{"id":668,"date":"2009-02-23T21:32:36","date_gmt":"2009-02-23T19:32:36","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=668"},"modified":"2026-04-11T11:33:03","modified_gmt":"2026-04-11T09:33:03","slug":"kurzes-11-der-stuhl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=668","title":{"rendered":"Kurzes #11 \u00b7 Der Stuhl"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/inter.jpg\" \/><\/p>\n<p><i>Der folgende Text ist ein weiterer Auszug aus dem in k\u00fcrze erscheinenden Buch <\/i>\u00bbNachhilfestunden\u00ab<i>. Darin wird erz\u00e4hlt wie R\u00fcdiger durch Zufall zu einem altersschwachen Stuhl kommt, der ihm aber gute Dienste bei der L\u00f6sung von Ullas Konzentrationsproblem leisten wird.<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00bbWas macht dein Nachhilfesch\u00fcler\u00ab, fragte Rolf mehr mit beil\u00e4ufigem Interesse, w\u00e4hrend er angestrengt im K\u00fcchenschrank kramte.<br \/>\nEr war ein ebenso passionierter Kaffeetrinker wie R\u00fcdiger ein Teetrinker, weshalb er sich aus alter Freundschaft heraus und als guter Gastgeber gezwungen sah, Tee aufzugie\u00dfen. Irgendwo mu\u00dfte er noch welchen haben. Er hatte doch immer Tee im Haus. Man wu\u00dfte ja nie, wer zu Besuch kam. Es w\u00e4re mehr als peinlich am bewu\u00dften Morgen danach auf die Frage: \u00bbHast du auch Tee?\u00ab antworten zu m\u00fcssen: \u00bbWie? Tee? Du trinkst Tee?\u00ab Wie viele hoffnungsvolle Beziehungen hatten auf diese Weise schon ein j\u00e4hes Ende genommen, bevor sie sich richtig entfalten konnten?<!--more--> Andererseits konnte Rolf sich nicht erinnern, wann das letzte Mal eine Teetrinkerin sein schmales Nachtlager mit ihm geteilt hatte. Dennoch w\u00e4re es interessant herauszufinden ob Teetrinkerinnen andere sexuelle Pr\u00e4ferenzen besitzen als Kaffeetrinkerinnen. Wozu studierte er eigentlich Soziologie? Und das w\u00e4re einmal ein wirklich interessantes Forschungsthema. Nat\u00fcrlich durfte man sich nicht auf Fragebogenaktionen allein verlassen. Um ausgiebige Feldforschungen w\u00fcrde er nicht herumkommen. F\u00fcr die Wissenschaft mu\u00df man schon mal das eine oder andere Opfer bringen, wof\u00fcr er sich nicht zu schade war. Bei diesem Gedanken bekam Rolfs Blick etwas Entr\u00fccktes. Beinahe h\u00e4tte er R\u00fcdiger vergessen und den Tee sowieso.<br \/>\nR\u00fcdiger stand im T\u00fcrrahmen und sah dem Freund bei dessen Suche zu. Es war ihm unbegreiflich, wie jemand es schaffte, in einem so kleinen Raum &ndash; mit mehr als drei Personen war die K\u00fcche hoffnungslos \u00fcberf\u00fcllt &ndash; ein derart gro\u00dfes Chaos anzurichten.<br \/>\n\u00bbSie macht sich blendend.\u00ab R\u00fcdiger strahlte \u00fcber das ganze Gesicht und holte damit den Freund aus dessen \u00dcberlegungen bez\u00fcglich gro\u00dfangelegten Feldforschungsprojekten und heroischen Selbstversuchen in die Wirklichkeit zur\u00fcck.<br \/>\n\u00bbTats\u00e4chlich? Anfang der Woche sagtest du noch etwas anderes.\u00ab Rolf hielt erstaunt mit seiner Suche inne. Auch die Selbstversuche schienen vergessen.<br \/>\n\u00bbWir haben gestern etwas Neues probiert, was ganz gut zu klappen scheint.\u00ab<br \/>\n\u00bbMu\u00dft du mir bei Gelegenheit einmal erkl\u00e4ren, deine Methode, vielleicht bringt sie mich ja auch einmal weiter.\u00ab<br \/>\n\u00bbIst leider sehr auf den jeweiligen Z\u00f6gling zugeschnitten und nur sehr schwer \u00fcbertragbar\u00ab, erwiderte R\u00fcdiger geheimnisvoll.<br \/>\n\u00bbAch, komm, gib\u2019s zu. Du hast gar keine spezielle Methode. Sie hat lediglich die Anfangsschwierigkeiten \u00fcberwunden. Das ist alles. Andernfalls w\u00fcrdest du auch nicht so geschraubt daherreden. Wie sich das anh\u00f6rt; Z\u00f6gling. Klingt, als h\u00e4ttest du\u2019s aus einem wilhelminischen Erziehungsratgeber. Falls es damals so etwas \u00fcberhaupt schon gegeben hat.\u00ab<br \/>\nR\u00fcdiger mu\u00dfte sich ein Grinsen verkneifen. Wenn Rolf w\u00fc\u00dfte, wie richtig er mit seiner Vermutung lag.<br \/>\n\u00bbWirklich speziell ist sie nicht, eher ziemlich alt. Wenn ich sie auch etwas an meine Situation angepa\u00dft habe\u00ab, fuhr er mit einem schelmischen Grinsen um die Mundwinkel fort, was Rolf jedoch anders interpretierte.<br \/>\n\u00bbAch, la\u00df mich doch dumm sterben\u00ab, meinte er resigniert mit einer wegwerfenden Geste und widmete sich demonstrativ wieder der Teebeutelsuche.<br \/>\nEr kannte den Freund lange genug um zu wissen, da\u00df der ziemlich eigensinnig sein konnte, wenn es ihm in den Kram pa\u00dfte. Je mehr man versuchte, ihm die W\u00fcrmer aus der Nase zu ziehen, desto mehr verschlo\u00df er sich. Aber wenn er schon eine so ausnehmend h\u00fcbsche Elevin hatte &ndash; jetzt dachte er auch schon so geschraubt! &ndash;, konnte er wenigstens etwas mehr \u00fcber sie erz\u00e4hlen. Wozu waren sie bereits seit der Grundschule miteinander befreundet? \u00dcberhaupt gelang es R\u00fcdiger anscheinend stets die h\u00fcbschesten Frauen an Land zu ziehen. Das war schon w\u00e4hrend der gemeinsamen Schultage so gewesen. Bis heute war Rolf nicht hinter die \u203aMasche\u2039 seines Freundes gekommen, was ihn wurmte.<br \/>\n\u00bbDachte ich mir\u2019s doch\u00ab, holte Rolf triumphierend eine etwas zerknitterte Schachtel mit Teebeuteln hervor. Da\u00df es Tee auch anders als im Beutel geben k\u00f6nnte, w\u00e4re ihm nie in den Sinn gekommen.<br \/>\nR\u00fcdiger unterdr\u00fcckte einen Seufzer. Aber das war immer noch besser als Rolfs Kaffee. Egal welche Sorte er verwendete, er schaffte es, da\u00df alle gleich schmeckten &ndash; gleich schlecht. Aus seinem Gebr\u00e4u lie\u00df sich auch mit viel Milch und Zucker kaum etwas Genie\u00dfbares machen.<br \/>\n\u00bbK\u00f6nnte ich mir auch gut vorstellen, ein toller Schu\u00df als Nachhilfesch\u00fclerin\u00ab, meinte Rolf mit deutlich anz\u00fcglichem Unterton mehr zu sich selbst.<br \/>\nR\u00fcdiger enthielt sich eines Kommentares. So sehr er die Gesellschaft des Freundes auch sch\u00e4tzte, was Frauen betraf geb\u00e4rdete dieser sich leider penetrant als Macho. Dabei gaben bei ihm fast immer die Frauen den Ton an.<br \/>\nRolf trug die dampfende Teekanne in das Zimmer, das ihm als Wohn-, Schlaf- und Arbeitsraum diente; auch hier war das Chaos nicht geringer.<br \/>\n\u00bbHalt, nicht darauf setzen!\u00ab<br \/>\nR\u00fcdiger fuhr zusammen und drehte sich schuldbewu\u00dft um. War er Gefahr gelaufen, sich auf etwas Zerbrechliches zu setzen? Aber auf dem schmalen Stuhl lag nichts au\u00dfer einem, zugebenerma\u00dfen, ziemlich h\u00e4\u00dflichen Kissen, was ihn aber nicht wirklich wunderte. Rolfs Geschmack war, gelinde gesagt, reichlich individuell.<br \/>\n\u00bbWarum?\u00ab fragte R\u00fcdiger irritiert.<br \/>\n\u00bbGlaube mir, du sitzt nicht besonders bequem darauf\u00ab, erkl\u00e4rte der Freund und nahm das Kissen vom Stuhl nachdem er die Kanne auf dem Tisch abgesetzt hatte.<br \/>\nR\u00fcdiger verstand immer noch nicht so recht. Sicher, die Sitzfl\u00e4che war nicht sehr gro\u00df ausgefallen und das Korbgeflecht, das die Sitzfl\u00e4che bildete, hatte eine ansehnliche Kuhle ausgebildet &ndash; aber ansonsten?<br \/>\n\u00bbDu sitzt echt nur noch auf dem schmalen Rand. Mit einem Kissen darauf geht es zwar, ist aber nicht wirklich zu empfehlen.\u00ab<br \/>\nR\u00fcdiger sah sich den Stuhl interessierter an. So, man sa\u00df nur noch auf dem schmalen Rand. Also war es nicht sehr bequem, vor allem mit nacktem Hintern und das Korbgeflecht w\u00fcrde sich sicherlich sch\u00f6n in die Haut eindr\u00fccken. Machte zudem einen rauhen Eindruck. &ndash; Nat\u00fcrlich, das k\u00f6nnte gehen!<br \/>\n\u00bbWas willst f\u00fcr den Stuhl haben?\u00ab fragte er und sah den Freund entschlossen an.<br \/>\n\u00bbWie? Was meinst du?\u00ab Rolf schaute den Freund nicht sehr intelligent an.<br \/>\n\u00bbWieviel du f\u00fcr den Stuhl willst?\u00ab wiederholte er seine Frage ruhig. Rolf stand manchmal wirklich auf der Leitung, dabei war es eine ganz einfache Frage.<br \/>\n\u00bbAlter Junge\u00ab, Rolf klopfte seinem Freund jovial und auch ein wenig sorgenvoll auf die Schulter. \u00bbWie ich bereits sagte, taugt der alte Schemel nicht mehr viel. Ich h\u00e4tte ihn seit langem nur zu gerne entsorgt, aber er ist das Geschenk meiner alten Tante. Sie meint, er sei etwas Besonderes. Aber ich bin l\u00e4ngst \u00fcberzeugt, da\u00df sie selbst nicht mehr wu\u00dfte wohin mit dem alten Teil und sah das als willkommene Gelegenheit die Loyalit\u00e4t ihres Lieblingsneffen auf die Probe zu stellen. Wenn du ihn also mit dir nimmst, tust mir einen riesigen Gefallen. Dann kann ich meiner Tante wenigstens mit ruhigem Gewissen sagen, da\u00df du dich so in ihn vernarrt hast, da\u00df ich dir deinen Wunsch aus alter Freundschaft nicht abschlagen konnte. Das wird die alte Dame r\u00fchren. Du wei\u00dft ja, wie sehr sie dich ins Herz geschlossen hat. &ndash; Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, was du damit willst. Er pa\u00dft gar nicht zu deiner Einrichtung.\u00ab<br \/>\nDas war das h\u00f6flichste Gegenargument, das ihm einfiel.<br \/>\n\u00bbIch habe schon eine Verwendung daf\u00fcr\u00ab, meinte R\u00fcdiger mit einem derart verkl\u00e4rten Blick, da\u00df Rolf f\u00fcr den Moment Sorge um das geistige Gesamtbefinden des Freundes bekam. Aber dann sagte er sich, da\u00df R\u00fcdiger Zeit seines Lebens immer wieder einmal schr\u00e4ge aber in der Regel harmlose Ideen hatte. Und wenn er dieses M\u00f6bel so bequem losw\u00fcrde, sollte es ihm recht sein. Seine Tante hatte sicherlich l\u00e4ngst vergessen, da\u00df sie ihm den Stuhl aufgeschwatzt hatte.<br \/>\nW\u00e4hrend der \u00fcbrigen Zeit seines Besuches h\u00f6rte R\u00fcdiger dem Freund nur mit halben Ohr zu. Seine Gedanken waren ganz bei dem Stuhl und wie er diesen nutzbringend bei Ulla zur Anwendung bringen konnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Text ist ein weiterer Auszug aus dem in k\u00fcrze erscheinenden Buch \u00bbNachhilfestunden\u00ab. 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