{"id":5797,"date":"2019-02-28T13:37:19","date_gmt":"2019-02-28T12:37:19","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=5797"},"modified":"2026-03-30T18:55:07","modified_gmt":"2026-03-30T16:55:07","slug":"leseprobe-aus-qel-250","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=5797","title":{"rendered":"Leseprobe aus \u00bbQEL-250\u00ab"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"titelbild wp-block-paragraph\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/werkstatt.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Eine Leseprobe aus dem im Fr\u00fchjahr erscheinenden Roman \u00bbQEL-250\u00ab. Vorbemerkung: Die Handlung spielt im Jahr 1985.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbSie sind nun soweit \u00fcber den geplanten Ablauf unserer Aktion informiert\u00ab, schlo\u00df Wagner seine Ausf\u00fchrungen vor der Einsatzgruppe. Ria sa\u00df im Hintergrund. \u00bbDie \u00dcbergabe dieses Umschlags\u00ab, er hielt einen braunen A4-Umschlag zum ungez\u00e4hlten Mal hoch, \u00bbfindet um 17 Uhr 10 am U-Bahnhof Neumarkt statt, also in gut zwei Stunden. Wir wissen nicht, mit wem wir es zu tun haben, was das Unternehmen nicht vereinfacht. Ich bitte Sie, halten Sie diesen Umschlag im Auge, als beinhalte er Ihre Pensionsanspr\u00fcche.\u00ab Verhaltenes Gel\u00e4chter. \u00bbF\u00fcr Frau Jagenbergs Entf\u00fchrer ist der Inhalt mindestens ebenso wertvoll, auch wenn er f\u00fcr uns nur einige Bogen Papier enth\u00e4lt. Ich wei\u00df, da\u00df ich mich nebul\u00f6s ausdr\u00fccke, aber die einzige Person, die Ihnen das erkl\u00e4ren k\u00f6nnte, ist die Entf\u00fchrte.  Die junge Dame hier\u00ab er wies mit dem Kopf zu Ria, die am Rand sa\u00df, \u00bbwird diesen Umschlag deponieren. Auf dem Bahnsteig werden f\u00fcnf von Ihnen stehen, auf dem gegen\u00fcberliegenden zwei. Ich denke, das gen\u00fcgt, wir wollen ja nicht auffallen. Die anderen verteilen sich auf die Auf- und Abg\u00e4nge. Wir kennen den Boten nicht, wissen nicht, wie er aussieht, woher er kommt und wie er sich entfernen wird. Er hat zahlreiche M\u00f6glichkeiten zur Auswahl. Um diese Zeit wird er wenig Schwierigkeiten haben, im Gew\u00fchl zu entkommen. Darum ist doppelte Wachsamkeit gefordert. Will er mit der Stra\u00dfenbahn fl\u00fcchten, stehen ihm unterirdisch die Linien 3, 4, 9, 11, 12 und 16 zur Verf\u00fcgung, oberirdisch die Linien 1, 2 und 7, dazu die Busse 136 und 146. Auto, Motorrad, Fahrrad sind auch m\u00f6glich, aber nicht sehr wahrscheinlich, besonders was das Auto betrifft, aufgrund des dichten Verkehrs. Zu Fu\u00df w\u00e4re auch eine M\u00f6glichkeit. Wir m\u00fcssen mit allem, ich betone, mit <i>allem<\/i> rechnen. Noch Fragen?\u00ab Niemand hatte eine. \u00bbGut, dann wei? jeder, was er tun hat.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">Der Raum leerte sich unter lautem St\u00fchler\u00fccken. Ria trat auf Wagner zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbIch wei\u00df, da\u00df Sie sich alle erdenkliche M\u00fche geben, um herauszufinden, wer Frau Jagenberg entf\u00fchrt hat, aber mir ist etwas mulmig dabei.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbIch kann Sie verstehen, Frau Nojbisch. Dieser Fall ist zu kurios. Ihnen hat Frau Jagenberg wohl noch nicht erz\u00e4hlt, da\u00df die Unterlagen in jedem Fall wertlos sind.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbSie deutete am Samstagnachmittag, als wir uns das letzte Mal sahen, so etwas an. Aber ins Detail ging sie nicht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbNun, dann k\u00f6nnen Sie sich vorstellen, wie absurd die Sache letztlich ist.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbMir w\u00e4re wohler, w\u00e4re meine Freundin so schnell wie m\u00f6glich wieder hier.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbSie m\u00f6gen Sie sehr\u00ab, sagte er v\u00e4terlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbJa, schon, in gewisser Weise\u00ab, antwortete sie ausweichend und err\u00f6tete leicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">Seit fast zehn Minuten sa\u00dfen sie in Wagners Wagen auf dem unbefestigten Parkplatz vor der Stadtb\u00fccherei am Neumarkt und seitdem drehte Wagner den braunen Umschlag unschl\u00fcssig zwischen den H\u00e4nden. Er war mit Ria allein. Den Funk hatte er leise gestellt. Schmitz wies die Kollegen ein. Sto\u00dfstange reihte sich an Sto\u00dfstande auf den Fahrbahnen rund um den Neumarkt, der Verkehr stand mehr als er flo\u00df. Alle zwei Minuten traf eine vollbesetzte Stra\u00dfenbahn ein. Die Menschen str\u00f6mten heraus, eilten zu den U-Bahnzug\u00e4ngen. Fast ebenso viele stiegen wieder ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">Wie ein Ameisenhaufen, nur nicht so diszipliniert, philosophierte Wagner f\u00fcr sich. Es war im Augenblick f\u00fcr ihn schwer vorstellbar, da\u00df es Personen mit einer unverwechselbaren Pers\u00f6nlichkeit waren, so gesichtslos erschienen sie ihm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbMir ist der Verkehr hier noch nie so dicht vorgekommen\u00ab, sagte Ria und schreckte ihn aus seinen Gedanken auf. Er h\u00f6rte auf, den Umschlag zwischen den H\u00e4nden zu drehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbDas t\u00e4uscht. Das kommt Ihnen so vor, weil Sie es aus der Perspektive des Beobachters sehen. Ihnen fallen somit Dinge auf, auf die Sie sonst nie achten w\u00fcrden, weil sie f\u00fcr Sie unerheblich sind. Nerv\u00f6s?\u00ab legte er v\u00e4terlich beruhigend die Linke auf ihren Unterarm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">Sie zitterte tats\u00e4chlich. Aber auch er war angespannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbJa, das bleibt wohl nicht aus\u00ab, entgegnete sie mit einem gequ\u00e4lten L\u00e4cheln. \u00bbWie es Helene jetzt ergehen mag?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbDen Umst\u00e4nden entsprechend gut. Ich habe das irgendwie im Urin\u00ab, versuchte er sie zu beruhigen, obwohl er nicht sicher sein konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbIhr Assistent sagte mir, da\u00df man sich auf Ihre Vorahnungen meist verlassen k\u00f6nne.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbNoch eine halbe Stunde\u00ab, sagte Wagner nach einem Blick auf die Borduhr. Glauben Sie mir, den Kollegen geht es wie Ihnen. Nur, da\u00df sie nicht pers\u00f6nlich betroffen sind.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbDas ist wohl der eklatanteste Unterschied.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">Ein leichter Spr\u00fchregen setzte ein. Schnell waren die Scheiben von einem d\u00fcnnen Wasserfilm \u00fcberzogen. Schirme beherrschten jetzt das Stra\u00dfenbild. Es war d\u00e4mmrig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbNoch gut zehn Minuten\u00ab, verk\u00fcndete Wagner. Er reichte Ria den Umschlag. \u00bbEs wird Zeit. Sie gehen am besten schon jetzt, da brauchen Sie nicht zu hetzen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">Ria nahm den Umschlag in Empfang. Ihre H\u00e4nde zitterten. Sie \u00f6ffnete die Wagent\u00fcr und stieg aus. Nachdem sie die T\u00fcr zugeschlagen hatte, drehte Wagner den Funk lauter und nahm das Handger\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbSie geht jetzt los\u00ab, gab er durch. \u00bbAktion l?uft an.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">Er legte das Handger\u00e4t in den Scho\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbWenn alles vorbei ist, schlage ich drei Kreuze\u00ab, sagte er laut. \u00bbEine gew\u00f6hnliche Entf\u00fchrung w\u00e4re mir lieber. Hoffentlich werden wir nicht beobachtet. Denen traue ich zu, besser organisiert zu sein als wir.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">Ria ging bis zum befestigten Gehweg. Sie blieb stehen, warf einen Blick in die Runde und ging weiter zur Ampel. Den Umschlag hielt sie fest in der Rechten. Der Nieselregen legte schnell einen Schleier feiner Wassertropfen auf ihr Haar und ihre Kleidung. Sie mu\u00dfte einigen Leuten ausweichen, die mit aufgespannten Schirmen entgegenkamen und weder rechts noch links schauten. Sie erreichte den Abgang zur Unterf\u00fchrung und zur U-Bahnhaltestelle schnell. Hier war es wenigstens trocken, aber noch betriebsamer. Am Zeitungskiosk neben dem Aufgang zu den oberirdischen Linien, erblickte sie einen der Beamten aus dem Besprechungszimmer, beim Fahrkartenautomaten einen zweiten. Sie konnten auf den unbedarften Beobachter tats\u00e4chlich wie unbeteiligte Passanten wirken. An den Fahrkartenschaltern waren lange Schlangen, viele wirkten un\u00fcbersehbar m\u00fcrrisch, ob des erzwungenen Wartens. Aus der Passage, die zu den Kaufh\u00e4usern f\u00fchrte, str\u00f6mten unaufh\u00f6rlich Menschen, von denen viele mit vollen T\u00fcten und Taschen zu den unter- und oberirdischen Bahnsteigen dr\u00e4ngten. Vor den Telefonzellen warteten gleichfalls Leute. Sie f\u00fchlte sich verloren inmitten der Betriebsamkeit. Alle diese Menschen erschienen ihr wie Statisten in einem Handlungsablauf, von dem sie nichts wu\u00dften. Sie gab sich einen Ruck und ging zur Treppe, die zum Bahnsteig hinunterf\u00fchrte, wo der Umschlag deponieren werden sollte. Als sie die Treppe erreichte, kam ihr ein Schwall Leute entgegen. Kurz darauf h\u00f6rte sie das Ger\u00e4usch der abfahrenden Bahn. Sie hielt sich beim Gel\u00e4nder, damit sie nicht die Treppe unfreiwillig wieder hinaufgedr\u00e4ngt wurde. Auf dem Bahnsteig warteten die Leute gedr\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">Die Bahnsteiguhr zeigte 17 Uhr 08 an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">Auf der Anzeigetafel wurde in roten Leuchtpunkten die n\u00e4chste Bahn angek\u00fcndigt. Kurz darauf erschien darunter die darauffolgende. Sie mu\u00dfte sich an den Wartenden vorbei zum Papierkorb dr\u00e4ngen. Nur z\u00f6gernd wurde ihr Platz gemacht. Man beachtete sie kaum. Die Aufmerksamkeit galt einzig den eintreffenden Z\u00fcgen. Einer der Linie 12 fuhr ein. Die Einsteigenden dr\u00e4ngten sich so dicht an die sich \u00f6ffnenden T\u00fcren, da\u00df die Aussteigenden kaum M\u00f6glichkeit hatten, das Innere der Bahn zu verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">\u00bbMachen Sie doch, <i>bitte<\/i>, die T\u00fcren frei!\u00ab, erscholl \u00fcber die Au\u00dfenlautsprecher des Fahrzeugs die genervte Stimme des Fahrers. \u00bbSo kann doch niemand aussteigen! Und, <i>bitte,<\/i> nach hinten durchgehen und die T\u00fcren freimachen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">Obwohl die Bahn hoffnungslos \u00fcberf\u00fcllt schien, fanden doch alle Platz. Als der Zug anfuhr, erreichte Ria den Papierkorb, um den es f\u00fcr wenige Augenblicke freier wurde. Mit zitternden Fingern und weichen Knien legte sie den Umschlag in den halbleeren Beh\u00e4lter. Ohne sich umzusehen, ging sie schnellen Schrittes zur Treppe. Ihren Teil hatte sie erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">Die Uhr sprang auf 17 Uhr 11.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">Der Blick der Beamten war nun nicht mehr auf Ria konzentriert, die sie bis dahin keinen Moment aus den Augen gelassen hatten, sondern nur noch auf den Papierkorb und den Umschlag. Niemand schien auf die junge Frau geachtet zu haben, die ihn dort deponiert hatte. Ein Doppelzug der Linie 16 fuhr ein. Mit lautem Zischen \u00f6ffneten sich die T\u00fcren. Die Schritte der Fahrg\u00e4ste lie\u00dfen die Trittbretter klappern. F\u00fcr einen kurzen Moment gerieten die Beamten in den Sog der ein- und aussteigenden Menschen. F\u00fcr einen Moment, kaum l\u00e4nger als der Fl\u00fcgelschlag des Kolibris, verloren sie den Papierkorb aus den Augen. Niemand h\u00e4tte vermutet, da\u00df dieser Zeitraum ausreichen k\u00f6nnte, da\u00df sich etwas ereignete. Als der Blick auf den Papierkorb wieder frei wurde, mu\u00dften sie zu ihrem Entsetzen feststellen, da\u00df der Umschlag verschwunden war. Blitzschnell machte ihr Blick die Runde, suchten sie nach jemanden, der diesen Umschlag in der Hand halten k\u00f6nnte. Doch sie entdeckten nur Menschen mit Einkaufst\u00fcten, Aktenkoffern und -taschen. Zischend schlossen sich die T\u00fcren der Bahn, die daraufhin abfuhr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug wp-block-paragraph\">Die Uhr sprang auf 17 Uhr 13.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Leseprobe aus dem im Fr\u00fchjahr erscheinenden Roman \u00bbQEL-250\u00ab. Vorbemerkung: Die Handlung spielt im Jahr 1985. &nbsp; \u00bbSie sind nun soweit \u00fcber den geplanten Ablauf unserer Aktion informiert\u00ab, schlo\u00df Wagner seine Ausf\u00fchrungen vor der Einsatzgruppe. 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