{"id":3475,"date":"2017-01-15T20:40:28","date_gmt":"2017-01-15T19:40:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3475"},"modified":"2026-04-11T20:45:20","modified_gmt":"2026-04-11T18:45:20","slug":"kurzes-82-daphne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3475","title":{"rendered":"Kurzes #82 \u00b7 Daphne"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20150926_030_800_2.jpg\" \/><\/p>\n<p><small><em>Die abgebildeten Arbeiten sind von dem K\u00f6lner K\u00fcnstler Axel Fabry, der auch Herausgeber der K\u00fcnstleredition <a href=\"http:\/\/www.einsvonhundert.de\" target=\"_blank\">1 von 100<\/a> ist.<\/em><\/small><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Fortsetzung von<\/em> \u00bb<a href=\"?p=3466\">Die neue Zimmerwirtin<\/a>\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem alles an seinem Platz, stattete Gero Daphne einen Besuch ab.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Daphne war eine renommierte Kunstkritikerin. Er hatte sie er vor einigen Jahren \u00fcber Wolf kennengelernt, und l\u00e4ngst war sie der beste Freund, den er zur Zeit besa\u00df, von Wolf abgesehen. Wolf und Daphne waren f\u00fcr kurze Zeit liiert gewesen. Zumindest bezeichnete Wolf es so. Zu jener Zeit kannten Gero und Wolf sich noch nicht. Von Daphne mu\u00dfte Gero, da\u00df Wolf und sie lediglich einige Male miteinander gev\u00f6gelt hatten, und das auch nur, weil Daphne letztlich Wolfs besonderem Charme irgendwann nicht mehr widerstehen konnte &ndash; Wolfs Lesart &ndash;  und um endliche ihre Ruhe vor ihm zu haben &ndash; Daphnes Erkl\u00e4rung &ndash; wobei auch Neugierde von ihrer Seite aus mitspielte. Er war an sich kein schlechter Liebhaber, aber ihre \u203abesonderen\u2039 sexuellen Pr\u00e4ferenzen, von denen er wu\u00dfte, schlie\u00dflich machte sie kein Geheimnis daraus, gingen in eine Richtung, mit der er nun gar nichts anzufangen wu\u00dfte, aber sein m\u00e4nnlicher Ehrgeiz einerseits und ihre Pers\u00f6nlichkeit und ihre starke erotische Ausstrahlung andererseits hatten ihm keine Ruhe gelassen. Da\u00df es zu kaum mehr als einige wenige Male Sex zwischen ihnen kommen w\u00fcrde, war ihr vorher bewu\u00dft. Er sah auch schnell ein, wie unterschiedlich ihrer beider sexuellen Vorlieben tats\u00e4chlich waren, und sich nicht nur dabei nie eine gemeinsame Basis finden lassen w\u00fcrde. Mit nichts anderem schien er von Anfang an gerechnet zu haben, wie er Gero gegen\u00fcber mehr oder weniger offen erkl\u00e4rte. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen blieb er einer ihrer gl\u00fchendsten Verehrer.<!--more--><\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbSie ist eine richtige Dame oder neudeutsch eine Lady &ndash; was dir lieber ist. Sie verf\u00fcgt \u00fcber eine Pers\u00f6nlichkeit und eine erotische Ausstrahlung der ein Mann sich einfach nicht entziehen kann. Fr\u00fcher haben ganze Herrscherh\u00e4user solchen Frauen zu F\u00fc\u00dfen gelegen\u00ab, beschrieb er sie Gero gegen\u00fcber pathetisch.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bb\u00dcbertreibst du nicht ein bi\u00dfchen\u00ab, versuchte Gero den Freund zu bremsen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wolf hatte bereits flei\u00dfig dem Wein zugesprochen, was ihn stets redselig und euphorisch werden lie\u00df, weshalb Gero Wolfs Eloge in erster Linie diesem Umstand zuschrieb.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wolf sch\u00fcttelte entschieden den Kopf.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWarte bis du sie kennenlernst, dann wirst du verstehen, was ich meine, und eher finden, da\u00df ich mit meiner Beschreibung hinter der Realit\u00e4t zur\u00fcckbleibe. Sie kommt \u00fcbrigens zu meiner n\u00e4chsten Vernissage.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Obwohl Gero nicht viel auf Wolfs Lobpreisung gab, war er doch auf Daphne neugierig, schon allein um herauszufinden, was so vermeintlich Besonderes an dieser Frau war, da\u00df sie den Freund derart ins Schw\u00e4rmen brachte, selbst wenn er ma\u00dflos \u00fcbertrieb, so gab es sicherlich etwas an ihr, da\u00df das ausgel\u00f6st haben mu\u00dfte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Als Gero sich auf den Weg zu Wolfs Vernissage in einer kleinen ein wenig abseits vom Zentrum gelegenen Galerie machte, dachte er bereits nicht mehr an Daphne. Eigentlich ging er nur aus der damals noch relativ frischen Freundschaft zu Wolf dorthin. Vernissagen langweilten ihn in der Regel. Sie besa\u00dfen f\u00fcr ihn etwas Verpflichtendes, war ihm der K\u00fcnstler pers\u00f6nlich bekannt. Ansonsten waren ihm zu viele Leute anwesend, die aus allen m\u00f6glichen Gr\u00fcnden dorthin gingen, jedoch nur selten wegen der Kunst allein.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wolfs Vernissage war ausgezeichnet besucht. Da es ein warmer Fr\u00fchlingsabend war, hielten sich einige der Besucher vor der Galerie auf. Innen dr\u00e4ngten sich die Leute fast. Nur die wenigsten betrachteten Wolfs Arbeiten &ndash; verschiedene Gem\u00e4lde und eine Handvoll Zeichnungen, die Geros Geschmack trafen &ndash; die Mehrzahl stand in kleinen Gruppen zusammen und redete \u00fcber alles m\u00f6gliche, doch kaum \u00fcber Kunst im allgemeinen oder gar Wolfs Arbeiten im besonderen. Gero entdeckte den Freund im Raum mit dessen Zeichnungen im angeregten Gespr\u00e4ch mit einer Frau. Normalerweise w\u00e4re Gero geradewegs zu ihnen hingegangen, um Wolf zu begr\u00fc\u00dfen, doch blieb er fasziniert ein wenig von ihnen entfernt stehen. Sie standen seitlich zu Gero, so da\u00df sie ihn nicht sofort bemerkten, auch schienen sie derart in ihre Unterhaltung vertieft, da\u00df sie nicht auf ihre Umgebung achteten. Noch nie war Gero einer Frau begegnet, auf die das Attribut \u203adamenhaft\u2039 derma\u00dfen zutreffend war. Sie war relativ gro\u00df, das rotbraune taillenlange Haar trug sie zu einem Zopf geflochten. Ihr Make-up war perfekt auf ihren Typ abgestimmt. Die vollen Lippen umspielte ein leises L\u00e4cheln, als am\u00fcsiere sie die Ausf\u00fchrungen ihres Gespr\u00e4chspartners ein wenig. Gegen sie wirkten die \u00fcbrigen anwesenden Frauen nachl\u00e4ssig gekleidet, obwohl ihr figurbetontes helles Leinenkost\u00fcm an sich nicht auff\u00e4llig war. Die hautfarbenen Str\u00fcmpfe, die ihre sch\u00f6nen Beine umh\u00fcllten, waren dagegen edler, wie auch ihre braunen Schuhe mit den beinahe turmhohen Abs\u00e4tzen handgearbeitet und aus feinem Leder waren. Gero ben\u00f6tigte einige Augenblicke, bis er erkannte, warum sie sich von der Mehrzahl der anwesenden Frauen sp\u00fcrbar absetzte, schlie\u00dflich war sie beileibe nicht die einzige attraktive Frau hier &ndash; sie strahlte Selbstsicherheit und Souver\u00e4nit\u00e4t in Verbindung mit nat\u00fcrlicher Autorit\u00e4t aus, Eigenschaften, wie sie Gero noch nie derart ausgepr\u00e4gt in einer Person begegnet waren. Es schien schwer vorstellbar, da\u00df sie ihre selbstgesteckten Ziele nicht erreichte. Gero fiel ihr Busen, der so m\u00fctterlich war, da\u00df sie ihm Stehen ihre F\u00fc\u00dfe nicht sehen konnte, besonders auf, auch unabh\u00e4ngig davon war sie auf eine ansprechende Weise gerundet. Frauen mit ausgepr\u00e4gt weiblichen Formen &ndash; er vermied ebenso den durchaus liebevoll anzusehenden Terminus \u203amollig\u2039, wie das nicht nur in seinen Ohren stets abwertend klingende und oft auch so gemeinte \u203adick\u2039 &ndash; weckten stets zwiesp\u00e4ltige Gef\u00fchle in ihm. Da er selbst gro\u00df und schlank mit deutlicher Tendenz zum Hageren war, bevorzugte er das optische Gegenst\u00fcck zu sich, wenn er auch kein unkritischer Verehrer eines allzu knabenhaften, letztlich androgynen Ideals war. Dessen ungeachtet f\u00fchlte er sich auf eine besondere Weise zu dieser sch\u00f6nen \u00fcppigen Frau hingezogen. Es kam ohnehin hin und wieder vor &ndash; auf jeden Fall h\u00e4ufiger als es ihm selbst lieb war &ndash;, da\u00df er sich besonders von sch\u00f6nen, \u00fcppigen Frauen mit ausgepr\u00e4gter Pers\u00f6nlichkeit erotisch angezogen f\u00fchlte, was  ihm mitunter Gewissenskonflikte nicht ersparte. Er rechtfertigte das vor sich selbst in der Regel damit, da\u00df die Pers\u00f6nlichkeit eines Menschen letztlich \u00fcber allem physischen steht. Wolf hingegen war ein offener Verehrer sch\u00f6ner \u00fcppiger Frauen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbAch, Gero, es gibt so viele sch\u00f6ne, begehrenswerte dicke Frauen. Die Beschr\u00e4nkung des allgemeinen Sch\u00f6nheitsbegriffs auf das im Grunde hagere mit m\u00e4\u00dfigen weiblichen Attributen ausgestattete verstellt die Sicht auf die Buntheit des Lebens\u00ab, hatte Wolf mit einem theatralischen Seufzer mehrmals zu Gero bemerkt. Gero, dem Diskussionen \u00fcber Sch\u00f6nheit im allgemeinen wie im besonderen mit Wolf von jeher zu anstrengend waren &ndash; viele seiner Argumente waren leicht nachvollziehbar und somit kaum ernsthaft zu widerlegen, auch wenn Gero sie nicht teilte, oder bez\u00fcglich der Sch\u00f6nheit und des erotischen und sexuellen Reizes \u203adicker\u2039 Frauen nicht teilen <i>wollte<\/i> &ndash; nickte meist nur pflichtschuldig dazu und lie\u00df, die sprachlich nicht uninteressanten Elogen des Freundes, die gerade bez\u00fcglich weiblicher Sch\u00f6nheit, besonders episch ausfielen, \u00fcber sich ergehen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er konnte nicht sagen, wie lange er dagestanden und zu Wolf und der Frau hin\u00fcbergesehen hatte, bis Wolf in seine Richtung blickte und den Freund erkannte. Liebensw\u00fcrdig winkte dieser ihm zu. Mit einer Mischung aus H\u00f6flichkeit, Neugier und ein wenig Scheu vor der Pers\u00f6nlichkeit dieser Frau, trat Gero zu ihnen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbGero, darf ich dir Daphne vorstellen\u00ab, sagte Wolf mit einer leichten Feierlichkeit. \u00bbDas ist Gero, Daphne. Ich habe dir ja von ihm erz\u00e4hlt, ein guter Freund, lesenswerter, wenn auch leider nicht so erfolgreicher Autor, wie er es verdienen w\u00fcrde, und ein ungl\u00e4ubiger Thomas. Er wollte mir absolut nicht glauben, da\u00df du etwas ganz Besonderes bist.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Gero h\u00e4tte dem Freund am liebsten einen kr\u00e4ftigen Tritt vors Schienbein f\u00fcr diesen, ihm peinlichen Nachsatz gegeben. Daphne jedoch l\u00e4chelte ihn derma\u00dfen freundlich an, w\u00e4hrend sie ihm die Hand reichte, da\u00df er sich eine entsprechende Entgegnung f\u00fcr sp\u00e4ter aufhob, und fast schon wieder vers\u00f6hnt war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ihre Hand f\u00fchlte sich angenehm an, ihr H\u00e4ndedruck war fest. Ihre sch\u00f6nen schlanken H\u00e4nde waren unberingt, die N\u00e4gel etwas mehr als halblang und dunkelrot lackiert, die gleiche Farbe besa\u00df ihr Lippenstift, von dem sie einen \u00fcppigen Gebrauch f\u00fcr ihre vollen Lippen machte. Sie benutzte ein dezent fruchtiges Parfum. Trotz ihrer hohen Abs\u00e4tze war sie gerade so gro\u00df wie Gero, dessen Blick unwillk\u00fcrlich von ihrem \u00fcppigen Dekollet\u00e9 angezogen wurde. Ihr wei\u00dfes seidenes Oberteil enth\u00fcllte mehr als es verh\u00fcllte und wirkte trotzdem in keiner Weise kokett. Da\u00df sie ihren K\u00f6rper nicht nur vorbehaltlos akzeptierte, sondern ihn liebte wie er war, war nicht zu \u00fcbersehen. Was ihre starke erotische Ausstrahlung betraf, hatte Wolf in keiner Weise \u00fcbertrieben. Zugleich umgab sie eine Aura des Unnahbaren &ndash; zumindest redete Gero sich das ein &ndash; die ihm Schwierigkeiten bereitete, sich vorzustellen, da\u00df tats\u00e4chlich etwas zwischen ihr und Wolf gewesen sein sollte. Ihre warme Altstimme rundete in Geros Augen ihre Erscheinung gelungen ab.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nachdem sich die erste \u00dcberraschung \u00fcber das Zusammentreffen und Daphnes au\u00dfergew\u00f6hnliche Erscheinung bei Gero gelegt hatte, wuchs der Freund doch in seiner Achtung. Seiner Ansicht nach geh\u00f6rte Einiges dazu, um eine solche Frau erobern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Seine anf\u00e4ngliche Vermutung, da\u00df Daphne sich nach einigen Worten, die sie rein aus H\u00f6flichkeit, weil er Wolfs Freund war mit ihm wechselte, von ihnen verabschieden w\u00fcrde, bewahrheitete sich nicht. Im Gegenteil unterhielt sie sich \u00fcber eine Stunde angeregt mit ihm, w\u00e4hrend Wolf sich l\u00e4ngst seinen anderen Besuchern widmete.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Als sie sich von ihm verabschiedete &ndash; da sie am n\u00e4chsten Tag den Fr\u00fchzug nach Berlin nehmen mu\u00dfte, konnte sie nicht mit zum anschlie\u00dfenden kleinen Essen gehen, zu dem Wolfs Galerist eingeladen hatte, darunter einige Freunde Wolfs einschlie\u00dflich Gero &ndash; besa\u00df Gero nicht nur ihre ebenso schlichte wie edle Visitenkarte mit ihrer Privatadresse, sondern zugleich eine Einladung zum gemeinsamen Abendessen am kommenden Dienstag. Sie setzte einfach voraus, da\u00df er am kommenden Dienstag Zeit habe und er kam gar nicht auf den Gedanken, zu \u00fcberlegen, ob er an jenem Abend \u00fcberhaupt Zeit habe.<\/p>\n<p class=\"einzug\">W\u00e4hrend er nachdenklich vor der Galerie stand, ihre Visitenkarte noch nicht eingesteckt, ihr nachsah, wie sie w\u00fcrdevoll davonschritt, die breiten H\u00fcften auf eine elegant bet\u00f6rende Weise wiegend, trat Wolf, der mit sichtlicher Genugtuung beobachtet hatte, wie Daphne und Gero lange anregend miteinander geplaudert hatten, zu ihm und sagte ein wenig selbstgef\u00e4llig:<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbHabe ich nun recht gehabt, was Daphne angeht oder habe ich recht gehabt?\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbZumindest hast du nicht allzu sehr \u00fcbertrieben\u00ab, erwiderte er mit einem leicht verlegenen L\u00e4cheln.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er brachte es nicht \u00fcber sich, Wolf gegen\u00fcber offen Abbitte abzuleisten, denn seines Erachtens konnte man bei Daphne gar nicht \u00fcbertreiben.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbF\u00fcr einen Dichter bist du reichlich n\u00fcchtern eingestellt\u00ab, schmollte Wolf kurz. \u00bbAber gib zu, da\u00df du <i>trotzdem<\/i> ihrer Faszination erlegen bist.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWenn es dich beruhigt\u00ab, antwortete er mit einem schwach unterdr\u00fcckten Seufzer, abgesehen davon hatte Wolf recht; er h\u00e4tte sich ihrer Faszination wirklich nicht entziehen k\u00f6nnen, selbst wenn er gewollt h\u00e4tte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Seine Gedanken waren w\u00e4hrend des Abends \u00fcberwiegend bei ihr. Er fragte sich, warum sie sich mit ihm zum Essen verabredet hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nach ihrem gemeinsamen Essen verschwendete Gero keinen Gedanken mehr auf die Frage, warum sie seine Gesellschaft suchte. Er nahm es einfach als unab\u00e4nderliche Tatsache hin. Ihm war nicht entgangen, mit welch mal mehr mal weniger offener Bewunderung sie von anderen angesehen wurde und sie m\u00fchelos den meisten Vertreterinnen des geltenden schlanken Sch\u00f6nheitsideals die Schau stahl.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Aus dieser Einladung wurden schnell regelm\u00e4\u00dfige Treffen, bei denen er auch erfuhr, welches die besonderen sexuellen Pr\u00e4ferenzen waren, die nicht wenig eine Beziehung zwischen Daphne und Wolf verhinderten; Daphne war Domse aus Leidenschaft, woraus sie keinen Hehl machte. Es gab nur wenige Personen in ihrem Umfeld, die nichts davon wu\u00dften. Ihre sadomasochistische Dominanz war untrennbarer Teil ihrer Pers\u00f6nlichkeit. Darin lag auch die besondere Ausstrahlung, die er von Anfang an bei ihr gesp\u00fcrt hatte. Anders als Wolf war Gero zwar nicht unbedingt ein Anh\u00e4nger der guten alten \u203aHausmannskost\u2039 &ndash; wie Daphne scherzhaft Wolfs bescheidene sexuelle Variationsbreite beschrieb &ndash; doch w\u00e4re er nie auf den Gedanken verfallen, sich als SMer bezeichnen, obschon es ihm durchaus gefiel, einer Frau im Wortsinn zu F\u00fc\u00dfen zu liegen &ndash; seine Phantasien in dieser Richtung waren sehr ausgepr\u00e4gt, da sie aber in keiner Weise mit dem \u203aErdulden\u2039 von Schmerzen verkn\u00fcpft waren, brachte er sie naiverweise mit SM nicht in Verbindung &ndash; sah es jedoch mehr als besondere Abwechslung und in seinem ausgepr\u00e4gten Hang f\u00fcrs Romantische begr\u00fcndet, so wie man sich hin und wieder ein mehrg\u00e4ngiges Men\u00fc in einem guten Restaurant g\u00f6nnt. Allerdings war sie auch die erste offen auftretende SMerin, die er bisher kennengelernt hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie war ihrerseits von ihm von Anfang an angenehm \u00fcberrascht. Zwar hatte Wolf ihr mehrmals von seinem Dichterfreund mehr vorgeschw\u00e4rmt als erz\u00e4hlt, aber gleich Gero neigte sie dazu, Wolfs Aussagen grunds\u00e4tzlich mit Vorsicht zu genie\u00dfen, zumal sie Wolf mehr als Leser leichter literarischer Kost kannte. Gero erwies sich sogleich als h\u00f6chst angenehmer belesener Gespr\u00e4chspartner. Au\u00dferdem besa\u00df dieser, f\u00fcr ihren Geschmack ein wenig allzu zur\u00fcckhaltende Mann &ndash; was er gar nicht n\u00f6tig hatte! &ndash; etwas, das sie neugierig machte und f\u00fcr entwicklungsf\u00e4hig betrachtete. Sie zweifelte nicht einen Moment daran, da\u00df er im Grunde seines Herzens sadomasochistische Neigungen besa\u00df, wenn er sich deren auch noch nicht richtig bewu\u00dft sein mochte. Sie war zu erfahren, kannte zu viele SMer der unterschiedlichsten Couleur, um sich zu irren. Aber das w\u00fcrde sie ihm noch verst\u00e4ndlich machen. Allerdings konnte sie nicht sicher sagen, ob er den aktiven oder den passiven Part bevorzugte. Nach einiger Zeit kam sie zu dem Schlu\u00df, da\u00df es bei ihm lediglich von seiner Partnerin abhing, nach welcher Seite bei ihm das Pendel ausschlug.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie sch\u00e4tzte seine Texte, allerdings waren sie ihr insgesamt doch bislang zu kopflastig. Sie zeigten, da\u00df er noch zu sich selbst finden mu\u00dfte, damit sie tats\u00e4chlich gut wurden, und sich auch der Erfolg einstellen w\u00fcrde. Sie entschlo\u00df sich ihm bei dieser Selbstfindung tatkr\u00e4ftig zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ebenso war es ihr nicht entgangen, da\u00df er mit der wundervollen \u00dcppigkeit ihres K\u00f6rpers schwer tat. Er war diesbez\u00fcglich ein offenes Buch, ohne es zu bemerken, gerade weil er sich bem\u00fchte, so zu tun, als w\u00e4re es f\u00fcr ihn nebens\u00e4chlich, bewirkte er damit bei seinem Gegen\u00fcber das Gegenteil.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er mu\u00dfte sich bald eingestehen, da\u00df er auf eine besondere Weise von ihr fasziniert war. Doch nicht so, da\u00df er sich eine Beziehung mit ihr w\u00fcnschte, daf\u00fcr f\u00fchlte er sich ihr nicht gewachsen genug, wenn er keinen stichhaltigen Grund daf\u00fcr angeben konnte. Es war mehr die Leidenschaft eines Bewunderers, der wei\u00df, da\u00df das Objekt seines Begehrens aus unterschiedlichsten Gr\u00fcnden nicht f\u00fcr ihn bestimmt war, und damit zufrieden ist, hin und wieder ihre Gesellschaft teilen zu k\u00f6nnen. Andererseits gab es au\u00dfer Wolf, wenn auch auf andere Weise, derzeit niemanden, mit dem ihn eine derartige Vertrautheit verband, selbst die meisten langj\u00e4hrigen Paare, die er kannte, schienen sich untereinander fremder zu sein als Daphne und er.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mehr als bei jeder anderen Frau, f\u00fcr die er auf die eine oder andere Weise bisher \u203aentflammt\u2039 war, \u203ami\u00dffielen\u2039 ihm ihre \u00fcppigen Formen &ndash; was nat\u00fcrlich ein vorgeschobenes Argument war, wie er selbst merkte, aber das einzige, an das er sich klammern konnte &ndash;, um die Scheu zu kaschieren, sich mit ihr intimer \u203aeinzulassen\u2039. Er f\u00fcrchtete sich schlicht vor einer Beziehung mit einer Frau mit derart starker Pers\u00f6nlichkeit, die einen nicht unwesentlichen Einflu\u00df auf sein Leben nehmen k\u00f6nnte und ihre auch gelingen w\u00fcrde. Dazu hatte er es sich in seinem bisherigen Leben bereits zu gem\u00fctlich gemacht. Sein einzigen Gegenargument wurde bereits dadurch nachhaltig entkr\u00e4ftet, da\u00df er sich gerne mit ihr in der \u00d6ffentlichkeit sehen lie\u00df, weil er der \u00dcberzeugung war, da\u00df eine Frau wie sie sein eigenes Ansehen betr\u00e4chtlich hob.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Da\u00df bisher so gut wie alle seine, wenn auch nicht sehr zahlreichen Beziehungen zu Frauen, die seinen Vorstellungen entsprachen, salopp gesagt eine Pleite waren, \u00fcberging er ebenso. \u00bbViel zu viel Geist und viel zu wenig K\u00f6rper\u00ab, pflegte Wolf regelm\u00e4\u00dfig lakonisch zu bemerken, wenn der Freund ihm niedergeschlagen von dem Scheitern einer Beziehung berichtet hatte, die kaum den Namen verdiente, wobei seine Aussage bez\u00fcglich des K\u00f6rperlichen w\u00f6rtlich zu sehen war. \u00bbSchau dir dagegen Daphne an\u00ab, fuhr der Freund mit un\u00fcbersehbarer Euphorie fort, \u00bbda hast du ein Paradebeispiel f\u00fcr den harmonischen Zusammenklang von Geist und K\u00f6rper. Und was f\u00fcr ein K\u00f6rper! Der Aphrodite eines Tizian und Rubens w\u00fcrdig!\u00ab An dieser Stelle versank Wolf regelm\u00e4\u00dfig in sehns\u00fcchtiger Erinnerung.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbEs hat halt nicht gepa\u00dft\u00ab, erwiderte Gero stets mit einem gewissen Fatalismus, gar nicht wirklich auf Wolfs Loblied auf Daphne achtend, um anschlie\u00dfend wieder den gleichen Fehler zu begehen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Daphne nahm diese Versuche Geros, eine Beziehung aufzunehmen, nicht weiter ernst. Meist kamen sie ohnehin nicht \u00fcber das Anfangsstadium hinaus. Seit Gero und sie sich kannten, war es erst einmal auch zu Sex zwischen Gero und einer der Frauen gekommen, die er favorisierte. Doch auch das war schnell im Sande verlaufen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00dcberhaupt f\u00fchlte er sich ihrem sexuellen Erfahrungshorizont in keiner Weise ebenb\u00fcrtig, und nicht nur seit er von ihren sadomasochistischen Neigungen wu\u00dfte. Ihm war bekannt, da\u00df meist \u00fcber mehrere Spielpartner &ndash; M\u00e4nner wie Frauen &ndash; verf\u00fcgte, manche nur f\u00fcr kurze Zeit, andere bereits \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum. Mit einigen von ihnen ging sie sehr weit. Da er aus seinem \u00dcberlegenheitsgef\u00fchl diesbez\u00fcglich den zwar menschlich verst\u00e4ndlichen, jedoch falschen Umkehrschlu\u00df zog, wunderte es ihn umso mehr, als sie ihm eines Tages eine gemeinsame Session vorschlug, wenige Tage nachdem er bei ihr auf Grund einer Entt\u00e4uschung mit einer Frau Trost gesucht hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er wu\u00dfte zuerst nicht, was er darauf antworten sollte. Ein Nein kam ihm erst gar nicht in den Sinn und vor einem Ja besa\u00df er Scheu. Sie glaubte, durch sein eigent\u00fcmliches Z\u00f6gern leicht verunsichert, ein wenig voreilig gewesen zu sein, und erkl\u00e4rte ihm freundlich, da\u00df es ihn zu nichts verpflichte, sie habe Verst\u00e4ndnis, wenn er im Augenblick nicht in der Stimmung daf\u00fcr sei. Gerade die M\u00f6glichkeit, ohne das Gef\u00fchl zu haben, sie mit seiner Zur\u00fcckweisung zu kr\u00e4nken, lie\u00df ihn dann zustimmen. Allerdings war sie dabei das Gef\u00fchl nicht losgeworden, da\u00df es aus reiner H\u00f6flichkeit geschehen war, was aber nur zu einem kleinen Teil den Tatsachen entsprach. Ihre starke erotische Ausstrahlung hatte mit der Zeit doch ein unterschwelliges sexuelles Verlangen nach ihr entstehen lassen, das sich immer schwerer unterdr\u00fccken lie\u00df, insofern kam ihm ihr Angebot mit dem aufgezeigten Hintert\u00fcrchen ganz recht. Vielleicht best\u00e4tigte es sich, da\u00df \u00fcppige Frauen tats\u00e4chlich nichts f\u00fcr ihn waren, dann hatte es auf jeden Fall sein Gutes f\u00fcr ihn.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Im Prinzip hatten sie nichts Besonders gemacht, letztlich konnte es nur mit viel Wohlwollen als Session bezeichnen werden, obwohl beide auf ihre Kosten gekommen waren, und sie feststellten mu\u00dfte, da\u00df er ein ausgezeichneter und einf\u00fchlsamer Liebhaber war, wenn er einmal aus sich herausging, woran sie allerdings nicht wirklich gezweifelt hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie hatte sich in verf\u00fchrerische Dessous gekleidet, edlen Nahtnylons und schwarzen Lack-High-Heels mit beinahe turmhohen Abs\u00e4tzen, das rotbraune, das sie meist zu einem Zopf geflochten trug, offen tragend.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Gero, der bald nicht mehr daran gedacht zu haben schien, da\u00df er ja eigentlich deutlich schlankere Frauen bevorzugte, mu\u00dfte sich anschlie\u00dfend mit einem gewissen Widerstreben eingestehen, da\u00df er sich nicht erinnern konnte, wann er das letzte Mal den Sex mit einer Frau derma\u00dfen genossen hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mit einem zufriedenen inneren L\u00e4cheln stellte sie fest, da\u00df sie schon lange nicht mehr so gerne mit einem Mann gev\u00f6gelt hatte. Er nannte einen sch\u00f6nen geraden dicken Schwanz von der richtigen L\u00e4nge, sp\u00fcrbar \u00fcber dem Durchschnitt, doch wiederum noch derart lang, da\u00df es f\u00fcr eine Frau problematisch beim V\u00f6geln werden konnte, drang er so tief als m\u00f6glich in sie ein, vor allem wu\u00dfte er ihn zu gebrauchen. Seine linguistischen Fertigkeiten standen dem im nichts nach. Er erwies sich als ausdauernd und hatte den Grundsatz \u203aLadies first\u2039 verinnerlicht, obschon sie es verstand, jederzeit selbst f\u00fcr ihren Orgasmus zu sorgen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Das erste Mal mit ihm, machte ihr Lust auf eine Fortsetzung, vor allem war sie \u00fcberzeugt, da\u00df er es verdiene, einen guten Sub oder einen guten Dom f\u00fcr eine Frau aus ihm zu machen.je nachdem was \u203agefordert\u2039 war. So gern sie ihn auch hatte, f\u00fcr eine Beziehung mit ihr kam er einfach nicht infrage. Zum einen gefiel ihr das Arrangement zu gut, das sie derzeit f\u00fcr sich getroffen hatte; verschiedene Spielpartner, die mitunter wechselten, mit denen sie unterschiedliche Facetten ihres Sadomasochismus\u2019 ausleben konnte, auch vermeintlich extreme. Dabei schlo\u00df sie nicht aus, da\u00df sie eines Tages sehr wohl dem Mann begegnete, der alle ihre bisherigen Subs ersetzen und einen festen Platz in ihrem Leben einnehmen w\u00fcrde. W\u00e4re Gero ausschlie\u00dflich devot, w\u00e4re er wom\u00f6glich in die engere Wahl aufgenommen worden, doch das war nur ein Gedanke von ihr, den sie bald wieder verwarf.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ihre n\u00e4chste Session verdiente schlie\u00dflich auch den Namen. Er folgte unverkrampft und mit Genu\u00df ihren Anweisungen. Ihm gefiel es, zu ihren sch\u00f6nen zartbestrumpften F\u00fc\u00dfen zu liegen, ihr pers\u00f6nlicher Diener zu sein. Zudem besa\u00df er angenehmerweise nicht die Unart \u203aerfahrener\u2039 Subs ihrer Domse vorschreiben zu wollen, was sie mit ihnen tun, aber auch absolut lassen soll. Sie verabscheute diese Subs, die in einer Domse nichts anderes als die Erf\u00fcllungsgehilfin ihrer Masturbationsphantasien sahen. Eine Session war letztlich f\u00fcr beide erst wirklich befriedigend, wenn der aktive Teil freie Hand besa\u00df. Nur dann konnte sie sich auf den Sub einstellen, somit das tun, was <i>beiden<\/i> Lust bereitete. Sie war schlie\u00dflich erfahren genug, um schnell zu erkennen, ob ein Sub \u203aSchmerzen\u2039 geno\u00df und wie intensiv diese sein durften oder wie bei Gero, der \u203aSchmerzen\u2039 erotisch so gut wie nichts abgewinnen konnte, dann baute sie solche Situationen erst gar nicht in die Session ein, ging aber daf\u00fcr in anderen Bereichen einen Schritt weiter. Zwar mu\u00df ein Sub auch Dinge ertragen, die ihm nicht so angenehm sein m\u00f6gen, doch alles mit Ma\u00dfen. Schlie\u00dflich ist es mindestens ebenso unsinnig jemanden der beim ersten Blutstropfen die Augen verdreht und kurz davor ist, ohnm\u00e4chtig zu werden, mit Nadeln oder gar einem Skalpell zu kommen, wie jemandem der mit \u203aWasserspielen\u2039 absolut nichts anfangen kann, einen halben Blaseninhalt trinken zu lassen. Schlie\u00dflich soll es allen Beteiligten Spa\u00df machen und seelische und k\u00f6rperliche Befriedigung bringen, auch wenn es f\u00fcr einen Au\u00dfenstehenden mitunter so aussehen mag, als empfinde nur der Dominante \u00fcberhaupt Vergn\u00fcgen beim \u203aMi\u00dfhandeln\u2039, und der Sub das Gegenteil davon. Mit Gero ging sie k\u00f6rperlich zwar \u203asanft\u2039 um, aber das lag mehr an seinen Vorlieben, die f\u00fcr sie \u00fcberraschender- doch zugleich angenehmerweise auch \u203aWasserspiele\u2039 umfa\u00dften, wenngleich er zugab, bisher nicht einen Gedanken daran verschwendet zu haben. Eine Erkenntnis, die f\u00fcr beide das Ergebnis eines gewissen \u00dcbermuts auf ihrer Seite war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die abgebildeten Arbeiten sind von dem K\u00f6lner K\u00fcnstler Axel Fabry, der auch Herausgeber der K\u00fcnstleredition 1 von 100 ist. &nbsp; Fortsetzung von \u00bbDie neue Zimmerwirtin\u00ab. &nbsp; Nachdem alles an seinem Platz, stattete Gero Daphne einen Besuch ab. Daphne war eine renommierte Kunstkritikerin. 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