{"id":5546,"date":"2018-03-22T15:46:36","date_gmt":"2018-03-22T14:46:36","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=5546"},"modified":"2026-03-30T20:28:44","modified_gmt":"2026-03-30T18:28:44","slug":"cornelius-zimmermann-rocking-the-forest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=5546","title":{"rendered":"Cornelius Zimmermann \u00bbRocking The Forest\u00ab"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/inter.jpg\" alt=\"Interpretationen\" \/><\/p>\n<div><img decoding=\"async\" class=\"buchtitel\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/zimmermann-rocking-the-forest.jpg\" \/><\/div>\n<p>Der Herbst \u00fcber dem uralten, idyllischen, auf seine Weise geheimnisvollen M\u00fc\u00fctzelwald mit seinen musikverr\u00fcckten Bewohnern neigt sich dem Ende zu. Ungeachtet noch warmer Tage ist der nahende Winter bereits mehr zu sp\u00fcren als zu erahnen. DAS Ereignis des Herbstes, wenn nicht des ganzen Jahres, steht aber noch bevor; der <i>Rocking the Forest Band Contest<\/i>, der sich heuer zum 237ten Mal j\u00e4hrt. Die dabei vergebene \u00bbGoldene Dolde\u00ab zu erhalten, gilt als die wichtigste Ehrung f\u00fcr jeden M\u00fc\u00fctzelwalder Musiker. So auch f\u00fcr Iggy, <i>Keeper of Doom<\/i>, Wolfmorf, <i>dem<\/i> Vertreter des <i>Forest Doom<\/i>. Wolfm\u00f6rfe sind kleine Pelztiere mit spitzer Schnauze, Knopfaugen, einem buschigen Schwanz und Schaufelpfoten. <!--more-->Ihre Neigung zu pl\u00f6tzlichen Wutausbr\u00fcchen, die sich durch die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte Wutb\u00fcrste, ein besonders Aufstellen der Nackenhaare, ank\u00fcndigt, ist gef\u00fcrchtet. W\u00e4hrend der Proben mit seiner Band, den <i>M\u00fc\u00fctzel Monotones<\/i>, bekommt er einen dieser gef\u00fcrchteten Wutanf\u00e4lle, da scheinbar nichts so l\u00e4uft, wie er sich das vorstellt. Die Band, talentierte junge Musiker, verl\u00e4\u00dft ihn darauf und das elf Tage vom dem Contest. Zu allem \u00dcberflu\u00df gr\u00fcnden sie eine neue Band, die <i>Freaky Coconuts<\/i>, und wollen mit einem neuen Musikstil am Contest teilnehmen, was Iggys Stimmung noch ein wenig mehr senkt. Er steht somit vor dem Problem, die Teilnahme am Contest abzusagen oder nach Ersatz Ausschau zu halten. Aber Iggy w\u00e4re kein Wolfmorf, w\u00fcrde er kampflos aufgegeben. Gugu, der Eulerich, redet ihm ins Gewissen und erteilt ihm anschlie\u00dfend den Rat, Blubb, die Pf\u00fctze aufzusuchen. Blubb ist ein Pf\u00fctzengnom, legend\u00e4rer Drummer und Musikproduzent, der sich zur\u00fcckgezogen hat, um an seinem ultimativen Werk, der <i>Bonk! Tetralogie<\/i> zu arbeiten. Iggy macht sich also auf die Suche nach ihm. Sein Weg f\u00fchrt ihn durch die Torffarnschneise zum Pilzmeer, wo er durch das Einatmen halluzinoger Sporen den Trip seines Lebens bekommt. In der N\u00e4he lebenden Muchtenknilche bewahren ihn vor einem b\u00f6sen Ausgang desselben. Bei den Gnarfk\u00e4fern, Spie\u00dfern par excellence scheint er endlich Blubb zu finden, der sich unter ihnen niedergelassen hat. Doch mu\u00df Iggy feststellen, da\u00df dieser von Libellen entf\u00fchrt worden sind und sie ihn am Pinken Teich gefangen halten. Sie sind die Fieslinge des M\u00fc\u00fctzelwalds. Sie betreiben einen seichten Libellenpop, den sie am liebsten allen Waldbewohner aufzwingen w\u00fcrden und schrecken selbst vor Entf\u00fchrung und Gewalt nicht zur\u00fcck, um ihre Ziele zu erreichen. Sie wollen um jeden Preis eine Begegnung von Iggy und Blubb verhindern. Iggy mu\u00df sogar mehrfach um sein Leben f\u00fcrchten. W\u00e4hrend er nach einer M\u00f6glichkeit sucht, so schnell als m\u00f6glich zum anderen Ende des Waldes zu kommen, gelingt es Blubb, sich aus der Gefangenschaft der Libellen zu befreien. Iggy macht sich derweil auf den Weg zum Quacksilbersee. Im Augenblick k\u00f6nnen ihm nur die dort lebenden Quacksilberquallen helfen, die zu den \u00e4ltesten Bewohnern des M\u00fc\u00fctzelwalds z\u00e4hlen. Eine Begegnung mit ihnen sieht er mit gemischten Gef\u00fchlen entgegen. Vor Jahren haben die Quallen bei einem Festival, beim Konzert, das sie gegeben haben, aus \u00c4rger \u00fcber das Publikum unter ihm Verheerendes angerichtet und sind seitdem in Ungnade gefallen. Der junge Iggy, der kurz zuvor mit seiner Band, damals noch in anderer Besetzung, einen fulminanten Auftritt hingelegt hatte, war Augenzeuge. Es war die traumatischste Erfahrung seines Lebens. Ein Konzert, das sie w\u00e4hrend seiner Anwesenheit am See geben, fasziniert ihn nicht nur aufgrund der Qualit\u00e4t, sondern l\u00e4\u00dft ihn auch erkennen, da\u00df sie ihr damaliges Verhalten aufrichtig bereuen. Eine der Quallen bringt ihn schnurstracks auf dem Luftweg in die N\u00e4he des Pinken Teichs. Dort nun findet er endlich Blubb, der ihm ins Gewissen redet und mit einer unangenehmen Tatsache konfrontiert. [\u2026]<i> \u00bbDas goldene Zeitalter des Forest Doom ist vorbei. Er ist zwar noch nicht tot, aber er riecht schon ein bisschen komisch. Du <\/i>blsch<i> kannst dich nicht mehr darauf <\/i>pfffsch <i>ausruhen, dass der Forest Doom, den du mitgeholfen hast gro\u00dfzumachen, das Ma\u00df <\/i>blib<i> aller Dinge ist. Er muss sich weiterentwickeln oder <\/i>ksssch<i> er wird den Weg der H\u00f6hlenmusik gehen. Und du<\/i> gulsch <i>wei\u00dft, was mit der H\u00f6hlenmusik passiert ist.?<\/i> [\u2026] Doch Blubb zeigt ihm zugleich einen Weg auf, wie er den <i>Forest Doom<\/i> zu neuen H\u00f6hen bringen kann. [\u2026]<i> \u00bbAber, Wolfmorf, vielleicht liegt hier deine Berufung. Du kannst dem Forest Doom helfen, ohne <\/i>ischisch<i> ihn nur aufs Sterben vorzubereiten.\u00ab <\/i>[\u2026] Er schl\u00e4gt vor, da\u00df Iggy sich mit seiner \u203aalten\u2039 Band zu vers\u00f6hnt, da er deren jugendliche Unverbrauchtheit dazu ben\u00f6tigt. Iggys Begeisterung h\u00e4lt sich wenig \u00fcberraschend in engen Grenzen. Er mu\u00df mit sich k\u00e4mpfen, aber bei aller Voreingenommenheit ist er so ehrlich gegen sich selbst, da\u00df Blubbs Vorschlag die einzige M\u00f6glichkeit bildet, seinen \u00fcber alles geliebten <i>Forest Doom<\/i> zu neuer Popularit\u00e4t zu helfen. Bis er tats\u00e4chlich am Contest teilnehmen kann, mu\u00df er noch einige, teilweise gef\u00e4hrliche Abenteuer erleben, denn nicht nur die Libellen trachten ihn nach dem Leben, sondern auf seiner Flucht vor ihnen, landet er im Magen eines Algenlurchs, der sich aber als gutm\u00fctig erweist. Nichtsdestoweniger kommt bei Iggy auch die Liebe nicht zu kurz. Auf seinem Weg begegnet er Lila, S\u00e4ngerin und die wohl sch\u00f6nste Wolfm\u00f6rfin im gesamten M\u00fc\u00fctzelwald, in die er sich Hals \u00fcber Kopf verliebt und all das tut, was nicht nur ein verliebter Wolfmorf nicht machen sollte, ist er auf Gegenliebe aus.<\/p>\n<p style=\"height:2rem\">\n<p>Wenngleich Cornelius Zimmermann (*1978) seinen Roman mit mehr oder weniger ausgepr\u00e4gten Fabelwesen belebt und mit liebevollem Humor garniert, er sich mit Einsch\u00fcben direkt an den Leser wendet und nicht ernst gemeinte Ratschl\u00e4ge erteilt \u2013 wenngleich man sich da nicht so sicher f\u00fchlt \u2013 so scheinbar den Spannungsbogen unterbricht, ihn tats\u00e4chlich damit steigert, ist es letztlich die Geschichte eines vermeintlich alternden Musikers, der erkennen mu\u00df, da\u00df die Zeit ihm davongelaufen ist, und der sich und seinen geliebten und gelebten Musikstil neu erfinden mu\u00df, um nicht zu altern, sondern zu reifen und sich zu erneuern. Und es ist ein Roman \u00fcber Musik und die Faszination, die sie auszul\u00f6sen vermag. Die Beschreibungen der Konzerte, z. B. der Quacksilberquallen und Iggys Solokonzert auf der Uga-Uga beim CnicCnac-Festival auf der Nebenb\u00fchne im Rubinwald beim Pinken Teich, lassen die dort gespielte Musik \u00fcber Worte lebendig werden.<\/p>\n<p style=\"height:2rem\">\n<p>Cornelius Zimmermann<br \/>\n<strong>Rocking The Forest<\/strong><br \/>\nFischer-Verlag, PB<br \/>\nPrint-ISBN: 9783596299270, 9,99\u00a0 \u20ac<br \/>\ne-Book-ISBN: 9783104904962, 9,99 \u20ac<br \/>\nerschienen: M\u00e4rz 2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Herbst \u00fcber dem uralten, idyllischen, auf seine Weise geheimnisvollen M\u00fc\u00fctzelwald mit seinen musikverr\u00fcckten Bewohnern neigt sich dem Ende zu. Ungeachtet noch warmer Tage ist der nahende Winter bereits mehr zu sp\u00fcren als zu erahnen. 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