{"id":690,"date":"2009-02-27T02:17:43","date_gmt":"2009-02-27T01:17:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=690"},"modified":"2026-04-11T11:35:13","modified_gmt":"2026-04-11T09:35:13","slug":"kurzes-12-morgendliche-begegnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=690","title":{"rendered":"Kurzes #12 \u00b7 Morgendliche Begegnung"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/inter.jpg\" \/><\/p>\n<p><i>Der folgende Text ist ein kurzer Auszug aus dem sich zur Zeit noch mitten in der Bearbeitung befindenden Roman mit dem Arbeitstitel <\/i>\u00bbAdalberts Erbe\u00ab. <i>Ein weiterer Auszug ist bereits unter <\/i><a href=\"?p=605\">\u00bbKurzes #7\u00ab<\/a><i> zu finden.<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Gef\u00fchl von K\u00e4lte und Einsamkeit weckte ihn. Der Platz neben ihm war leer. Es d\u00e4mmerte bereits. Der durch das halb ge\u00f6ffnete Fenster hereindringende Luftzug bl\u00e4hte die Gardine auf. Das Laub der Buchen rauschte vernehmlicher, der Wind hatte merklich aufgefrischt. Schlie\u00dflich war f\u00fcr diesen Tag Regen angesagt. Die Stelle wo Zo\u00c3\u00ab gelegen hatte war noch warm. Vermutlich war sie ins Bad gegangen. F\u00fcr einen Augenblick erschrak er als er auf dem Stuhl auf dem sie ihre ausgezogenen Sachen ablegte, Rock und Bluse nicht mehr entdecken konnte. Sollte sie am Ende ohne Abschied gegangen sein. Dann aber machte sich tiefe Erleichterung in ihm breit; Str\u00fcmpfe, Taillenkorstett, H\u00f6schen und Schuhe waren noch an ihrem Platz.<!--more--><br \/>\nEr lag ruhig da und lauschte auf Ger\u00e4usche im Haus. Gleich w\u00fcrde die Wassersp\u00fclung gehen oder etwas in der Richtung. Aber es vergingen f\u00fcnf Minuten, zehn Minuten, eine viertel Stunde. Es bliebt ruhig, nur der Wind war heftiger geworden. Irgendwo hinten am Haus klapperte leicht ein Fensterladen. Entweder hatte er ihn nicht richtig fixiert oder die Fixierung mu\u00dfte erneuert werden. Vereinzelt erschollen bereits Vogelstimmen.<br \/>\nMit einem Seufzer und voll innerer Unruhe stand er auf, zog ein T-Shirt und die Hose \u00fcber und verlie\u00df auf nackten F\u00fc\u00dfen das Zimmer. Der dicke L\u00e4ufer in Gang kitzelte unter seinen Sohlen. Es war bereits hell genug, da\u00df er kein Licht mehr machen mu\u00dfte. Zuerst warf er einen Blick ins Bad. Es war leer. Als n\u00e4chstes schaute er ins Arbeitszimmer, warum wu\u00dfte er nicht, auch hier war niemand. Er trat ans Fenster und schaute in den Garten hinaus, in dem er wie nicht anders erwartet niemand entdecken konnte. Er warf einen Blick zum Himmel. Dicke dunkle Wolken zogen schnell vor\u00fcber. Schade, da\u00df das sch\u00f6ne Wetter der letzten Tage eine Pause einlegte. Nur von Ferne drang der morgendliche Gesang der V\u00f6gel herein.<br \/>\nEr verlie\u00df das Arbeitszimmer, warf einen Blick ins ehemalige Schlafzimmer seines Patenonkels, obwohl es ebenfalls keinen Grund gab, da\u00df sie hier sein sollte, ebensowenig fand er sie in einem der G\u00e4stezimmer.<br \/>\nEr wunderte sich, warum er nicht gleich in die K\u00fcche oder ins Wohnzimmer hinuntergegangen war. Er sah zuerst in die K\u00fcche, da sie Hunger bekommen haben k\u00f6nnte, was ihm als die wahrscheinlichste M\u00f6glichkeit erschien. Doch auch dort war sie nicht. Die benutzten Teetassen vom Abend zuvor standen mit der fast leeren Dose mit Florians selbstgebackenen Keksen noch auf dem Tisch. F\u00fcr einen Moment am\u00fcsierte ihn die Vorstellung, was wohl Martha sagen w\u00fcrde, w\u00fc\u00dfte sie, wozu der gro\u00dfe Tisch noch ausgezeichnet verwendet werden konnte, au\u00dfer zum Essen und zum Zubereiten desselbigen. Doch lie\u00df ihn diese sch\u00f6ne, erst wenige Stunden zur\u00fcckliegende Erfahrung ein wenig wehm\u00fctig und den Wunsch Zo\u00c3\u00ab zu finden st\u00e4rker werden.<br \/>\nEr betrat das Wohnzimmer. Er entdeckte sie sofort, leicht zusammengesunken mit untergeschlagenen Beinen und struppigem Haar auf der breiten Couch sitzend, den Blick zum Fenster gerichtet, offenkundig in Gedanken versunken. Sie h\u00e4tte ihn eigentlich bemerken m\u00fcssen, doch verharrte sie in ihrer Lage, als sei sie g\u00e4nzlich abwesend, selbst als er sich neben sie setzte, reagierte sie nicht. Sie schien sich in einer \u00e4hnlichen melancholisch tieftrauigen Stimmung zu befinden wie vor zwei Tagen im Arbeitszimmer. Er f\u00fchlte erneut Hilflosigkeit in sich aufsteigen. Er kannte den Grund f\u00fcr diese Stimmungsumschw\u00fcnge ja nicht. Bei einer scheinbar so starken und selbstbewu\u00dften Frau wie ihr irrtierte ihn das doppelt. Als er ihr gestern abend beinahe zaghaft seine erotischen Phantasien erz\u00e4hlte, von denen er schon lange keiner Frau mehr berichtet hatte, wenn er sich auch f\u00fcr sie nicht sch\u00e4mte, hatte sie interessiert zugeh\u00f6rt, und im gleichen Atemzug ihre frank und frei erz\u00e4hlt, weshalb er sie nun nicht mehr zu fragen brauchte &ndash; ferner hatte es ihm die Erkenntnis gebracht, da\u00df eine gro\u00dfe Badewanne noch ganz andere Vorteil bot, au\u00dfer da\u00df man bequem zu zweit darin baden und duschen konnte. Geduscht hatten sie ja auch im weitesten Sinne, zumindest bezeichnete man es euphemistisch so.<br \/>\nWeil ihm nichts anderes einfiel und man vermutlich nichts Besseres in einer solchen Situation tun kann, legte er liebevoll den Arm um sie. Er sp\u00fcrte, wie sie vernehmlich zitterte. Es vergingen einige Augenblick, die sie anscheinend ben\u00f6tigte, um ihre Umwelt wieder wahrnehmen zu k\u00f6nnen, da lehnte sie sich schutzsuchend an ihn, vergrub den Kopf in seiner Schulter.<br \/>\n\u00bbHalte mich\u00ab, sagte sie leise mit zitternder fast tonloser Stimme.<br \/>\nSie hatte jetzt kaum noch etwas von der selbstbewu\u00dften lebensbejahenden Frau an sich.<br \/>\nEr nahm sie in die Arme und dr\u00fcckte sie z\u00e4rtlich fest an sich. Hoffentlich geriet sie nicht oft in eine solche Stimmung. Er wu\u00dfte einfach nicht, wie er sich dabei ad\u00e4quat verhalten sollte, f\u00fchlte sich irgendwie \u00fcberfordert. Seine bisherigen, wenn auch nicht sehr zahlreichen Verflossenen waren ausnahmlos weniger starken Stimmungsschwankungen unterworfen gewesen. Und doch hatte er bei Zo\u00c3\u00ab nicht den Eindruck, da\u00df sie an sich von labiler Psyche sei. Irgend etwas mu\u00dfte sich in naher Vergangenheit ereignet haben, da\u00df diese seelischen Abst\u00fcrze bei ihr ausl\u00f6sten.<br \/>\nAls er aufwachte war es Vormittag und der Regen rauschte leise. Er lag auf der Couch, Zo\u00c3\u00ab um die er beide Arme gelegte hatte, halb auf ihm. Dort wo ihre K\u00f6rper sich ber\u00fchrten war sein T-Shirt na\u00dfgeschwitzt und ihre Bluse vermutlich auch. Zo\u00c3\u00ab schlief tief und fest. Ihre Atemz\u00fcge gingen ruhig und gleichm\u00e4\u00dfig. Er konnte nicht sagen, wie lange sie da gesessen hatten, bevor die M\u00fcdigkeit sie \u00fcbermannt und sie sich einfach auf der Couch ausgestreckt hatten, obwohl es vermutlich besser gewesen w\u00e4re, h\u00e4tten sie sich wieder ins Bett gelegt.<br \/>\nEr lauschte auf den Regen, versuchte an nichts zu denken, nur die N\u00e4he dieser sonderbaren Frau zu genie\u00dfen. Durch das Erlebnis von heute fr\u00fch war er \u00fcberzeugt, da\u00df sie ein Geheimnis mit sich herumtrug. Nicht ohne Grund ger\u00e4t niemand scheinbar v\u00f6llig ohne \u00e4u\u00dferen Anla\u00df in eine derart traurige melancholische Stimmung. Warum war sie nicht einfach bei ihm Bett geblieben? Warum mu\u00dfte sie allein im Wohnzimmer sitzen? Seinen ersten Gedanken, da\u00df es etwas mit ihm zu tun haben k\u00f6nnte, verwarf er sofort. Da\u00df sie so dicht an ihn gekuschelt so ruhig schlief, sich ihre Verfassung in seiner N\u00e4he sich fast augenblicklich \u00e4nderte, zeugte eindeutig vom Gegenteil. Wenn er sie nur direkt h\u00e4tte darauf ansprechen k\u00f6nnen. Abgesehen davon, da\u00df er nicht wu\u00dfte, wie er es in Worte kleiden sollte, besa\u00df er nicht den Eindruck, da\u00df sie ihm bereitwillig Auskunft geben w\u00fcrde, zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht.<br \/>\n\u00dcber diese \u00dcberlegungen mu\u00dfte er erneut eingeschlafen sein, denn ihn weckte die gro\u00dfe Standuhr als sie die zehnte Stunde schlug. Zo\u00c3\u00ab schien vor ihm erwacht zu sein, denn sie l\u00e4chelte ihn liebevoll an als h\u00e4tten sie sich hier ohne besonderen Grund schlafen gelegt.<br \/>\n\u00bbEs regnet\u00ab, sagte sie nicht wirklich bedauernd.<br \/>\n\u00bbAuch im Haus kann man es sich bei diesem Wetter gem\u00fctlich machen\u00ab, meinte er ohne an etwas Bestimmtes zu denken.<br \/>\n\u00bbDas werden wir auch\u00ab, entschied sie und stand auf.<br \/>\nIhre Mimik verriet nur zu deutlich an was sie dachte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Text ist ein kurzer Auszug aus dem sich zur Zeit noch mitten in der Bearbeitung befindenden Roman mit dem Arbeitstitel \u00bbAdalberts Erbe\u00ab. Ein weiterer Auszug ist bereits unter \u00bbKurzes #7\u00ab zu finden. &nbsp; Ein Gef\u00fchl von K\u00e4lte und Einsamkeit weckte ihn. Der Platz neben ihm war leer. Es d\u00e4mmerte bereits. 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