{"id":4786,"date":"2017-04-10T17:46:26","date_gmt":"2017-04-10T15:46:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=4786"},"modified":"2026-04-12T13:22:04","modified_gmt":"2026-04-12T11:22:04","slug":"kurzes-100-begegnung-im-mondschein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=4786","title":{"rendered":"Kurzes #100 \u00b7 Begegnung im Mondschein"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20150830_012_800_2.jpg\"\/><\/p>\n<p><em>Die Fortsetzung von:<\/em> <a href=\"?p=4758\">Der Einzug<\/a>, <a href=\"?p=4767\">Die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039<\/a>, <a href=\"?p=4770\">Der sch\u00f6ne J\u00fcngling<\/a>, <a href=\"?p=4777\">Bettina<\/a> <em>und<\/em> <a href=\"?p=4782\">Ein Wochenende mit Bettina<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Zu Beginn der neuen Woche zeigte sich der Fr\u00fchling von einer weniger sch\u00f6nen Seite, n\u00e4mlich einer nassen. Zudem wurde es k\u00fchler. Nur wenige Grade, doch war es nicht angebracht, ohne Jacke das Haus zu verlassen. Die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039 hatte die Atelierfenster daher die meiste Zeit geschlossen. Auch Schlaf- und Badezimmerfenster \u00f6ffnete sie nur noch zum L\u00fcften. Da die geschlossenen Fenster ihm lediglich einen schemenhaften Einblick erm\u00f6glichten, widmete er sich wieder verst\u00e4rkt seiner Geschichte, wof\u00fcr er ihr sogar dankbar war. So richtig Lust versp\u00fcrte er derzeit ohnehin nicht, sie zu beobachten. Das ausgiebige Wochenende mit Bettina wirkte noch nach und lie\u00df ihn auf eine Wolke der Gl\u00fcckseligkeit schweben, von der er nur langsam wieder herabsank.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Dennoch wollte die Handlung seiner Erz\u00e4hlung nicht so recht vorankommen. <!--more-->Nicht selten br\u00fctete er mehr als eine Stunde \u00fcber einem einzigen Satz, den er dann doch wieder verwarf. Es lag nicht allein daran, da\u00df sich in seinen Augen die Handlung allzu schnell entwickelte und dadurch ins Oberfl\u00e4chliche abzugleiten Gefahr lief, sondern er f\u00fchlte eine gewisse Einsamkeit in sich. Vielleicht hatte das Besondere, das Bettina und ihn miteinander verband, wieder einmal einen zu nachhaltigen Eindruck bei ihm hinterlassen. Es wollte ihm nicht so recht gelingen, seiner Protagonistin eine unverwechselbare Identit\u00e4t einzuhauchen. Dabei hatte ihm zu Anfang ihre Person plastisch vor Augen gestanden. Doch beim Durchlesen der ersten Seiten stellte er fest, da\u00df sie bisher allzu augenf\u00e4llige Z\u00fcge seiner Nachbarin besa\u00df und seit Bettinas Besuch sich immer mehr zu deren Zwillingsschwester entwickelte. Beim jungen Mann dagegen war es eindeutig, da gab es keine Unsicherheiten, wenngleich dieser sich in seinen wesentlichen Eigenschaften nur unwesentlich von ihm unterschied, was f\u00fcr ihn aber unproblematisch war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00dcber die L\u00f6sung dieser Herausforderung br\u00fctete er fast eine Woche. Eine Woche w\u00e4hrend der es, mit kurzen sonnigen Abschnitten, \u00fcberwiegend regnete. Der Natur jedenfalls bekam der Regen pr\u00e4chtig. Das Gr\u00fcn wucherte bald so \u00fcppig, da\u00df es mit der feuchten Witterung wieder vers\u00f6hnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">W\u00e4hrend dieser Woche stand er h\u00e4ufiger am Fenster, blickte gedankenverloren in den Regen hinaus, versuchte seine weibliche Hauptfigur zu fassen, als er am Schreibtisch sa\u00df und schrieb. Sa\u00df er dort, zeichnete er die meiste Zeit unz\u00e4hlige Bl\u00e4tter mit Arabesken voll und bekritzelte nicht weniger Zettel mit Notizen, oder verlor sich bei durchaus nicht uninteressanten Seiten \u00fcbers Internet. Wenn es ihm auch nach und nach gelang, die Anteile der \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039 an seiner Protagonistin zu eliminieren, erwies sich Bettinas Schatten als hartn\u00e4ckiger, was ihn zu der \u203aErkenntnis\u2039 f\u00fchrte, da\u00df ihm eindeutig eine kontinuierliche Beziehung zu <i>einer<\/i> Frau fehlte. Auch wenn er derzeit gerne behauptete, da\u00df das Singledasein seine angenehmen Seiten besa\u00df, seine Sache war es, im Gegensatz zu Bettina, nicht. Leider war er seit der Trennung von Caroline vor drei Jahren, mit der er insgesamt zwei gl\u00fcckliche Jahre verbracht hatte, ausschlie\u00dflich an Frauen geraten, die den Standpunkt vertraten: \u00bbWenn ich mal einen Liter Milch will, mu\u00df ich doch nicht gleich eine ganze Kuh kaufen\u00ab, \u2013 und \u2013 um bei dieser Metapher zu bleiben \u2013 sich zwar gerne bei ihm den Liter Milch abholten, die Kuh aber lieber woanders erwarben, wenn sie denn eine wollten. Was ihn schlie\u00dflich dazu veranla\u00dft hatte, sich von SM-Stammtischen und -Parties vor\u00fcbergehend fernzuhalten, es sei denn, eine seiner guten Freundinnen w\u00fcnschte ihn als Begleitung, dann sagte er nur zu gerne zu. Der Partybesuch mit Bettina war der erste seit \u00fcber einem Jahr. Um eine Fetisch- oder SM-Party allein zu besuchen, hatte ihm im Grunde immer die Lust gefehlt, was er nicht nur gerne vor anderen verheimlichte, und bei einem Swinger-Club sah er nicht ein, aus welchem Grund er als Mann einen deutlich \u00fcberh\u00f6hten Eintrittspreis bezahlen sollte. Ein ausgewogenes Geschlechterverh\u00e4ltnis lie\u00df sich auch anders erreichen. Da\u00df er aus eigener Initiative eine Frau aus seinem Bekannten- und Freundeskreis, die gerne Swinger-Clubs besuchte, ob sie ihn zwecks Reduzierung des Eintrittspreises begleiten w\u00fcrde und jeder den Abend verbrachte, wie er wollte, fragen k\u00f6nnte, war ihm tats\u00e4chlich noch nie in den Sinn gekommen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Bei der \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039 schien der Ideenflu\u00df jedenfalls nicht zu stocken. Immer wenn er einen Blick zu ihr hin\u00fcberwarf, als k\u00f6nne sie ihm bei seinem Problem helfen, sa\u00df sie konzentriert arbeitend am Zeichentisch, worum er sie im Stillen beneidete.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er wachte h\u00e4ufiger fr\u00fch am Morgen auf, wenn es bereits d\u00e4mmerte und die V\u00f6gel mit ihrem morgendlichen Konzert begannen, das hier nat\u00fcrlich intensiver zu vernehmen war als in der Stadt. Manchmal gelang es ihm, sogleich wieder einzuschlafen, manchmal schien es ihm unm\u00f6glich. Dann stand er auf, ging hinunter in die K\u00fcche, machte sich einen Tee. In der Regel zog es ihn ins Arbeitszimmer. Auf dem bequemen Sofa sitzend, trank er seinen Tee. Dabei konzentrierten sich seine Gedanken immer wieder auf Bettina und seine Ornithologin, besonders auf deren Gummifetischismus, wie sehr ihn gerade dieser an ihr fasziniert hatte. Dabei ausblendend, da\u00df er ihr \u203aUnverm\u00f6gen\u2039, ihn gleich auf welche Weise auch immer zu dominieren, stets bedauert hatte und dazu gef\u00fchrt hatte, da\u00df sie aus diesem Grund auseinandergegangen waren, weil sie erkannt hatte, da\u00df das stets trennend zwischen ihnen stehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er blickte oft aus dem Fenster und zur \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039 hin\u00fcber, die ihre Schlafzimmerfenster meist angelehnt und die Gardine vorgezogen hatte, so da\u00df er auch mit seinem Fernglas nichts sehen konnte, zumal es noch nicht hell genug war, damit das Tageslicht die Innenr\u00e4ume ausreichend erhellte. Manchmal \u00fcberkam ihn dabei die M\u00fcdigkeit und er legte sich aufs Sofa, wo er den Rest der Nacht verschlief.<\/p>\n<p class=\"einzug\">An einem Morgen, die D\u00e4mmerung war bereits weit fortgeschritten, hatte sie die Vorh\u00e4nge nicht vorgezogen und die Fenster offen gelassen, trotz des Regenwetters war es eine warme, fast schon schw\u00fcle Nacht gewesen. Mehr aus Gewohnheit schaute er durchs Fernglas hin\u00fcber. Er konnte erkennen, da\u00df sie ihr Bett mit W\u00e4sche aus blauem Latex bezogen hatte und selbst, soweit er das sehen konnten, denn er sah nur wenig von ihrem Oberk\u00f6rper, einen ihrer Ganzanz\u00fcge aus metallicblauem Latex trug. Sie lag halb auf der Seite, den Blick zu ihrem Spiegelschrank gewandt, den linken Arm \u00fcber der Decke liegend. Ihre Atemz\u00fcge gingen ruhig und gleichm\u00e4\u00dfig. Er betrachtete sie eine Weile. Es war fast Tag und es wurden immer mehr Details im Zimmer sichtbar.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ein leichter Wind kam auf, der das Laub rauschen lie\u00df. Ein leises Prasseln k\u00fcndigte von beginnendem Regen. Das Prasseln wurde schnell intensiver und ein ausgiebiger Landregen ging nieder.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er g\u00e4hnte, stellte das Fernglas auf den Schreibtisch und schlo\u00df das Fenster, um der Gefahr zu entgegen, da\u00df es hineinregnete. Seine Tasse war noch halbvoll, aber der Inhalt l\u00e4ngst erkaltet. Er verabscheute kalten Tee. Er lie\u00df sie stehen und ging ins Schlafzimmer.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Auf dem R\u00fccken liegende lauschte er dem Rauschen des Regens, der den Gesang der V\u00f6gel hatte verstummen lassen. Er dachte nun auch an Birgit. Sie und seine Ornithologin schliefen hin und wieder gleichfalls gerne zwischen Bettw\u00e4sche aus Latex und in einem Ganzanzug. Wie beide auch oft Dessous aus Latex im Alltag trugen. Ob die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039 es wie beide hielt und es manchmal des Nachts einfach laufen lie\u00df, um anschlie\u00dfend wohlig zwischen den urinnassen Latexlaken weiterzuschlafen? Liebte sie es auch gleich ihnen, ihre Ganzanz\u00fcge so richtig sch\u00f6n durchzuschwitzen, solange es nicht zu warm war? Birgit schw\u00e4rmte ihm ja, seit sie sich kannten davon vor. Sie und noch mehr seine Ornithologin mochten wenig so gerne wie in einem Ganzanzug aus Latex in Millimeterst\u00e4rke gem\u00fctlich auf dem Bett, auf einem Latexlaken zu liegen, so richtig sch\u00f6n darunter zu schwitzen und sich darin einzun\u00e4ssen, wobei sie so zuvor soviel tranken, damit ihre K\u00f6rpers\u00e4fte auch reichlich flie\u00dfen konnten. Lediglich an wirklich hei\u00dfen Sommertagen verzichteten sie weitgehend auf das Tragen von Latex. Vor allem Birgit besa\u00df ohnehin seit ihrer Pubert\u00e4t ein inniges erotisches Verh\u00e4ltnis zu ihrem eigenen Urin und dem von Menschen, die sie sehr mochte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er wollte nicht ausschlie\u00dfen, da\u00df es bei der \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039 \u00e4hnlich war. Wobei hier der Wunsch der Vater des Gedanken war, schlie\u00dflich mochte auch er es seit seiner Pubert\u00e4t, sich von einer Frau, der er gern hatte, anurinieren zu lassen. Das war f\u00fcr ihn weitaus intimer als Geschlechtsverkehr. Im \u00dcbrigen war ihm die Symbolik des Anurinierens als Fruchtbarkeitssymbol bekannt \u2013 Cupido uriniert durch einen Myrtenkranz, den Venus h\u00e4lt, auf deren mit Rosenbl\u00e4ttern bedeckten Scho\u00df.<\/p>\n<p class=\"einzug\">W\u00e4hrend es ihn an den Regentagen im Haus hielt, so verwunderte es ihn in keiner Weise, da\u00df die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039 t\u00e4glich l\u00e4ngere Spazierg\u00e4nge unternahm. Meist trug sie einen relativ neuen Mackintosh aus SBR, dessen G\u00fcrtel sie enggeschnallt hatte, und schicke schwarze Gummistiefel mit modischem Blockabsatz. Aus der Entfernung lie\u00df es sich nicht wirklich beurteilen, aber er gewann den Eindruck, da\u00df es sich um ACQUO-Boots handelte, die es laut Birgit seit kurzer Zeit wieder gab und die diese nat\u00fcrlich l\u00e4ngst erworben hatte. \u00dcber die Jahre hatte sich doch weitaus mehr von ihren endlosen Ausf\u00fchrungen bez\u00fcglich ihres Fetischs bei ihm festgesetzt als er glaubte. \u00dcber Gummistiefel gleich welcher Ausf\u00fchrung, ob f\u00fcr wenige Euro aus PVC, die besseren aus Naturkautschuk oder edle, fast schon s\u00fcndhaft teure wie die verschiedenen Ausf\u00fchrungen der ACQUO-Boots konnte sie gleichfalls endlos reden.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039 schritt gen\u00fc\u00dflich aus, die H\u00e4nde in den Manteltaschen vergraben, die Kapuze tief in die Stirn gezogen. Er kannte diesen Gang und die Haltung voller Genu\u00df von Birgit und seiner Ornithologin. F\u00fcr einen Moment glaubte er eine von ihnen dort \u00fcber den Kies der Auffahrt schreiten zu sehen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Leicht wehm\u00fctig beobachtete er die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039, wie sie die durch das Tor schritt und die Stra\u00dfe zu den Feldern hinunterging. Wenngleich Birgit und seine Ornithologin nie m\u00fcde wurden beziehungsweise m\u00fcde geworden waren, ihm die Sch\u00f6nheit und den besonderen erotischen Reiz von Regenspazierg\u00e4ngen in Gummistiefeln und M\u00e4ntel und Jacken aus gummierten oder hochwertigen vinylbeschichteten Stoffen zu schildern, so hatte es zwar dazu gef\u00fchrt, da\u00df er sie auf ihren Regenspazierg\u00e4ngen gerne begleitete, aber nicht dazu, da\u00df er diese von sich aus unternahm, obgleich er sich durch beider Dr\u00e4ngen selbst entsprechende Regenjacken und Gummistiefel angeschafft hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Betrachtete er aber die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039 in ihrem SBR-Mackintosh, der ihn erotisch ansprach, besonders da er sich vorstellte, da\u00df eine dominante Frau ihn trug, \u00fcberkam ihn durchaus Lust, seine hochwertige englische Regenjacke aus gummierten Stoff und die Gummistiefel derselben Firma anzuziehen und es seiner Nachbarin gleichzutun. Allerdings kam er nie \u00fcber den Vorsatz hinaus, es fielen ihm zu viele Argumente ein, weshalb er jetzt besser im Haus blieb, um an seiner Geschichte weiterzuarbeiten. Dabei h\u00e4tte er die vielen Schwierigkeiten, die es dabei zu meistern galt, vielleicht besser auf einem ruhigen Spaziergang als am Schreibtisch sitzend l\u00f6sen k\u00f6nnen, wo ihn doch zu oft andere Dinge ablenkten. Bei trockenem Wetter tat er nichts so gerne, wie solche \u00dcberlegen auf langen, einsamen Spazierg\u00e4ngen anzugehen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die Regenspazierg\u00e4nge der \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039 dauerten nie unter zwei, meist bis zu drei Stunden, das noch immer nicht ge\u00f6lte und daher nach wie vor vernehmlich quietschende Tor der Villa k\u00fcndete ihm ihre R\u00fcckkehr an. Er konnte nichts dagegen machen, er mu\u00dfte jedesmal aus dem Fenster sehen. Meist waren ihre ACQUO-Boots \u2013 er war mittlerweile \u00fcberzeugt, da\u00df es sich um solche handelte, insbesondere nach dem er auf der Webseite des schwedischen Herstellers sich ausf\u00fchrlich umgesehen hatte \u2013 bis hinauf zum Mantelsaum mit Morast bespritzt und auch auf dem unteren Teil ihres Mantels befanden sich welche. Eine weitere Parallele mit Birgit und seiner Ornithologin.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Bevor die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039 wieder das Haus betrat, sp\u00fclte sich am Wasserhahn an der Hauswand den Morast von den Stiefeln, was sie l\u00e4nger machte als notwendig.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Stand er im Wohnzimmer in der offenen Terrassent\u00fcr und sah in den Regen hinaus auf das \u00fcppig wuchernde Gr\u00fcn, erinnerte er sich mit einer gewissen Wehmut an die Zeit, in der er mit Caroline zusammengelebt hatte und wie phantasievoll sie es verstanden hatte, seine devoten Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen, selbst oder vermutlich gerade weil sie oft Dinge tat, die nicht immer seine Begeisterung fanden, die er aber dennoch mit sich machen lie\u00df, weil er wu\u00dfte, wieviel ihr daran lag und wie sehr sie gerade ihr Lust bereiteten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Da er aus Erfahrung wu\u00dfte, da\u00df es kontraproduktiv ist, sich im Tr\u00fcbsinn zu verlieren, vergrub er sich in seine Arbeit.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wenn er bisweilen, den Kopf auf die H\u00e4nde gest\u00fctzt, den Blick durchs Fenster nach gegen\u00fcber richtete, dem fallenden Regen lauschte \u2013 weil es nahezu windstill war, konnte er das Fenster ge\u00f6ffnet lassen \u2013, dachte er an Karl Valentin, der es mit seiner Aussage \u203a<i>Kunst ist sch\u00f6n, macht aber viel Arbeit\u2039 <\/i>auf den Punkt gebracht hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">In dieser Nacht wachte er, pl\u00f6tzlich durch irgend etwas aus dem Schlaf gerissen, auf. Es gelang ihm nicht gleich, sich zu orientieren. Er f\u00fchlte sich matt und tr\u00e4ge, war aber wach. Der Regen mu\u00dfte schon l\u00e4nger aufgeh\u00f6rt haben und der Himmel nahezu wolkenlos sein. Der hereindringende Mondschein tauchte das Zimmer in ein silbergraues bl\u00e4\u00dfliches Licht, das allem etwas Irreales gab. Es war absolut still, selbst f\u00fcr diese ruhige Gegend. Normalerweise h\u00e4tte er sich auf die andere Seite gelegt und sich wieder dem Schlummer \u00fcberantwortet, doch aus einem unerfindlichen Grund versp\u00fcrte er das intensive Bed\u00fcrfnis, aufzustehen. Ohne es recht bewu\u00dft wahrzunehmen, erhob er sich, zog ein T-Shirt \u00fcber und verlie\u00df das Zimmer auf nackten F\u00fc\u00dfen. Erst als er in dem kleinen Zimmer, das \u00fcber dem Wohnzimmer und neben seinem Arbeitszimmer lag und als G\u00e4stezimmer eingerichtet war, am Fenster stand, wurde ihm bewu\u00dft, da\u00df er aufgestanden war. Er dachte kaum weiter dar\u00fcber nach und sah in den Garten hinunter.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die B\u00e4ume warfen lange fahle Schatten. Das Laub schien in Silberglanz erstarrt zu sein. Unmittelbar bei den B\u00e4umen war kaum etwas zu erkennen, war die Helligkeit des Mondes doch nur eine geringe. Aber dort, wo nichts sein Licht behinderte, waren mehr als nur Schemen zu erkennen. Er wanderte mit dem Blick langsam zu der niedrigen Mauer hin\u00fcber, die sein Grundst\u00fcck von dem der \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039 trennte. An einer Stelle war die Mauer so weit eingest\u00fcrzt, da\u00df bequem von einem Grundst\u00fcck zum anderen gewechselt werden konnte. Das fiel ihm anscheinend das erste Mal auf. Doch blieb sein Blick hier nicht lange ruhen, sondern wanderte weiter zur Villa. Die Terrassent\u00fcr stand offen. Kurz darauf entdeckte er die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039 ein St\u00fcck entfernt, nahe einer gro\u00dfen Kastanie, auf dem Rasen stehen. Ihr kurzes, wei\u00dfes seidenes Hemdchen, bis auf einen dazu passenden Slip das einzige Kleidungsst\u00fcck, das sie trug, leuchtete f\u00f6rmlich im hellen Mondlicht und hob sie weit sichtbar von der dunkleren Umgebung ab. Sie stand unbeweglich wie eine Skulptur da, das lange dichte Haar, \u00fcber das das Mondlicht einen gr\u00e4ulichen Schimmer zog und ihre Haut bleich wirken lie\u00df, flo\u00df weich \u00fcber ihre runden Schultern. Von diesem Bild in den Bann gezogen sah er aufmerksam und unbeweglich zu ihr hin\u00fcber.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Unvermittelt l\u00f6ste sie sich aus ihrer Starre und begann leichten Schrittes \u2013 ihre nackten F\u00fc\u00dfe schienen kaum den Rasen zu ber\u00fchren \u2013, den K\u00f6rper gerade aufgerichtet, scheinbar ziellos im Garten umherzugehen. Das war nun auch f\u00fcr ihn der Ansto\u00df, sich aus der eigenen Bewegungslosigkeit zu l\u00f6sen. Er verlie\u00df das Zimmer und ging langsam, aber zielsicher nach unten, durchschritt das Wohnzimmer, \u00f6ffnete die Terrassent\u00fcr und trat in den Garten hinaus.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nur unterschwellig nahm er das vom n\u00e4chtlichen Tau feuchte weiche Gras unter den nackten F\u00fc\u00dfen wahr. Er lenkte die Schritte zu der Stelle, die den bequemen Wechsel in den anderen Garten erm\u00f6glichte. Kaum hatte er diesen betreten, da suchten seine Blicke schon die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039. Obwohl er einige Minuten f\u00fcr die zur\u00fcckgelegte Strecke gebraucht hatte, hatte sie sich nur wenig von der Stelle bewegt, wo er sie zuletzt gesehen hatte. Sie schien nicht zu bemerken, da\u00df jemand nur wenige Schritte von ihr entfernt stand und sie aufmerksam beobachtete. Sie schritt leichtf\u00fc\u00dfig und ziellos zwischen den B\u00e4umen auf dem taufeuchten Rasen umher. Er folgte ihr mit dem gleichen leichtf\u00fc\u00dfigen Schritt, der mehr an ein leichtes Schweben erinnerte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Irgendwo schrie weit entfernt und kaum wahrnehmbar eine Eule.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Pl\u00f6tzlich entschwand die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039 seinen Blicken. Er schaute sich suchend um und entdeckte sie ein ganzes St\u00fcck von der Stelle entfernt, an der sie zuletzt war. Sie lehnte mit dem R\u00fccken an einem Baum, blickte starr durch das dichte Laub zum n\u00e4chtlichen Himmel hinauf. Das Mondlicht reflektierte sich in ihren Augen. Langsam n\u00e4herte er sich ihr. Sie verharrte in ihrer Haltung. Er kam bis auf wenige Meter an sie heran. Sie blieb unbeweglich. Auch er blieb stehen, betrachtete sie nur. Beobachtete, wie sich ihr Busen gleichm\u00e4\u00dfig unter ihren ruhigen Atemz\u00fcgen, die fast so gleichm\u00e4\u00dfig wie die einer Schl\u00e4ferin waren, hoben und senkten. Schaute auf die Stelle, wo sich ihre Brustwarzen durch den d\u00fcnnen Stoff hindurchmodellierten, sah auf ihre muskul\u00f6sen Schenkel, auf ihre schlanken sensiblen H\u00e4nde. Ein Grashalm klebte au\u00dfen an ihrer linken Wade.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Das laute Knallen einer Autot\u00fcr ri\u00df ihn aus dem Schlaf. Die Sonne schien ins Zimmer, warf einen gro\u00dfen hellen Fleck auf dem Boden vor dem Bett. Das Auto fuhr weg. Leicht verwirrt stand er auf, sa\u00df einen Augenblick tr\u00e4ge auf der Bettkante. Er mu\u00dfte einen reichlich diffusen Traum gehabt haben. Dann fiel sein Blick auf seine nackten F\u00fc\u00dfe, an denen \u00fcberdeutlich mittlerweile getrocknete Spuren nassen Grases zu sehen waren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fortsetzung von: Der Einzug, Die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039, Der sch\u00f6ne J\u00fcngling, Bettina und Ein Wochenende mit Bettina \u00a0 Zu Beginn der neuen Woche zeigte sich der Fr\u00fchling von einer weniger sch\u00f6nen Seite, n\u00e4mlich einer nassen. Zudem wurde es k\u00fchler. Nur wenige Grade, doch war es nicht angebracht, ohne Jacke das Haus zu verlassen. 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