{"id":3483,"date":"2017-01-22T18:44:39","date_gmt":"2017-01-22T17:44:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3483"},"modified":"2026-04-11T20:49:33","modified_gmt":"2026-04-11T18:49:33","slug":"kurzes-84-gespraech-im-cafe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3483","title":{"rendered":"Kurzes #84 \u00b7  Gespr\u00e4ch im Caf\u00e9"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20130515_070_800_2.jpg\"\/><\/p>\n<p><em>Fortsetzung von<\/em>\u00bb<a href=\"?p=3481\">Gero und Daphne<\/a>\u00ab, \u00bb<a href=\"?p=3475\">Daphne<\/a>\u00ab <em>und<\/em> \u00bb<a href=\"?p=3466\">Die neue Zimmerwirtin<\/a>\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die erste Nacht in seinem neuen Domizil stellte f\u00fcr Gero eine Erholung dar. Seine neue Zimmerwirtin hatte wahrhaftig nicht zuviel versprochen; es war au\u00dferordentlich ruhig. Das bequeme breite Bett steuerte ein \u00fcbriges dazu bei. Er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal auf einer neuen, bisher noch unbenutzten Matratze geschlafen hatte. Fast h\u00e4tte er sich gew\u00fcnscht, Daphne neben sich liegen zu haben. Er mochte es neben einer Frau einzuschlafen und aufzuwachen. Seit sie sich kannten, war es aber derma\u00dfen selten vorgekommen, da\u00df er bei ihr \u00fcbernachtete, da\u00df er sich an jedes einzelne Mal erinnern konnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er lebte sich schnell ein. Seine Wirtin hielt sich &ndash; f\u00fcr ihn erfreulich, obgleich er sich durchaus auf eine, f\u00fcr ihn schwer zu definierende Weise, von ihr angezogen f\u00fchlte &ndash; im Hintergrund. Nicht allein aus H\u00f6flichkeit &ndash; wie er annahm &ndash;, sondern weil sie sp\u00fcrte, da\u00df er Zeit brauchte, um sich einigerma\u00dfen einzugew\u00f6hnen. Da\u00df er sie physisch durchaus mehr als nur reizvoll fand, war ihr nicht entgangen. Er war ihr vom ersten Moment an als Mann erschienen, der sich, wenn auch eindeutig unbewu\u00dft, vor allem von \u00fcppigen Frauen angezogen f\u00fchlte und den sie sich tats\u00e4chlich nur an der Seite einer solchen vorstellen konnte. Sie wu\u00dfte ja nicht, da\u00df Daphne die bisher einzige \u00fcppige Frau in seinem Leben war, mit der er wirklich etwas begonnen hatte und durch die er, sich dessen erst langsam bewu\u00dft werdend, eine andere Sicht auf diese Thematik bekommen hatte. Wie dem auch sei, wieder einmal best\u00e4tigte sich, da\u00df er f\u00fcr Frauen in bestimmten Grenzen ein offenes Buch war, was ihm selbst bisher nicht bewu\u00dft geworden war und vielleicht auch nie bewu\u00dft werden wird.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbIch w\u00fcrde Sie gerne abends auf eine Tasse Tee oder ein Glas Wein einladen, was Ihnen lieber ist\u00ab, schlug sie ihm einige Tage nach seinem Einzug ein wenig sch\u00fcchtern vor. \u00bbAber nur wenn Sie m\u00f6chten. Ich w\u00fcrde mich gerne mit Ihnen \u00fcber Literatur unterhalten. Da ich nicht viele Freunde habe, mit denen ich mich \u00fcber Kunst und Literatur im allgemeinen und im besonderen unterhalten kann. Tats\u00e4chlich waren fast alle Freunde und Bekannte, die mein Mann und ich hatten, Freunde und Bekannte meines Mannes, und seit ich Witwe bin, sehe ich sie nur noch selten. Ich verf\u00fcge daher zwangsl\u00e4ufig \u00fcber viel Zeit zum Lesen, was mir gar nicht so unpassend ist. Ich habe schon immer viel und gerne gelesen. Sie m\u00fcssen wissen, da\u00df ich als junges M\u00e4dchen\u00ab, das h\u00f6rte sich in seinen Ohren an, als sei sie tats\u00e4chlich die \u00e4ltliche Witwe, als die sie ihm zu Anfang erschienen war, aber er sagte nichts, sondern l\u00e4chelte nur leicht pflichtschuldig, \u00bbLiteraturwissenschaften studiert.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Hier unterbrach sie sich und senkte leicht sch\u00fcchtern den Blick, als h\u00e4tte sie schon zuviel gesagt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Gero erwiderte nicht sofort etwas darauf. Er versp\u00fcre nur wenig Lust, einer einsamen Frau Gesellschaft zu leisten, die sich in seinen Augen derart unsicher verhielt, so \u00e4u\u00dferlich anziehend sie auch sein mochte. Aber immerhin war sie seine Wirtin und es gibt gewisse soziale Verpflichtungen, denen man sich nur schwer entziehen kann, ohne jemanden unn\u00f6tigerweise vor den Kopf zu sto\u00dfen. Dabei h\u00e4tte das eine oder andere aufmunternde Kompliment schon \u00fcber seine Lippen kommen d\u00fcrfen, zumal er ja kein vernachl\u00e4ssigtes Mauerbl\u00fcmchen vor sich hatte, sondern eine Frau, die es verstand, ihre \u00fcppigen Reize mit modischem und sichtlich selbstverliebten Chic zu pr\u00e4sentieren. Aber er f\u00fcrchtete, da\u00df selbst  ein bescheidenes Kompliment ihn zu etwas verpflichtete, was er einmal bereuen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbSie brauchen nat\u00fcrlich nicht, wenn Sie nicht wollen\u00ab, nahm sie den Faden wieder auf, als h\u00e4tte sein z\u00f6gerliches Schweigen ihr vor Augen gef\u00fchrt, da\u00df ihr Vorschlag ein wenig t\u00f6richt sei. \u00bbSie haben sicherlich viel zu tun.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbNat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir ab und zu eine Tasse Tee zusammen trinken\u00ab, beeilte er sich zu versichern, um jedweden Verdacht in dieser Richtung auszur\u00e4umen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Dabei fand er auf der anderen Seite die Vorstellung durchaus verlockend, mit ihr gemeinsam bei einer Tasse Tee zu sitzen und einen Blick auf ihre sch\u00f6nen Beine und ihren m\u00fctterlich \u00fcppigen Busen zu werfen, den sie mit tiefen und zugleich unschuldigen Dekollet\u00e9s oder engen Oberteilen mit eindeutig narzi\u00dftischer Freude betonte. Zu seiner Begeisterung trug sie zudem stets schicke meist enge knielange R\u00f6cke, echte Nylons und hochhackige Schuhe. Gleich Daphne schien ihr Eleganz zweite Natur zu sein.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie l\u00e4chelte, aber es wirkte ein wenig gequ\u00e4lt. Sie sp\u00fcrte, da\u00df er sich ihr gegen\u00fcber verpflichtet glaubte. Obwohl sie wu\u00dfte, da\u00df sie eine attraktive Frau war, schien sie sich ihrer Anziehung auf einen Mann nach ihrer langen Ehe noch nicht sicher genug, f\u00fcrchtete sie seine Ablehnung, gerade <i>weil<\/i> ihr zuviel an ihm lag.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00c2\u00a0<\/p>\n<p>\u00bbSie hat dich also zum Tee eingeladen\u00ab, stellte Daphne am darauffolgenden Tag lapidar fest.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie hatten sich in dem kleinen Caf\u00e9 unweit des Volksgartens getroffen, das sie auf Grund der anheimelnden Gem\u00fctlichkeit und der exzellenten hauseigenen Konditorei regelm\u00e4\u00dfig frequentierten. Sie a\u00dfen frischen Erdbeerkuchen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Daphne erregte wie \u00fcblich stilles Aufsehen, was bei dem k\u00f6rperbetont geschnittenen Kost\u00fcm aus dunkelblauem stoffweichem Glattleder nicht wirklich verwunderte. Sie hatte die Beine mit damenhafter Eleganz \u00fcbereinandergeschlagenen. Die Abs\u00e4tze ihrer farblich zum Kost\u00fcm passenden Schuhe waren so hoch, da\u00df er sich fragte, wie sie es ihr gelang, problemlos auch l\u00e4ngere Strecken darauf zu laufen. Da sie das Haar offen trug, wirkte ihre Erscheinung nicht ganz so dominant wie \u00fcblich. Im Gegensatz zu seiner Wirtin betonte Daphne ihren m\u00fctterlich \u00fcppigen Busen mit tiefen Dekollet\u00e9s oder wie jetzt mit einem engen grau seidenen Oberteil, \u00fcberwiegend aus exhibitionistischem Antrieb, wobei der narzi\u00dftische auch nicht zu kurz kam.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er hatte seinen Kuchen aufgegessen und die H\u00e4nde auf der Tischplatte gefaltet.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWirst du die Einladung annehmen?\u00ab fragte Daphne zwischen zwei Bissen, w\u00e4hrend sie seine rechte Wade unter dem Tisch mit dem Fu\u00df ber\u00fchrte, was ihm stets gefiel.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbIch werde es wohl, immerhin ist sie meine Zimmerwirtin\u00ab, der unterdr\u00fcckte Seufzer war nicht zu \u00fcberh\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbIst sie attraktiv?\u00ab Ihm entging der leicht herausfordernde Unterton.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Seine Antwort mi\u00dffiel ihr. So schlimm konnte seine Wirtin nicht sein, da\u00df er sich w\u00fcrde ernstlich \u00fcberwinden m\u00fcssen, andernfalls h\u00e4tte er das Zimmer vermutlich erst gar nicht genommen. Unwillk\u00fcrlich entzog sie ihm die Liebkosung mit dem Fu\u00df, wodurch er merkte, da\u00df er mit seiner Antwort ein wenig in \u203aUngnade\u2039 gefallen war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDoch, ja, das l\u00e4\u00dft sich schon behaupten\u00ab, erwiderte er, und ohne es zu wollen, oder sich dessen gar bewu\u00dft zu sein, schwang un\u00fcberh\u00f6rbar Begeisterung in seinen Worten mit, was Daphne ein innerliches Schmunzeln abn\u00f6tigte. Reagierte <i>er<\/i> bei einer Frau derart, konnte diese getrost als Sch\u00f6nheit bezeichnet werden. \u00bbIch sch\u00e4tze sie auf ungef\u00e4hr vierzig, mittellanges perfekt frisiertes schwarzes lockiges Haar, stets mit einer gewissen k\u00f6rperbetonenden modischen Eleganz gekleidet. Vielleicht ein wenig zu mollig\u00ab, schr\u00e4nkte er seine eigene Begeisterung ein, dabei war ihm durchaus bewu\u00dft, da\u00df ihm das im Prinzip bei seiner Wirtin ebenso gleichg\u00fcltig wie bei Daphne war. Er konnte sich beide Frauen fig\u00fcrlich im herrschenden Sch\u00f6nheitsideal gar nicht vorstellen und wollte es noch weniger.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWie definierst du in ihrem Fall \u203amollig\u2039?\u00ab fragte Daphne leicht herausfordernd, doch bem\u00fcht, es wie beil\u00e4ufig klingen zu lassen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie rieb den Fu\u00df wieder an seiner Wade. Ihm war verziehen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbSie hat in etwas deine Figur, auch hat sie einen sehr m\u00fctterlichen Busen und sehr sch\u00f6ne Beine\u00ab, erwiderte er spontan, und hatte ihr, ohne es zu wissen, eine genauere Beschreibung gegeben, als er glaubte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Da\u00df du meine gro\u00dfen Titten geil findest, wei\u00df ich doch, dachte sie selbstzufrieden.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbAber irgendwie versch\u00fcchtert, wenn du mich fragst, zumindest macht ihr Verhalten auf mich diesen Eindruck\u00ab, fuhr er nachdenklich fort.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDas macht vermutlich die Einsamkeit. F\u00fcr die meisten Frauen bedeutet eine Witwenschaft nicht nur der Verlust des Lebenspartners, sondern zugleich der Verlust der gemeinsamen Freunde, besonders der seinen, vermutlich waren die gemeinsamen Freunde zugleich Paare, Paare sind so gut wie immer mit anderen Paaren befreundet. Einzelpersonen \u203ast\u00f6ren\u2039 da offenbar immer die Harmonie oder es wird geglaubt, da\u00df dem so ist, so will es mir jedenfalls scheinen. Auch werden anscheinend Singles selten zu Gesellschaften geladen, zu denen prim\u00e4r Paare geladen werden, zumindest habe ich das h\u00e4ufig beobachten k\u00f6nnen.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie war ebenfalls mit ihrem Kuchen fertig.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDu solltest dich ab und zu mit ihr bei einer Tasse Tee unterhalten, schon allein, weil sie f\u00fcr dich ein sch\u00f6ner Anblick zu sein scheint, schlie\u00dflich liebst du die Gesellschaft attraktiver Frauen, die es verstehen, sich in modischem Chic zu kleiden, und mit denen du dich \u00fcber deine Lieblingsthemen unterhalten kannst.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Und vielleicht will sie ja auch seit langem wieder einmal richtig geilen Sex haben. Obwohl das nicht hei\u00dfen mu\u00df, da\u00df sie seit dem Tod ihres Mannes keinen anderen hatte. Aber du willst mitunter ja gar nicht akzeptieren, da\u00df du ein Mann bist, mit dem besonders belesene Frauen gerne v\u00f6geln m\u00f6chten, f\u00fcgte sie mit einem unterdr\u00fcckten Seufzer in Gedanken hinzu. Und vielleicht sucht sie auch einen netten Dom. W\u00e4re durchaus im Bereich des M\u00f6glichen, so wie du sie mir beschrieben hast. Sie behielt ihre Vermutung jedoch &ndash; noch &ndash; f\u00fcr sich.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbHast du f\u00fcr den Nachmittag schon etwas vor?\u00ab wechselte sie das Thema.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDu wei\u00dft doch, da\u00df ich gezwungenerma\u00dfen \u00fcber viel Zeit verf\u00fcge\u00ab, sagte er nicht ohne eine Spur des Bedauerns, was sie aber liebensw\u00fcrdigerweise \u00fcberh\u00f6rte. \u00bbZwar soll ich eine Rezension \u00fcber den ersten Roman, des Preistr\u00e4gers eines renommierten Literaturpreises f\u00fcr Nachwuchsautoren, von dem ich allerdings noch nie etwas geh\u00f6rt habe &ndash; das gilt f\u00fcr Autor und Preis gleicherma\u00dfen &ndash; schreiben, aber die ist schon so gut wie fertig. Ich m\u00fc\u00dfte sie nur noch einmal durchlesen. Mir f\u00e4llt es leichter als reinen Kritikern, da ich ja \u203anur\u2039 die Ideen eines Kollegen nachvollziehen mu\u00df. Zumal das Werk erstens nicht sehr umfangreich und zweitens jetzt nicht so der Renner ist. Da mir ein Verri\u00df nicht liegt und es nur wenig Werke gibt, die einen solchen tats\u00e4chlich verdienen, aber \u00fcber die w\u00fcrde ich erst gar nicht schreiben, ist eine wohlwollend verhaltene. Entweder der Autor ist entwicklungsf\u00e4hig, dann ist es erfreulich, oder nicht, dann erledigt sich das Thema in absehbarer Zeit ohnehin von selbst.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWenn du dich von mir unterst\u00fctzen lassen w\u00fcrdest, br\u00e4uchtest du dich nicht allzu sehr mit diesen kleinen Frondiensten abzuplagen. Obwohl du es verstehst, das Wesentliche in K\u00fcrze zu erfassen und sprachlich mitrei\u00dfend aufzubereiten\u00ab, meinte sie zum ungez\u00e4hlten Mal. Sie wartete erst gar keine Antwort von ihm ab, da sie seine ablehnende Haltung diesbez\u00fcglich kannte, sondern fuhr fort: \u00bbW\u00fcrdest du deine Erz\u00e4hlungen weniger kopflastig gestalten, k\u00e4men sie eindeutig besser an. Du verstehst es, dich in andere hineinzuversetzen, was deine Protagonisten lebendig werden l\u00e4\u00dft. Du wei\u00dft genau\u00ab, schnitt sie ihm das Wort ab, bevor er zu einer Entgegnung ansetzen konnte, denn sie kannte seine Gegenargumente nur zu gut, sie hatten sie schlie\u00dflich bis zum Abwinken durchdiskutiert, \u00bbda\u00df ich damit nicht meine, du sollst sie einem simplen Massengeschmack anpassen. Geist ohne Bauch ist nur die H\u00e4lfte, aber die H\u00e4lfte ist nun einmal nichts Ganzes\u00ab, damit war f\u00fcr sie das Thema erledigt, \u00fcber das sie bereits stundenlang mit ihm gesprochen hatte. \u00bbIch will noch einige Eink\u00e4ufe t\u00e4tigen und h\u00e4tte dich gerne als Begleitung. Du bist immerhin ein gut aussehender Mann und ich zeige mich gerne mit einem solchen in der \u00d6ffentlichkeit. Anschlie\u00dfend lade ich dich zum Essen ein, dann sehen wir weiter\u00ab, f\u00fcgte sie mit einem derart lasziven L\u00e4cheln hinzu, das ihm das Herz vor Aufregung schneller schlagen lie\u00df, w\u00e4hrend sie an ihre \u00dcberlegung im Anschlu\u00df an ihre letzte gemeinsame Session dachte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Bei ihr waren Geist und Bauch oder K\u00f6rper, je nachdem wie man es beschreiben wollte, eine fruchtbare Liaison eingegangen, soviel stand sogar f\u00fcr ihn fest.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWarum nicht? Mit dir kann man sich schlie\u00dflich auch sehen lassen.\u00ab Er sagte es mit einem verschmitzten L\u00e4cheln als schwache Retourkutsche.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbIch wollte das n\u00e4chste Wochenende nach Venedig fahren. Warum kommst du nicht einfach mit? Ich fliege schon Donnerstagmittag und komme erst Montagabend zur\u00fcck. Jetzt sage nicht nein! Falscher Stolz steht dir nicht, den kannst du dir im Moment auch nicht leisten. Wenn deine Werke einmal ein breiteres Publikum gefunden haben, kannst du dich ja bei mir revanchieren. Bis dahin g\u00f6nne mir die kleine Freude, dir ein paar Freuden zu bereiten. Ich wei\u00df doch, wie dir der mediterrane Raum gef\u00e4llt, die Kultur, die Architektur. Tun wir einfach, als seien wir ein Liebespaar, kein SM, vielleicht ein bi\u00dfchen Fetisch, und viel leidenschaftlichen Sex mit einer verf\u00fchrerischen \u00fcppigen Frau\u00ab, f\u00fcgte sie aufger\u00e4umt hinzu.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Du wirst dir gegen\u00fcber auch noch einmal eingestehen, da\u00df der Sex f\u00fcr dich mit einer \u00fcppigen Frau einfach erf\u00fcllender ist, weil du tief in deinem Inneren auf \u00fcppige Frauen mit m\u00fctterlichem Busen stehst. Das sagen mir deine Blicke, mit denen zu mich immer ansiehst, vom ersten Tag, als wir uns bei Wolfs Vernissage begegneten, gesagt, das sagt mir die Begeisterung, mit der du von deiner neuen Wirtin gesprochen hast, oder die, meist ebenso unbewu\u00dften wie interessierten Blicke, die du einer sch\u00f6nen \u00fcppigen Frau hinterherwirfst, wenn sie deinen Weg kreuzt, w\u00e4hrend wir gemeinsam unterwegs sind. Ganz zu schweigen von der Leidenschaft, mit der du beim V\u00f6geln auf meinen \u00fcppigen K\u00f6rper reagierst, und welch Leuchten in deinen Augen ist, siehst du mich nackt. Noch w\u00fcrdest du dem entschieden widersprechen, w\u00fcrde ich es dir auf den Kopf zusagen, w\u00fcrdest damit argumentieren, da\u00df es bei mir anders sei, aufgrund meiner Pers\u00f6nlichkeit. Wobei das Argument der Pers\u00f6nlichkeit nicht einmal von der Hand zu weisen ist. Du m\u00fc\u00dftest dir nur eingestehen, da\u00df du bei einer attraktiven \u00fcppigen Frau <i>mit<\/i> Pers\u00f6nlichkeit sexuell wie der Pawlowsche Hund reagierst. Noch glaubst du gr\u00f6\u00dftenteils selbst an deine Worte, aber deine Blicke und dein K\u00f6rper verraten etwas anderes. Warum nur f\u00e4llt es nicht wenigen M\u00e4nnern so schwer zuzugeben, da\u00df sie sich von \u00fcppigen, ja dicken Frauen weitaus mehr angezogen f\u00fchlen, als von dem vorherrschenden asketischen weiblichen Sch\u00f6nheitsideal? Man k\u00f6nnte fast den Eindruck gewinnen, als f\u00fcrchteten sie, als \u203aunm\u00e4nnlich\u2039 zu gelten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er z\u00f6gerte. Er war bereits einige Male mit ihr verreist, allein zweimal nach Venedig. Sie lud ihn oft ein, sie zu begleiten. Er war stets versucht abzulehnen, doch je \u00f6fter er zusagte, desto weniger konnte er beim n\u00e4chsten Mal absagen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbIch frage sonst Wolf\u00ab, drohte sie scherzhaft. \u00bbEs ist zwar kein so angenehmer Gesellschafter und als Lustsklave absolut unbrauchbar, aber wenigstens sind seine linguistischen Fertigkeiten deutlich besser als die der meisten, die ich so kenne, wenn sie auch bei weitem nicht mit deinen mithalten k\u00f6nnen\u00ab, sagte sie mit derart eindeutiger Zweideutigkeit, da\u00df Gero beinahe leicht err\u00f6tet w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Das \u00fcberzeugte ihn schlie\u00dflich. Wolf w\u00fcrde nicht einen Moment z\u00f6gern zuzusagen. Obwohl Wolf wu\u00dfte, da\u00df keine wirkliche Chance bestand, wieder mit Daphne zusammenzukommen, w\u00fcrde er jede sich bietende Gelegenheit mit Begeisterung ergreifen. Andererseits stand ebenso fest, da\u00df Daphne alles vermied, was in Wolf auch nur den Keim einer Hoffnung s\u00e4hen k\u00f6nnte. Weshalb es letztlich eine leere Drohung war. H\u00e4tte Gero tats\u00e4chlich abgelehnt, so w\u00e4re sie allein gefahren. Sie h\u00e4tte die Tage in Venedig genossen und gesehen, was sich dort an angenehmer Gesellschaft ergab. Schlie\u00dflich war sie kein Kind von Traurigkeit.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbGut, ich begleitete dich\u00ab, sagte er mit einem Tonfall, als h\u00e4tte es ihn wirklich \u00dcberwindung gekostet, dabei war es nur Ausdruck von Stolz, da\u00df er sich die Reise von ihr bezahlen lassen mu\u00dfte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Zufrieden und die Gewi\u00dfheit offen pr\u00e4sentierend, da\u00df er gar nicht anders entscheiden konnte, bezahlte sie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fortsetzung von\u00bbGero und Daphne\u00ab, \u00bbDaphne\u00ab und \u00bbDie neue Zimmerwirtin\u00ab. &nbsp; Die erste Nacht in seinem neuen Domizil stellte f\u00fcr Gero eine Erholung dar. Seine neue Zimmerwirtin hatte wahrhaftig nicht zuviel versprochen; es war au\u00dferordentlich ruhig. Das bequeme breite Bett steuerte ein \u00fcbriges dazu bei. 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