{"id":732,"date":"2009-03-03T01:06:24","date_gmt":"2009-03-03T00:06:24","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=732"},"modified":"2026-04-11T11:36:59","modified_gmt":"2026-04-11T09:36:59","slug":"kurzes-13-nachtliche-schritte-vor-dem-haus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=732","title":{"rendered":"Kurzes #13 \u00b7 N\u00e4chtliche Schritte vor dem Haus"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/inter.jpg\" \/><\/p>\n<p><i>Der folgende Text ist ein weiterer kurzer Auszug aus dem sich noch mitten in der Bearbeitung befindenden Roman <\/i>\u00bbAdalberts Erbe\u00ab<i>. Der eine Erbe, der ja seinen Miterben noch nicht kennt, verbringt die erste Nacht im einstigen Haus seines Patenonkels. W\u00e4hrend er, um m\u00fcde zu werden, in einem Buch liest, h\u00f6rt er in der ruhigen Stra\u00dfe Schritte sich n\u00e4heren.<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Nacht schlief er unruhig. Er hatte die T\u00fcr zu seinem Zimmer geschlossen als f\u00fcrchtete er, die Leere im Haus k\u00f6nnte w\u00e4hrend der Nacht auch sein Zimmer besetzen. Zuvor hatte er lange wach gelegen, versucht sich mit einem Buch abzulenken. Das Fenster hatte er leicht ge\u00f6ffnet gelassen. Von den verwilderten Str\u00e4uchern die vor dem Haus wuchsen stieg s\u00fc\u00dflich herber Duft ins Zimmer. Das Zirpen der Grillen war in der Stille gut zu h\u00f6ren &ndash; ein Ger\u00e4usch, das er in der Stadt vermi\u00dfte. Das Laub der beiden Buchen rauschte leise im seichten Nachtwind.<!--more--><br \/>\nEs war ihm gelungen zwei Seiten an einem St\u00fcck in seinem Buch zu lesen &ndash; er hatte sich jenen Band mit orientalischen M\u00e4rchen aus der Bibliothek geholt &ndash; als ihn n\u00e4herkommende Schritte aufhorchen lie\u00dfen. Normalerweise gew\u00f6hnliche Ger\u00e4usche wie das Vorbeifahren eines Autos oder Schritte auf dem Pflaster, waren zu n\u00e4chtlicher Stunde in dieser Nebenstra\u00dfe derart selten, da\u00df sie sofort Aufmerksamkeit erregten.<br \/>\nVerst\u00e4ndlich da\u00df das langsam n\u00e4herkommende Klacken hoher Abs\u00e4tze auf Betonplatten seine Aufmerksamkeit weckte. Sofort stellte er sich von einem Schmunzeln begleitet vor, da ihm seine Vorstellung etwas reichlich klischeehaft erschien, wie diese Frau von ihrem Liebhaber kam noch ganz von der Erinnung an die angenehmen sinnlichen und erf\u00fcllten Stunden erf\u00fcllt. Aber so richtig wollte ihm eine romantische Vorstellung nicht gelingen. Zu sehr war er mit den Gedanken bei seinem verstorbenen Patenonkel und machte ihm fast noch mehr die bereits vor \u00fcber drei Monaten erfolgte Trennung von einer Frau nach beinahe dreij\u00e4hriger Beziehung immer noch zu schaffen. Dennoch lauschte er weiterhin den sich n\u00e4hernden Schritten bis deren Urheberin entweder vorbei oder in eines der umliegenden H\u00e4user gegangen w\u00e4re. Als die Schritte ungef\u00e4hr auf der H\u00f6he seines Hauses angelangt waren, verstummten sie. Die Frau war stehengeblieben. Vermutlich war das Haus gegen\u00fcber ihr Ziel und in wenigen Augenblicken w\u00fcrde er dessen T\u00fcr gehen h\u00f6ren, wenn sie diese nicht so leise schlo\u00df, da\u00df er nichts davon mitbekam. Doch blieb das Ger\u00e4usch einer ins Schlo\u00df gezogenen Haust\u00fcr aus. Nach wenigen Minuten, einem bedeutend l\u00e4ngeren Zeitraum als selbst in der un\u00fcbersichtlichsten Tasche ben\u00f6tigt wurde um nach dem Hausschl\u00fcssel erfolgreich zu suchen, vermutete er, da\u00df sie wirklich die Haust\u00fcr so leise geschlossen hat, da\u00df es ihm entgangen war. Mit einem gleichg\u00fcltigen Achselzucken versuchte er sich wieder auf sein Buch zu konzentrieren.<br \/>\nEr hatte kaum einen weiteren Absatz gelesen, da erinnerte er sich auf Grund der pl\u00f6tzlich verstummten Schritte an die Sch\u00f6ne vom Friedhof heute nachmittag, die er fast vergessen hatte. Eine interessante Frau, wie er \u00fcberzeugt war. Schade, da\u00df man ihnen eher selten begegnet auch in der Stadt, wo sie doch h\u00e4ufiger anzutreffen sein sollten. Zumindest mu\u00dfte sie beruflich erfolgreich sein, um sich in ihrem Alter bereits derart teure Garderobe leisten zu k\u00f6nnen. Wenn es nun diese Frau war, deren Schritte er vorhin geh\u00f6rt hatte? F\u00fcr einen Moment formte sich vor seinem geistigen Augen das Bild, wie sie die H\u00e4nde in den Taschen ihrer langen Lederjacke &ndash; ohne dunkle Brille &ndash; gem\u00e4chlich durch seine Stra\u00dfe ging, entlang der hohen Mauer vor seinem Haus. Doch er verwarf dieses Bild sofort wenn auch nicht ohne Bedauern. Aber denn m\u00fc\u00dfte ja vor seinem Tor stehengeblieben sein und noch immer dort stehen, wof\u00fcr es nun wirklich nicht den leistesten Grund gab. Jene n\u00e4chtliche Spazierg\u00e4ngerin von vorhin konnte jedoch nur auf der gegen\u00fcberliegenden Seite geschritten und ins Haus gegen\u00fcber gegangen sein, alles andere war unrealistisch. Er atmete tief durch, bedauerte es ein wenig, wie banal das Leben leider nr allzuoft war, und widmete sich wieder seinem Buch.<br \/>\nEr las einen weiteren Absatz und noch einen und schon hatte er wieder zwei Seiten geschafft. Doch so richtig m\u00fcde wurde er nicht, obwohl er am Morgen ungewohnt fr\u00fch aufgestanden war und keine der N\u00e4chte seit er den Brief vom alten Notar erhalten, wirklich durchgeschlafen hatte.<br \/>\nDa erschollen die Schritte unmittelbar nach einem leichten Scharren auf dem Pflaster von neuem und entfernten sich langsam und wie es ihm schien &ndash; nachdenklich. Die Frau war also nicht in das Haus gegen\u00fcber gegangen sondern mu\u00dfte die ganze Zeit \u00fcber auf dem Gehweg vor seinem oder dem gegen\u00fcberliegenden Haus gestanden haben. Wie ein leichter Schock durchfuhr es ihn, da\u00df seine wilde Spekulation vielleicht gar keine solche sein k\u00f6nnte. Doch er verwarf den Gedanken sofort wieder, schlie\u00dflich war er noch nie ein Anh\u00e4nger des Solipzismus gewesen.<br \/>\nEr warf eine Blick auf die Uhr. Es war sp\u00e4ter als er vermutet hatte. Er versuchte sich zu erinnern, wann die Schritte pl\u00f6tzlich verstummt waren, konnte sich aber nur ungef\u00e4hr daran erinnern. Wie dem auch sei, sie mu\u00dfte ann\u00e4hernd eine Stunde vor dem Haus gestanden haben ohne sich ger\u00fchrt zu haben. Das war auch ohne seine romantische Phantasie eigenartig genug. Warum stand jemand mitten in der Nacht auch wenn es eine angenehme Fr\u00fchlingsnacht war vor einem Haus ohne hineinzugehen? Es sei denn, er wartete auf jemanden, aber kaum mitten in der Nacht und fast eine Stunde lang. Wenn sich innerhalb der zur\u00fcckliegenden Jahre nichts ge\u00e4ndert hatte wohnte im Haus gegen\u00fcber nur ein altes Ehepaar, in den H\u00e4usern rechts und links daneben ein pensionierter Arzt und ein Architekt mit seiner Frau, die Kinder waren erwachsen und schon ein Jahr bevor er das letzte Mal hier zu Besuch war, ausgezogen. Wenn diese Frau Gast in einem dieser H\u00e4user war, warum war sie dann nicht hineingegangen? Er sch\u00fcttelte den Kopf. Was ging es ihn an? Egal was ihm zu diesem Thema einfiel; es waren in jedem Fall reine Spekulationen, eine so wahrscheinlich oder unwahrscheinlich wie die andere. Schlie\u00dflich wu\u00dfte er nichts \u00fcber diese Frau und ihre Gr\u00fcnde, warum sie solange auf dem Gehweg gestanden hat.<br \/>\nEr mu\u00dfte herzhaft g\u00e4hnend. Die M\u00fcdigkeit schien letztlich doch ihren Tribut zu fordern. Er schlug das Buch zu und legte es auf den Nachttisch. Dann schaltete er die Nachttischlampe aus. Im Dunkeln liegend, die Stra\u00dfenlaterne die unweit seiner Einfahrt stand erhellte das Zimmer schwach, dachte er nur noch kurz an die vermeintlich mysteri\u00f6sen Schritte, bis sie wieder der geheimnisvollen Person mit der er das Erbe seines Patenonkels teilen sollte Platz machten; <i>das<\/i> war in seinen Augen wirklich mysteri\u00f6s.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Text ist ein weiterer kurzer Auszug aus dem sich noch mitten in der Bearbeitung befindenden Roman \u00bbAdalberts Erbe\u00ab. Der eine Erbe, der ja seinen Miterben noch nicht kennt, verbringt die erste Nacht im einstigen Haus seines Patenonkels. 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