{"id":5181,"date":"2017-09-16T23:34:39","date_gmt":"2017-09-16T21:34:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=5181"},"modified":"2026-04-02T23:29:19","modified_gmt":"2026-04-02T21:29:19","slug":"zitat-des-tages-133","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=5181","title":{"rendered":"Zitat des Tages #133"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/gallery\/logos\/zitat.png\" \/><\/p>\n<div id=\"zitat\">\n<p><i>Um das Wort bitten.<\/i> \u2013 Der demagogische Charakter und die Absicht, auf die Massen zu wirken, ist gegenw\u00e4rtig allen politischen Parteien gemeinsam: sie alle sind gen\u00f6thigt, der genannten Absicht wegen, ihre Principien zu grossen Alfresco-Dummheiten umzuwandeln und sie so an die Wand zu malen. <!--more-->Daran ist Nichts mehr zu \u00e4ndern, ja es ist \u00fcberfl\u00fcssig, auch nur einen Finger dagegen aufzuheben; denn auf diesem Gebiete gilt, was Voltaire sagt: quand la populace se m\u00eale de raisonner, tout est perdu. Seitdem diess geschehen ist, muss man sich den neuen Bedingungen f\u00fcgen, wie man sich f\u00fcgt, wenn ein Erdbeben die alten Gr\u00e4nzen und Umrisse der Bodengestalt verr\u00fcckt und den Werth des Besitzes ver\u00e4ndert hat. \u00dcberdiess: wenn es sich nun einmal bei aller Politik darum handelt, m\u00f6glichst Vielen das Leben ertr\u00e4glich zu machen, so m\u00f6gen immerhin diese M\u00f6glichst-Vielen auch bestimmen, was sie unter einem ertr\u00e4glichen Leben verstehen; trauen sie sich den Intellect zu, auch die richtigen Mittel zu diesem Ziele zu finden, was h\u00fclfe es, daran zu zweifeln? Sie wollen nun einmal ihres Gl\u00fcckes und Ungl\u00fcckes eigene Schmiede sein; und wenn dieses Gef\u00fchl der Selbstbestimmung, der Stolz auf die f\u00fcnf, sechs Begriffe, welche ihr Kopf birgt und zu Tage bringt, ihnen in der That das Leben so angenehm macht, dass sie die fatalen Folgen ihrer Beschr\u00e4nktheit gern ertragen: so ist wenig einzuwenden, vorausgesetzt, dass die Beschr\u00e4nktheit nicht so weit geht, zu verlangen, es solle Alles in diesem Sinne zur Politik werden, es solle jeder nach solchem Maassstabe leben und wirken. Zuerst n\u00e4mlich muss es Einigen mehr als je, erlaubt sein, sich der Politik zu enthalten und ein Wenig bei Seite zu treten: dazu treibt auch sie die Lust an der Selbstbestimmung, und auch ein kleiner Stolz mag damit verbunden sein, zu schweigen, wenn zu Viele oder \u00fcberhaupt nur Viele reden. Sodann muss man es diesen Wenigen nachsehen, wenn sie das Gl\u00fcck der Vielen, verstehe man nun darunter V\u00f6lker oder Bev\u00f6lkerungsschichten, nicht so wichtig nehmen und sich hie und da eine ironische Miene zu Schulden kommen lassen; denn ihr Ernst liegt anderswo, ihr Gl\u00fcck ist ein anderer Begriff, ihr Ziel ist nicht von jeder plumpen Hand, welche eben nur f\u00fcnf Finger hat, zu umspannen. Endlich kommt \u2013 was ihnen gewiss am schwersten zugestanden wird, aber ebenfalls zugestanden werden muss \u2013 von Zeit zu Zeit ein Augenblick, wo sie aus ihren schweigsamen Vereinsamungen heraustreten und die Kraft ihrer Lungen wieder einmal versuchen: dann rufen sie n\u00e4mlich einander zu wie Verirrte in einem Walde, um sich einander zu erkennen zu geben und zu ermuthigen; wobei freilich Mancherlei laut wird, was den Ohren, f\u00fcr welche es nicht bestimmt ist, \u00fcbel klingt. \u2013 Nun, bald darauf ist es wieder stille im Walde, so stille, dass man das Schwirren, Summen und Flattern der zahllosen Insecten, welche in, \u00fcber und unter ihm leben, wieder deutlich vernimmt.\u00a0\u2013<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"autor\">Aus: \u00bbMenschliches, Allzumenschliches\u00ab \u00b7 Friedrich Nietzsche (15.10.1844\u201325.8.1900)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um das Wort bitten. \u2013 Der demagogische Charakter und die Absicht, auf die Massen zu wirken, ist gegenw\u00e4rtig allen politischen Parteien gemeinsam: sie alle sind gen\u00f6thigt, der genannten Absicht wegen, ihre Principien zu grossen Alfresco-Dummheiten umzuwandeln und sie so an die Wand zu malen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[32,48],"tags":[41,49],"class_list":["post-5181","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-literarisches","category-zitat-des-tages","tag-literatur","tag-zitate"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5181","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5181"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5181\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7939,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5181\/revisions\/7939"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5181"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5181"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5181"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}