{"id":5162,"date":"2017-09-05T02:04:58","date_gmt":"2017-09-05T00:04:58","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=5162"},"modified":"2026-04-03T00:59:08","modified_gmt":"2026-04-02T22:59:08","slug":"javier-marias-die-sterblich-verliebten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=5162","title":{"rendered":"Javier Mar\u00edas \u00bbDie sterblich Verliebten\u00ab"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/inter.jpg\" alt=\"Interpretationen\" \/><\/p>\n<div><img decoding=\"async\"  class=\"buchtitel\" src=\"wp-content\/gallery\/logos\/javier-marias-die-sterblich-verliebten.jpg\" \/><\/div>\n<p>Mar\u00eda fr\u00fchst\u00fcckt jeden Morgen in einem Madrider Caf\u00e9 gegen\u00fcber dem Verlag, in dem sie als Lektorin arbeitet. Miguel, um die f\u00fcnfzig, und Luisa, mehr als zehn Jahre j\u00fcnger, pflegen gleichfalls jeden Morgen dort zu fr\u00fchst\u00fccken. Die innige Zweisamkeit, die das Paar zur Schau tr\u00e4gt, beobachtet Mar\u00eda mit Wohlgefallen. Es hilft ihr, den Weg in ihren Arbeitstag zu finden. Eines Tages wird Miguel scheinbar ohne Grund von V\u00e1zquez Canella, einem offenkundig geistig verwirrten Obdachlosen, niedergestochen und stirbt noch vor Ort an seinen schweren Verletzungen.<!--more--> Canella machte Miguel daf\u00fcr verantwortlich, da\u00df seine Tochter, die schon lange keinen Kontakt mehr zu hat, sich prostituiert. Es wird einhellig davon ausgegangen, da\u00df eine tragische Verwechslung vorliegt. Wenige Tage zuvor hat Canella noch Miguels Chauffeur attackiert, doch blieb es bei einem verbalen Angriff. W\u00e4hrend dieses tragischen Ungl\u00fccks geschieht, ist Mar\u00eda verreist und erf\u00e4hrt erst sp\u00e4ter davon, obwohl sie dar\u00fcber in der Zeitung gelesen hat, aber sie hat das beigef\u00fcgte Foto der blut\u00fcberstr\u00f6mten Leiche nicht mit Miguel und Luisa in Verbindung gebracht. Als Luisa nach einiger wieder im Caf\u00e9 erscheint, spricht Mar\u00eda ihr ihr Beileid aus. Sie kommen miteinander ins Gespr\u00e4ch. Mar\u00eda ist \u00fcberrascht, da\u00df sie Luisa und Miguel aufgefallen ist und in \u00e4hnlicher Weise von ihnen \u203abeobachtet\u2039 worden ist. Sie haben ihr den Namen \u203aDie junge Besonnene\u2039 gegeben. Einige Tage sp\u00e4ter besucht Mar\u00eda Luisa zu Hause. Luisas Worte best\u00e4tigen Mar\u00edas Eindr\u00fccke von Miguel als liebevollen Ehemann und Vater. Bei diesem Besuch lernt sie Javier D\u00edaz-Varela kennen, Miguels besten Freund, der sich seit dessen Tod scheinbar selbstlos um Luisa k\u00fcmmert. Mar\u00eda erkennt aber schnell, da\u00df er in keiner Weise so selbstlos agiert, wie er erscheint. Es ist un\u00fcbersehbar, da\u00df er Luisa liebt und das seit l\u00e4ngerem und er darauf abzielt, sobald Luisa die Zeit der Trauer \u00fcberwunden hat, Miguels Stelle bei ihr einzunehmen. Mar\u00eda und er kommen sich n\u00e4her. Sie wei\u00df, da\u00df sie f\u00fcr ihn nur eine \u203a\u00dcbergangsl\u00f6sung\u2039 ist, letztlich will sie auch nicht mehr sein. Eines Tages, w\u00e4hrend sie bei ihm ist, bekommt er unerwartet Besuch von Ruib\u00e9rriz de Torres, einem alternden Beau mit zwielichtiger Vergangenheit und Freund Javiers, der sich nicht abweisen l\u00e4\u00dft. Javier empf\u00e4ngt ihn notgedrungen, w\u00e4hrend Mar\u00eda halb nackt im Schlafzimmer zur\u00fcckbleibt. Sie schnappt durch die nicht richtig geschlossene Schlafzimmert\u00fcr Gespr\u00e4chsfetzen auf, die Miguels Tod in einem anderen Licht erscheinen lassen. Aus dem Gespr\u00e4ch scheint hervorzugehen, da\u00df es sich nicht um eine tragische Verwechselung handelt, sondern, da\u00df die beiden M\u00e4nner Miguels Tod geplant haben und Canella nur das von ihnen manipulierte Werkzeug war, sie ihm eingeredet haben, da\u00df Miguel Schuld daran sei, da\u00df seine Tochter sich prostituiert habe. Er zuerst den Chauffeur f\u00fcr Miguel gehalten hat. Mar\u00eda versucht sich Gewi\u00dfheit zu verschaffen. Javier, der \u00fcberzeugt ist, da\u00df sie mehr von dem Gespr\u00e4ch mitbekommen hat als es tats\u00e4chlich der Fall ist, tritt die Flucht nach vorn an. Er erz\u00e4hlt ihr vom Plan, Miguel zu t\u00f6ten. Zuerst erweckt er den Eindruck, da\u00df das Ziel war, bei Luisa an Miguels Stelle zu treten, dann erkl\u00e4rt er, da\u00df es auf ausdr\u00fccklichen Wunsch Miguels geschah, der unter einer unheilbaren Krankheit litt, daher im Grunde ein Freundschaftsdienst war, da Miguel Angst vor einem Dahinsiechen hatte. Mehr oder weniger direkt best\u00e4tigt Ruib\u00e9rriz de Torres diese Version, der sie einmal vor ihrem Verlag abf\u00e4ngt. Mar\u00eda wei\u00df immer weniger, was sie glauben soll, au\u00dfer ihren Aussagen hat sie nichts, woran sie sich halten kann. Sie zweifelt zwar an der unheilbaren Krankheit Miguels, die Zeitungen haben nichts davon berichtet, was aber auch nicht unbedingt etwas bedeuten mu\u00df. Javier ist \u00fcberzeugt, da\u00df sie mit ihren Zweifeln nicht zur Polizei geht. Wenig sp\u00e4ter trennen sich Javiers und Mar\u00edas Wege. Zwei Jahre vergehen, bis sie ihnen wieder begegnet, Luisa und Javier sind ein Paar geworden. F\u00fcr einen Moment ist sie versucht, Luisa aufzukl\u00e4ren, doch dann entscheidet sie sich ebenso spontan, die Vergangenheit ruhen zu lassen, sie \u00bb<i>[\u2026] will nicht seine verfluchte Lilie auf der Schulter sein, die verr\u00e4t, die brandmarkt und selbst das \u00e4lteste Verbrechen nicht verschwinden l\u00e4sst; soll die Materie der Vergangenheit stumm bleiben, sollen die Dinge sich aufl\u00f6sen oder verbergen, sollen sie schweigen, nichts berichten, nicht weiteres Ungl\u00fcck heraufbeschw\u00f6ren [\u2026]<\/i>\u00ab, au\u00dfer ihren Vermutungen, den teils widerspr\u00fcchlichen Aussagen Javiers hat sie ja nichts Konkretes in den H\u00e4nden und will es vielleicht auch nicht.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Javier_Mar\u00edas\" target=\"_blank\">Javier Mar\u00edas (*20.09.1951)<\/a> l\u00e4\u00dft in seinem 2011 erschienen Roman seine Protagonistin Mar\u00eda nicht nur einen tiefen Blick in die Lebensverh\u00e4ltnisse von Menschen tun, denen sie t\u00e4glich f\u00fcr kurze Zeit begegnet, wie es auf Grund vergleichbarer Gewohnheiten oft geschieht, sondern vor allem Vorstellung und Realit\u00e4t sich miteinander vermischen. Bereits vor Miguels Tod stellt sich Mar\u00eda detailliert Miguels und Luisas Gedanken und Leben vor. Nachdem sie von seinem Tod erf\u00e4hrt, stellt sie sich seine letzten Stunden und Gedanken vor, auf Grund der Angaben aus der Presse, auch was Canella gedacht und ihn zu der Tat getrieben haben k\u00f6nnte, sowie sp\u00e4ter Javiers Gedanken und Handlungen vor Miguels Tod, bevor sie von seinen Verstricken in die Tat erf\u00e4hrt. Mehr oder weniger unfreiwillig bringt sie ihr Interesse an einem ihrer Meinung nach vorbildlichen Liebespaar in eine Welt voller Widerspr\u00fcche. Sie mu\u00df erfahren, wie sehr sich einerseits ihre Vorstellungen von der Realit\u00e4t unterscheiden, wie sie andererseits mitunter nicht allzu falsch liegt. Aber auch, da\u00df die Aussagen anderer nicht unbedingt die ganze Realit\u00e4t abbilden, sondern oft nur das, von dem sie selbst glauben, wie es ist, oder was andere aus ihrer Sicht wissen sollen, wobei die Aussagen, sobald den Betreffenden ein Widerspruch aufgezeigt oder Dinge in Erfahrung gebracht werden, zu denen sie Stellung nehmen m\u00fcssen, ohne weiters deutlich voneinander abweichen. Am Ende wei\u00df sie nicht, was wirklich den Tatsachen entspricht. War Miguel tats\u00e4chlich todkrank oder will Javier ihr das Glauben nur machen, damit sie ihn nicht anzeigt? Sie bleibt mit ihren Vermutungen allein, will vielleicht auch nicht gar nicht Gewi\u00dfheit, weshalb sie Javiers mutma\u00dflichen Mord an Miguel nicht zur Anzeige bringt, sondern die Dinge auf sich beruhen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mar\u00eda fr\u00fchst\u00fcckt jeden Morgen in einem Madrider Caf\u00e9 gegen\u00fcber dem Verlag, in dem sie als Lektorin arbeitet. Miguel, um die f\u00fcnfzig, und Luisa, mehr als zehn Jahre j\u00fcnger, pflegen gleichfalls jeden Morgen dort zu fr\u00fchst\u00fccken. Die innige Zweisamkeit, die das Paar zur Schau tr\u00e4gt, beobachtet Mar\u00eda mit Wohlgefallen. 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