{"id":5903,"date":"2019-10-15T03:33:46","date_gmt":"2019-10-15T01:33:46","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=5903"},"modified":"2026-03-30T17:06:53","modified_gmt":"2026-03-30T15:06:53","slug":"leseprobe-die-staatsanwaeltin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=5903","title":{"rendered":"Leseprobe \u00bbDie Staatsanw\u00e4ltin\u00ab"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/werkstatt.jpg\" \/><\/p>\n<div><a href=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Die-Staatsanw\u00e4ltin-Titel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"buchtitel\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Die-Staatsanw\u00e4ltin-Titel-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" \/><\/a><\/div>\n<h2 style=\"text-align: left; font-size: 3em;\">1.<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unverst\u00e4ndliches Raunen drang wie durch dichten Nebel ged\u00e4mpft zu ihr. Es war ihr unm\u00f6glich zu erkennen, ob es m\u00e4nnliche oder weibliche Stimmen waren. Ihre Gedanken liefen tr\u00e4ge ab. Sie wu\u00dfte lediglich, da\u00df sie nicht tr\u00e4umte. Sie versp\u00fcrte leichte \u00dcbelkeit, begleitet von einem eigenartigen Druck auf den Kopf. Ihr K\u00f6rper gehorchte ihr nicht. Sie besa\u00df keine Erinnerung, wie sie in diesen Zustand geraten war. Nach einiger Zeit verstummten die Stimmen, um unbestimmbare Zeit sp\u00e4ter erbittert streitend erneut zu ert\u00f6nen. Sie f\u00fchlte jemanden in ihrer unmittelbaren N\u00e4he, h\u00f6rte leises Klirren von Glas. Allm\u00e4hlich beruhigten sich die Stimmen. Dann verstummten sie wieder. Kurz darauf wu\u00dfte sie, da\u00df sie allein war.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Langsam gewann sie die Kontrolle \u00fcber ihren K\u00f6rper zur\u00fcck, dabei verst\u00e4rkten sich \u00dcbelkeit und Kopfschmerzen. Die bunten Nebel, die bisher vor ihren Augen flimmerten, wurden durchsichtiger. Reflexartig ber\u00fchrte sie mit der Rechten die Stirn, die sich feucht und k\u00fc?hl anf\u00fchlte. Sie blieb liegen, die Augen geschlossen. Sie f\u00fchlte sich noch nicht in der Lage, sie zu \u00f6ffnen, noch weniger sich aufzurichten. Ein pelziger Geschmack auf der Zunge und leichtes Herzrasen begleiteten \u00dcbelkeit und Kopfschmerzen.<!--more--><\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie \u00f6ffnete die Augen. Sie mu\u00dfte blinzeln, obwohl das Licht im Raum ged\u00e4?mpft war. Noch erkannte sie ihre Umgebung lediglich schemenhaft. Sie richtete sich m\u00fchsam auf, wodurch sich die \u00dcbelkeit verst\u00e4?rkte. Sie hatte das Gef\u00fchl, auf einem schwankenden Untergrund zu sein. F\u00fcr kurz stellte sich ein Brechreiz ein, den sie aber niederk\u00e4mpfte, au\u00dfer Magens\u00e4ure w\u00fcrde ohnehin nichts herauskommen, das sp\u00fcrte sie. Sie lehnte sich zur\u00fcck und schlo\u00df erneut die Augen. Als das Schwanken und die \u00dcbelkeit etwas nachlie\u00dfen, der pelzige Geschmack und die Kopfschmerzen verringerten sich nur unwesentlich, \u00f6ffnete sie erneut die Augen. Nun sah sie ihre Umgebung klarer. Sie war in ihrer Wohnung auf der breiten bequemen beigen Designer-Ledercouch sitzend.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Allm\u00e4hlich kehrte die Erinnerung an die vergangenen Stunden zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie hatte sich von Martin \u00fcberreden lassen, den Abend nicht im Club zu verbringen, sondern ihn mit zu ihr zu nehmen. Er hatte eine Flasche Sekt mitgebracht. Sie konnte sich noch erinnern, wie sie Gl\u00e4ser aus dem Schrank holte und er die Flasche \u00f6ffnete. W\u00e4hrend er die Gl\u00e4ser f\u00fcllte, setzte sie sich ihm betont verf\u00fchrerisch gegen\u00fcber auf die Couch, die langen Beine lasziv \u00fcbereinandergeschlagen, die oberen Kn\u00f6pfe der Bluse bis zum Taillenkorsett ge\u00f6ffnet, ihm ihr \u00fcppiges Dekollet\u00e9 pr\u00e4sentierend. Sie konnte sich t\u00e4uschen, aber im Nachhinein hatte sie den Eindruck, da\u00df er auf ihre exhibitionistische Einladung mehr pflichtschuldig reagierte. Sie trank ihr Glas schnell aus. Er schenkte ihr sofort nach. Sie plauderten \u00fcber Belangloses. Er unternahm alles, um den entscheidenden Moment hinauszuz\u00f6gern. Seine sanfte Stimme wirkte einschl\u00e4fernd auf sie. Mehrmals wollte sie ihn schon unwirsch auffordern, das Reden zu lassen und sie endlich zu ficken, wof\u00fcr sie schlie\u00dflich bei ihr waren, aber sie konnte ihre zunehmende Schl\u00e4frigkeit nicht mehr \u00fcberwinden. Seine Stimme wurde immer undeutlicher. Die Lider wurden ihr schwer. Sie sank zur Seite. Er mu\u00dfte ihr das noch halbvolle Glas aus der Hand genommen haben oder sie hatte es in einem Reflex auf den Couchtisch zur\u00fcckgestellt. Dann war eine L\u00fccke in ihrer Erinnerung, bis diese Stimmen, die sie nicht identifizieren konnte, wie durch dichten Nebel zu ihr drangen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die Erkenntnis durchfuhr sie, da\u00df nicht M\u00fcdigkeit sie \u00fcbermannt hatte, sondern irgend etwas im Sekt gewesen sein mu\u00dfte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Martin schien nicht mehr dazusein, zumindest nicht in diesem Zimmer. Im Augenblick dachte sie nicht weiter dar\u00fcber nach. Es fiel ihr noch zu schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Die Sektflasche und die beiden Gl\u00e4ser standen geleert und offenbar sorgf\u00e4ltig gesp\u00fclt auf der schweren Glasplatte des Couchtischs. Nicht einmal die Spuren ihres wie gewohnt \u00fcppig aufgetragenen Lippenstifts waren mehr vorhanden. Auch dar\u00fcber machte sie sich \u2013 vorerst \u2013 ebensowenig Gedanken.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Kopfschmerzen, \u00dcbelkeit und der pelzige Geschmack lie\u00dfen nur wenig nach. Sie wischte sich erneut \u00fcber die Stirn. Ihr Schwei\u00df f\u00fchlte sich kalt und \u00f6lig an. Ihre H\u00e4nde zitterten leicht.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Schwerf\u00e4llig und leicht schwankend erhob sie sich. Sie ben\u00f6tigte etwas, bis ihr Kreislauf sich an den Stellungswechsel ihres K\u00f6rpers gew\u00f6hnte. Leicht unsicher tastete sie sich auf Str\u00fcmpfen den Flur mit halb geschlossenen Augen zum Bad am anderen Ende ihrer gro\u00dfen Wohnung entlang.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Dort drehte sie das kalte Wasser auf und lie\u00df ein Zahnputzglas halb vollaufen. Sie \u00f6ffnete den kleinen Schrank neben dem Spiegel, in dem sich ihre Hausapotheke befand, nahm ein Aspirin heraus und ri\u00df mit zitternden Fingern die Schutzh\u00fclle auf. W\u00e4hrend sich die Brausetablette im Zahnputzglas aufl\u00f6ste, st\u00fctzte sie sich auf den Rand des Waschbeckens und hielt den Blick gesenkt. Erneut mu\u00dfte sie einen Brechreiz unterdr\u00fccken. Ihre Bauchmuskeln schmerzten dabei. Das Sprudeln des sich aufl\u00f6senden Aspirins erschien ihr unnat\u00fcrlich laut und nicht nur, weil es so still in der Wohnung war. Sie f\u00fchlte sich, als h\u00e4tte sie eine wild durchzechte Nacht hinter sich, dabei sprach sie seit vielen Jahren dem Alkohol nur noch m\u00e4\u00dfig zu. Sie atmete mehrmals tief durch. Ihr Herz schlug nicht mehr ganz so schnell, doch in ihren Adern kribbelte es noch immer unangenehm.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Das Aspirin hatte sich aufgel\u00f6st. Sie leerte das Glas in einem Zug. Jetzt hie\u00df es abwarten, bis sich die Wirkung einstellte. Derweil lie\u00df sie kaltes Wasser \u00fcber die Handgelenke laufen. Langsam beruhigte sich ihr Kreislauf, auch die Kopfschmerzen lie\u00dfen sp\u00fcrbar nach, lediglich der pelzige Geschmack auf der Zunge blieb. Sie trank noch einen Becher Wasser und stellte es ab, da es sie nun fr\u00f6stelte, und trocknete die H\u00e4nde ab, die noch immer leicht zitterten. Erst beim zweiten Anlauf gelang es ihr, das Handtuch wieder aufzuh\u00e4ngen. Sie \u00f6ffnete den Deckel vom WC, schob den Rock hoch, einen Slip trug sie nur selten, und lie\u00df sich fast schwerf\u00e4llig auf den Sitz fallen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">W\u00e4hrend ihr Urin mit einem kr\u00e4ftigen Strahl in die Porzellansch\u00fcssel prasselte, versuchte sie erneut zu rekapitulieren, wie der Abend verlaufen war, seit sie mit Martin ihre Wohnung betreten hatte, was ihr weiterhin nur unzureichend gelang. Sie konnte weder sagen, ob die Stimmen nicht nur Teil eines bizarren Traums waren, und noch weniger, aus welchem Grund Martin den Sekt mit etwas versetzt hatte, das sie bet\u00e4ubt hatte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie bet\u00e4tigte die Sp\u00fclung. Noch immer leicht unsicher auf den Beinen verlie\u00df sie das Bad, das ihrem \u203aSpielzimmer\u2039 gegen\u00fcber lag. Es war ihr Stolz. Sie hatte es mit viel Liebe zum Detail und ohne R\u00fccksicht auf die Kosten eingerichtet. Selbst das edelste Dominastudio der Stadt wirkte dem gegen\u00fcber bescheiden. Prunkst\u00fcck war ein moderner Untersuchungsstuhl, wie ihn nicht einmal ihre Gyn\u00e4kologin besa\u00df, die an ihrer Praxisausstattung gleichfalls nicht sparte. Die Spielger\u00e4te waren von einem erfahrenen Schreiner und einem ebensolchen Metallbauer nach ihren Entw\u00fcrfen gefertigt worden. Die Bez\u00fcge der Polsterungen bestanden aus feinem weinroten Lammnappaleder. Der Boden war mit dunkel lasierten Parkettdielen belegt, wie \u00fcberall in der Wohnung, nur der Boden des Bads und des WCs mit der schmalen Dusche war gefliest. In einem Regal aus Stahl und Glas lagen verschiedene SM-\u203aToys\u2039 und links neben der T\u00fcr hingen s\u00e4uberlich aufgereiht an der Wand Gerten, handgeflochtene Peitschen und andere Schlaginstrumente.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie stand einige Augenblicke in der Badezimmert\u00fcr, sich an der Zarge abst\u00fctzend, bis sie begriff, was sie sah.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Vor dem in der N\u00e4he der T\u00fcr rechts stehenden Strafbock lag auf dem Boden nackt und in gekr\u00fcmmter Haltung, ihr den, mit tiefroten Striemen \u00fcbers\u00e4ten R\u00fccken zugewandt, die H\u00e4nde mit Handschellen aus ihrer Sammlung gefesselt und mit einem Ballknebel im Mund, der ihm im Nacken ungew\u00f6hnlich fest fixiert worden war, Martin bewegungslos.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mit zitternden Knien, diesmal keine Folge ihrer \u00dcbelkeit, betrat sie das \u203aSpielzimmer\u2039. Unbewu\u00dft hatte sie bereits erfa\u00dft, was sie jetzt n\u00e4her in Augenschein nahm, in der schwachen Hoffnung, sich aufgrund der derzeitigen Tr\u00e4gheit ihres Verstandes zu t\u00e4uschen. Sie beugte sich \u00fcber ihn, wobei sie fast das Gleichgewicht verlor. Sie sah, da\u00df etwas vom Erbrochenem am Knebel vorbei aus seinem Mundwinkel gelaufen war. Seine Augen schauten seelenlos ins Leere. Es war nicht der erste Tote, den sie in ihrem Leben sah, dennoch f\u00fchlte sie zum ersten Mal das Aufkommen eines Schocks dar\u00fcber. Es flimmerte ihr vor den Augen. Sie hatte das Gef\u00fchl, da\u00df ihr Kreislauf gleich schlapp machte. Sie wankte zur T\u00fcr, taste sich an der Wand entlang zum Arbeitszimmer, wo die Basisstation mit dem Handger\u00e4t stand. Sie atmete tief durch und w\u00e4hlte fahrig zuerst die Nummer des Rettungsdienstes und anschlie\u00dfend die der Kripo.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. &nbsp; Unverst\u00e4ndliches Raunen drang wie durch dichten Nebel ged\u00e4mpft zu ihr. Es war ihr unm\u00f6glich zu erkennen, ob es m\u00e4nnliche oder weibliche Stimmen waren. Ihre Gedanken liefen tr\u00e4ge ab. Sie wu\u00dfte lediglich, da\u00df sie nicht tr\u00e4umte. Sie versp\u00fcrte leichte \u00dcbelkeit, begleitet von einem eigenartigen Druck auf den Kopf. Ihr K\u00f6rper gehorchte ihr nicht. 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