{"id":649,"date":"2009-02-21T04:45:35","date_gmt":"2009-02-21T03:45:35","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=649"},"modified":"2026-04-11T11:30:10","modified_gmt":"2026-04-11T09:30:10","slug":"kurzes-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=649","title":{"rendered":"Kurzes #10 \u00b7 \u00dcberraschender Besuch"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/inter.jpg\" \/><\/p>\n<p><i>Ein Auszug aus der \u00bbVilla nebenan\u00ab.<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Marius und sein Freund, die ihn am Abend zuvor besucht hatten, waren erst in den fr\u00fchen Morgenstunden gegangen. Als er sie zum Wagen begleitet hatte, zeigte sich im Osten bereits ein heller Streifen.<br \/>\nUnsinnigerweise war er zur selben Zeit wie gew\u00f6hnlich aufgestanden. Doch schon bald forderte die durchwachte Nacht ihren Tribut. Herzhaft g\u00e4hnend hatte er nachgegeben und sich f\u00fcr ein St\u00fcndchen oder zwei aufs Sofa im Arbeitszimmer gelegt. Er war kaum in einen wohligen Halbschlummer hin\u00fcbergeglitten, als es klingelte. Schlaftrunken sah er zum Telephon hin\u00fcber, glaubte im ersten Moment, das Klingeln sei von dort gekommen. Ein zweites, diesmal l\u00e4nger andauerndes L\u00e4uten belehrte ihn eines besseren. Tr\u00e4ge und verschlafen stand er auf und ging nach unten.<!--more--><br \/>\n\u00bbIch dachte schon du w\u00e4rst nicht da.\u00ab<br \/>\n\u00bbLydia\u00ab, rief er erstaunt aus, als s\u00e4he er einen Geist, und war sofort hellwach.<br \/>\n\u00bbDanke. Begr\u00fc\u00dft man so seine alte Freundin?\u00ab meinte sie trocken und trat an ihm vorbei ins Haus.<br \/>\nAnscheinend gelang es ihm seit er hier wohnte nicht, seine Besucherinnen ad\u00e4quat und zu deren Zufriedenheit zu empfangen. Etwas schuldbewu\u00dft schlo\u00df er die T\u00fcr hinter ihr.<br \/>\nLydia bei sich zu sehen war eine \u00dcberraschung und bedeutete letztlich nur eines; selten suchte sie ihn aus einem anderen Grund auf, zumindest wenn sie nicht vorher anrief. Manchmal sah er sie wochen-, ja fast monatelang nicht, immer wenn sie gerade in einer gl\u00fccklichen Beziehung steckte, oder es glaubte zu sein; meistens traf letzteres zu. Lydia verliebte sich fast so schnell wie Marius, nur h\u00e4ufiger. Allerdings waren Marius\u2019 Liebhaber treuer. W\u00e4hrend Marius jede Trennung halbwegs mit W\u00fcrde bew\u00e4ltigte &ndash; er kam zu ihm und klagte ihm einen ganzen Tag lang sein Leid, aber dann war die Sache auch durchgestanden &ndash;, l\u00f6ste Lydia ihren Liebeskummer stets in drei Phasen auf; zuerst kompensierte sie die Trennung oral; sie pl\u00fcnderte den K\u00fchlschrank, kaufte dann den halben \u00f6rtlichen Supermarkt leer. Weil das naturgem\u00e4\u00df nicht ohne Folgen bleiben konnte, intensivierte sie ihr regelm\u00e4\u00dfiges Fitne\u00dfprogramm, das sie w\u00e4hrend ihrer Beziehungen nur sporadisch betrieb &ndash; klugerweise war sie vor \u00fcber zehn Jahren Mitinhaberin eines Fitne\u00df-Studios geworden und l\u00e4ngst ihre beste Kundin, nur so schaffte sie es, ihr Gewicht trotz dieser E\u00df-kapaden zu halten, denn sie war alles andere als eine schlanke Elfe, daf\u00fcr eine bildh\u00fcbsche, gro\u00dfe muskul\u00f6se \u00dcppige, rund einsachtzig messend, an der kein Gramm zu viel und nichts an der falschen Stelle war, auf deren straffen, wenn auch leicht gew\u00f6lbten Bauch und festen Po manche Gertenschlanke durchaus neidisch werden konnte. Nur ihre \u00fcppigen Br\u00fcste waren etwas schwer. Hatte sie ihren K\u00f6rper und vor allem ihre Seele wieder einigerma\u00dfen in Form gebracht, suchte sie in der dritten und letzten Phase bei ihm Trost und Aufmunterung. Das selbstredend mit der gleichen Intensit\u00e4t, mit der sie die beiden ersten Phasen bew\u00e4ltigte. Ihre entspannte Mimik, ihre Fr\u00f6hlichkeit und da\u00df sie mal wieder wirkte, als sei sie gerade von der Titelseite eines Hochglanzmodemagazins entstiegen, waren untr\u00fcgliche Zeichen f\u00fcr den Beginn jener dritten Phase.<br \/>\nW\u00e4hrend sie den Weg in sein Wohnzimmer alleine fand, folgte er ihr gem\u00e4chlich, war er doch noch nicht wirklich wach. Ihre blaue Lederhose lag wie eine zweite Haut an ihr, betonte ihre muskul\u00f6sen Beine mit den schmalen Fesseln und das wundersch\u00f6ne, runde feste Ges\u00e4\u00df. Das fast taillenlange braune dichte Haar, durch das er gerne mit den Fingern glitt, fiel weich \u00fcber ihre runden Schultern, direktes Sonnenlicht \u00fcberzog es stets mit einem kupfernen Schimmer. Wie \u00fcblich duftete es wie die F\u00fclle des Fr\u00fchlings drau\u00dfen. Auf den ungew\u00f6hnlich hohen Abs\u00e4tzen ihrer Stiefeletten, die sie noch gr\u00f6\u00dfer erscheinen lie\u00dfen, schritt sie sicher dahin.<br \/>\nIn ihrer Gegenwart verga\u00df er, da\u00df er ihr zwischendurch gerne grollte, weil sie sich nur selten und vor allem lediglich unter dem obengenannten Anla\u00df bei ihm blicken lie\u00df.<br \/>\n\u00bbSch\u00f6n hast du es hier\u00ab, meinte sie nach einem kurzen Rundblick.<br \/>\nSie zog die kurze taillierte Lederjacke aus, unter der sie nur ein \u00e4rmelloses hellseidenes Top trug, durch das sich ihre Brustwarzen sanft hindurchmodellierten &ndash; Lydia verzichtete bisweilen gerne auf einen BH, vor allem w\u00e4hrend der dritten Phase &ndash;, und legte sie nachl\u00e4ssig \u00fcber die Sessellehne. Sein Blick fiel nicht sogleich auf ihre \u00fcppigen Br\u00fcste, sondern auf ihre muskul\u00f6sen Arme, die ein beredtes Zeugnis davon abgaben, da\u00df sie Phase Zwei diesmal besonders intensiv betrieben hatte, was auf eine gleichfalls intensive erste Phase hindeutete, den m\u00f6glichen Verlauf der dritten lie\u00df er erst einmal au\u00dfer acht. Zwar wu\u00dfte er nicht, mit wem sie zusammengewesen war, aber es mu\u00df eine andere Qualit\u00e4t als sonst gehabt haben.<br \/>\nEr konnte nicht umhin, zum ungez\u00e4hlten Male festzustellen, da\u00df sie eine der sch\u00f6nsten Frauen war, die er kannte &ndash; Saskia und Vivian und Maria und einige andere, ihm auf die eine oder andere Weise nahestehende Frauen mochten es ihm verzeihen &ndash;, trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer ausgepr\u00e4gt weiblichen Rundungen.<br \/>\n\u00bbIch bin auch sehr zufrieden\u00ab, meinte er und sah ihr zu, wie sie zum Fenster ging und kurz hinausschaute.<br \/>\nSeinem Tonfall nach konnte es sich gleicherma\u00dfen auf das Haus wie auf ihre Anwesenheit beziehen.<br \/>\n\u00bbDein Garten ist ein richtiger kleiner Park. Also hat Marius doch nicht \u00fcbertrieben\u00ab, sagte sie mehr zu sich selbst.<br \/>\nSie drehte sich um und kam auf ihn zu. Sie umarmte und k\u00fc\u00dfte ihn, wegen ihrer hohen Abs\u00e4tze mu\u00dfte sie sich ein wenig zu ihm hinunterbeugen, obwohl er eigentlich etwas gr\u00f6\u00dfer als sie war, was ihm aber keinesfalls mi\u00dffiel.<br \/>\nEr hatte den \u00fcblichen leidenschaftlichen Ku\u00df erwartet, als h\u00e4tte sie monatelang auf ein erotisches Zungenspiel warten m\u00fcssen, doch wurde es ein fast freundschaftlicher Ku\u00df. Das konnte nur bedeuten, da\u00df sie nicht wie \u00fcblich blo\u00df f\u00fcr eine Aussprache und anschlie\u00dfend etwas Z\u00e4rtlichkeit gekommen war. Er war gespannt. Sie lie\u00df ihn auch nicht lange im unklaren.<br \/>\n\u00bbKann ich ein paar Tage bei dir bleiben?\u00ab fragte sie ungewohnt zur\u00fcckhaltend. \u00bbNaja, ich war so unklug vor\u00fcbergehend zu Florian, diesem Ekel\u00ab, ihr Tonfall an dieser Stelle dr\u00e4ngten ihm Assoziationen zu Mordgel\u00fcsten auf, \u00bbzu ziehen und meine Wohnung derweil einer Freundin zu \u00fcberlassen. Und solange bis sie etwas Neues hat, bin ich ohne Wohnung. Es ist auch nicht f\u00fcr lange. F\u00fcr eine, h\u00f6chstens aber zwei Wochen\u00ab, beeilte sie sich zu versichern und l\u00e4chelte etwas verlegen. <br \/>\nEr fragte sie nicht, warum sie ihre eigene Wohnung nicht mit dieser Freundin teilen konnte oder auch wollte, wahrscheinlich war jene nicht allein dort. Wollte sie dar\u00fcber sprechen, w\u00fcrde sie es schon fr\u00fch genug tun. Unabh\u00e4ngig davon hatte er absolut nichts dagegen einzuwenden, blieb sie eine Zeitlang bei ihm. Wie lange war sie schon nicht mehr l\u00e4nger als ein oder zwei N\u00e4chte bei ihm geblieben?<br \/>\n\u00bbVon mir aus kannst du auch ein halbes Jahr bleiben. Du wei\u00dft, da\u00df du mir immer willkommen bist\u00ab, sagte er eine Spur zu begeistert, wie er fand, umarmte sie und dr\u00fcckte sie mit fast schon mit \u00fcbertriebener z\u00e4rtlicher Leidenschaft an sich. <br \/>\nAuch wenn es tiefen Egoismus ausdr\u00fcckte, er war froh, da\u00df ihre Beziehungen selten l\u00e4nger als ein paar Monate hielten und sie anschlie\u00dfend stets bei ihm Trost und Aufmunterung suchte.<br \/>\n\u00bbDu bist lieb\u00ab, sagte sie, lie\u00df sich seine z\u00e4rtlich feste Umarmung gefallen und k\u00fc\u00dfte ihn nun mit der ihr eigenen Leidenschaft, mit der sie letztlich alles tat. Ihm blieb nichts anderes \u00fcbrig, als es \u00fcber sich ergehen zu lassen.<br \/>\nW\u00e4hrend Lydia sich mit einem Papiertuch die Spuren der soeben auf der Couch genossenen Lust entfernte &ndash; wie bereits erw\u00e4hnt, war Lydia stark oralorientiert &ndash; und ihr Make-up auffrischte, genauer gesagt ihren Lippenstift erneuerte, ansonsten benutzte sie nur noch einen Kajalstift, mit dem sie ihre tiefbraunen Augen betonte, holte er, sichtlich mit sich und der Welt zufrieden, ihr Gep\u00e4ck aus dem Wagen, das eher f\u00fcr zwei Monate denn f\u00fcr zwei Wochen kalkuliert war, wenn sie nicht gar ihren ganzen Hausstand mit sich f\u00fchrte.<br \/>\n\u00bbWo bringst du mich unter?\u00ab fragte sie, w\u00e4hrend sie im T\u00fcrrahmen des Wohnzimmers stehend ihr Top in den Hosenbund schob. <br \/>\nDen kleinen roten Fleck unterhalb ihrer rechten Schulter w\u00fcrde sie mit einem Papiertaschentuch nicht so leicht wegbekommen, aber er hatte diese Frau wirklich zum Fressen gern, dachte er, w\u00e4hrend er sagte:<br \/>\n\u00bbWohin wohl schon? In mein Schlafzimmer selbstverst\u00e4ndlich.\u00ab<br \/>\n\u00bbHast du kein G\u00e4stezimmer?\u00ab Es war eine reine Anstandsfrage und nach der vergangenen halben Stunde auf seiner Couch auch eine reichlich \u00fcberfl\u00fcssige.<br \/>\nAber so war Lydia nun einmal, sie dr\u00e4ngte sich ungern auf, konnte vor allem schlecht Nein sagen, was ihre M\u00e4nner in einem atemberaubenden Tempo erkannten und in der Regel noch schneller ausnutzten. Erkannte sie es, war es meist schon zu sp\u00e4t f\u00fcr eine g\u00fctige Trennung. Dabei war sie in der Redaktion als rei\u00dfende Tigerin gef\u00fcrchtet, wenn es darum ging, eine Sache an die sie glaubte, durchzusetzen.<br \/>\n\u00bbDoch, habe ich. Aber was willst du dort? Wir wissen beide, da\u00df du es ohnehin nicht benutzen wirst. Au\u00dferdem f\u00fcrchte ich mich allein im Dunkeln\u00ab, f\u00fcgte er scherzhaft hinzu.<br \/>\nEs war seine Art zu zeigen, wie \u00fcberfl\u00fcssig er ihre Frage fand.<br \/>\nEr ging mit einem gro\u00dfen Koffer und einer Reisetasche, die Ziegelsteine zu enthalten schien, nach oben.<br \/>\nLydia nahm die anderen beiden Reisetaschen und das Beauty-case, die er im Flur abgestellt hatte und folgte ihm.<br \/>\n\u00bbDein Arsch ist immer noch so herrlich knackig\u00ab, meinte sie fr\u00f6hlich, als sie hinter ihm die Treppe hinaufstieg. \u00bbDas macht mich richtig scharf.\u00ab<br \/>\n\u00bbMan dankt\u00ab, erwiderte er trocken.<br \/>\nDerart direkte Komplimente w\u00fcrden ihm immer etwas unangenehm bleiben, obwohl er l\u00e4ngst nicht mehr sagen konnte, wie oft und von wie vielen Frauen er sie schon vernommen hatte.<br \/>\nIn seinem Schlafzimmer angekommen, stellte er den Koffer und die Reisetasche vor dem Bett ab. Dann \u00f6ffnete er die letzte T\u00fcr des Kleiderschranks, die zwei \u00e4lteren Jacken, die dort hingen, nahm er heraus und brachte sie im Fach nebenan unter.<br \/>\n\u00bbSo, hier kannst du deine Sachen einr\u00e4umen, und den Rest in die obere Kommodenschublade.\u00ab<br \/>\nLydia zog besagte Schublade auf und holte ein blauseidenes H\u00f6schen heraus.<br \/>\n\u00bbVivian hat dich also auch mal wieder besucht\u00ab, meinte sie schmunzelnd, w\u00e4hrend sie das H\u00f6schen hochhielt. Sie roch kurz daran. \u00bbMu\u00df aber schon etwas her sein. Das riecht nur noch nach Schublade.\u00ab<br \/>\n\u00bbGut beobachtet\u00ab, meinte er lachend und auch ein bi\u00dfchen verlegen.<br \/>\nZwar mochte er es, wenn Vivian ihm diese kleinen \u203aPr\u00e4sente\u2039 dalie\u00df, aber vor anderen, besonders vor einer anderen Frau, war es ihm doch ein wenig peinlich.<br \/>\n\u00bbSie ist die einzige Frau, die ich kenne, die dir das H\u00f6schen \u00fcberl\u00e4\u00dft, in dem sie feucht geworden ist\u00ab, meinte Lydia salopp, zog die Schublade darunter auf und legte es zu seinen Unterhosen. \u00bbHier ist es besser aufgehoben\u00ab, meinte sie fast schon teilnahmsvoll und begann auszupacken.<br \/>\n\u00bbWenn etwas ist, rufe mich. Ich mache uns einen Tee und eine Kleinigkeit zu essen\u00ab, sagte er und ging nach unten.<br \/>\nMit Lydia kam eine angenehme Abwechslung in sein Heim. Auch w\u00e4hrend der drei Tage in der Woche, die sie halbtags in der Redaktion war, war doch stets etwas von ihr im Haus. Dort wo sie war, erf\u00fcllte sie alles mit Leben. Zudem profitierte er von ihrem deutlichen Hang zum Exhibitionismus, in den aber auch ein gesundes Ma\u00df von Eigenliebe mit hineinspielte &ndash; er kannte keine Frau, die so mit sich und mit ihrem K\u00f6rper in Einklang war &ndash;, was sich vor allem in ihrer Vorliebe f\u00fcr k\u00f6rperbetonte Kleidung zeigte. Hautenge Lederhosen trug sie ebenso gerne wie enge R\u00f6cke, tiefe Dekollet\u00e9s, hauchzarte Str\u00fcmpfe und hochhackige Schuhe. Lydia war Strumpfliebhaberin. Er kannte keine Frau, die so viele verschiedene Str\u00fcmpfe besa\u00df und mit einer Selbstvergessenheit anzog wie sie.<br \/>\nOft machte sie, w\u00e4hrend er schrieb, es sich auf dem Sofa in seinem Arbeitszimmer bequem, nur mit einem leichten N\u00e9glig\u00e9 bekleidet, die langen, selbstverst\u00e4ndlich bestrumpften Beine mit hochhackigen Riemchensandaletten an den F\u00fc\u00dfen, leicht angewinkelt, das lange Haar weich \u00fcber die runden Schultern flie\u00dfend, seitlich liegend und in einem Buch lesend. Ein Bild voller Sinnlichkeit und Sch\u00f6nheit, das in ihm nicht unbedingt nur Begehrlichkeit weckte, sondern vor allem ein \u00fcberaus \u00e4sthetischer Anblick war. So hatte er sich immer seine pers\u00f6nliche Muse vorgestellt. Und in der Tat ging ihm das Schreiben in ihrer Gegenwart leicht von der Hand.<br \/>\nNoch mehr geno\u00df er es, an der Seite dieser so klugen wie sch\u00f6nen und sehr liebenswerten Frau einzuschlafen und vor allem aufzuwachen. Mu\u00dfte sie morgens nicht in die Redaktion, blieben sie sogar etwas l\u00e4nger gem\u00fctlich aneinandergekuschelt liegen, plauderten oder lauschten einfach auf die hereindringenden Naturger\u00e4usche, beobachteten das Spiel der Gardine im hereinstr\u00f6menden Luftzug, sahen wie der Lichtfleck, den die Morgensonne ins Zimmer warf, langsam \u00fcber den Boden von der gegen\u00fcberliegenden Wand bis zum Fenster wanderte. Arbeitete er nicht an seiner Erz\u00e4hlung, widmete er sich ganz ihr. Die Rollen von Muse und K\u00fcnstler zwischen ihnen h\u00e4tte f\u00fcr ihn auch ruhig vertauscht sein k\u00f6nnen. Was er auch an ihr mochte und noch mehr bewunderte, waren ihre phantasievollen erotischen Ideen. Es wurde nie langweilig mit ihr. Verst\u00e4ndlich, da\u00df sie sich bisweilen bis zur wirklichen Ersch\u00f6pfung liebten, so da\u00df beide kaum noch die Kraft aufbrachten, auch nur das kleinste Glied zu bewegen.<br \/>\nNahm er alles zusammen, fiel es ihm schwer zu verstehen, warum sie mit ihren M\u00e4nnern nicht klar kam, oder besser, warum diese nicht mit ihr. Oder war es gerade weil sie so viel Phantasie und Eigeninitiative entwickelte? Weil sie so eine starke Pers\u00f6nlichkeit und \u00fcberdurchschnittlich intelligent und gebildet war? Und weil sie zu allem \u00dcberflu\u00df auch noch die Inkarnation eines feuchten Traumes unz\u00e4hliger M\u00e4nner verk\u00f6rperte? Er dagegen hatte bei ihr nie das Gef\u00fchl, da\u00df sie ihm nicht nur im erotischen Bereich das Heft aus der Hand nahm. Aber wurden die meisten M\u00e4nner nicht von Angst und Hilflosigkeit befallen, wenn sie den Eindruck hatten, da\u00df dies geschah? Es lag sicherlich nicht allein daran, da\u00df Lydia mit ihrer Aktivit\u00e4t die Initiative beanspruchte, sondern viel mehr daran, da\u00df sie sich zugleich weit \u00f6ffnete, ihr Innerstes zeigte, ihre \u203aSchw\u00e4chen\u2039 &ndash; insofern man es als Schw\u00e4che bezeichnen will, wenn ein Mensch zu seinen Gef\u00fchlen, seinen W\u00fcnschen steht &ndash;, was vielen M\u00e4nnern, und nicht nur denen, mindestens suspekt ist. Allerdings konnte er sich eine Beziehung auch nur zu intelligenten und selbstbewu\u00dften Frauen vorstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Auszug aus der \u00bbVilla nebenan\u00ab. &nbsp; Marius und sein Freund, die ihn am Abend zuvor besucht hatten, waren erst in den fr\u00fchen Morgenstunden gegangen. Als er sie zum Wagen begleitet hatte, zeigte sich im Osten bereits ein heller Streifen. Unsinnigerweise war er zur selben Zeit wie gew\u00f6hnlich aufgestanden. 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