lassen. Sie f?lschen entsprechende Dokumente. Roxy ist ?berzeugt, sich aus ihrer Lage nach einiger Zeit befreien zu k?nnen. Tom jedoch verkauft sie entgegen der Absprache flu?abw?rts an einen Farmer, bei dem sie ein schlechtes Los hat. Tom scheut sich also nicht einmal, die eigene Mutter zu verkaufen, wenn es ihm zum Vorteil ist. Aus der Metapher wird somit ein realer Vorgang.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Roxy gelingt jedoch die Flucht. Tom ist ver?rgert, als sie wieder zur?ckkehrt, nur sie kann ihn vor aller Welt blo?stellen, schlie?lich hat er ?<i>[?] ?ne freie Negerin flu?abw?rts verkauft [hat] [?]<\/i>? Er f?rchtet, da? ihn sein Onkel erneut enterbt. Sie droht ihm, zu seinem Onkel zu gehen, ihm das ganze Geheimnis zu enth?llen, dann w?rde <i>er flu?abw?rts<\/i> verkauft. Noch besitzt Tom Schulden, die nicht beglichen sind. Statt zu seinem Onkel zu gehen, um ihn den n?tigen Betrag zu erbitten, fast er den folgenschweren Entschlu?, ihm das Geld zu stehlen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Tom verkleidet sich wieder als alte Frau und nimmt den indischen Dolch der italienischen Zwillinge mit. Als er in das Haus seines Onkels einbricht und das Geld nehmen will, erwacht dieser. Er war auf dem Sofa im Arbeitszimmer eingeschlafen ist. Er sieht einen unbekannten Eindringling und ruft laut um Hilfe. In diesem Moment ersticht Tom ihn mit dem mitgebrachten Dolch, den er fallen l??t, und fl?chtet Hals ?ber Kopf aus dem Haus. Die italienischen Zwillinge, deren abendlicher Spaziergang sie in diesem Moment am Haus vorbeif?hrt, h?ren das verzweifelte Rufen und betreten das Arbeitszimmer, in der Hoffnung helfen zu k?nnen. Kurz darauf wird von den anderen Hausbewohner der Mord entdeckt. Man h?lt die Zwillinge f?r die M?rder. Lediglich Wilson ist von ihrer Unschuld ?berzeugt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">W?hrend der Gerichtsverhandlung beweist Wilson nicht nur l?ckenlos die Unschuld der Zwillinge und Toms T?terschaft mit Hilfe seiner Fingerabdruckkartei, sondern auch, da? Tom und Schambers seinerzeit vertauscht worden sind. Tom gesteht unter der Last der Beweise und in einem weiteren Proze? zu lebensl?nglicher Haftstrafe verurteilt. Schambers, der wirkliche Tom, in seine rechtm??ige Position gesetzt. Wilson erf?hrt endlich die ?berf?llige Anerkennung als Anwalt. Wie auch die Zwillinge Bewunderung erfahren.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Roxy dagegen war von nun an eine gebrochene Frau, ?<i>[?] der junge Mann, den sie dreiundzwanzig Jahre lang zur Sklaverei verdammt hatte, auch ferner monatlich f?nfunddrei?ig Dollars aus, wie der falsche Erbe gethan, aber ihre Wunden waren zu tief ? Geld konnte sie nicht heilen. Aus ihren Augen war aller Glanz verschwunden, ihre stolze Haltung war dahin und nie und nirgends hat man wieder ihr helles, sorgloses Lachen vernommen. Im Besuch ihrer Kirche und in gottesdienstlichen ?bungen fand sie den einzigen Trost. [?]<\/i>? Auch der echte Erbe wurde nicht wirklich froh mit seinem neuen Leben. Er ?<i>[?] befand sich aber in einer ?u?erst unbehaglichen Lage. Er konnte weder lesen, noch schreiben und sprach nichts als den unverf?lschtesten Negerdialekt aus dem Sklavenquartier. Sein Gang, seine Haltung, alle seine Bewegungen und Stellungen waren ungeschlacht und gew?hnlich, sein Wesen ? das eines Sklaven. Geld und sch?ne Kleider konnten diese M?ngel nicht zudecken oder beseitigen, sie stellten das alles nur noch in ein grelleres und traurigeres Licht. Vor dem Aufenthalt im Wohnzimmer der Wei?en graute dem armen Menschen f?rmlich; nirgends war ihm wohl und behaglich zu Mute, au?er in der K?che. [?]<\/i>?<\/p>\n<p class=\"einzug\">Da aus dem Bankrott von Percy Driscoll noch Forderungen offen sind, ?<i>[?] forderten [die Gl?ubiger] mit Recht ?Tom? als ihr gesetzliches Eigentum, das ihnen seit acht Jahren vorenthalten w?rde [?] Alle waren der Meinung, da?, wenn ?Tom? ein freier Wei?er gewesen w?re, es ohne Zweifel gerecht sein w?rde, die Strafe ?ber ihn zu verh?ngen ? kein Mensch h?tte einen Verlust dadurch gehabt. Aber einen wertvollen Sklaven auf Lebenszeit einzusperren ? das war ganz etwas Anderes.<\/i><\/p>\n<p class=\"einzug\"><i>Als der Gouverneur die Sachlage begriffen hatte, begnadigte er ?Tom? auf der Stelle, und die Gl?ubiger verkauften ihn nach dem S?den, ?flu?abw?rts.?<\/i>?<\/p>\n<p class=\"einzug\">?<\/p>\n<p>Mark Twains Roman, der bei seinem Erscheinen nicht sonderlich erfolgreich war, behandelt vor dem Hintergrund einer Verwechslungsgeschichte und einem Kriminalfall, da? zum einen f?r einen Menschen seine Sozialisation weitaus pr?gender ist als alles andere, da? Sklaven nicht deshalb Sklaven sind, weil sie von simplem Geist sind und ihnen die Unterw?rfigkeit im Blut liegt, da? das eigentliche ?Sklavenkind? nur deshalb zum M?rder an seinem Onkel werden konnte, weil er von seinem desinteressierten vermeintlichen Vater und sp?ter von einem allzu gutm?tigen Onkel und zwei Tanten verh?tschelt und ihm nie Grenzen gesetzt wurden.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Weitaus nachdenklicher hinterl??t den Leser die Tatsache, mit welcher Selbstverst?ndlichkeit selbst Menschen noch als ?Neger? angesehen wurden, deren ihre afrikanischen Vorfahren nicht mehr anzusehen waren, so wenig, da? die beiden blonden und blau?uigen kleinen Jungen problemlos miteinander ausgetauscht werden konnten. (Blond und blau?uig steht hier symbolischen f?r den ? ?u?erlichen ? Gegenentsatz zum Schwarzafrikaner.)<\/p>\n<p class=\"einzug\">Das Wissen, da? den wei?en Europ?er vom schwarzen Afrikaner genetisch nur minimale Unterschiede trennt, die im Grunde vernachl?ssigbar sind, war ja zu Twains Zeiten noch v?llig unbekannt. Das Angehen beziehungsweise das Anschreiben gegen Rassismus war stets ein Anliegen Mark Twains.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle Zitate sind der vollst?ndigen Online-Ausgabe bei <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/querkopf-wilson-6001\/1\" target=\"_blank\">Projekt-Gutenberg-DE<\/a> entnommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer es lieber in gedruckter Form mag: <a rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3717522000\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3717522000&#038;linkCode=as2&#038;tag=fotokunstblog-21\">Bei Amazon<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=fotokunstblog-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3717522000\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Staate Missouri, auf dem rechten Ufer des Mississippi, liegt die Stadt, welche der Schauplatz dieser Geschichte ist. Sie hei?t Dawson, und man mu? von St. Louis bis dahin noch sechs Stunden mit dem Dampfboot stromabw?rts fahren. Der Ort bestand im Jahre 1830 aus einer Anzahl freundlicher ein- oder zweist?ckiger, wei?get?nchter H?user, die ?ber und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[34,32],"tags":[42,41],"class_list":["post-3441","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-der-besondere-buch-tip","category-literarisches","tag-bucher","tag-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3441","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3441"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3441\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3441"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3441"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3441"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}