{"id":3457,"date":"2017-01-08T18:06:25","date_gmt":"2017-01-08T17:06:25","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3457"},"modified":"2026-04-09T14:37:16","modified_gmt":"2026-04-09T12:37:16","slug":"anais-nin-wien-war-die-stadt-der-statuen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3457","title":{"rendered":"Ana\u00efs Nin \u00bbWien war die Stadt der Statuen\u00ab"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/inter.jpg\" \/><\/p>\n<div><img decoding=\"async\"  class=\"buchtitel\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/nin-wien-war-die-stadt-der-statuen.jpg\" \/><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ana\u00efs_Nin\" target=\"_blank\">Ana\u00efs Nin (21.2.1903\u201314.1.1977)<\/a> d\u00fcrfte den meisten als Autorin erotischer Werke weithin bekannt sein, bei denen es in erster Linie um Auftragsarbeiten gehandelt hat. Weniger bekannt dagegen d\u00fcrfte ihr \u00fcbriges erz\u00e4hlerisches Werk sein, zu dem \u00bb<i>Wien war die Stadt der Statuen<\/i>\u00ab z\u00e4hlt, und das seine besondere Faszination besitzt. Wer hier offenherzige Erotik sucht, wird wohl \u203aleider\u2039 entt\u00e4uscht werden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Die Malerin Renate w\u00e4chst in Wien auf. Von ihrem Fenster aus sieht viele Statuen. Ihre Ansicht nach starben die Menschen nicht, sie verwandeln sich in Statuen, von denen jede ihre eigene Geschichte besitzt.<!--more--> Das Verh\u00e4ltnis zu ihrem Vater, einem Hersteller von Mikroskopen und Teleskopen, ist eng. Da ihre Mutter stets niedergeschlagen ist, nimmt Renate deren Stelle als Vertraute bei dem Vater ein. Sie begleitet ihn zu Einweihungen von Teleskopen oder zum Schilaufen. Als Renate sechzehn ist, kommt es zur einer Auseinandersetzung mit ihrem Vater, in der sie erkennt, da\u00df ihr Vater sie nicht als Tochter, sondern als Frau betrachtet. Vater und Tochter gehen auf Distanz zueinander. Ihr Onkel wird zu ihrem Hauslehrer bestellt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">In Wien begegnet sie Bruce mit dem sie nach und durch Mexiko reist. Als er eines abends allein ausgeht und lange ausbleibt, macht sie sich auf die Suche nach ihm. Sie findet ihm im Schatten eines Baumes vor einem jungen Mexikaner in eindeutiger Stellung kniend. Aus \u00c4rger und Entt\u00e4uschung, da\u00df er ihr seine homosexuellen Neigungen verschwiegen hat, verl\u00e4\u00dft sie ihn. Sie reist alleine weiter durch Mexiko. Sie kauft sich ein orangefarbenes Kleid, in der Hoffnung, es sie die Szene unter dem Baum vergessend macht, doch das Gegenteil ist der Fall. Durch Zufall lernt sie einen jungen Kalifornier kennen, dessen Leben sich ausschlie\u00dflich um sein Auto zu drehen scheint.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Von Mexiko aus reist sie nach Malibu und trifft dort Bruce wieder. Sie vers\u00f6hnen sich. Er zeigt ihr die ersten Seiten seines neuen Romans, der ein Teil ihrer Erlebnisse in Mexiko wiedergibt. Er will in Holland ein Segelschiff kaufen, um gemeinsam mit ihr zu segeln. Dabei soll sie malen und er will seinen Roman weiterschreiben. Jedoch scheitern die ersten Segelversuche, obschon Bruce sich fast einen Monat lang von einem Kapit\u00e4n unterweisen l\u00e4\u00dft. Daher beschlie\u00dfen sie, das Boot nach S\u00fcdfrankreich zu transportieren und im Mittelmeer zu segeln. Doch auch dort mi\u00dflingt ihnen ihr Vorhaben bereits zu Anfang.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie beziehen vor Ort ein Haus, wo sie vor allem ihn malt. Ein Waldbrand, bei dem sie ihr Haus retten k\u00f6nnen, entzweit sie erneut. Sie entdeckt einen Text von ihm, in dem er sich lang und breit \u00fcber seine homosexuellen Erfahrungen w\u00e4hrend einer Reise durch Mexiko ausl\u00e4\u00dft. Renate verl\u00e4\u00dft ihn erneut.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie zieht nach Kalifornien, wo sie sich ganz ihrer Malerei widmet und die ersten Erfolge verzeichnen kann. Erneut begegnen ihr die unterschiedlichsten Menschen und deren Schicksale. Da w\u00e4re Raven, eine junge Frau mit langen schwarzen Haaren, die von einer exzentrischen alten Dame einen Raben erwirbt und es scheinbar schwierig wird, die beiden auseinanderzuhalten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Verdient Renate einmal nicht genug mit dem Verkauf ihrer Bilder, arbeitet sie als Bedienung im Restaurant <i>Paradise Inn<\/i>, das gleichfalls ein Potpourri von Pers\u00f6nlichkeiten bietet, untere anderem Henri, den Koch, Leontine, eine S\u00e4ngerin, Varda, der mit einem eigenen Segelboot die K\u00fcsten bef\u00e4hrt und ihre seine bewegte Lebensgeschichte erz\u00e4hlt. Und wieder kommt sie f\u00fcr einige Zeit mit Bruce zusammen, w\u00e4hrend weiter die unterschiedlichsten Leute nicht zuletzt \u00fcber das <i>Paradise Inn<\/i> ihr Leben treten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mit der Zeit verliert sie die Lust, nur Portraits zu malen, G\u00e4ste zu bedienen und Kleider zu entwerfen und will eine Zeitschrift herausgeben. Auch die Vorbereitungen f\u00fcr eine Nullnummer bringen sie wieder mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen. Wilkens, ein junger Million\u00e4r, will ihre Zeitschrift finanzieren. Alles scheint bestens zu laufen, Vertr\u00e4ge werden geschlossen. Doch dann bleibt der erste Scheck aus. Die unbezahlten Rechnungen f\u00fcr das Magazin stapeln sich. Renate forscht nach. Es stellt sich heraus, da\u00df Wilkens nur der G\u00e4rtner eines Million\u00e4rs ist und \u00fcber keinerlei Verm\u00f6gen verf\u00fcgt. Renate nimmt es sportlich, denn \u00bb<i>[\u2026] Es gab kein Gesetz, nach dem man einen Menschen einsperren konnte, der einem seine Illusionen, aber nicht sein Geld abgekn\u00f6pft hatte. Der G\u00e4rtner go\u00df die Tr\u00e4ume anderer. Es war nicht seine Schuld, wenn sie soweit in den Himmel wuchsen, da\u00df man sie irgendwann zur\u00fcckstutzen mu\u00dfte. [\u2026]<\/i>\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Renates Erfolg als Malerin nimmt zu. W\u00e4hrend sie einige Tage in Acapulco weilt, um dort ein Wandgem\u00e4lde f\u00fcr ein Hotel zu entwerfen, lernt sie Lisa kennen, Mutter zweier Kinder, mehrmals geschieden, von deren Erscheinung und Pers\u00f6nlichkeit sie fasziniert ist. Sie trifft Lisa in New York wieder, als dort eine Ausstellung hat. Lisa ist mit dem Journalisten Bill liiert, den sie gemeinsam mit Renate in Acapulco kennengelernt hat. Renate erf\u00e4hrt von Bill, da\u00df Lisa und er zusammen im selben New Yorker Viertel aufgewachsen sind, sich dann aber aus den Augen verloren und erst nach zwanzig Jahren wiedergetroffen haben.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Bei Lisa verkehrt Doktor Mann, dessen besondere Leidenschaft es ist, Schriftstellerinnen zu besuchen. \u00dcber ihn lernt Renate die Autorin Judith Sands kennen. Im Anschlu\u00df einer beeindruckenden Performance von Tinguelys <i>Maschine, die sich selbst zerst\u00f6rt<\/i> im Hof vom Museum of Modern Art folgt Renate Judith in deren Wohnung. Sie gibt Renate ein Manuskript zu lesen. Es beginnt mit dem Absatz mit dem auch Ana\u00efs Nin den ihren beginnt:<\/p>\n<p class=\"einzug\"><i>\u00bbWien war die Stadt der Statuen. Sie waren so zahlreich wie die Menschen, die die Stra\u00dfen bev\u00f6lkerten. Sie standen auf den h\u00f6chsten Turmspitzen, ruhten auf steinernen Grabm\u00e4lern, sa\u00dfen hoch zu Ro\u00df, knieten und beteten, k\u00e4mpften mit Ungeheuern und fochten in Kriegen, tanzten, zechten und lassen B\u00fccher aus Stein \u2026\u00ab<\/i><\/p>\n<p class=\"einzug\">So schlie\u00dft sich der Kreis und die Geschichte beginnt von neuem.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Ana\u00efs Nin schildert den Werdegang einer lebenslustigen und neugierigen jungen Frau, die auf ihrem Weg zu einer erfolgreichen und gefeierten Malerin, die unterschiedlichsten Menschen und deren Schicksale begegnet. Mitunter wird sie entt\u00e4uscht, wie mehrfach von Bruce oder Wilkens, aber nachdem sie diese \u00fcberwunden hat, zieht eine positive Lehre daraus. Manche sind anders, als sie zu sein scheinen. Aber niemand ist langweilig. Manche Schicksale ber\u00fchren sie. Alle diese Menschen bilden zusammengenommen selbst einen Garten voller lebendiger Statuen, die jede auf ihre Weise sch\u00f6n und einzigartig ist und mit der es sich zu besch\u00e4ftigen lohnt. Es ist eine lebensbejahende Welt trotz oder vielleicht gerade auf Grund einiger Unerfreulichkeiten, die Renate widerfahren, die dem Leser pr\u00e4sentiert wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ana\u00efs Nin (21.2.1903\u201314.1.1977) d\u00fcrfte den meisten als Autorin erotischer Werke weithin bekannt sein, bei denen es in erster Linie um Auftragsarbeiten gehandelt hat. Weniger bekannt dagegen d\u00fcrfte ihr \u00fcbriges erz\u00e4hlerisches Werk sein, zu dem \u00bbWien war die Stadt der Statuen\u00ab z\u00e4hlt, und das seine besondere Faszination besitzt. 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