{"id":3603,"date":"2017-02-16T16:24:32","date_gmt":"2017-02-16T15:24:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3603"},"modified":"2026-04-22T01:01:26","modified_gmt":"2026-04-21T23:01:26","slug":"gummifetischismus-eine-liebes-erklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=3603","title":{"rendered":"Gummifetischismus \u00b7 Eine (Liebes-)Erkl\u00e4rung"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/sex.jpg\" \/><\/p>\n<h2>Einleitung<\/h2>\n<p class=\"erster\">Sexueller Material-Fetischismus \u2013 dieser Text bezieht sich ausschlie\u00dflich auf diese Variante des Fetischismus \u2013 der wohl die harmloseste und unschuldigste sexuelle Vorliebe \u00fcberhaupt sein d\u00fcrfte und der seinen Grund h\u00f6hst wahrscheinlich in der stark optischen und haptischen orientierten Wahrnehmung des Menschen hat, ist vermutlich so alt wie die Menschheit. Die auf Gummi bezogene Variante ist notwendigerweise an die Erfindung des Materials gebunden und z\u00e4hlt daher zu den noch relativ jungen Material-Fetischen. J\u00fcnger ist die Variante f\u00fcr PVC und vergleichbare Kunststoffe, die in ihrer Form \u00dcberschneidungen zum Gummifetischismus aufweist und so mancher Gummifetischist, mich eingeschlossen, kann auch dem PVC beziehungsweise mit PVC beschichteten Geweben, wie sie vor allem bei Regenbekleidung sowie bei Lack und \u00e4hnlich gl\u00e4nzenden Stoffen Verwendung finden, einen erotischen Reiz abgewinnen. PVC erscheint vielen allerdings als weniger \u203aedel\u2039, was nicht zwingend sein mu\u00df, denn hochwertige Regenbekleidung ist nicht wirklich preiswert und optisch sehr ansprechend. Hier jedoch ist in erster Linie der Fetischismus f\u00fcr Gummi das Thema.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"einzug\">Wenngleich die meisten Gummifetischisten, mich eingeschlossen, dem Gummi aus Naturkautschuk den Vorzug geben, so kann ich, wie viele andere auch dem synthetischen einiges abgewinnen, schlie\u00dflich besitzt dieser vergleichbare haptische und optische Eigenschaften, mit dem Vorteil, da\u00df er f\u00fcr Menschen mit einer Latexallergie eine gute Alternative darstellt, Gummifetischismus ohne gesundheitliche Beeintr\u00e4chtigungen ausleben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<div class=\"illustration\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20140331_222_400.jpg\" alt=\"\" \/><\/div>\n<p class=\"einzug\">Gummi ist durch seine Beschaffenheit ein besonderer Werkstoff. Seine haptischen Eigenschaften \u00e4hneln der der Haut. Seine Elastizit\u00e4t und Weiche lassen den Kontakt mit der Haut zu einem besonderen Erlebnis werden, es verdient berechtigterweise das Attribut \u203aHautschmeichler\u2039. Dazu ist Gummi nicht nur wasserundurchl\u00e4ssig, sondern auch unempfindlich gegen\u00fcber K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten, letztlich gegen alle K\u00f6rperausscheidungen und leicht zu reinigen, w\u00e4hrend gerade bei sexuellen Aktivit\u00e4ten getragene Kleidung aus Stoff aber auch Leder, die in Kontakt mit diversen K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten kommt, mehr oder minder aufwendig gereinigt werden mu\u00df oder im schlimmsten Fall gar \u203aruiniert\u2039 ist, so da\u00df sie letztlich nur noch im sexuellen Kontext weitere Verwendung finden kann, wenn man sie nicht entsorgen will und sich an sichtbaren Flecken nicht st\u00f6rt, wobei diese nat\u00fcrlich auch einen besonderen sexuellen Reiz darstellen k\u00f6nnen. Die unproblematische Reinigung d\u00fcrfte vielleicht auch mit ein Grund sein, weshalb Gummifetischisten nicht selten Spiele mit Urin m\u00f6gen, wobei aus meiner Sicht die haptischen Eigenschaften, die nasses Gummi besitzt, nochmals eine ganz andere haptische und erotische Qualit\u00e4t erzeugen, f\u00fcr diese Affinit\u00e4t sowie die starke sexuelle Konnotation ausschlaggebend sein d\u00fcrfte, gegen die ich nichts einzuwenden habe Gummi und Sexualit\u00e4t sind au\u00dferhalb der technischen Anwendung von Gummi als Werkstoff, fast schon Synonyme geworden. Inwiefern dies mitverantwortlich daf\u00fcr ist, da\u00df Gummi, anders als Leder, bisher keine weitere Verbreitung als \u203aAlltagskleidung\u2039 gefunden hat, trotz immer wieder r\u00fchriger Bem\u00fchungen einzelner Designer aus dem Fetischbereich, ist schwer zu sagen, zumal Gummi, wird es nicht wie bei Fetischisten heutzutage \u00fcblich mit Silikon\u00f6l auf Hochglanz poliert, sich f\u00fcr das unge\u00fcbte Augen nur schwer von besonders weichem und glattem Leder unterscheiden l\u00e4\u00dft. Ausschlaggebender d\u00fcrfte schon eher die schwierigere Verarbeitung gegen\u00fcber Stoff und Leder und die kaum vorhandene Wasserdampfdurchl\u00e4ssigkeit sein, die daf\u00fcr verantwortlich ist, da\u00df Schwei\u00df sich darunter sammelt und somit der Eindruck entsteht, da\u00df unter Gummi st\u00e4rker geschwitzt wird. Zwar m\u00f6gen nicht wenige Gummifetischisten dieses Gef\u00fchl, doch ist es im Alltag verst\u00e4ndlicherweise eher unerw\u00fcnscht.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Gummi l\u00e4dt aus den weiter oben aufgef\u00fchrten Gr\u00fcnden geradezu zum lustvollen Herumferkeln mit diversen (K\u00f6rper-)Fl\u00fcssigkeiten ein, wobei bei Gummi aus Naturkautschuk unbedingt \u00f6lhaltige Fl\u00fcssigkeiten, wie beispielsweise Massage\u00f6le zu meiden sind, da \u00d6le den Naturkautschuk in seiner Struktur zerst\u00f6ren. Jeder sollte eigentlich durch Handhabung von Kondome wissen, die in der Regel ja auch aus Naturkautschuk sind, da\u00df \u00f6lhaltige Gleitmitteln zu vermeiden sind. Synthetischer Kautschuk dagegen ist grunds\u00e4tzlich widerstandsf\u00e4hig gegen\u00fcber \u00d6le und Fette und vielen Chemikalien.<\/p>\n<h2>Ein bi\u00dfchen Historie<\/h2>\n<p class=\"erster\">Zwar ist Naturkautschuk schon l\u00e4nger bekannt, doch war er, bis zur Erfindung der Vulkanisierung durch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Charles_Goodyear\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Charles Goodyear<\/a> 1839, nicht nur als Material f\u00fcr Bekleidung v\u00f6llig ungeeignet. Goodyear fand heraus, da\u00df aus dem Rohkautschuk, der Latexmilch, durch einer definierten Beimengung von Schwefel unter W\u00e4rme der Werkstoff Gummi erzeugt werden kann, wie wir ihn heute kennen. Die Herstellung des ersten wirklich nutzbaren Gummis aus <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Styrol-Butadien-Kautschuk\" target=\"_parent\">synthetischem<\/a> Kautschuk gelang erst 1929 den deutschen Chemikern <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Walter_Bock\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Walter Bock<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eduard_Tschunkur\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eduard Tschunkur<\/a>.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Gummi als Werkstoff f\u00fcr Bekleidung fand 1843 zum ersten Mal als Beschichtung f\u00fcr Regenm\u00e4ntel, den mittlerweile legend\u00e4ren <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mackintosh_(Regenmantel)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mackintoshes<\/a>, Verwendung. Mackintosh, k\u00fcrzer Mack, wurden in England schnell zum Synonym f\u00fcr Gummim\u00e4ntel.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Im Laufe des 19ten Jahrhunderts wurden mehr und mehr Produkte aus Gummi hergestellt, neben solchen f\u00fcr den technischen Bedarf \u2013 Dichtungen, Schl\u00e4uche \u2013 vor allem f\u00fcr den medizinischen Bereich \u2013 Schl\u00e4uche, mit Gummi beschichte Laken, sogenannter <a href=\"http:\/\/www.proaktivo.de\/Pflege-zu-Hause\/Bett-Ausstattung\/Bettstoff-weiss-Meterware::1012.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bettstoff<\/a>. Gummihandschuhe als Hygieneschutz wurden erstaunlicherweise erst gegen Ende des 19ten Jahrhunderts zum ersten Mal hergestellt \u2013 und nat\u00fcrlich Kondome. Gummi als Bekleidungsmaterial fand lange Zeit so gut wie ausschlie\u00dflich bei Regenbekleidung, Stiefel, etc. Verwendung. 1920 wurde in Deutschland der <a href=\"http:\/\/www.kleppermuseum.de\/der-klepper-mantel23072013.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kleppermantel<\/a> entwickelt, der aus einem besonders leichten gummierten Gewebe besteht und sich bis heute bei Gummifetischisten besonderer Beliebtheit erfreut. Da er bereits seit Jahrzehnten nicht mehr produziert wird, erzielt er unter Liebhabern hohe Preise. W\u00e4hrend der gute alte Mackintosh aus SBR (<em>Shiny Black Rubber<\/em>) in England bis <a href=\"http:\/\/www.weathervain.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">heute<\/a> produziert wird. Charles Goodyear soll bei dem, was mit Gummi m\u00f6glich ist, daraus auch Kleidung im Blick gehabt haben, da diese am Abend gewaschen, am Morgen bereits trocken sei und wieder getragen werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p class=\"einzug\">England steht im Ruf, den Gummifetischismus \u203aerfunden\u2039 zu haben und \u2013 angeblich \u2013 gibt es dort noch immer die meisten Gummifetischisten. Ersteres erscheint wahrscheinlich, da in England die ersten Produkte aus Gummi gefertigt wurden, schlie\u00dflich hatte es durch seine Kolonien privilegierten Zugriff auf den Rohstoff. Das zweite d\u00fcrfte sich, zumindest in Mitteleuropa l\u00e4ngst relativiert haben. Betrachtet man die Entwicklung von Publikationen, die sich explizit mit Gummifetischismus besch\u00e4ftigen \u2013 in England besonders <a href=\"http:\/\/atomage.co.uk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Atomage<\/em><\/a>, sp\u00e4ter <a href=\"http:\/\/atomage.co.uk\/atomage-magazines\/atomage-rubberist\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Rubberist<\/em><\/a>, ein Wort, das sich ins Deutsche halbwegs ad\u00e4quat mit \u203a<em>passionierter Gummiliebhaber\u2039<\/em> \u00fcbersetzen l\u00e4\u00dft, ohne die selbstbewu\u00dfte und pr\u00e4gnante Aussage des Originals zu erreichen, wobei es zu bedauern ist, da\u00df es im Deutschen kein wirkliches \u00c4quivalent dazu gibt \u2013 so steht Deutschland mit dem mittlerweile ber\u00fchmten <a href=\"http:\/\/www.kunzmann.com\/newsletter\/2012-10-001\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Gummimodenheft<\/em><\/a> der Firma <a href=\"http:\/\/www.kunzmann.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kunzmann<\/a> (1961) da nicht so wirklich hinten an. Bereits in den 1950er Jahre wurde in Deutschland diverse Gummibekleidung f\u00fcr die damals sogenannte verklausulierte Ehehygiene angeboten, auch \u00fcber Kunzmann, und gegen Ende der 1950er Jahre vertrieb Kunzmann die erste an Fetischisten gerichtete Gummibekleidung, wenn diese offiziell nat\u00fcrlich nicht so bezeichnet werden durfte, in der Regel als \u203aSchlankheitsw\u00e4sche\u2039, die eine gute Figur machen sollte, etikettiert, um der pr\u00fcden Moral ein Schnippchen zu schlagen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Vermutlich l\u00e4\u00dft sich vergleichbares auch zu den Niederlanden und Skandinavien sagen. Insgesamt L\u00e4nder mit einer regenreichen geographischen Lage, die entsprechende Kleidung notwendig werden lie\u00df und l\u00e4\u00dft und somit eine nicht unbetr\u00e4chtliche Anzahl von Leuten mit Gummi als Bekleidungsmaterial in Kontakt gekommen sind. In Skandinavien scheinen auch die meisten Hersteller hochwertiger und modisch ansprechender Regenbekleidung aus mit PVC und PU beschichteten Geweben ans\u00e4ssig zu sein, deren fetischistische Ausrichtung manchmal an der Eigendarstellung nicht zu \u00fcbersehen ist.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Bekleidung aus Gummi explizit f\u00fcr den sexuell motivierten Fetischismus hergestellt, l\u00e4\u00dft sich im Laufe der 1950er Jahre beobachten \u2013 <a href=\"http:\/\/www.kunzmann.com\/newsletter\/2012-11-001\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kunzmann<\/a> in Deutschland, <a href=\"http:\/\/www.sealwear.net\/deutsch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sealwear<\/a> ab ca. 1959 in England, um nur zwei heute noch existierende Unternehmen mit teils wechselvoller Geschichte zu nennen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wird die Anzahl der Online-Shops und Hersteller von Gummibekleidung zum Ma\u00dfstab genommen, scheint Gummifetischismus relativ weit verbreitet zu sein, was letztlich nicht verwundern d\u00fcrfte. Nicht wenige d\u00fcrften ihren Gummifetischismus immer noch durch Regenbekleidung und vor allem Gummihandschuhen f\u00fcr die Haus- und sonstige Arbeit entdeckt haben.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Interessant w\u00e4re zu wissen, ab wann sich Gummifetischismus in mehr oder minder breiter Front entwickelt hat, ob schon im Verlauf des sp\u00e4ten 19ten Jahrhunderts, aber ganz sicher jedoch im fr\u00fchen 20ten Jahrhundert.<\/p>\n<h2>Regenbekleidung<\/h2>\n<p class=\"erster\">Noch um 1970 war wasserfeste Regenbekleidung oft mit richtigem Gummi beschichtet.<\/p>\n<div class=\"illustration-rechts center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/bizarre.jpg\" \/><br \/>\nAus <em>Bizarre Nr. 12<\/em>, 1953, (Taschen-Reprint 1995), ein klassischer Mackintosh<\/div>\n<p class=\"einzug\">In <em>Bizarre<\/em>, einem der ersten Fetischmagazine, herausgegeben von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Willie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">John Willie<\/a> \u2013 von 1946 bis 1958 in 26 Ausgaben in den USA erschienen und gegen Ende der 1990er Jahre vom Taschenverlag in K\u00f6ln als Reprint herausgegeben \u2013 finden sich nicht wenige Fotos von Gummifetischisten in Regenbekleidung. Gummifetischismus war seinerzeit weitgehend nur \u00fcber Regenbekleidung aus Gummi und Dingen, die im Alltag aus Gummi waren, wie Handschuhe, mit Gummi beschichtete Laken f\u00fcrs Bett \u2013 gibt\u2019s auch heute noch unter dem Begriff Bettstoff, meist als Meterware mit einer Breite von ca. 90 cm \u2013 oder Sch\u00fcrzen aus Gummi bzw. gummiertem Stoff, Stiefel, etc. auslebbar, oder es wurde aus Laken f\u00fcr den hygienischen und medizinischen Bereich Kleidung selbstgeschneidert. Auch in dem ab 1951 in den USA erschienen Fetisch- und SM-erotischen Magazin <em>Exotique<\/em> sind verschiedentlich Fotos von Gummiliebhabern in Regenbekleidung aus Gummi und \u00e4hnlichem zu sehen. Zeitgleich mit dem Reprint von <em>Bizarre<\/em> erschien auch einer der <em>Exotique<\/em>-Ausgaben der Jahre 1951\u20131959, der Bl\u00fctezeit des Magazins, bis diese in der damaligen Offenheit als Folge der neuen Pr\u00fcderie der <em>McCarthy<\/em>-\u00c4ra gegen Ende der 1950er Jahre gezwungenerma\u00dfen endete. Die Ausgaben beider Magazine sind nach wie vor lesenswert. Vor allem die abdruckten Kurzgeschichten zeigen, da\u00df die Verfasser schreiben konnten und es sich wahrscheinlich nur in wenigen F\u00e4llen um echte Leserbeitr\u00e4ge handelten. Das Layout besticht bei <em>Exotique<\/em> mit seinem eigenen Charme \u2013 mit Schreibmaschine geschriebene und vervielf\u00e4ltigte Texte. <em>Bizarre<\/em> dagegen ist professionell im Bleisatz layoutet.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die entsprechenden Fotos und begleitenden Artikel und Leserzuschriften lassen vermuten, da\u00df nicht wenige der Regenm\u00e4ntel aus Gummi, Gummistiefel und Gummihandschuhe nicht als Witterungsschutz, sondern prim\u00e4r aus sexuellem Antrieb erworben worden waren. Es w\u00e4re durchaus interessant zu wissen, wie viele Regenm\u00e4ntel und Jacken aus mit Gummi beschichtetem Gewebe (Klepper, Mackintosh und Verwandte) \u00fcberhaupt in den 1950er und 1960er und nat\u00fcrlich seit es diese Gewebe gibt, aus sexuellen Gr\u00fcnden gekauft worden sind und wie viele (Ehe-)Paare diese h\u00e4ufiger bei sexuellen Handlungen und autoerotischen Bet\u00e4tigungen, denn als Regenschutz getragen haben, schlie\u00dflich hat es immer Menschen mit SM- und Fetischneigung gegeben, die ihre Neigung trotz aller moralischen Restriktion gelebt haben. Restriktion l\u00e4\u00dft den Wunsch nach Freiheit im Privaten oft nur gr\u00f6\u00dfer werden \u2013 aber das ist ein anderes Thema.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Zwar besitzt die Vorstellung, zumindest f\u00fcr mich, seinen Gummifetischismus nur mit Regenbekleidung aus Gummi im Schutz des Privaten ausleben zu k\u00f6nnen, einen besonderen Reiz, doch nur solange, wie man die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die daf\u00fcr herrschen m\u00fcssen, au\u00dfen vor l\u00e4\u00dft, andererseits bekommt das Ausleben von Gummifetischismus dann auch etwas Subversives, die Rebellion gegen die gesellschaftlichen Normen im Privaten ohne da\u00df es die Gesellschaft mitbekommt. Aber das ist ein Thema f\u00fcr einen eigenen Essay.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Bereits in den 1960er Jahren wurde Gummi allm\u00e4hlich durch PVC als Beschichtung von wasserfester Regenbekleidung abgel\u00f6st, wobei auch die urspr\u00fcnglichen gelben Friesennerze mit Gummi beschichtet waren.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Da\u00df Regenbekleidung aus Gummi heute ohne Bedeutung ist \u2013 sieht man einmal von den noch immer in England hergestellten SBR-Mackintoshes ab, die ein eindeutiges Nischendasein f\u00fchren und nicht aufgrund des relativ hohen Preises \u2013 liegt an Alternativmaterialien, die auf der einen Seite billiger sind, PVC zum Beispiel und neuerdings auch PU, auf der anderen Seite praktische Vorteile haben, Stichwort Mikrofasern, die anders als Gummi PVC und PU, wasserdampfdurchl\u00e4ssig sind, somit der Schwei\u00df \u2013 teilweise \u2013 verdunsten kann. Mikrofasern sind zudem leicht, was sie wiederum mit dem guten alten Kleppermantel gemeinsam haben. Zumindest was das optische und auch haptische von Regenbekleidung aus Gummi betrifft, so l\u00e4\u00dft sich auf hochwertige mit PVC und PU beschichtete Regenbekleidung zur\u00fcckgreifen, die es auch mit gl\u00e4nzender Oberfl\u00e4che gibt, zumal bei wirklich starken Regenf\u00e4llen Mikrofasern schnell an ihre technischen Grenzen geraten.<\/p>\n<h2>Fetischbekleidung<\/h2>\n<p class=\"erster\">In den 1950er Jahren noch weitgehend \u203azaghaft\u2039 unter dem moralischen Deckm\u00e4ntelchen der Schlankheits- und Saunaw\u00e4sche, in den 1960er Jahren peu \u00e1 peu offensiver und begleitet von einem neuen und bejahenden Verst\u00e4ndnis von Sexualit\u00e4t \u2013 Stichwort sexuelle Revolution, die M\u00f6glichkeit der Verh\u00fctung mittels \u203aPille\u2039, die Frauen eine bisher nicht gekannte Sicherheit gegen\u00fcber ungewollter Schwangerschaft bot und ihnen somit kompromi\u00dflose sexuelle Selbstbestimmung erm\u00f6glichte \u2013 entwickelte sich ein Markt f\u00fcr Fetischbekleidung aus Leder, Gummi und Lack, durch erfolgreiche Fernsehserien (<em>The Avengers<\/em> (1961\u20131969) dt.: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mit_Schirm,_Charme_und_Melone\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Mit Schirm, Charme und Melone<\/em><\/a>), die das Thema Fetisch aufgriffen und die Modewelt, die sich gleichfalls der klassischen Fetischmaterialien wie Leder und Lack annahm, ins Bewu\u00dftsein einer breiteren \u00d6ffentlichkeit ger\u00fcckt. Bei Regenbekleidung stand nicht mehr das praktische, sondern der Chic im Vordergrund, mit schwarzem oder rotem, gl\u00e4nzendem Lack als bevorzugtem Material. Zu immer k\u00fcrzer werdenden R\u00f6cken gesellten sich oberschenkellange Stiefel aus Lack- und Stretchleder mit halbhohen Blockabs\u00e4tzen. Auch Gummistiefel wurden modischer, besonderen Ruf erlangten in den 1970er Jahre die aus Schweden stammenden <a href=\"https:\/\/acquoofsweden.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ACQUO-Boots<\/a>, die seit einigen Jahren in verschiedenen Schafth\u00f6hen wahlweise mit flachem oder halbhohem Blockabsatz wieder verf\u00fcgbar sind und sich offensichtlich gro\u00dfer Beliebtheit erfreuen.<\/p>\n<div class=\"illustration-rechts\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/acquo-003.jpg\" \/><\/div>\n<p class=\"einzug\">Gummi hielt jedoch weniger Einzug in die offizielle Mode, daf\u00fcr entwickelte sich im Fetischbereich eine bunte Modewelt in mehrfacher Hinsicht, die kaum noch an die einstige doch recht biedere \u203aSchlankheitsw\u00e4sche\u2039 erinnerte.<\/p>\n<div class=\"illustration\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/gummifetisch.jpg\" \/><\/div>\n<p class=\"einzug\">In Laufe der 1980er Jahre wurde Gummi von Designern entdeckt, wie beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.ectomorph.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ectomorph<\/a> in England, die sich auf exklusive Gummikleidung f\u00fcr den Fetischbereich spezialisiert haben, die sich problemlos im Alltag tragen l\u00e4\u00dft. Seit kurzem widmet sich <a href=\"http:\/\/www.rosengarn.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rosengarn<\/a>, eine nordwestf\u00e4lische Manufaktur f\u00fcr Gummikleidung, verst\u00e4rkt alltagstauglicher, modischer Gummikleidung. \u00dcberhaupt begann sich in der zweiten H\u00e4lfte der 1980er Jahre eine selbstbewu\u00dfte Fetischszene zu formieren, die sich nicht mehr schamhaft in vermeintlich dunklen Kellern herumtrieb und die sich in 1990er Jahren etablierte. In den 1990er wuchs auch die Zahl der Hersteller von Fetischbekleidung aus Gummi. Gummikleidung l\u00e4\u00dft sich mittlerweile grob in zwei Bereiche einteilen, die bunte und phantasievolle Designerbekleidung, die das Angebot zu dominieren scheint, und die mehr praktische und klassische funktionale, die mitunter ihre Herkunft aus der Sparte \u203aSchlankheitsw\u00e4sche\u2039 nicht verleugnen kann, die vielleicht daher auf manche und so auch auf mich einen besonderen Reiz aus\u00fcbt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Designerkleidung ist zwar sch\u00f6n anzusehen, ideal f\u00fcr Parties bei denen das Sehen und das Gesehen werden im Vordergrund steht, die nat\u00fcrlich auch bei sexuellen Handlungen getragen werden kann und auch wird, die aber jede ruppige Behandlung schnell \u00fcbel nimmt, in der Weise, da\u00df sie sich nur schlecht flicken l\u00e4\u00dft, ohne da\u00df dies zu sehen ist. W\u00e4hrend funktionale Gummikleidung oft zwar schlicht vom Schnitt ist, meistens erschwinglicher, und eine ruppige Behandlung nicht so \u00fcbel nimmt und sich insofern leichter flicken l\u00e4\u00dft, als da\u00df eine schlechte Flickstelle weniger bis gar nicht st\u00f6rend ist, da diese Sachen ohnehin nur bei sexuellen Handlungen und im kleinen Kreis getragen wird, und das Tragegef\u00fchl und die sexuelle Stimulation durch Gummi im Vordergrund steht.<\/p>\n<div class=\"illustration\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/gummihandschuhe.jpg\" \/><\/div>\n<p class=\"einzug\">Da Gummihaushaltshandschuhe zu den Gummiartikeln z\u00e4hlen, mit denen so gut wie jeder schon fr\u00fch in seinem Leben in Kontakt kommt, und sei es nur, weil vornehmlich die Mutter selbige zu bestimmten Hausarbeiten tr\u00e4gt, ist die \u00dcberlegung interessant, wie viele einen sexuellen Bezug dazu entwickeln, ohne sich als Gummifetischisten zu sehen und das Bed\u00fcrfnis versp\u00fcren, Kleidung aus Gummi zu besitzen und zu tragen, f\u00fcr die Gummihaushaltshandschuhe jedoch ein st\u00e4ndiger Begleiter bei sexuellen Handlungen im partnerschaftlichen wie im autoerotischen Bereich darstellen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Zwar sind nicht alle Gummifetischisten auch Liebhaber der \u203awei\u00dfen Erotik\u2039, jedoch scheinen nicht wenige ihrer Liebhaber zugleich Gummifetischisten zu sein. Das mag viele Gr\u00fcnde besitzen, ein wichtiger scheint jedoch zu sein, da\u00df Gummi im \u2013 realen \u2013 Klinikalltag fest verankert ist. Gummihandschuhe haben seit ihrer Einf\u00fchrung in der zweiten H\u00e4lfte des 19ten Jahrhunderts geholfen, die Hygiene sp\u00fcrbar zu verbessern, Gummilaken als pflegeleichte Unterlage nicht nur f\u00fcr Inkontinente, sondern f\u00fcr alle, die bettl\u00e4gerig sind, und nicht selbst ein WC aufsuchen k\u00f6nnen, als aufblasbare Ringe, um bestimmte K\u00f6rperregionen im Liegen nicht zu belasten, Schl\u00e4uche aller Art, Windelhosen; die Liste lie\u00dfe sich beliebig fortf\u00fchren. Mancher hat schon w\u00e4hrend der Zeit, als es noch keine Fetischbekleidung aus Gummi gab, seine Affinit\u00e4t zu Gummi w\u00e4hrend eines Krankenhausaufenthalts entdeckt und manche Medizinerin und mancher Mediziner durch die Arbeit.<\/p>\n<h2>Pers\u00f6nliches zum Abschlu\u00df<\/h2>\n<p class=\"erster\">Ich entdeckte meine Faszination f\u00fcr Gummi recht fr\u00fch \u00fcber Gummihaushaltshandschuhe, PVC-Regenjacken und Gummistiefel, lange bevor ich aufgrund meines Alters die erotisch sexuelle Komponente erkennen konnte. Tats\u00e4chlich f\u00fchle ich mich nicht in der Lage, einen Zeitpunkt festmachen zu k\u00f6nnen, w\u00e4hrend der ich Gummi f\u00fcr mich bewu\u00dft entdeckte, was mich gerne zu der selbstironischen Aussage verleitet, als Gummifetischist auf die Welt gekommen zu sein. Meine Vorliebe f\u00fcr Gummihaushaltshandschuhe h\u00e4lt bis heute an. Mit der Pubert\u00e4t wurde diese Vorliebe schlie\u00dflich zum \u203arichtigen\u2039 Gummifetischismus, der bis heute ungebremst anh\u00e4lt und mein Leben bereichert.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Gummi zu tragen, vermittelt mir ein besonderes K\u00f6rpergef\u00fchl. Mein Gummifetischismus hat dazu gef\u00fchrt, da\u00df ich mir die K\u00f6rperbehaarung durch Rasur regelm\u00e4\u00dfig entferne. Es ist ein kaum zu beschreibendes Gef\u00fchl, Gummi direkt auf der Haut zu sp\u00fcren, da ohne Haare Ber\u00fchrungen intensiver wahrgenommen werden, es ist ein wundervoll weiches Streicheln. Das Rascheln von Gummi ist ein eigenes bet\u00f6rendes Ger\u00e4usch. Liegt Gummi eng an, \u00fcbt es einen angenehmen gleichm\u00e4\u00dfigen Druck aus, liegt es locker an, streichelt es bei jeder Bewegung sanft \u00fcber die Haut. Gummi scheint eine Art Verst\u00e4rker von Ber\u00fchrungen zu sein, da Ber\u00fchrungen durch Gummi hindurch subjektiv als intensiver empfunden werden.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ein wesentliches Accessoire bei Gummifetischisten sind Gasmasken, nicht nur, weil sich damit weitgehend gefahrlos Atemkontrollspiele durchf\u00fchren lassen, in dem die Menge der einstr\u00f6menden Luft durch Reduzierst\u00fccke vermindert wird, sondern mehr noch, weil sie dem Tr\u00e4ger das Gef\u00fchl vermitteln, vollst\u00e4ndig in einer wunderbaren Welt aus Gummi eingeschlossen zu sein und somit eine Form von Geborgenheit und Sicherheit erzeugen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Es mag auf den unbedarften Beobachter erscheinen, als w\u00fcrde ein Paar, bei dem sich beide vollst\u00e4ndig in Gummi und mit Gasmaske kleiden, sich um das Vergn\u00fcgen der unmittelbaren Ber\u00fchrung der Haut des anderen bringen, jedoch erzeugt das gemeinsame Ausleben des Fetischs eine gr\u00f6\u00dfere Intimit\u00e4t, als es die blo\u00dfe Ber\u00fchrung der Haut des anderen jemals k\u00f6nnte, zumal Ber\u00fchrungen durch Gummi hindurch anders, teilweise intensiver wahrgenommen werden. Man wei\u00df, da\u00df der andere in seinem Gummikokon mindestens dasselbe empfindet. Ganz abgesehen davon, da\u00df sich Gasmasken durch Schl\u00e4uche und Verbindungsst\u00fccke so miteinander koppeln lassen, da\u00df sie nicht nur das Gef\u00fchl vermitteln, \u203adieselbe Luft zu atmen\u2039.<\/p>\n<p class=\"einzug\">(Gummi-)Fetischisten wird oft der \u203aVorwurf\u2039 gemacht, da\u00df sie ohne ihren Fetisch sexuell nicht reagieren und agieren k\u00f6nnten, oder, wenn man sich in vorgeschobene Toleranz \u00fcben will, da\u00df ein Fetisch nur dann unproblematisch ist, wenn man auch ohne ihn sexuell reagieren und agieren kann. Letzteres k\u00f6nnen die meisten Fetischisten sicherlich, die Frage ist eher, ob sie es auch wollen, ob es f\u00fcr sie einen Gewinn darstellt, auf etwas, wenn auch nur vor\u00fcbergehend zu verzichten, da\u00df der eigentliche Gewinn f\u00fcr sie darstellt. Auf den geliebten Fetisch zu verzichten, ist f\u00fcr einen Fetischisten so, wie bei Speisen aufs Salz zu verzichten, kann man machen, ist aber reichlich fade, wie jeder wei\u00df. Die Frage ist daher nicht, ob ein Fetischist ohne seinen Fetisch sexuell reagieren und agieren kann, sondern ob er es auch will! Denn warum sollte jemand ernstlich auf etwas verzichten, das ihm Freude bereitet und sein Leben bereichert? Wenn also zwei Personen ihre sexuelle Erf\u00fcllung finden, in dem sie sich vollst\u00e4ndig in Gummi kleiden, wom\u00f6glich mit Gasmasken, Verschlauchung, Gummim\u00e4nteln, Gummiwatstiefeln und dicken Gummihandschuhen, dann ist das allein ihre Angelegenheit, denn Gummifetischismus d\u00fcrfte, wie so gut wie alle Material-Fetische, so ziemlich das harmloseste sein, was man sich vorstellen kann und Gummi ist im Gegensatz zu Leder zudem vegan und zu im Gegensatz zu den Ausgangsstoffen von PVC und PU ein nachwachsender Rohstoff, der vollst\u00e4ndig biologisch abbaubar ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Sexueller Material-Fetischismus \u2013 dieser Text bezieht sich ausschlie\u00dflich auf diese Variante des Fetischismus \u2013 der wohl die harmloseste und unschuldigste sexuelle Vorliebe \u00fcberhaupt sein d\u00fcrfte und der seinen Grund h\u00f6hst wahrscheinlich in der stark optischen und haptischen orientierten Wahrnehmung des Menschen hat, ist vermutlich so alt wie die Menschheit. 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