{"id":3554,"date":"2017-02-13T10:27:44","date_gmt":"2017-02-13T09:27:44","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3554"},"modified":"2026-04-12T18:17:42","modified_gmt":"2026-04-12T16:17:42","slug":"zitat-des-tages-119","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3554","title":{"rendered":"Zitat des Tages #119"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/gallery\/logos\/zitat.png\" \/><\/p>\n<div id=\"zitat\">\n<p class=\"zitattitel\">Das wohlfeile Mittagessen<\/p>\n<p>Es ist ein altes Sprichwort: Wer andern eine Grube gr\u00e4bt, f\u00e4llt selber darein. \u2013 Aber der L\u00f6wenwirt in einem gewissen St\u00e4dtlein war schon vorher darin. Zu diesem kam ein wohlgekleideter Gast. Kurz und trotzig verlangte er f\u00fcr sein Geld eine gute Fleischsuppe. Hierauf forderte er auch ein St\u00fcck Rindfleisch und ein Gem\u00fcs f\u00fcr sein Geld. Der Wirt fragte ganz h\u00f6flich: ob ihm nicht auch ein Glas Wein beliebe? \u00bbO freilich ja!\u00ab erwiderte der Gast, \u00bbwenn ich etwas Gutes haben kann f\u00fcr mein Geld.\u00ab<!--more--> Nachdem er sich alles wohl hatte schmecken lassen, zog er einen abgeschliffenen Sechser aus der Tasche und sagte: \u00bbHier, Herr Wirt, ist mein Geld.\u00ab Der Wirt sagte: \u00bbWas soll das hei\u00dfen? Seid Ihr mir nicht einen Taler schuldig?\u00ab Der Gast erwiderte: \u00bbIch habe f\u00fcr keinen Taler Speise von Euch verlangt, sondern f\u00fcr mein Geld. Hier ist mein Geld. Mehr hab\u2019 ich nicht. Habt Ihr mir zu viel daf\u00fcr gegeben, so ist\u2019s Eure Schuld.\u00ab \u2013 Dieser Einfall war eigentlich nicht weit her. Es geh\u00f6rte nur Unversch\u00e4mtheit dazu und ein unbek\u00fcmmertes Gem\u00fct, wie es am Ende ablaufen werde. Aber das Beste kommt noch. \u00bbIhr seid ein durchtriebener Schalk\u00ab, erwiderte der Wirt, \u00bbund h\u00e4ttet wohl etwas anders verdient. Aber ich schenke Euch das Mittagessen und hier noch ein Vierundzwanzigkrenzerst\u00fcck dazu. Nur seid stille zur Sache und geht zu meinem Nachbarn, dem B\u00e4renwirt, und macht es ihm ebenso!\u00ab Das sagte er, weil er mit seinem Nachbarn, dem B\u00e4renwirt, aus Brotneid in Unfrieden lebte und einer dem andern jeglichen Tort und Schimpf gerne antat und erwiderte. Aber der schlaue Gast griff l\u00e4chelnd mit der einen Hand nach dem angebotenen Geld, mit der andern vorsichtig nach der T\u00fcre, w\u00fcnschte dem Wirt einen guten Abend und sagte: \u00bbBei Eurem Nachbarn, dem Herrn B\u00e4renwirt, bin ich schon gewesen, und eben der hat mich zu Euch geschickt und kein anderer.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">So waren im Grunde beide hintergangen, und der dritte hatte den Nutzen davon. Aber der listige Kunde h\u00e4tte sich noch obendrein einen sch\u00f6nen Dank von beiden verdient, wenn sie eine gute Lehre daraus gezogen und sich miteinander ausges\u00f6hnt h\u00e4tten. Denn Frieden ern\u00e4hrt, aber Unfrieden verzehrt.<\/p>\n<p class=\"autor\">Johann Peter Hebel (10.5.1760\u201322.9.1826)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das wohlfeile Mittagessen Es ist ein altes Sprichwort: Wer andern eine Grube gr\u00e4bt, f\u00e4llt selber darein. \u2013 Aber der L\u00f6wenwirt in einem gewissen St\u00e4dtlein war schon vorher darin. Zu diesem kam ein wohlgekleideter Gast. Kurz und trotzig verlangte er f\u00fcr sein Geld eine gute Fleischsuppe. 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