{"id":5315,"date":"2017-10-15T11:24:37","date_gmt":"2017-10-15T09:24:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=5315"},"modified":"2026-04-02T23:51:21","modified_gmt":"2026-04-02T21:51:21","slug":"zitat-des-tages-135","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=5315","title":{"rendered":"Zitat des Tages #135"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/gallery\/logos\/zitat.png\" \/><\/p>\n<div id=\"zitat\">\n<p class=\"zitattitel\">Der kluge Richter<\/p>\n<p>Da\u00df nicht alles so uneben sei, was im Morgenlande geschieht, das haben wir schon einmal geh\u00f6rt. Auch folgende Begebenheit soll sich daselbst zugetragen haben. Ein reicher Mann hatte eine betr\u00e4chtliche Geldsumme, welche in ein Tuch eingen\u00e4ht war, aus Unvorsichtigkeit verloren. Er machte daher seinen Verlust bekannt und bot, wie man zu thun pflegt, dem ehrlichen Finder eine Belohnung, und zwar von hundert Thalern an. <!--more-->Da kam bald ein guter und ehrlicher Mann dahergegangen. \u00bbDein Geld habe ich gefunden. Dies wird\u2019s wohl sein! So nimm dein Eigentum zur\u00fcck!\u00ab So sprach er mit dem heiteren Blick eines ehrlichen Mannes und eines guten Gewissens, und das war sch\u00f6n. Der andere machte auch ein fr\u00f6hliches Gesicht, aber nur, weil er sein verloren gesch\u00e4tztes Geld wieder hatte. Denn wie es um seine Ehrlichkeit aussah, das wird sich bald zeigen. Er z\u00e4hlte das Geld und dachte unterdessen geschwinde nach, wie er den treuen Finder um  seine versprochene Belohnung bringen k\u00f6nnte. \u00bbGuter Freund,\u00ab sprach er hierauf, \u00bbes waren eigentlich achthundert Thaler in dem Tuch eingen\u00e4ht. Ich finde aber nur noch siebenhundert Thaler. Ihr werdet also wohl eine Naht aufgetrennt und Eure hundert Thaler Belohnung schon herausgenommen haben. Da habt Ihr wohl daran gethan. Ich danke Euch.\u00ab Das war nicht sch\u00f6n. Aber wir sind auch noch nicht am Ende. Ehrlich w\u00e4hrt am l\u00e4ngsten, und Unrecht schl\u00e4gt seinen eigenen Herrn. Der ehrliche Finder, dem es weniger um die hundert Thaler, als um seine unbescholtene Rechtschaffenheit zu thun war, versicherte, da\u00df er das P\u00e4cklein so gefunden habe, wie er es bringe, und es so bringe, wie er\u2019s gefunden habe. Am Ende kamen sie vor den Richter. Beide bestunden auch hier noch auf ihrer Behauptung, der eine, da\u00df achthundert Thaler seien eingen\u00e4ht gewesen, der andere, da\u00df er von dem Gefundenen nichts genommen und das P\u00e4cklein nicht versehrt habe. Da war guter Rat teuer. Aber der kluge Richter, der die Ehrlichkeit des einen und die schlechte Gesinnung des anderen zum voraus zu kennen schien, griff die Sache so an: er lie\u00df sich von beiden \u00fcber das, was sie aussagten, eine feste und feierliche Versicherung geben und that hierauf folgenden Ausspruch: \u00bbDemnach, und wenn der eine von euch achthundert Thaler verloren, der andere aber nur ein P\u00e4cklein mit siebenhundert Thaler gefunden hat, so kann auch das Geld des letzteren nicht das n\u00e4mliche sein, auf welches der erstere ein Recht hat. Du, ehrlicher Freund, nimmst also das Geld, welches du gefunden hast, wieder zur\u00fcck und beh\u00e4ltst es in guter Verwahrung, bis der kommt, welcher nur siebenhundert Thaler verloren hat. Und dir da wei\u00df ich keinen Rat, als du geduldest dich, bis derjenige sich meldet, der deine achthundert Thaler findet.\u00ab So sprach der Richter, und dabei blieb es.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"autor\">Johann Peter Hebel (10.5.1760\u201322.9.1826) \u00b7 Schatzk\u00e4stlein des rheinischen Hausfreundes<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der kluge Richter Da\u00df nicht alles so uneben sei, was im Morgenlande geschieht, das haben wir schon einmal geh\u00f6rt. Auch folgende Begebenheit soll sich daselbst zugetragen haben. Ein reicher Mann hatte eine betr\u00e4chtliche Geldsumme, welche in ein Tuch eingen\u00e4ht war, aus Unvorsichtigkeit verloren. 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