{"id":605,"date":"2009-01-21T19:16:05","date_gmt":"2009-01-21T18:16:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=605"},"modified":"2026-04-03T12:58:15","modified_gmt":"2026-04-03T10:58:15","slug":"kurzes-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=605","title":{"rendered":"Kurzes #7 \u00b7 Begegnung auf dem Friedhof"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/inter.jpg\" \/><\/p>\n<p><i>Folgende Schilderung einer Begegnung auf dem Friedhof einer Kleinstadt ist ein Abschnitt aus einer neuen, sich noch mitten in der Bearbeitung befindenden Erz\u00e4hlung mit dem Arbeitstitel <\/i>\u203aAdalberts Erbe\u2039<i>, in der es um ein altes Haus, das Teil einer Erbschaft ist und der Tatsache geht, da\u00df einer der beiden Erben, aus dessen Sicht erz\u00e4hlt wird, vorerst nicht wei\u00df, wer mit ihm erbt.<\/i><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Schatten waren betr\u00e4chtlich l\u00e4nger und durchsichtiger geworden. Er mu\u00dfte auf dem Stuhl eingenickt sein. Ihm fiel ein, da\u00df er auf jeden Fall noch zum Friedhof gehen wollte, dem Grab seines Patenonkels einen Besuch abstatten. Eilig r\u00e4umte er das Geschirr in die K\u00fcche. Tisch und St\u00fchle lie\u00df er stehen wo sie waren. Er holte die etwas ungelenke Skizze, die ihm der alte Notar von der Lage des Grabes gegeben hatte, aus einer mitgebrachten Mappe mit diversen Schriftst\u00fccken. Vermutlich h\u00e4tte er das Grab nach einigem Suchen auch ohne diese Skizze gefunden, allzu gro\u00df war der alte Friedhof ja nicht, wenn auch in die L\u00e4nge gezogen.<br \/>\nSorgf\u00e4ltig schlo\u00df er das Haus ab, trat durch das Tor auf die Stra\u00dfe hinaus und ging gem\u00e4chlichen Schrittes zum Friedhof, der kaum zehn Minuten Fu\u00dfweg entfernt lag.<br \/>\nAuf gelegentlichen Spazierg?ngen mit seinem Patenonkel war er am Friedhof oft vorbeigekommen. Aus der halb im Scherz gemachten Bemerkung seines Patenonkels, eines Tages w\u00fcrde er ihn dort besuchen, war nun Tatsache geworden war. Die halbhohe Mauer aus roten Ziegeln, die den Friedhof umfriedete, die kleine aus denselben Ziegeln erbaute mit bunten Glasfenstern versehene Kapelle, die akkurat angelegten gepflegten Kieswege, hatten auf ihn schon immer wie Zeugen der Ewigkeit gewirkt, als h\u00e4tten sie immer hier gestanden und w\u00fcrden bis zum Ende aller Zeiten hier stehen.<br \/>\nEr trat durch das offenstehende Tor, ging an der Tafel mit den \u00d6ffnungszeiten und Winterpflegehinweisen nebst einer Kurzfassung der Friedhofsordnung achtlos vorbei und holte die Skizze aus seiner Tasche. Nach dieser m\u00fc\u00dfte er die Kapelle rechter Hand liegen lassen und den Hauptweg ein ganzes St\u00fcck geradeaus gehen. Dieser war schnurgerade angelegt und man konnte ohne M\u00fche bis zum gegen\u00fcberliegenden Tor sehen, durch das man auf einen asphaltierten breiten Feldweg kam. Nach etwa siebzig Metern mu?te er sich links halten, dann ein St\u00fcck geradeaus und erneut links. Er steckte die Skizze wieder in die Tasche und hob den Blick.<br \/>\nHatte er zuvor beim kurzen Blick den Hauptweg entlang niemanden gesehen, so schrak er fast zusammen, da ihm in vielleicht zwanzig Metern Entfernung eine junge Frau entgegenkam, die den Weg mit ruhigen gemessenen Schritten, was nicht an ihren hohen Abs\u00e4tzen lag, entlang ging, die H\u00e4nde in den Taschen ihrer langen dunklen Lederjacke vergraben. Sie fiel ihm nicht nur auf, weil sie gro\u00df gewachsen war und eine ansprechende Silhouette besa\u00df, sondern einfach zu damenhaft elegant f\u00fcr diesen kleinen Ort wirkte. Zur Lederjacke, deren G\u00fcrtel sie so fest geschn\u00fcrt hatte, da\u00df ihre schmale Taille betont wurde, trug sie einen dunklen, scheinbar schlicht geschnittenen Rock gleicher Farbe aus hochwertigen Stoff, helle Str\u00fcmpfe und hochhackige gepflegte Schuhe aus feinem braunem Leder. Lockiges langes rotbraunes Haar umrahmte ein traurig dreinblickendes h\u00fcbsches dezent geschminktes Gesicht. Ihre Augen wurden von einer sehr dunklen Sonnenbrille verdeckt. Scheinbar nur geradeaussehend, den Blick mehr auf den Weg vor sich gerichtet als ihre Umgebung wahrnehmend schritt sie an ihm vorbei. Wobei ihm f\u00fcr einen Moment ihr dezentes fruchtiges Parfum in die Nase wehte. Diese Duftnote war ihm unbekannt. Er konnte sich des Eindrucks jedoch nicht erwehren, da\u00df es alles andere als zu den preiswerten z\u00e4hlte.<br \/>\nKaum war sie an ihm vorbeigeschritten, blieb er einen Augenblick stehen und sah ihr nach. Sie ging zielstrebig auf den Ausgang zu. Irgend etwas an dieser Frau war eigenartig ohne da\u00df er h\u00e4tte sagen k\u00f6nnen warum. Und es lag eindeutig nicht allein an ihrer Erscheinung. Aus dem Ort war sie auf keinen Fall, es gab hier so gut wie keine Bewohner, die sich eine so offenkundig teure Garderobe h\u00e4tten leisten k\u00f6nnen oder auch wollten. Sie repr\u00e4sentierte vom Scheitel bis zur Sohle die St\u00e4dterin.<br \/>\nAls sie durch das Tor getreten war, sich nach rechts gewandt hatte und somit aus seinem Blickfeld verschwunden war, ging er weiter. Er folgte der Skizze und mu\u00dfte \u2013 wie nicht anders erwartet \u2013 ein wenig suchen, wor\u00fcber er die Begegnung mit der sch\u00f6nen Unbekannten verga\u00df.<br \/>\nLange stand er vor dem Grab seines Patenonkels. Die Sonne stand bereits tief \u00fcber dem Horizent, Myriaden von Insekten schwirrten in den letzten Strahlen, die Schatten waren schwach und sehr lang geworden. Ein leichter Wind trug vom angrenzenden Wald Tannenduft her\u00fcber. Die meisten der bereits verwelkten Kr\u00e4nze war entfernt worden. Dar\u00fcber da\u00df eine Vase mit frischen Blumen und ein Grablicht, das ebenfalls noch nicht lange brennen konnte mitten auf dem Grab stand, machte er sich keine Gedanken. Sein Patenonkel besa\u00df genug Freunde und Bekannte im Ort, die daf\u00fcr verantwortlich sein konnten. Morgen vormittag w\u00fcrde er als erstes einen Kranz in der G\u00e4rtnerei unweit des Friedhofs bestellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Folgende Schilderung einer Begegnung auf dem Friedhof einer Kleinstadt ist ein Abschnitt aus einer neuen, sich noch mitten in der Bearbeitung befindenden Erz\u00e4hlung mit dem Arbeitstitel \u203aAdalberts Erbe\u2039, in der es um ein altes Haus, das Teil einer Erbschaft ist und der Tatsache geht, da\u00df einer der beiden Erben, aus dessen Sicht erz\u00e4hlt wird, vorerst [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[37,32,36],"tags":[38,41,57],"class_list":["post-605","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kurze-geschichten","category-literarisches","category-werkstatt","tag-kurzgeschichten","tag-literatur","tag-werkstatt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/605","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=605"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/605\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8032,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/605\/revisions\/8032"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=605"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=605"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=605"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}