{"id":4777,"date":"2017-04-09T15:11:47","date_gmt":"2017-04-09T13:11:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=4777"},"modified":"2026-04-12T13:05:25","modified_gmt":"2026-04-12T11:05:25","slug":"kurzes-98-bettina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=4777","title":{"rendered":"Kurzes #98 \u00b7 Bettina"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20140812_0469_800_2.jpg\"\/><\/p>\n<p><em>Die Fortsetzung von:<\/em> <a href=\"?p=4758\">Der Einzug<\/a>, <a href=\"?p=4767\">Die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039<\/a> <em>und<\/em> <a href=\"?p=4770\">Der sch\u00f6ne J\u00fcngling<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er an die Decke sah, auf die hereindringenden Fr\u00fchlingsger\u00e4usche lauschte, aus den Augenwinkeln heraus sah, wie die Gardine im Luftzug des offenen Fensters leicht wehte, versuchte er, die Szene zwischen der \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039 und dem J\u00fcngling einzuordnen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">War es letztlich nur schwer vermeidbar, da\u00df sich zwischen K\u00fcnstler und Modell gro\u00dfe Intimit\u00e4t aufbaute? So wie das Modell ein Teil seines Innersten offen legen mu\u00dfte, mu\u00dfte der K\u00fcnstler bereit sein, das Wesen des Modells zu erfassen, um es ad\u00e4quat darstellen zu k\u00f6nnen. Da\u00df sich dabei eine erotische Spannung aufbaute, bedingt durch die gro\u00dfe N\u00e4he, war nur folgerichtig. Er konnte sich nicht vorstellen, da\u00df ein K\u00fcnstler mit einem Modell arbeitete, ohne gelegentlich und unter entsprechenden Umst\u00e4nden das Bed\u00fcrfnis entwickelte, mit ihm intim zu werden.<\/p>\n<p class=\"einzug\"><!--more-->Er kannte nur einen bildenden K\u00fcnstler, in dessen Mittelpunkt der Mensch stand; Maria. Maria, bei der sich die Kritiker offenbar immer gen\u00f6tigt sahen, neben ihrem Talent fast schon penetrant zu betonen, da\u00df sie eine sch\u00f6ne Frau sei, mit einer \u00bb<i>vollendeten Figur und einer Oberweite, an deren \u00dcppigkeit ein Russ Meyer sicherlich seine Freude gehabt h\u00e4tte<\/i>\u00ab, wie einst ein Vertreter dieser Zunft sich in seiner Euphorie hatte hinrei\u00dfen lassen zu schreiben, und das auch noch im Feuilleton einer Zeitung, die f\u00fcr einen eher n\u00fcchternen Ton bekannt war. Warum mu\u00dfte Attraktivit\u00e4t bei begabten und intelligenten Frauen immer so herausgestellt werden? Als k\u00f6nnte eine Frau nicht intelligent <i>und<\/i> sch\u00f6n zugleich sein. Bei M\u00e4nnern erw\u00e4hnte es doch auch keiner, trafen beide Eigenschaften zusammen. Das war ein Punkt, an den er sich wohl nie w\u00fcrde gew\u00f6hnen k\u00f6nnen. Allerdings war Maria daran nicht ganz schuldlos, schlie\u00dflich pflegte sie ihre auffallend \u00fcppige Oberweite so augenf\u00e4llig wie m\u00f6glich zu pr\u00e4sentieren, so da\u00df sich letztlich niemand, der sie kannte, dar\u00fcber wunderte, wenn diese selbst bei als n\u00fcchtern geltenden Feuilletonisten Erw\u00e4hnung fand.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Von Maria wu\u00dfte er ja, da\u00df sie mit mehr als einem ihrer Modelle eine intime Begegnung hatte. Sie hatte ihm versichert, da\u00df das stets ihre besten Arbeiten wurden. Zwar war Maria homosexuell und ihre Modelle \u00fcberwiegend weiblich, doch zweifelte er nicht daran, da\u00df es bei Heteros kaum anders war. Schlie\u00dflich mu\u00dfte man doch nur stichprobenartig die Biographie der gr\u00f6\u00dften der Zunft durchzugehen. Und doch f\u00fchlte er, da\u00df er die Spannung zwischen K\u00fcnstler und Modell, die Situation zwischen der \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039 und dem J\u00fcngling etwa, nicht wirklich nachempfinden konnte. Er brauchte keine Modelle f\u00fcr seine Arbeit, wenn er schrieb, zumindest nicht in dieser Form. Da\u00df seine Figuren nat\u00fcrlich auch nach Modellen geschaffen waren, h\u00e4tte er als Letzter bestritten. Lag es am Ende daran, da\u00df seine Profession allzu intellektuell, zu abstrakt war? Immerhin gab es nichts Abstrakteres als die Sprache und hatte es nicht unweigerlich auf den, der sich fortlaufend damit besch\u00e4ftigte, R\u00fcckwirkungen?<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er bemerkte, da\u00df er abschweifte, seine Gedanken begannen, ihre eigenen Wege zu gehen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Bald wurde das Bild seiner Nachbarin von anderen Frauen \u00fcberlagert, die ihm nahestanden oder einmal nahegestanden hatten. Er dachte auf einmal wieder ausf\u00fchrlich an seine Ornithologin.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie bsa\u00df bis \u00fcberwiegend ma\u00dfgefertigte Ganzanz\u00fcge als st\u00e4rkerem Latex, die sie oft auf ihren Beobachtungsstreifz\u00fcgen unter ihrer \u203anormalen\u2039 Kleidung trug. Gummistiefel trug sie nicht nur aus praktischen Erw\u00e4gungen heraus. Dar\u00fcber hinaus wu\u00dfte sie \u00fcber die Besonderheiten der unterschiedlichen Ausf\u00fchrungen von Gummistiefeln in ebenso epischer Breite zu sprechen wie Birgit. Es war eine sch\u00f6ne Zeit mit ihr gewesen. Die einzige Beziehung mit einer reinrassigen Fetischistin, die er bisher hatte. Leider besa\u00df sie nicht einmal im Ansatz sadomasochistische Neigungen ganz gleich in welcher Richtung. Und auf Dauer ausschlie\u00dflich Latex, wenn auch in allen m\u00f6glichen und phantasievollen Varianten, und auch der besondere Reiz unzweifelhaft auch von ihm Besitz ergriffen hatte, war ihm zu wenig, daf\u00fcr waren seine fetischistischen Neigungen einfach zu schwach und seine devoten Neigungen zu stark ausgepr\u00e4gt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie hatte sich nicht ohne Grund auf mittel- und nordeurop\u00e4ische Wasserv\u00f6gel spezialisiert. Das erm\u00f6glichte ihr w\u00e4hrend der Arbeit vor Ort ihre geliebten Gummistiefel, Watstiefel und Wathosen zu tragen. Zwar hatte sich ihr Interesse f\u00fcr Ornithologie unabh\u00e4ngig von ihrem Fetischismus entwickelt, doch hatte sie schnell erkannt, wie sich das Angenehme mit dem N\u00fctzlichen verbinden lie\u00df.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er erinnerte sich noch gerne an die beiden Wochen, die sie ihm Rahmen ihrer Dissertation \u00fcber eine besondere Wasservogelart \u2013 den lateinischen Namen hatte er leider vergessen, zudem war sie ihm bis dahin vollst\u00e4ndig unbekannt gewesen \u2013, die vor allem in bestimmten Sumpfgebieten in Mitteleuropa, unter anderem in Mecklenburg beheimatet war, dort verbracht hatten. Sie hatten ein kleines Ferienhaus gemietet. Sie waren die meiste Zeit in Wathosen durch sumpfiges Gel\u00e4nde gewandert. Sie hatte unter ihrer hochwertigen Regenjacke aus gummiertem Stoff und der Wathose stets einen Ganzanzug aus relativ dickem Latex getragen. Er hatte ihr assistiert, w\u00e4hrend sie ihre Notizen und Photos gemacht hatte. Es hatte auch f\u00fcr ihn durchaus seinen Reiz besessen, teilweise h\u00fcfttief an doch schon warmen Julitagen im Wasser zu stehen. Ihm hatte zudem die Ruhe und die Natur gefallen. Auch die beiden Tage, die sie im Regen in dem Gew\u00e4sser gestanden hatten, war durchaus eine sinnliche Erfahrung gewesen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Es hatte seinen besonderen Reiz besessen, sie mit einem leistungsstarken Massagestab durch die Wathose, die sie auf ihren Streifz\u00fcgen trug, hindurch zum Orgasmus zu bringen. H\u00e4tte sie doch nur \u00fcber ein wenig dominante Neigungen verf\u00fcgt. Er seufzte. Es schmerzte ihn besonders, weil sie genau der Typ, bildh\u00fcbscher ein wenig molliger Blondine war, den er so sehr mochte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Seit zwei Jahren war sie gl\u00fccklich mit einem Mann liiert, dessen Fetischismus sich wie ihrer haupts\u00e4chlich auf <i>Heavy Rubber<\/i> \u2013 dicke Ganzanz\u00fcge, Watstiefel, Wathosen und Gasmasken konzentrierte \u2013 ihr Ideal eines \u2013 m\u00e4nnlichen \u2013 Gummifetischisten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die Wathose und die Watstiefel, die er f\u00fcr diese Reise auf ihre Empfehlung angeschafft hatte, hochwertige aus Naturkautschuk, die das Herz eines Fetischisten h\u00f6her schlagen lie\u00dfen und eigentlich viel zu teuer f\u00fcr den seltenen Gebrauch seiner Meinung nach waren, von denen er aber wu\u00dfte, da\u00df es sie erregte, ihn darin zu sehen, besa\u00df er noch, hatte sie aber nicht mehr getragen, seitdem sie sich getrennt hatten, auch nicht aus Spa\u00df, wie auch die beiden Regenjacke, die eine schon mehr ein kurzer Mantel aus gummierten Stoff von einer englischen Edelmarke, die seines Erachtens ebenfalls viel zu teuer, ihr Dasein in seinem Schrank fristeten, neben zwei vinylbeschichteten Regenjacken aus Schweden, die zwar auch nicht allzu preiswert waren, aber insgesamt doch angemessener.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nur zu gerne \u00fcberlie\u00df er sich den leicht wehm\u00fctigen Erinnerungen aus der Zeit mit ihr und glitt langsam in den Zustand des Halbschlafes hin\u00fcber, der eine Zeit- und K\u00f6rperlosigkeit brachte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er wu\u00dfte nicht, wie lange er sich in diesem fast elysischen Zustand befunden hatte, die Bilder der sch\u00f6nen Ornithologin waren l\u00e4ngst Bildern anderer sch\u00f6ner \u00fcppigen Frauen aus seinem Leben und Umgebung gewichen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ein Klingeln an der Haust\u00fcr lie\u00df ihn j\u00e4h und fast schon schuldbewu\u00dft zusammenschrecken, als w\u00e4re er bei etwas Verbotenem ertappt worden \u2013 er hatte die schemenhafte Erinnerung an eine \u00fcppige Sch\u00f6nheit \u2013 leider gelang es ihm nicht mehr, sich ihr Gesicht zu vergegenw\u00e4rtigen \u2013 und eine bl\u00fchende Fr\u00fchlingslandschaft. Er selbst hatte sich nicht nur in ihrer unmittelbaren N\u00e4he befunden, sondern es bestand auch irgendeine Beziehung zwischen ihnen, doch damit ersch\u00f6pfte es sich auch schon.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Es war mittlerweile sp\u00e4ter Nachmittag und die Sonne bereits so weit nach Westen gewandert, so da\u00df sie schon relativ tief \u00fcber dem Horizont stand, doch noch so hoch, da\u00df die Kraft ihrer Strahlen kaum vermindert wurden, und sein Arbeitszimmer nun gr\u00f6\u00dftenteils in Sonnenlicht getaucht war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sich fragend, wer das wohl sein konnte, stand er auf, noch nicht g\u00e4nzlich wieder im Diesseits weilend, und ging nach unten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbIch dachte, ich komme dich besuchen und besehe mir dein neues Heim. Leider habe ich es zu deiner Einweihungsfeier nicht geschafft\u00ab, sagte Bettina kaum, da\u00df er die T\u00fcr ge\u00f6ffnet hatte. \u00bbIch komme hoffentlich nicht ungelegen\u00ab, f\u00fcgte sie vorsichtig hinzu, offenbar spiegelten sich seine zerstreuten Gedanken in seiner Mimik wider.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nein, ungelegen kam sie ihm beileibe nicht. Vielmehr freute er sich, sie zu sehen, was leider viel zu selten vorkam. Ihre journalistische Arbeit f\u00fchrte sie h\u00e4ufig nach Frankreich, Italien und Spanien, wo sie in der Regel l\u00e4nger blieb und sich dort sehr wohl f\u00fchlte. Sie hatten sich w\u00e4hrend ihres Studiums kennengelernt und sie hatte ihn sogleich zu ihrem Liebhaber gemacht.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ob durch die Bilder dieses Nachmittags, die realen wie die imagin\u00e4ren, beg\u00fcnstigt, oder einfach aus Wiedersehnsfreude, jedenfalls fand er, da\u00df sie so gut aussah wie schon lange nicht mehr. Das mittellange dunkelbraune Haar flo\u00df ihr weich \u00fcber die runden Schultern, das helle Kost\u00fcm betonte, abgesehen von etwas zu breiten H\u00fcften und zu kr\u00e4ftigen Schenkeln, ihren relativ schlanken Wuchs. Ihr Make-up war wie \u00fcblich so dezent wie verf\u00fchrerisch.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbEine sch\u00f6ne Frau kommt mir nie ungelegen\u00ab, erkl\u00e4rte er derart euphorisch und von einem so verkl\u00e4rten Gesichtsausdruck begleitet, da\u00df sie sich des Eindrucks nicht erwehren konnte, er habe nun wohl endg\u00fcltig den schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn zur falschen Seite hin \u00fcberschritten, oder zumindest heimlich mit dem Trinken begonnen. Beides lief in ihren Augen so ziemlich auf das gleiche hinaus.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbMan k\u00f6nnte meinen, du h\u00e4ttest monatelang auf einer einsamen Insel ohne eine Frau verbracht\u00ab, meinte sie kopfsch\u00fcttelnd, doch nicht unangenehm von seinem Kompliment ber\u00fchrt, und trat an ihm vorbei in den Flur.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er l\u00e4chelte leicht verlegen. Ihm wurde bewu\u00dft, da\u00df das Bild der \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039 und eine leicht wehm\u00fctige Erinnerung an seine Ornithologin eine nicht geringe Schuld daran trug, obwohl allein Bettinas Gegenwart gen\u00fcgte, diese Gef\u00fchle in ihm zu wecken.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er schlo\u00df die T\u00fcr und lie\u00df mit einem inneren sehns\u00fcchtigen Seufzer, der ihrer mehr ironisch gemeinten Bemerkung einen \u00fcberdeutlichen Wahrheitsgehalt verschaffte, den Blick auf ihrer sch\u00f6nen R\u00fcckfront, ihren sch\u00f6nen Beinen ruhen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Im Anschlu\u00df an eine lange z\u00e4rtliche Umarmung tranken sie Tee, plauderten ein wenig und zeigte er ihr Haus und Garten. Sie war von allem angetan, wie nicht anders zu erwarten, besa\u00dfen sie doch in vielem denselben Geschmack. Der gro\u00dfe leicht verwilderte Garten gefiel ihr sehr gut.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbHier k\u00f6nnte ich es auch aushalten\u00ab, meinte sie.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die F\u00fchrung hatte rein \u203azuf\u00e4llig\u2039 in seinem Schlafzimmer geendet.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDu bist immer willkommen. Auch f\u00fcr mehr als nur ein paar Stunden\u00ab, entgegnete er und meinte es auch so.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Bettina legte ihm die H\u00e4nde auf die Schultern, durch ihre Vorliebe f\u00fcr hohe Abs\u00e4tze war sie kaum kleiner als er, und fragte mit ihrer ohnehin sehr sinnlichen Stimme, von der ein Verehrer \u2013 vielleicht war er es sogar selbst gewesen \u2013 einmal gesagt hatte, da\u00df allein schon ihr Klang in einem das Verlangen erweckte, ihr zu F\u00fc\u00dfen zu liegen, von einem einladenden L\u00e4cheln begleitet: \u00bbFicken wir?\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er nickte nur als Antwort. Es war ohnehin eine rhetorische Frage. Sie wu\u00dfte, da\u00df er niemals Nein sagen w\u00fcrde. Aber sie wu\u00dfte auch, da\u00df er ihr niemals diese Frage stellen w\u00fcrde. Es lag nicht allein an seiner devoten Neigung oder etwaiger Sch\u00fcchternheit. Irgendwie pa\u00dfte es nicht zu ihm. F\u00fcr ihn war es selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df eine Frau sich ihres Sexualtriebes bewu\u00dft war und diesen auch frank und frei artikulierte. Bettina war bekannt, da\u00df Saskia seinerzeit die Initiative ergriffen und ihn wom\u00f6glich somit f\u00fcr alle Zeiten \u203averdorben\u2039 hatte. Es st\u00f6rte sie nicht. Es war ihr ohnehin lieber, wenn sie die Initiative ergreifen konnte, was sie im Grunde immer tat. Seine Devotheit im Sexuellen gefiel ihr durchaus, aber da sie zuv\u00f6rderst passionierte Swingerin und nur stimmungsabh\u00e4ngig dominant war, baute sich zwischen ihnen selten ein eindeutiges Machtgef\u00e4lle auf. Der Sex mit ihm gefiel ihr in erster Linie auf Grund seiner geschickten Finger, er war einer der wenigen M\u00e4nner, die sie problemlos zum Ejakulieren brachten, seines sch\u00f6nen dicken Schwanzes und seiner Ausdauer.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie zog Rock und Bluse aus und lie\u00df sich von ihm den BH \u00f6ffnen. Ihre schweren weichen Br\u00fcste waren von einer eigenen Sch\u00f6nheit. Sie selbst bezeichnete sie prosaischer und durchaus zutreffend als \u203aH\u00e4ngetitten\u2039, bedauerte diese Eigenschaft an sich in keiner Weise, sondern mochte sie, wie sie waren. Lediglich mit ihrer Bauchfalte auf Grund einer Bindegewebeschw\u00e4che in dem Bereich als Folge eines starken, krankheitsbedingten \u00dcbergewichtes f\u00fcr einige Zeit, was sie jedoch l\u00e4ngst gl\u00fccklich \u00fcberwunden war, haderte sie. Dennoch hatte sie bis heute vermieden, den Bereich operativ korrigieren zu lassen. Das sei trotz aller Unsch\u00f6nheit ein Teil ihres Lebens und zu dem wolle sie stehen. Daher r\u00fchrte eine Vorliebe f\u00fcr breite H\u00fcfthalter im 1950er Jahre Stil, die sie grunds\u00e4tzlich beim Sex anbehielt. Vordergr\u00fcndig zur Kaschierung dieser Bindegewebeschw\u00e4che, tats\u00e4chlich weil es ihr gefiel, beim Sex halb oder ganz angezogen zu sein. Der pfirsichfarbene H\u00fcfthalter reichte bis gut eine Handbreit unterhalb ihres Brustansatzes und gab ihrem Bauch und ihrer Taille eine perfekte Form.<\/p>\n<p class=\"einzug\">In seinen Augen sah sie hinrei\u00dfend aus. Gerade ihr alles andere als perfekter K\u00f6rper lie\u00dfen sie f\u00fcr ihn erst wirklich sch\u00f6n sein. Auch w\u00e4hrend ihrer stark \u00fcbergewichtigen Lebensphase hatte er gerne mit ihr Sex gehabt. Auf Grund ihrer \u00fcberdurchschnittlichen Gr\u00f6\u00dfe hatte sie auch da nicht gedrungen und unf\u00f6rmlich gewirkt, wenngleich ihr Gewicht dreistellig gewesen war \u2013 niemand au\u00dfer ihr und den behandelnden \u00c4rzten kannte die genaue Zahl. Das hatte ihm die Erkenntnis vermittelt, da\u00df Sex mit dicken Frauen sch\u00f6n und erf\u00fcllend sein kann, da\u00df auch dicke Frauen sexy sein k\u00f6nnen, denn auf ihrer Sch\u00f6nheit an sich hatte diese Phase, trotz einem runderen Gesicht und einem sichtbaren Doppelkinn nicht wirklich negativen Einflu\u00df gehabt. Seitdem wu\u00dfte auch er, da\u00df es auch f\u00fcr wirklich dicke Frauen eine gro\u00dfe Auswahl schicker Kleidung gab.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Zudem, was er ihr auch gesagt hatte, hatte er sich von ihren \u00fcppigen Formen sexuell nicht wenig angezogen gef\u00fchlt, zu seiner eigenen \u00dcberraschung, denn bis dahin war er \u00fcberzeugt, da\u00df f\u00fcr ihn eine wirklich dicke Frau sexuell nicht sonderlich reizvoll sei, wenngleich er einer gewissen wohl geformten \u00dcppigkeit bei einer Frau den Vorzug gab. Es hatte ihr gutgetan zu sehen, wie in seinen Augen beim Anblick ihres nackten, in ihren Augen fast schon unf\u00f6rmigen K\u00f6rpers dieses gewisse hungrige Leuchten getreten war. Trotz aller anderen unangenehmen Begleiterscheinung w\u00e4hrend jenes Teils ihres Lebens, waren die vielen Momente mit ihm von einer derartigen Sch\u00f6nheit gewesen, da\u00df sie oft mit leichter Wehmut daran zur\u00fcck dachte. Sie war bis heute \u00fcberzeugt, da\u00df er nie soviel sexuelle Lust auf sie gehabt hatte wie seinerzeit und sie auch davor und danach nie mehr so oft und intensiv miteinander gev\u00f6gelt hatten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWenn ich in der Zeit jedes Mal einen Euro f\u00fcr die Aussage eines Mannes, eigentlich stehe ich ja nicht auf dicke Frauen, aber bei dir usw., bekommen h\u00e4tte, k\u00f6nnte ich bis zum Ende meines Lebens frei von materiellen Sorgen leben. Ich habe w\u00e4hrend dieser Zeit gef\u00fchlt mehr begehrliche Blicke von M\u00e4nnern erhalten, als davor und danach, als mein Gewicht im Bereich des Durchschnitts f\u00fcr meine Gr\u00f6\u00dfe liegt. Gerade in Swinger-Clubs habe ich den Spruch besonders oft vernommen und h\u00e4tte an einem Abend problemlos ein halbes Dutzend M\u00e4nner haben k\u00f6nnen, von denen ich jedoch nur die H\u00e4lfte tats\u00e4chlich genommen habe. Attraktive dicke Frauen, die sich zu kleiden und schminken verstehen, sind bei M\u00e4nnern sehr beliebt. Wenn sich davon auch noch alle mit dicken Frauen bereitwillig in der \u00d6ffentlichkeit sehen lassen w\u00fcrden, w\u00e4re das Ideal der zierlichen, mageren Frau schnell Geschichte.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er konnte ihr nur darin zustimmen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Noch w\u00e4hrend Bettina sich vor seinen Augen entkleidete, ihr Nichts von einem H\u00f6schen zu den \u00fcbrigen Sachen legte, wurde die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039, das, was er zuvor beobachtet hatte, fast zu einem Tagtraum, einer Phantasie, oder zu einer Skizze f\u00fcr eine neue Erz\u00e4hlung. Eine sch\u00f6ne interessante Frau aus der Ferne, ihr Bild betrachten, so sch\u00f6n es auch sein mochte, war nichts dagegen, diese auch im Arm zu halten, ihr nahezusein, von ihr begehrt zu werden. Die andere verbla\u00dfte in diesem Moment zu einem Schemen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Als er selbst nackt war, sie die Schublade des rechten Nachttischs aufzog und die Schachtel mit den Kondomen heraus nahm \u2013 dort bewahrte er sie seit Jahren auf \u2013 dachte er bereits nicht mehr die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039, daf\u00fcr aber daran, wie sch\u00f6n auf eine besondere Weise der Sex mit Bettina w\u00e4hrend der Zeit ihrer besonderen \u00dcppigkeit gewesen war und er sich durchaus eine sch\u00f6ne dicke Frau als Partnerin vorstellen konnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Erst beim ausgiebigen V\u00f6geln mit Bettina erkannte er, wie sehr ihn die Szene im Atelier sexuell doch erregt hatte und sie ihn zum richtigen Zeitpunkt besucht hatte. Er fand, da\u00df er ihr diese Beobachtung nicht vorenthalten sollte, zumal sie mit daf\u00fcr verantwortlich war, da\u00df er soviel Lust auf sie hatte. Er schm\u00fcckte es ein wenig zu ihrer beider Vorteil aus.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWenn ich h\u00f6re, mit welcher Euphorie du beschreibst, wie sie in ihrem Ganzanzug aus Latex aussieht, ebenso hast du damals von deiner Ornithologin gesprochen, dann f\u00e4llt es mir schwer deinen Worten zu glauben, da\u00df du eigentlich nicht so richtig auf Latex stehst. Ich habe ohnehin den Eindruck, da\u00df du st\u00e4rker erregt bist, wenn ich beim Sex Latex trage.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbEs sieht einfach gut aus, aber es ist f\u00fcr mich nicht wesentlich. Zudem habe ich so gut wie kein Bed\u00fcrfnis danach, von mir aus Latex anzuziehen.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDas will nichts hei\u00dfen. Ein Fetischist mu\u00df nicht das Bed\u00fcrfnis haben, selbst st\u00e4ndig Latex zu tragen. Auch wer sich davon besonders angezogen f\u00fchlt, wenn ein anderer Latex tr\u00e4gt, ist streng genommen ein Fetischist.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDas wei\u00df ich ja. W\u00e4hrend der Zeit mit meiner Ornithologin habe ich oft und gerne Latex getragen und hat es mich auf gewisse Weise durchaus erregt.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbEben.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWas ich aber wirklich brauche, ist eine durch und durch dominante Frau, mit der auch eine Beziehung m\u00f6glich ist.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbGegen eine durch und durch dominante Gummifetischistin h\u00e4ttest du in keinem Fall etwas einzuwenden.\u00ab Das breite Grinsen in Bettinas Gesicht entging ihm.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDas stimmt schon\u00ab, erwiderte er leicht nachdenklich.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie vertiefte das Thema nicht weiter, zum einen kannte sie ihn nur zu gut, zum anderen wollte sie noch einmal die Massage seiner geschickten Finger sp\u00fcren.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie verlie\u00df ihn erst am n\u00e4chsten sp\u00e4ten Vormittag, gab ihm aber das Versprechen, ihn sobald als m\u00f6glich wiederzubesuchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fortsetzung von: Der Einzug, Die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039 und Der sch\u00f6ne J\u00fcngling &nbsp; W\u00e4hrend er an die Decke sah, auf die hereindringenden Fr\u00fchlingsger\u00e4usche lauschte, aus den Augenwinkeln heraus sah, wie die Gardine im Luftzug des offenen Fensters leicht wehte, versuchte er, die Szene zwischen der \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039 und dem J\u00fcngling einzuordnen. 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