{"id":4852,"date":"2017-05-26T23:40:51","date_gmt":"2017-05-26T21:40:51","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=4852"},"modified":"2026-04-12T14:32:23","modified_gmt":"2026-04-12T12:32:23","slug":"kurzes-108-nachhilfe-tut-not","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=4852","title":{"rendered":"Kurzes #108 \u00b7 Nachhilfe tut Not"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20170402_013_800_2.jpg\" \/><\/p>\n<p>\u00bbWas ist mit Ihnen los? Sie sind bereits zum zweiten Mal durch meine Pr\u00fcfung gefallen. Erneut mit dem schlechtesten Ergebnis, was mir unbegreiflich ist. Ich frage doch lediglich Grundlagen ab. Es f\u00e4llt Ihnen doch sonst leichter. Sie haben doch so gut wie alle Scheine beisammen. Wollen Sie das alles aufs Spiel setzen?\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ulla senkte unter den v\u00e4terlich strengen Worten ihres Baustoffkundeprofessors mehr als nur schuldbewu\u00dft den Blick. Er hatte mit allem recht und gerade das machte es so schlimm. Sie verstand es ja selbst nicht. Es ging wirklich nur ums blo\u00dfe Auswendiglernen, was ihr noch nie schwergefallen war.<\/p>\n<p class=\"einzug\"><!--more-->Herbodtsheim unterbrach seine \u203aStandpauke\u2039 und betrachtete die bildh\u00fcbsche junge Frau, die wie die sprichw\u00f6rtliche arme S\u00fcndern in sich zusammengesunken auf dem Stuhl ihm gegen\u00fcber sa\u00df. In der Regel brachte er eine geh\u00f6rige Portion Skepsis Studentinnen entgegen, die aussahen, als w\u00e4ren sie soeben den Titelseiten diverser Hochglanzmodemagazinen entstiegen. Das mochte bei Geisteswissenschaftlerinnen, Juristinnen und BWLerinnen nicht nur angehen, sondern sogar erw\u00fcnscht sein, aber bei einer zuk\u00fcnftigen Ingenieurin fand er es fehl am Platz. Eine Baustelle ist nun einmal nicht der angemessene Ort f\u00fcr eine Modenschau. Doch bei dieser jungen Frau war einiges anders. Sie war flei\u00dfig und intelligent. W\u00e4hrend einer Unterhaltung mit ihr traten die \u00c4u\u00dferlichkeiten in den Hintergrund. Allerdings konnte er sie sich in Cordhosen und derben Schuhen auch gar nicht so recht vorstellen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ulla f\u00fchlte eine leichte \u00dcbelkeit aufsteigen. Herbodtsheim hatte aufgeh\u00f6rt zu reden und sah sie mit v\u00e4terlichem Wohlwollen an, was sie absolut nicht mochte. Es gen\u00fcgte, wenn ihr leiblicher Vater sie so ansah. \u00dcberhaupt hatten er und Herbotsheim manches gemein.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWei\u00df Ihr Vater von Ihren Schwierigkeiten?\u00ab fragte er teilnahmsvoll.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie schrak auf und err\u00f6tete leicht. Doch Herbodtsheim schien es nicht zu bemerken.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbNein, bisher nicht. Ich m\u00f6chte ihn nicht unn\u00f6tig beunruhigen\u00ab, erwiderte sie mit leicht zitternder Stimme.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbSie sollten unbedingt mit ihm dar\u00fcber sprechen. Er rechnet schlie\u00dflich damit, da\u00df Sie einmal sein Konstruktionsb\u00fcro \u00fcbernehmen werden.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbJa, das tut er\u00ab, erwiderte sie und unterdr\u00fcckte einen Seufzer.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Seit der Oberstufe hatte ihr Vater kaum von etwas anderem gesprochen, sobald es ihre berufliche Zukunft betraf. Er unterst\u00fctzte sie finanziell gro\u00dfz\u00fcgig, damit sie sich vollst\u00e4ndig auf ihr Studium konzentrieren und sich die Dinge leisten konnte, die sie brauchte, um vom Stre\u00df des Studiums abschalten zu k\u00f6nnen, was ihr bei den Kommilitonen den Ruf einer Prinzessin eingebracht hatte. Lediglich ihre guten Leistungen und ihr offenes, fr\u00f6hliches Wesen verhinderten, da\u00df sie als eine verw\u00f6hnte h\u00f6here Tochter abgestempelt wurde, die nur zum Spa\u00df studiert. Ihr bisher gutes Abschneiden bei den meisten Pr\u00fcfungen hatte ihren Vater Stolz auf seine \u203asch\u00f6ne und kluge\u2039 Tochter werden lassen. Mittlerweile wu\u00dften so gut wie alle seine Gesch\u00e4ftsfreunde und Kunden, da\u00df sie mittelfristig eine nicht unwichtige Rolle in seinem renommierten B\u00fcro f\u00fcr Tragwerksplanung spielen w\u00fcrde. Lediglich den Zeitpunkt, an dem er sich selbst aus dem Gesch\u00e4ft zur\u00fcckziehen w\u00fcrde, hatte er noch nicht festgesetzt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbIch sch\u00e4tze Ihren Vater\u00ab, fuhr Herbotsheim im Plauderton fort. \u00bbIch hatte das Vergn\u00fcgen, ihm auf verschiedenen Tagungen zu begegnen. Ich bin \u00fcberzeugt, da\u00df Sie das Zeug haben, in seine Fu\u00dfstapfen zu treten. Darum w\u00e4re es doppelt \u00e4rgerlich, w\u00e4re Ihnen wegen <i>eines<\/i> Scheins eine vielversprechende Karriere verbaut. Vielleicht sollten Sie einfach eine Auszeit nehmen. Zeitlich sind Sie gut im Rennen und Sie stehen nicht unter finanziellem Druck, wie die meisten Ihrer Kommilitonen.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie sch\u00fcttelte entschieden den Kopf.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbNein, das w\u00e4re nicht gut. Ich f\u00fcrchte auch, da\u00df mir die Ruhe dazu fehlt. Au\u00dferdem hat mein Vater mir angeboten, da\u00df ich nach meinem Abschlu\u00df, wenn ich m\u00f6chte, ein Jahr oder auch etwas l\u00e4nger tun und lassen kann was ich will, bevor ich in die Firma eintrete.\u00ab Und au\u00dferdem w\u00fcrde ich das Studium gerne endlich hinter mich bringen, da es mich langsam zu nerven beginnt, f\u00fcgte sie in Gedanken hinzu.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbSie m\u00fcssen es wissen\u00ab, erwiderte Herbotsheim etwas k\u00fchl, weil sie seinen gut gemeinten v\u00e4terlichen Rat nicht einmal \u00fcberdenken wollte. \u00bbVielleicht sollten Sie sich intensiv mit jemanden vorbereiten, der die Pr\u00fcfung bereits bestanden hat\u00ab, riet er ihr und gab ihr zugleich zu verstehen, da\u00df er das Gespr\u00e4ch damit als beendet betrachtete.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mit leicht zitternden Knien stand sie auf, froh, entlassen zu sein.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Drau\u00dfen auf dem Gang atmete sie tief durch, ehe sie den Geb\u00e4udetrakt der Ingenieurswissenschaftlichen Fakult\u00e4t verlie\u00df, in dem die Professoren ihre B\u00fcros hatten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">N\u00e4her betrachtet war sein Vorschlag die einzig erfolgversprechende M\u00f6glichkeit, die Pr\u00fcfung beim n\u00e4chsten Mal zu bestehen. Leicht fiel ihr die Erkenntnis nicht. Sie, die immer nur Nachhilfestunden gegeben und sich, seit der achten Klasse damit betr\u00e4chtlich ihr Taschengeld aufgebessert hatte, brauchte zum allerersten Mal in ihrem Leben selbst welche, alles sch\u00f6n und gut, nur von wem?<\/p>\n<p class=\"einzug\">Spontan fiel ihr niemand ein. Zumindest keiner, der nicht eine gewisse Schadenfreude an den Tag legen w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nachdenklich betrat sie die kleine Cafeteria.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wie an einem Freitagnachmittag \u00fcblich war nicht viel los. Entweder fuhr man nach Hause oder hatte Besseres zu tun, als sich noch in der Alma mater aufzuhalten, weshalb sie auch nicht damit rechnete, hier irgendeinem Bekannten zu begegnen. Sie holte sich einen Kaffee, der zwar nichts Besonderes, aber immerhin genie\u00dfbar und hei\u00df war, und setzte sich an einen Tisch, von dem aus sie den Raum bequem \u00fcberblicken konnte, ohne selbst sogleich ins Blickfeld Hereinkommender zu geraten. Sie streckte die sch\u00f6nen zartbestrumpften langen Beine aus, trank von ihrem Kaffee und lie\u00df die Blicke gedankenverloren schweifen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">R\u00fcdiger, wie \u00fcblich in der N\u00e4he des Eingangs sitzend, war er alleine, war \u00fcberrascht sie an einem Freitagnachmittag, um diese Zeit hier noch zu sehen. Sie machte keinen gl\u00fccklichen Eindruck. Es war nicht zu \u00fcbersehen, da\u00df sie etwas bedr\u00fcckte. Er folgte ihr mit den Blicken, wie sie sich einen Kaffee holte und bei der gelangweilten Kassiererin bezahlte, die keinen Hehl daraus machte, da\u00df sie es f\u00fcr unsinnig ansah, Freitagnachmittag f\u00fcr die paar Studenten ge\u00f6ffnet zu lassen. Ulla steuerte einen Platz an, von dem sie nahezu den gesamten Raum im Blick hatte. Und obwohl sie ihre Blicke schweifen lie\u00df, nicht wirklich etwas sah.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Es war nicht falsch zu behaupten, da\u00df er seit dem ersten Semester auf eine besondere Weise in sie verliebt war. Aber das waren einige ihrer Kommilitonen und nicht nur die m\u00e4nnlichen, selbst wenn es die wenigsten zug\u00e4ben. Doch ernsthaft hatte er sich nie Hoffnungen gemacht, wie letztlich alle. Er war alles andere als sch\u00fcchtern, das war es nicht. Aber sie geh\u00f6rte nun einmal zu den Frauen, bei denen scheinbar nur bestimmte M\u00e4nner landen k\u00f6nnen. Zuerst hatte er in ihr lediglich eine von diesen verw\u00f6hnten \u203aH\u00f6heren T\u00f6chtern\u2039 gesehen, die mehr aus Langeweile irgendein Fach studieren, doch hatte er seine Meinung schnell \u00e4ndern m\u00fcssen, was ihn keine gro\u00dfe \u00dcberwindung gekostet hatte. Im Gegenteil war er erleichtert, da\u00df sich ein Klischee wieder einmal nicht bewahrheitet hatte. Sie war nicht nur ausnehmend attraktiv, sondern auch im gleichen Ma\u00dfe intelligent und von liebenswertem Wesen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie blickte schon eine geraume Zeit in seine Richtung und sah ihn doch nicht. Sie hielt die Tasse mit beiden H\u00e4nden, als wollte sie sich an ihr w\u00e4rmen, und nahm hin und wieder einen Schluck daraus. Es h\u00e4tte auch warmes Wasser sein k\u00f6nnen. Sie war derart mit ihren Gedanken besch\u00e4ftigt, da\u00df ihr der Unterschied nicht aufgefallen w\u00e4re. Ihr wollte einfach kein Kommilitone einfallen, dem sie sich h\u00e4tte anvertrauen wollen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">F\u00fcr einen Augenblick erwog sie, Angela zu bitten. Doch dann dachte sie daran, da\u00df Angela, seit sie sich vor ein paar Monaten von ihrer Freundin getrennt hatte, ihr eindeutige Avancen machte und sie f\u00fcrchtete, Angela k\u00f6nnte es zu ihrem Vorteil ausnutzen. Nicht da\u00df sie sich nicht vorstellen konnte, auch mit einer Frau zu v\u00f6geln, aber Angela w\u00e4re aus mehreren Gr\u00fcnden als letzte infrage gekommen. Ihr Bem\u00fchen, grunds\u00e4tzlich einen androgynen Eindruck zu erwecken, war nur einer davon. Wenn schon eine Frau, dann das, was in der Szene mit einer \u203aFemme\u2039 bezeichnet wird, gerne auch mollig. Sie entsprach dem Bild einer \u203aFemme\u2039 auf geradezu ideale Weise. Angelas fast schon derbe m\u00e4nnliche Art sie anzubaggern, stand als weiterer Minuspunkt auf der Liste.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Dar\u00fcber hinaus fiel ihr nur noch Wolfgang ein. Aber Wolfgang kam ebensowenig infrage. Er war ihr zwar nicht wirklich unsympathisch, besa\u00df jedoch ein paar Eigenheiten, f\u00fcr die er zum Teil wenig konnte, die ihr seine Gegenwart aber unangenehm werden lie\u00dfen. Es war nicht nur sein starkes Rauchen, so da\u00df er zwangsl\u00e4ufig beim Sprechen immer das Aroma eines kalten Aschenbechers verbreitete. Schlimmer war sein chronisches Magenleiden, so da\u00df er trotz der Einnahme spezieller Medikamente einen fortw\u00e4hrend unangenehmen Atem besa\u00df, das Rauchen verst\u00e4rkte das lediglich. Au\u00dferdem neigte er zur Ungeduld. Weshalb sie f\u00fcrchtete, da\u00df er rasch mi\u00dfmutig w\u00e4re, wenn sie etwas nicht so z\u00fcgig verstand wie sie aus seiner Sicht sollte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Es schien absurd zu sein, da\u00df es unter mehr als einhundert Kommilitonen nicht einen einzigen geben sollte, der f\u00fcr sie als Nachhilfelehrer infrage kam.<\/p>\n<p class=\"einzug\">R\u00fcdiger schlug das Buch zu, in dem er seit Ullas Eintreten nicht mehr gelesen hatte, und trank den Rest von seinem l\u00e4ngst erkalteten Tee. W\u00e4hrend er beinahe ungeniert den Blick auf Ullas langen Beinen ruhen lie\u00df \u2013 da\u00df sie wirklich ausschlie\u00dflich Str\u00fcmpfe und keine Strumpfhosen trug, hatte sein Kennerblick schnell herausgefunden \u2013, \u00fcberlegte er, ob er noch ein wenig bleiben sollte. Mit ihr w\u00fcrde sich sicherlich kein Gespr\u00e4ch ergeben und nicht nur auf Grund offenkundiger Geistesabwesenheit. Die wenigen Male, die sie sich beide seit ihrer Erstimmatrikulation miteinander unterhalten hatten, lie\u00dfen sich an den Fingern der rechten Hand abz\u00e4hlen. Wenn es \u00fcberhaupt die M\u00f6glichkeit gegeben haben sollte, da\u00df sich so etwas wie Freundschaft zwischen ihnen entwickelt \u2013 von einer Beziehung ganz zu schweigen \u2013, war diese l\u00e4ngst vor\u00fcbergegangen. Und vers\u00e4umten Gelegenheiten pflegte er grunds\u00e4tzlich nicht nachzutrauern.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mit einem kaum wahrnehmbaren Achselzucken stand er auf, packte gem\u00e4chlich seine Sachen zusammen und verlie\u00df die Cafeteria, ohne noch einmal zu ihr hin\u00fcberzusehen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbAch, R\u00fcdiger. H\u00e4ttest du vielleicht einen Moment Zeit?\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ullas leicht zitternde Stimme so dicht an seinem Ohr lie\u00df ihn erschrocken zusammenfahren. Er war vielleicht drei Schritte weit gekommen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbOh, tut mir leid, wenn ich dich st\u00f6re\u00ab, entschuldigte sie sich sichtlich verlegen, durch ihre innere Anspannung interpretierte sie seine Reaktion falsch.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nat\u00fcrlich, es war auch bl\u00f6d, ihm einfach hinterzulaufen. Er hatte sicher Besseres zu tun als einer Kommilitonin, die er kaum kannte, f\u00fcr eine Pr\u00fcfung zu helfen, die er bereits beim ersten Mal mit Leichtigkeit bestanden hatte. Er war nun einmal neben ihr einer der besten \u2013 sah man einmal von ihren Schwierigkeiten in Bauststoffkunde ab. Ihm schien noch mehr als ihr alles zuzufliegen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er blieb stehen und sah sie interessiert an. Sie hatte in diesem Moment etwas von einem kleinen leicht versch\u00fcchterten M\u00e4dchen an sich. Dieser Gegensatz zu ihrem \u00fcblichen selbstbewu\u00dften Auftreten stimmte ihn sanftm\u00fctig.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbNein, du st\u00f6rst nicht\u00ab, sagte er freundlich, war neugierig was sie wollte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDa bin ich aber froh\u00ab, entfuhr ihr ein ehrlicher Seufzer.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ein L\u00e4cheln umspielte seine Mundwinkel.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbIch m\u00f6chte dich um einen Gefallen bitten und ich kann verstehen, wenn du keine Zeit hast, es dir l\u00e4stig sein sollte. Ich mu\u00df Baustoffkunde unbedingt bestehen. Ich habe nur noch <i>einen<\/i> Versuch. Den darf ich nicht verpatzen. K\u00f6nntest du mit mir \u00fcben? Du mu\u00dft es auch nicht umsonst tun. Du bist der einzige, von dem ich wei\u00df, da\u00df er mir helfen kann\u00ab, sagte sie fast ohne Atem zu holen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ihr Mimik besa\u00df etwas so offen Bittendes und damit auch etwas \u00fcberaus R\u00fchrendes, da\u00df es ihm, selbst wenn er es vorgehabt h\u00e4tte, schwergefallen w\u00e4re, ihre Bitte abzulehnen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWarum nicht?\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWirklich?\u00ab Sie schien offenbar nicht mit seiner Zusage gerechnet haben. \u00bbDanke!\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Spontan dr\u00fcckte sie ihm einen Ku\u00df auf die rechte Wange.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbAm Montag besprechen wir alles weitere, ja? Ich mu\u00df jetzt los!\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er schaute ihr leicht kopfsch\u00fcttelnd nach, wie sie sich mit schnellen und sicheren Schritten auf ihren hohen Abs\u00e4tzen entfernte. Die Stelle wo sie fl\u00fcchtig seine Wange mit den Lippen ber\u00fchrt hatte, pulsierte angenehm warm.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie war so erleichtert \u00fcber seine Zusage, da\u00df sie nicht einem Moment auf den Gedanken kam, ob es ihm \u00fcberhaupt recht gewesen war, ihm ihre Freude so famili\u00e4r zu zeigen. Sie konnte nicht verstehen, warum sie nicht gleich auf ihn gekommen war. Er war nett. Sah gut aus. Sie wu\u00dfte von keiner \u203aUnart\u2039. Er war f\u00fcr seine sprichw\u00f6rtliche Engelsgeduld bekannt, solange man sie nicht \u00fcber Geb\u00fchr strapazierte. Sie gab zu, da\u00df sie zu Anfang ihres Studiums ein wenig in ihn verknallt gewesen war. Aber da er sich nie wirklich f\u00fcr sie zu interessieren schien, hatte es sich auf ihrer Seite schnell wieder abgek\u00fchlt.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Aber so ist es nun einmal mit Typen, bei denen die Frauen Schlange stehen, weil sie das gewisse Etwas haben, das anderen fehlt und das sich eigentlich nicht wirklich beschreiben l\u00e4\u00dft. Je mehr man versucht, es beschreiben, umso mehr mu\u00df man erkennen, da\u00df man sich vom Wesentlichen entfernt anstelle sich diesem zu n\u00e4hern.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Vielleicht war sie auch gar nicht sein Typ. Doch war es m\u00fc\u00dfig dar\u00fcber nachzudenken. Vermutlich war es auch besser, da\u00df bei ihm kaum die Gefahr bestand, angebaggert zu werden. Das w\u00fcrde ein entspanntes Lernverh\u00e4ltnis erm\u00f6glichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbWas ist mit Ihnen los? Sie sind bereits zum zweiten Mal durch meine Pr\u00fcfung gefallen. 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