{"id":4862,"date":"2017-05-31T22:40:35","date_gmt":"2017-05-31T20:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=4862"},"modified":"2026-04-12T14:53:09","modified_gmt":"2026-04-12T12:53:09","slug":"kurzes-109-unkonventionelle-massnahmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=4862","title":{"rendered":"Kurzes #110 \u00b7 Unkonventionelle Ma\u00dfnahmen"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/titel\/20140812_0124_800_2.jpg\" \/><\/p>\n<p><i>Fortsetzung von:<\/i> <a href=\"?p=4852\">Nachhife tut Not<\/a> <i>und<\/i> <a href=\"?p=4857\">Der wilhelminische Erziehungsratgeber<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00bbWir m\u00fcssen unbedingt miteinander reden\u00ab, sagte er anstelle einer Begr\u00fc\u00dfung, kaum da\u00df er hinter Ulla die T\u00fcr geschlossen hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Unsicher, wie sie seinen Vorschlag aufnehmen w\u00fcrde, war sein Tonfall ernster als beabsichtigt ausgefallen. Das versetzte ihr einen schmerzlichen Stich. Ihre Ahnung schien sich zu best\u00e4tigen, da\u00df er die Zusammenarbeit aufk\u00fcndigen wollte, doch hatte sie gehofft, er w\u00fcrde noch etwas Geduld mit ihr haben.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDu willst also aufh\u00f6ren\u00ab, klang ihre Stimme un\u00fcberh\u00f6rbar belegt.<\/p>\n<p class=\"einzug\"><!--more-->Sie sah ihn entt\u00e4uscht aus gro\u00dfen Augen an. Es war nicht allein, weil sie f\u00fcrchtete, er k\u00f6nne den Nachhilfeunterricht abbrechen, wenngleich sie das Andere noch vor sich selbst verbarg.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ihre Entt\u00e4uschung wiederum versetzte ihm einen Stich. Nicht nur, weil es ihm leidtat, da\u00df sie selbst kaum noch Hoffnung f\u00fcr sich sah.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ihr wurde bewu\u00dft, wieviel ihr daran lag, gerade mit <i>ihm<\/i> zu lernen \u2013 noch mehr als die Pr\u00fcfung zu bestehen \u2013 das war ein Mu\u00df, davon hing ihre Zukunft ab, immerhin stand die Arbeit von f\u00fcnf Jahren auf dem Spiel.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDas habe ich nicht gesagt\u00ab, beeilte er sich richtigzustellen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ihr Blick hellte sich auf. Beruhigt war sie aber noch nicht.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWas schl\u00e4gst du vor?\u00ab fragte sie, bereit, so ziemlich alles zu versuchen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDu wirst es bestimmt als absolute Schnapsidee ansehen, was ich gut verstehen k\u00f6nnte\u00ab, begann er mit der in den meisten F\u00e4llen v\u00f6llig ungeeigneten Salamitaktik.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbSolltest du das nicht mir \u00fcberlassen?\u00ab fragte sie h\u00f6flich aber ungeduldig. Sie ha\u00dfte nichts mehr als wenn jemand um den hei\u00dfen Brei herumredete.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbSicher, klar\u00ab, ging ihm selbst auf, da\u00df dies der falsche Weg war. Er atmete tief durch und sagte: \u00bbDein Problem ist mangelnde Aufmerksamkeit.\u00ab Sie nickte beipflichtend. Niemand wu\u00dfte das besser als sie selbst! \u00bbDarum habe ich mir etwas \u00fcberlegt, wodurch es dir leichter fallen k\u00f6nnte, dich zu konzentrieren. Es ist aber \u2013 sagen wir mal \u2013 etwas ungew\u00f6hnlich.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWenn es hilft\u00ab, meinte sie mit leichtem Achselzucken, obwohl sie sich nicht im geringsten vorstellen konnte, was er sich ausgedacht haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbDu w\u00e4rst wirklich bereit, es zu versuchen?\u00ab vergewisserte er sich nochmals.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie bejahte erneut, jetzt schon etwas ungehaltener. Reichte ihm nicht <i>ein<\/i> Ja? Das war typisch Mann, nie wirklich gerade heraus, selbst einer wie er nicht.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbAlso gut\u00ab, sagte er mehr zu sich selbst.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWas ist es?\u00ab fragte sie mehr neugierig als ungeduldig und sah sich im Zimmer um.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ihr fiel auf, da\u00df nur ein Stuhl am Tisch stand und ein Kissen auf dem Boden daneben lag. Aber sie brachte beides nicht miteinander in Verbindung.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbEs besteht darin\u00ab, begann er mit einer gewissen Feierlichkeit, feucht werdenden Handfl\u00e4chen und sich beschleunigendem Herzschlag, \u00bbda\u00df du w\u00e4hrend unserer Stunde vor dem Tisch knien wirst. Nat\u00fcrlich auf einem Kissen und nicht auf dem nackten Boden\u00ab, f\u00fcgte er schnell hinzu.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bb<i>Das<\/i> ist deine Idee?\u00ab Irgendwie hatte sie sich etwas anderes vorgestellt, mehr eine Art Meditations\u00fcbung oder etwas Vergleichbares.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbIch habe ja gesagt, da\u00df es ungew\u00f6hnlich ist. Ich kann verstehen, wenn du das f\u00fcr ausgemachten Schwachsinn h\u00e4ltst.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbIch habe nicht gesagt, da\u00df ich \u2013 wie du so sch\u00f6n sagst \u2013 das f\u00fcr ausgemachten Schwachsinn halte\u00ab, sagte sie in einem Tonfall als halte sie seine Aussage, es k\u00f6nne sich bei seinem Vorschlag um einen solchen handeln, f\u00fcr ausgemachten Schwachsinn. Ihr Widerspruchsgeist war geweckt. \u00bbIch habe nur nicht damit gerechnet. \u2013 Versuchen kann man\u2019s ja mal.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie schenkte ihm ein L\u00e4cheln, das ihn warm durchlief.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ohne ein weiteres Wort r\u00fcckte sie sich das Kissen zurecht und kniete sich darauf.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ihm fiel ein Stein vom Herzen. Da\u00df es so leicht sein w\u00fcrde h\u00e4tte er nicht gedacht.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er setzte sich auf den Stuhl neben ihr.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Es war eine merkw\u00fcrdige Situation. Zudem reichte sie ihm so mit dem Kopf nur noch bis zur Schulter. Aber es schien ihr merklich leichter zu fallen, sich zu konzentrieren, wenn auch noch nicht so gut, wie er sich gew\u00fcnscht h\u00e4tte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Im ersten Moment hatte es sie schon ein wenig am\u00fcsiert, es f\u00fcr einen netten Versuch gehalten, aber es schien tats\u00e4chlich zu wirken. Sie hatte sich das Knien leichter vorgestellt, vor allem durch das Kissen. Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig schnell mu\u00dfte sie erkennen, da\u00df es alles andere als eine bequeme Stellung war. Sie konnte nun gut nachvollziehen, warum in einer solchen Haltung Gebete stattfinden sollten \u2013 da ihre Eltern allem Religi\u00f6sen mit Ablehnung gegen\u00fcberstanden, war sie nicht getauft und mit dem ganzen Brimborium \u2013 wie sie es selbst beschrieb \u2013 nie Ber\u00fchrung gekommen und vermi\u00dfte es in keiner Weise. Allerdings w\u00e4re es ihm gegen\u00fcber nicht fair, w\u00fcrde sie wehleidig abbrechen. Schlie\u00dflich hatte er sich etwas dabei gedacht. Ihm mu\u00dfte wirklich viel an ihrem Erfolg liegen, wenn er sich gezwungen sah, zu derart ungew\u00f6hnlichen Methoden zu greifen. Hoffentlich merkte er nicht, da\u00df das Knien sie anstrengte. Sie mu\u00dfte sich ablenken, sich auf etwas anderes konzentrieren, den Schmerz vor\u00fcbergehend aus ihrem Bewu\u00dftsein verbannen. Sie bem\u00fchte sich, sich auf seine angenehme Stimme zu konzentrieren, seinen Erkl\u00e4rungen zu folgen. Je mehr sie sich darauf konzentrierte, desto mehr verga\u00df sie das unangenehme Gef\u00fchl in den Knien und den Oberschenkeln. \u00dcberrascht stellte sie ab einem bestimmten Punkt fest, da\u00df es ihr eine eigent\u00fcmliche Freude bereitete, durchzuhalten, ihr das \u00dcberwinden des Schmerzes sogar ein besonderes Lustgef\u00fchl bereitete.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Es entging ihm durchaus nicht, da\u00df es sie anstrengte. Aber sagte er ihr jetzt, da\u00df sie nicht weiterhin knien m\u00fcsse, wenn sie nicht mehr k\u00f6nne, w\u00fcrde das seine Autorit\u00e4t als Lehrer untergraben. Abgesehen davon h\u00e4tten sie nichts dabei gewonnen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Nach einer knappen Stunde fand er, da\u00df es f\u00fcr diesmal genug war. Sie hatten das bescheidene Pensum geschafft, das er f\u00fcr sie ausgesucht hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">So steif hatten sich ihre Gelenke noch nie angef\u00fchlt, war sie \u00fcberzeugt, als sie versuchte aufzustehen. Im ersten Moment gelang es ihr nicht so richtig, sich auf ihren hohen Abs\u00e4tzen zu halten, obwohl sie sonst absolut sicher darauf ging und sie ihr eigentlich gar nicht hoch genug sein konnten.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Hilfesuchend lehnte sie sich f\u00fcr einen Moment an ihn. Er fa\u00dfte sie st\u00fctzend um die Taille. Es war das erste Mal, da\u00df sie sich k\u00f6rperlich so nahe kamen. Obwohl die Ber\u00fchrung nur wenige Augenblicke dauerte, enthielt sie doch mehr als nur Hilfsbereitschaft, wenngleich beide das noch nicht so empfanden.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbWann sehen wir uns wieder?\u00ab fragte sie hoffnungsvoll.<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbMontag?\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbMontag pa\u00dft gut.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbGut.\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00bbIch finde, da\u00df es keine Schnapsidee von dir war\u00ab, sagte sie entschieden von einem L\u00e4cheln begleitet zum Abschied.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Er schlo\u00df die T\u00fcr hinter ihr und h\u00f6rte, wie sie fr\u00f6hlich die Treppe hinunterlief.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Das lief ja besser als er gehofft hatte. Aber es war nur ein Anfang. Jedesmal knien lassen konnte er sie nicht, irgendwann hatte sie sich auch daran gew\u00f6hnt und die Gefahr der Ablenkung kehrte wieder zur\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fortsetzung von: Nachhife tut Not und Der wilhelminische Erziehungsratgeber \u00a0 \u00bbWir m\u00fcssen unbedingt miteinander reden\u00ab, sagte er anstelle einer Begr\u00fc\u00dfung, kaum da\u00df er hinter Ulla die T\u00fcr geschlossen hatte. Unsicher, wie sie seinen Vorschlag aufnehmen w\u00fcrde, war sein Tonfall ernster als beabsichtigt ausgefallen. Das versetzte ihr einen schmerzlichen Stich. Ihre Ahnung schien sich zu best\u00e4tigen, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[52,37,32],"tags":[61,38,41],"class_list":["post-4862","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erotisches","category-kurze-geschichten","category-literarisches","tag-erotisches","tag-kurzgeschichten","tag-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4862","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4862"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4862\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8598,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4862\/revisions\/8598"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4862"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4862"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}