{"id":4897,"date":"2017-06-23T22:26:00","date_gmt":"2017-06-23T20:26:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=4897"},"modified":"2026-04-03T16:19:07","modified_gmt":"2026-04-03T14:19:07","slug":"sm-outing-oder-lieber-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=4897","title":{"rendered":"SM-Outing oder lieber nicht?"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/sex.jpg\" \/><\/p>\n<p>Auch wenn ich auf die Frage \u00bbSM-Outing oder lieber nicht?\u00ab mit einem klaren \u00bbJa\u00ab antworte, mu\u00df jeder f\u00fcr sich entscheiden, ob und vor allem vor wem er sich outen will.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wer sich mit einem Outing schwertut, sollte sich der Tragweite eines \u00bbNeins\u00ab bewu\u00dft sein. Ein ehrliches \u00bbNein\u00ab hei\u00dft in letzter Konsequenz, seine BDSM-Neigungen vollst\u00e4ndig f\u00fcr sich zu behalten.<!--more--> Das bedeutet, da\u00df selbst der gelegentliche Besuch einschl\u00e4giger Internetseiten zu unterbleiben hat, und noch weniger eine Registrierung in Foren oder Aktivit\u00e4ten in Chats erfolgen sollte. Leider glauben immer noch viele, wenn sie ihren richtigen Namen nicht verwenden, w\u00e4ren sie anonym. Ebensowenig ist vermeintlich \u00bbheimliches\u00ab Ausleben der Neigungen im Dominastudio oder mit \u00fcbers Netz gekn\u00fcpften Kontakten in weit vom eigenen Wohnort entfernten St\u00e4dten m\u00f6glich. Zwar d\u00fcrften die meisten Dominas die Anonymit\u00e4t ihrer Kunden schon aus rein gesch\u00e4ftlichem Interesse heraus wahren, aber daf\u00fcr gibt es keine Sicherheit. Die gibt es naturgem\u00e4\u00df noch weniger mit privat gekn\u00fcpften Kontakten. Um es mit dem guten alten Geheimen Rat zu sagen: \u00bb<i>Nichts ist so fein gesponnen, es kommt doch alles ans Licht des Tages.<\/i>\u00ab<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ich bezweifle nicht, da\u00df es Menschen gibt, denen es gelingt, ihre BDSM-Neigungen lebenslang f\u00fcr sich zu behalten, was den wenigsten gelingen d\u00fcrfte. Unterdr\u00fcckte W\u00fcnsche und Phantasien streben mit Macht an die Oberfl\u00e4che. Der Verzicht auf ein Ausleben der eigenen Neigungen bedeutet nicht zuletzt, sich unsinnigerweise um ein St\u00fcck Lebensqualit\u00e4t bringen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ich sehe im Outing nicht zuletzt einen Selbstschutz. Oute ich mich, kann ich weitgehend steuern, wer von meinen BDSM-Neigungen erf\u00e4hrt. Das sch\u00fctzt mich zwar generell nicht vor einem Zwangsouting \u2013 mit dem man immer rechnen mu\u00df \u2013 aber ich kann m\u00f6gliche unangenehme Folgen im voraus abmildern. Sind meine Neigungen mehreren Leuten bekannt, kann mir zumindest nicht mehr der Vorwurf gemacht werden, ich h\u00e4tte einen wichtigen Aspekt meiner Pers\u00f6nlichkeit verschwiegen, w\u00fcrde Heimlichtuerei betreiben. Zudem besitze ich in den Personen, gegen\u00fcber denen ich mich bereits geoutet habe, potentielle Verb\u00fcndete gegen\u00fcber diejenigen, die einem mit der Blo\u00dfstellung Schaden zuf\u00fcgen wollen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Manche, die ihre BDSM-Neigungen erst im Laufe einer langj\u00e4hrigen Beziehung entdecken, scheuen sich davor, dar\u00fcber mit ihrem Lebenspartner zu sprechen, meist aus der Angst heraus, der Partner k\u00f6nnte sich abwenden. Oft ist das der Beginn eines Doppellebens. Es mag Menschen gegeben, denen es gelingt, sich neben dem (Familien-)Leben ein zweites aufzubauen, das vom ersten nicht tangiert wird, die sich mit ihrer Sub oder ihrer Domse nur donnerstags zwischen 17 und 19 Uhr treffen k\u00f6nnen, weil dann die Ehegattin ihren w\u00f6chentlichen Franz\u00f6sischkurs hat und die Kinder bei einem befreundeten Ehepaar sind. Manchen gelingt das sogar \u00fcber Jahre. Aber dabei stellt sich die Frage, was will der Partner <i>nicht<\/i> sehen. Das Risiko eines Zwangsouting durch Dritte und nicht zuletzt durch eigene Unachtsamkeit steigt je l\u00e4nger ein solches Doppelleben andauert. Fliegt es auf, bedeutet das meist auch das Ende der Beziehung, selbst wenn der bisher arglose Partner prinzipiell nichts gegen BDSM hat und sich unter anderen Umst\u00e4nden durchaus damit h\u00e4tte anfreunden k\u00f6nnen. Es ist der Vertrauensbruch, der f\u00fcr viele schwer wiegt. Seinem langj\u00e4hrigen Partner nichts von seinen erwachenden BDSM-Neigungen zu erz\u00e4hlen, stellt ein Zeichen f\u00fcr mangelndes Vertrauen ihm gegen\u00fcber dar. Nat\u00fcrlich bleibt bei aller Offenheit das Risiko bestehen, da\u00df der Lebenspartner mit BDSM nichts anzufangen wei\u00df. Dann mu\u00df nach einer f\u00fcr beide Seiten vertretbaren L\u00f6sung gesucht werden, was h\u00e4ufiger gelingt, als man zuerst glauben mag. Doch das ist ein eigenes Thema.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Einer neuen Beziehung gegen\u00fcber sollte sich auf jeden Fall geoutet werden. Sollte die andere Seite nichts mit den eigenen Neigungen anfangen k\u00f6nnen, mag das zwar entt\u00e4uschend sein. Erfahrungsgem\u00e4\u00df geht eine solche Entt\u00e4uschung schnell vor\u00fcber, da noch nicht viele Emotionen und Zeit investierten wurde. Auch hier gilt; wird zu lange mit dem Outing gewartet, steigt die Wahrscheinlichkeit, da\u00df der Grund einer m\u00f6glicherweise negativen Aufnahme im mangelnden Vertrauen liegt, das dem anderen entgegengebracht wird als in der Neigung selbst.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Wurde sich zugunsten eines Outings entschieden, stellt sich die Frage, mit wem zuerst \u00fcber seine neuentdeckten Neigungen zu sprechen ist. Das mu\u00df nicht zwingend der Lebenspartner sein, besser ist sogar, sich einem guten Freunden anzuvertrauen. Der kennt einen in der Regel mit am besten und besitzt dennoch eine gewisse Distanz zu einem, eine Distanz, die ein Lebenspartner naturgem\u00e4\u00df selten hat. Die Erfahrung lehrt, da\u00df Freunde ein Outing oft positiv aufnehmen. Tun sie es nicht, ist es um die Freundschaft an sich nicht schade. Freunde k\u00f6nnen einem die wichtige moralische R\u00fcckendeckung beim schwereren Outing gegen\u00fcber einem langj\u00e4hrigen Partner liefern.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ob und inwieweit man sich gegen\u00fcber der Familie \u2013 Eltern, Geschwister, Verwandte \u2013 outet, mu\u00df jeder im Einzelfall abw\u00e4gen und h\u00e4ngt nicht zuletzt vom Verh\u00e4ltnis ab, das man zu diesen Menschen besitzt, das gleiche gilt f\u00fcr das berufliche Umfeld. In einem beruflichen Umfeld mit gutem Betriebsklima hat man in der Regel irgendwann einmal mit den Kollegen dar\u00fcber geredet. Zwar sind BDSM-Neigungen eines Mitarbeiters kein K\u00fcndigungsgrund, aber das sch\u00fctzt nicht vor Mobbing. Befindet man sich in einer beruflichen Position, in der man m\u00f6glicherweise \u00bberpre\u00dfbar\u00ab ist, ist es sinnvoll, sich zumindest vor seinem Vorgesetzten zu outen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ich selbst habe mit meinen verschiedenen Outings gegen\u00fcber den unterschiedlichsten Leuten privat wie beruflich stets positive Erfahrungen gemacht. Allerdings bewege ich mich privat wie beruflich \u00fcberwiegend in einem k\u00fcnstlerisch intellektuellem Umfeld, kann also meine pers\u00f6nlichen Erfahrungen nicht verallgemeinern. Zumal ich, da ich meine \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Texte \u2013 Online-Artikel, B\u00fccher mit BDSM-Geschichten, usw. \u2013 mit meinem Namen zeichne, mich damit ohnehin \u00f6ffentlich geoutet habe.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ich empfehle daher jedem, sich wenigstens gegen\u00fcber den f\u00fcr ihn wichtigen Leuten zu outen. Es mag zwar mitunter nicht ohne Probleme vor sich gehen, aber daf\u00fcr wird man \u00fcber kurz oder lang mit einem erf\u00fcllten (BDSM-)Leben belohnt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn ich auf die Frage \u00bbSM-Outing oder lieber nicht?\u00ab mit einem klaren \u00bbJa\u00ab antworte, mu\u00df jeder f\u00fcr sich entscheiden, ob und vor allem vor wem er sich outen will. Wer sich mit einem Outing schwertut, sollte sich der Tragweite eines \u00bbNeins\u00ab bewu\u00dft sein. 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