{"id":4819,"date":"2017-04-19T18:15:46","date_gmt":"2017-04-19T16:15:46","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=4819"},"modified":"2026-04-12T14:28:57","modified_gmt":"2026-04-12T12:28:57","slug":"kurzes-107-die-aufforderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=4819","title":{"rendered":"Kurzes #107 \u00b7 Die \u203aAufforderung\u2039"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20140411_067_800_2.jpg\"\/><\/p>\n<p><i>Die Fortsetzung und das Ende von:<\/i> <a href=\"?p=4758\">Der Einzug<\/a>, <a href=\"?p=4767\">Die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039<\/a>, <a href=\"?p=4770\">Der sch\u00f6ne J\u00fcngling<\/a>, <a href=\"?p=4777\">Bettina<\/a>, <a href=\"?p=4782\">Ein Wochenende mit Bettina<\/a>, <a href=\"?p=4786\">Begegnung im Mondschein<\/a>, <a href=\"?p=4789\">Die \u203aSch\u00f6ne \u00dcppige\u2039<\/a>, <a href=\"?p=4797\">Viviane<\/a>, <a href=\"?p=4801\" target=\"_blank\">Erinnerungen an Swaantje<\/a>, <a href=\"?p=4805\">Eine Session mit Viviane<\/a>, <a href=\"?p=4810\">Ein sonnt\u00e4glicher Regenspaziergang<\/a> <i>und <\/i><a href=\"?p=4815\">Wieder allein<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Umschlag ohne Absender, nur mit seinem Namen in Druckbuchstaben, wenn auch in geschickter Typographie, erregte sofort seine Aufmerksamkeit. Nach dem \u00d6ffnen war er mehr als \u00fcberrascht, als eine R\u00f6telzeichnung zum Vorschein kam. Es war nicht die meisterliche Zeichnung an sich, die ihn so erstaunte, es war das, was sie zeigte; ihn am Fenster seines Arbeitszimmers stehend und hinaussehend. Er konnte den Grund nicht benennen, aber f\u00fcr einen kurzen Augenblick hatte er Maria als Absender im Verdacht. Doch noch im selben Moment verwarf er diese Vermutung als abwegig. Er kannte Marias Stil bestens. Ihre Strichf\u00fchrung war fast weich, doch nicht weniger ausdrucksstark. Diese Zeichnung war in einem ganz anderen gehalten; kraftvoll, sicher. Mit wenigen Strich hatte es der K\u00fcnstler verstanden, das Wesentliche zu erfassen. Ganz abgesehen von der Signatur, \u203aJT\u2039, beide Buchstaben ineinanderverschlungen. Maria dagegen signierte mit einem einfachen n\u00fcchternen \u203aM\u2039 ohne jeden Schn\u00f6rkel.<\/p>\n<p class=\"einzug\"><!--more--><\/a>Am unteren Rand war ein Datum vermerkt und einige Worte in einer kraftvollen, sch\u00f6n geschwungenen Handschrift geschrieben. Das Datum war jenes, an dem er das erste Mal zu der \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039 hin\u00fcbergesehen hatte, wie sie sich auf das Gel\u00e4nder vor ihrem Schlafzimmerfenster st\u00fctzte und scheinbar vertr\u00e4umt in den Garten hinuntersah.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"einzug\"><i>Ich erwarte Dich ausschlie\u00dflich in Deiner schicken Latexjeans und einem Latex-Shirt.<\/i><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Er mu\u00dfte die Worte mehrmals lesen, ehe ihm bewu\u00dft wurde, da\u00df nur eine Person, allein auf Grund Perspektive, diese Zeichnung angefertigt haben konnte; die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039. Demnach hatte sie ihn gesehen. Sie mu\u00df demnach von Anfang an gewu\u00dft haben, da\u00df er sie beobachtete, ebenso wie er ihr beim Liebesspiel mit dem sch\u00f6nen J\u00fcngling oder der \u203aSch\u00f6nen \u00dcppigen\u2039 zugesehen hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Schuldgef\u00fchle nahmen von ihm Besitz. Die Handfl\u00e4chen wurden ihm feucht und die H\u00e4nde zitterten leicht. Er f\u00fchlte sich wie ein ertappter B\u00f6sewicht, der sich stets unbeobachtet geglaubt hatte und nun seinen fatalen Irrtum erkennen mu\u00dfte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er mu\u00dfte sich setzten. Er legte die Zeichnung auf den Schreibtisch. Er sah durch das halboffene Fenster auf die Villa gegen\u00fcber. Herbstlaub wehte von den B\u00e4umen herab.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Dort waren in Anbetracht des sch\u00f6nen Herbsttages alle Fenster wie auch die Terrassent\u00fcr ge\u00f6ffnet. Die Gardinen spielten im Wind. Doch nirgends zeigte sich seine Nachbarin, was ihm im Augenblick ganz recht war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Der erste Schock legte sich und er las erneut die kurze Botschaft. \u00bb<i>Ich erwartete Dich ausschlie\u00dflich in Deiner schicken Latexjeans und einem Latex-Shirt<\/i>\u00ab klang wenig nach der Absicht einem die Leviten zu lesen, zu tun, zumindest nicht wie es gew\u00f6hnlich verstanden wird.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sich selbst einen Hasenfu\u00df schimpfend, weil mal wieder die Phantasie mit ihm durchgegangen war, als Folge einer \u00dcberraschung, lehnte er sich zur\u00fcck und dachte nach.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Eigentlich gab es nur eins, was er tun konnte; der Einladung Folge leisten. Tat er es nicht, w\u00fcrde er sich tats\u00e4chlich als vulg\u00e4rer Spanner entlarven. Was sie dann unternehmen w\u00fcrde, wagte er nicht, sich auszumalen. Mit der Gewi\u00dfheit keine Alternative zu haben und auch keine haben zu wollen, sollte er ehrlich sein, stand er auf und ging ins Bad, um sich ein wenig frisch zu machen und das von ihr gew\u00fcnschte anzuziehen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er verlie\u00df das Haus, zog die T\u00fcr leise hinter sich ins Schlo\u00df.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ein wenig nerv\u00f6s, fast wie ein Penn\u00e4ler vor seinem ersten Rendezvous, stand er vor ihrem Gartentor. Beim \u00d6ffnen quietschte es unnat\u00fcrlich laut. Er schritt \u00fcber den breiten Kiesweg auf die Terrasse zu.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Niemand zeigte sich, weder auf der Terrasse noch oben an einem der Fenster. Er ging ungew\u00f6hnlich langsam, fast z\u00f6gerlich auf das Haus zu. Sein Herz schlug schneller.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Bevor er durch die offene Terrassent\u00fcr trat, er war \u00fcberzeugt, da\u00df sie seinetwegen ge\u00f6ffnet war und da\u00df ihm, h\u00e4tte er an der Eingangst\u00fcr geklingelt, nicht ge\u00f6ffnet worden w\u00e4re, blieb er am Rand der Terrasse stehen und sah an der Fassade hinauf.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00dcber ihm befand sich das Schlafzimmerfenster. Die Gardine war halb zugezogen und wehte leicht im Luftzug. Nat\u00fcrlich stand niemand am Fenster und doch hatte er das Gef\u00fchl, schon mehr die Gewi\u00dfheit, da\u00df jeder seiner Schritte beobachtet wurde.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er gab sich einen Ruck und trat durch die Terrassent\u00fcr ins Haus. Er hatte das Gef\u00fchl, da\u00df seine Schritte unnat\u00fcrlich laut auf dem hellen Parkett hallten. Er sah sich kurz um. Die Einrichtung war tats\u00e4chlich so geschmackvoll, wie sie aus der Entfernung erschien. Das Wohnzimmer war lediglich mit dem wesentlichen m\u00f6bliert und somit von einer wohltuenden Luftigkeit. An den W\u00e4nden hingen gerahmte Zeichnungen und einige \u00d6lbilder. Er nahm sich nicht die Zeit, sie n\u00e4her in Augenschein zu nehmen, daf\u00fcr fehlte ihm derzeit die Ruhe. Er erkannte nur, da\u00df sie figurativ und mit hoher Wahrscheinlich ausnahmslos von <i>ihr<\/i> waren.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die T\u00fcr zum ger\u00e4umigen Flur stand offen. Er setzte seinen Weg fort.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Der Flur war im Schachbrettmuster gefliest. Die Steinstufen der Treppe waren leicht ausgetreten. Eine T\u00fcr war angelehnt. Sie f\u00fchrte in die K\u00fcche. Er warf einen kurzen Blick hinein. Ein altmodischer blankgeputzter Herd, der mehr der Zierde diente, denn ein moderner Gasherd stand nahe dem Fenster, das nach hinten hinaussah, beherrschte den Raum. Die K\u00fcche war sauber und nur die ganz allt\u00e4gliche Unordnung zeugte davon, da\u00df hier jemand wohnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er hielt sich lediglich einen Augenblick hier auf. Die T\u00fcren der \u00fcbrigen Zimmer im Erdgescho\u00df waren geschlossen. Die Villa schien ger\u00e4umiger zu sein, als von seinem Haus aus zu erkennen war. Da er \u00fcberzeugt war, hier unten niemanden anzutreffen, ging er die Treppe hinauf.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Oben waren weniger Zimmer, schlie\u00dflich nahm das Atelier die halbe Etage ein. Au\u00dfer dem zu seinem Haus hinausliegenden Schlaf- und Badezimmer, gab es noch zwei andere, in die er einen kurzen Blick warf. Das eine war offensichtlich das G\u00e4stezimmer, das andere, das gr\u00f6\u00dfere diente als Archiv. Regale, in denen Mappen mit Zeichnungen lagen, gro\u00dfe Schachteln, die vermutlich \u00c4hnliches enthielten, ein Sortiment neuer Pinsel und unangebrochene Kartons mit Zeichenkohle, Aquarell- und \u00d6lfarben und \u00e4hnliches und auf Keilrahmen aufgespannte und in Luftpolsterfolie eingeschlagene fertige Bilder.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ein kurzer Blick durch die offen stehende Schlafzimmert\u00fcr \u00fcberzeugte ihn, da\u00df auch hier niemand war. Dennoch verweilte er einen Augenblick im T\u00fcrrahmen stehend.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Das Schlafzimmer war gr\u00f6\u00dfer als er vermutet hatte. Trotz der beiden, es erhellenden Fenster hatte er nur einen kleinen Teil einsehen k\u00f6nnen. Daf\u00fcr war der Spiegelschrank etwas kleiner. Er mu\u00dfte schmunzeln, als er das gro\u00dfe rote Latexlaken auf dem Bett sah, das zu beiden Seiten bis fast auf den Boden hinunter reichte, und die beiden mit blauem Latex bezogenen Kopfkissen darauf, wodurch das Zimmer von einem leichten Latexaroma erf\u00fcllt wurde. \u00dcber dem Bett hingen drei gerahmte erotische Kohlezeichnungen, die Paare beim Liebesspiel auf eine sinnlich vertr\u00e4umte Weise zeigten. Diese waren eindeutig nicht von der \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039. Die Signatur war eine andere. Auch der Stil der Frisuren und der Kleidung oder das wenige, was sie trugen, lie\u00dfen auf eine Entstehung w\u00e4hrend der ersten H\u00e4lfte des zwanzigsten Jahrhunderts schlie\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er verlie\u00df das Schlafzimmer und ging ins Atelier. Auch hier war niemand. Ein Geruch nach \u00d6lfarben, Kohlestiften und Zitrusterpentin schlug ihm entgegen. Das l\u00e4ngst fertige Bild der \u203aSch\u00f6nen \u00dcppigen\u2039 stand auf der Staffelei, das Pendant, den J\u00fcngling, konnte er nirgends entdecken. Vermutlich war es bei den anderen, die mit dem Gesicht zur Wand auf dem Boden standen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er konnte nicht anders, das Bild der \u203aSch\u00f6nen \u00dcppigen\u2039 zog ihn an. Er betrachtete es ausgiebig, fuhr mit den Blicken an jeder Linie entlang. Je mehr er sich in die Betrachtung vertiefte, desto mehr hatte er den Eindruck, als stiege diese faszinierend sch\u00f6ne barocke Venus gleich zu ihm herab. Er ben\u00f6tigte einen Moment, bis er begriff, das etwas an diesem Bild anders war, als er es im Ged\u00e4chtnis hatte, schlie\u00dflich hatte er dessen Entstehung vor mehr als drei Monaten beobachten k\u00f6nnen. Dann erkannte er schlagartig den Unterschied. Er konnte den Grund nicht nennen, weshalb es ihm nicht sogleich aufgefallen war. Vielleicht lag es daran, da\u00df er \u00fcberzeugt war, es handelte sich um das Bild der \u203aSch\u00f6nen \u00dcppigen\u2039, so da\u00df er auf das Gesicht der Dargestellten nicht so recht geachtet, sondern sich ausschlie\u00dflich ihrem K\u00f6rper gewidmet hatte. Das Bild zeigte aber nicht die \u203aSch\u00f6ne \u00dcppige\u2039, sondern Viviane, wenngleich es nicht eins zu eins Vivianes K\u00f6rper darstellte, nicht so, als h\u00e4tte Viviane der Malerin pers\u00f6nlich Modell gestanden. Allerdings hatte die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039 \u00fcber drei Monate hinweg Zeit gehabt, Viviane zu beobachten, zumal sie ja oft an warmen Tagen nackt auf seiner Terrasse auf einer Liege geruht hatte, die problemlos von der Villa aus einzusehen war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Im Haus herrschte Stille. Seine Atemz\u00fcge schienen die einzigen Ger\u00e4usche sein. Von drau\u00dfen drang nur das leise Rauschen des Laubes herein, untermalt vom schwachen Brummen eines Traktors aus der Ferne. Ein leichter hereinkommender Windsto\u00df lie\u00df Papier rascheln und lenkte seine Aufmerksamkeit von dem Bild ab und zum Zeichentisch hin.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Erst jetzt nahm er die vielen, in drei Gruppen geordneten Zeichnungen wahr, die dort lagen. Neugierig ging er zum Zeichentisch.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die erste Gruppe bestand aus datierten Zeichnungen, die ihn am Fenster stehend und zur Villa hin\u00fcbersehend zeigten, wenn auch ohne Fernglas. Sofern er sich nach der inzwischen verflossenen Zeit erinnern konnte, stimmten die Daten mit den Tagen \u00fcberein, an denen er lange zu ihr hin\u00fcbergesehen hatte. Es gelang ihm sogar den Zeitpunkt seiner morgendlichen Beobachtungen zu bestimmen, vor allem die Tage, an dem er sie zwischen Laken aus Latex hatte schlafen sehen. Was ihn nach Vivianes Portrait nicht mehr erstaunte: sie waren in keiner Weise anklagend, sondern zeigte ihn mit dem romantisch verkl\u00e4rten Eindruck des zur\u00fcckhaltenden Bewunderers. Es fiel ihm zun\u00e4chst nicht leicht, sich darin wiederzuerkennen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die zweite Gruppe der gleichfalls datierten Zeichnungen versetzte ihm dagegen einen gelinden Schock. Sie zeigten ihn gemeinsam mit Viviane und Bettina beim Sex. Im ersten Moment glaubte er, da\u00df sie zuv\u00f6rderst nach der Phantasie gezeichnet sein mu\u00dften, denn sie besa\u00df ja keinen Einblick in sein Schlafzimmer, das nach vorne hinauslag und nur mit Viviane hatte er auch in seinem Arbeitszimmer und fr\u00fch am Morgen im Garten gev\u00f6gelt. Doch dann schalt er sich f\u00fcr sein schlechtes Ged\u00e4chtnis, schlie\u00dflich hatte er auch mit Bettina im Arbeitszimmer gev\u00f6gelt, als sie nach der Party im Swinger-Club nach Hause zur\u00fcckgekehrt waren. Die Zeichnungen zeigten sie dabei ausschlie\u00dflich in Latex. \u00dcberhaupt gelang es der \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039 die besonderen haptischen und optischen Eigenschaften von Latex in das Medium der Zeichnung zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Doch die \u00fcberw\u00e4ltigende Zahl der Zeichnungen zeigten Viviane und ihn. Da waren die kleinen V\u00f6geleien in seinem Arbeitszimmer, im morgendlichen Garten, doch vor allem ihre besondere Session. Bei mancher hatte er das Gef\u00fchl, da\u00df sie mit ihnen im Zimmer gewesen sein mu\u00dfte. Es war zu sehen, wie Viviane ihn heftig geohrfeigt hatte, ihm in die Haare gefa\u00dft, sich von ihm den Anus mit der Zunge hatte s\u00e4ubern lassen. \u00dcberhaupt hatte sie gerade Viviane auf eine Weise dargestellt, die nicht nur lebensecht war, sondern eine Identifikation mit ihr bedeutete. Es war offenkundig, da\u00df die Urheberin der Zeichnungen mit Viviane nur zu gerne tauschen w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er wurde sich der Ironie bewu\u00dft, da\u00df hier der sich unentdeckt geglaubte Beobachter nicht nur von Anfang an beobachtet worden war, sondern sein Beobachter weitaus tiefer in seine Intimsph\u00e4re eingedrungen war, als er es selbst gewagt h\u00e4tte, ohne es jemals zu bemerken.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er konnte im ersten Moment nicht sagen, was ihn mehr erstaunte, da\u00df er beim Sex und beim Spielen beobachtet worden war, oder da\u00df eine K\u00fcnstlerin dies festgehalten hatte. Er empfand das als Kompliment.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Hatte schon die zweite Gruppe Zeichnungen ihn nicht wenig irritiert, so traf es f\u00fcr die letzte erst recht zu. Es war nicht nur, da\u00df diese ihn wieder beim Sex und Spielen zeigten, sondern da\u00df sie ihn mit <i>ihr<\/i> zeigten, mit der \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039. Viele der Szenen mit Viviane fanden hier eine Wiederholung, jedoch mit der \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039 anstelle von Viviane, insbesondere ihrer ausf\u00fchrlichen Session, deren letzte Spuren erst nach fast zwei Wochen von seinem Hintern verschwunden waren. Auf einigen wenigen, die ihre Vorlagen nicht in Beobachtungen haben konnten, lag sie r\u00fccklings in einem Ganzanzug auf ihrem Bett, \u00fcber den ein Laken aus Latex gebreitet war, und pinkelte gen\u00fc\u00dflich, so da\u00df es lustvoll aufs Laken prasselte, dabei war er in R\u00fcckenansicht an den linken Rand plaziert, so da\u00df es unzweifelhaft war, da\u00df er ihr zusah. Das beantwortete seine Frage, ob es sie es Birgit gleichtat. Auf zwei anderen lag eindeutig er auf dem R\u00fccken, gleichfalls in Latex, sie kniete \u00fcber ihn und urinierte auf ihn, w\u00e4hrend seine Mimik un\u00fcbersehbar Genu\u00df widerspiegelte, was ihn schmunzeln lie\u00df und ihn dabei ein wohliges Gef\u00fchl durchstr\u00f6mte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Insgesamt waren diese Zeichnungen, die erotischen Phantasien einer Frau von einer faszinierenden Sch\u00f6nheit, etwas anderes konnte er dazu nicht sagen, wollte er ihnen gerecht werden. Sie waren ausnahmslos mit Leidenschaft gezeichnet. Manche mit schnellen Strichen, mehr Skizze als ausgearbeitete Zeichnung, mehr im Fieber der Erregung entstanden, die die abgebildete Phantasie verursacht hatte. Andere wiederum waren sorgf\u00e4ltig ausgef\u00fchrte Federzeichnungen, oft aquarelliert, jeder Muskel, jede Falte der Latexkleidung, die sie trugen, der Laken, auf denen sie lagen. Viviane dralle Formen waren un\u00fcbersehbar mit den Augen einer Liebhaberin \u00fcppiger Weiblichkeit dargestellt. Diejenigen, die die Freuden gemeinsamer Urolagnie zeigten, erschienen ihm derart lebendig, da\u00df er sich scheute, die Bl\u00e4tter schr\u00e4g zu halten, damit es nicht etwa auf den Tisch oder Boden lief.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Selbst wenn sie auf allen Zeichnungen den Ton anzugeben schien, so war es doch keine egoistische Dominanz, die sie dargestellt hatte. Bisweilen war eher das Gegenteil der Fall. Auf einigen Bl\u00e4ttern, die auf den ersten Blick St\u00e4rke suggerierten, war zugleich Verletzlichkeit zu entdecken, Labilit\u00e4t der Situation, die Gefahr, da\u00df Leidenschaft schnell in Gleichg\u00fcltigkeit oder gar Ablehnung umschlagen konnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Doch sollten die Zeichnungen nicht allein erotische Szenen zwischen ihr und ihm zeigen, sondern waren eindeutige Hinweise, was ihr gefiel, was sie mochte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Je intensiver und faszinierter er diese Zeichnungen betrachtete, desto lebendiger schien ihm die Gegenwart der \u203aSch\u00f6nen K\u00fcnstlerin\u2039 zu werden, meinte er sie in seiner N\u00e4he zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ein erneuter Windsto\u00df lie\u00df einige der Zeichnungen auf dem Tisch rascheln. Er sah auf. Sein Blick fiel auf sein Haus. F\u00fcr den Augenblick glaubte er, sie am Fenster seines Arbeitszimmers stehen zu sehen. Aber es war nur die Gardine, die sich im Wind bewegte. Er hatte vergessen, das Fenster zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Dieser Luftzug hatte einen neuen Duft hereingetragen, einen, der sich von den typischen Atelierger\u00fcchen abhob. Ein fruchtiges herbes Aroma, das intensiver wurde und mit k\u00f6rperwarmen Latex vermischt war. Aber nicht nur der Geruch hatte sich ver\u00e4ndert, auch hatte er das Gef\u00fchl, nicht mehr allein zu sein, obwohl er keinerlei Schritte vernommen hatte. Doch war er derart in die Betrachtung der Zeichnungen vertieft, da\u00df er nicht darauf geachtet hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Dieses Gef\u00fchl der Gegenwart eines anderen Menschen wurde k\u00f6rperlich sp\u00fcrbar. Er scheute sich f\u00fcr einen Moment, sich umzuwenden, aber er war nicht Orpheus, w\u00fcrde er sich zu fr\u00fch umdrehen, verblieb seine Eurydike nicht im Reich der Toten, derart dramatisch ging es nur in der antiken Sagenwelt zu.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er drehte sich um. Sie stand hinter ihm, vielleicht drei Schritte von ihm entfernt, im Ganzanzug aus ihrem geliebten metallicblauem Latex, mit neuen ACQUO-Boots in der gr\u00f6\u00dften Schaftl\u00e4nge, das lange dichte Haar streng im Nacken zusammengebunden und verf\u00fchrerisch geschminkt. Aus der N\u00e4he wirkte sie ein wenig \u00e4lter, aber auf vorteilhafte Weise. Sie l\u00e4chelte ihn an. Ihre Blicke trafen sich. Niemand sagte ein Wort. Er h\u00e4tte auch nicht gewu\u00dft, was er sagen sollte. Er versuchte seine innere Verlegenheit nicht nach au\u00dfen dringen zu lassen. Er bef\u00fcrchtete sogar, da\u00df jede \u00c4u\u00dferung die zwischen ihnen bestehende Stimmung zerst\u00f6ren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie kam auf ihn zu. Sie war fast so gro\u00df wie er. Sie nahm ihm die Zeichnungen aus der Hand und legte sie auf den Tisch. Dann fa\u00dfte sie ihm in den Schritt und brachte ihn mit geschicktem Druck dazu, vor ihr in die Knie zu gehen. Sie l\u00e4chelte zufrieden, weil er im selben Moment eine Erektion bekam. Kaum kniete er vor ihr, beugte sie sich hinunter, packte ihn in den Nacken und dr\u00fcckte ihn so weit hinunter, bis er mit dem Gesicht ihren rechten Fu\u00df ber\u00fchrte. F\u00fcr einen Moment behielt sie den Druck aufrecht. Dann l\u00f6ste sie ihn und gab ihm mit einer Geste zu verstehen, da\u00df er sich wieder aufrichten sollte. Er hielt in demutsvoller Haltung den Blick gesenkt. Er h\u00f6rte ihr zufriedenes Lachen. Er hatte sich ihr unterworfen und hat ihre Zustimmung erhalten. Die Rollen waren festgelegt. Das war alles an Unterwerfung, was sie von ihm f\u00fcr heute verlangte. Sie ging mit ihm ins Schlafzimmer.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Als sie sp\u00e4ter auf dem nun nassen Laken aus rotem Latex lagen, w\u00e4hrend der Wind mit der Gardine spielte, dachte er, da\u00df sie jetzt gut von seinem Fenster aus beobachtet werden konnten. Aber das war ihm gleich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fortsetzung und das Ende von: Der Einzug, Die \u203aSch\u00f6ne K\u00fcnstlerin\u2039, Der sch\u00f6ne J\u00fcngling, Bettina, Ein Wochenende mit Bettina, Begegnung im Mondschein, Die \u203aSch\u00f6ne \u00dcppige\u2039, Viviane, Erinnerungen an Swaantje, Eine Session mit Viviane, Ein sonnt\u00e4glicher Regenspaziergang und Wieder allein \u00a0 Der gro\u00dfe Umschlag ohne Absender, nur mit seinem Namen in Druckbuchstaben, wenn auch in geschickter [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[52,37,32],"tags":[61,50,74,38,41],"class_list":["post-4819","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erotisches","category-kurze-geschichten","category-literarisches","tag-erotisches","tag-fetisch","tag-gummifetisch","tag-kurzgeschichten","tag-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4819","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4819"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4819\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8592,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4819\/revisions\/8592"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4819"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4819"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4819"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}