{"id":766,"date":"2009-03-11T01:28:33","date_gmt":"2009-03-11T00:28:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=766"},"modified":"2026-04-07T20:25:31","modified_gmt":"2026-04-07T18:25:31","slug":"carlo-emilio-gadda-cupido-im-hause-brocchi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=766","title":{"rendered":"Carlo Emilio Gadda \u00bbCupido im Hause Brocchi\u00ab"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/inter.jpg\" alt=\"Interpretationen\" \/><\/p>\n<p>Italien 1928. Gigi \u2013 Luigi \u2013 ist der hoffnungsvolle Spr\u00f6\u00dfling einer alt eingesessenen Mail\u00e4nder Familie. Jole ist das bildh\u00fcbsche junge Dienstm\u00e4dchen seines Onkels Agamemnone. Joles weibliche Reize erregen einerseits bei der m\u00e4nnlichen Mail\u00e4nder Jugend Aufmerksamkeit, wenn diese sich auch in sehns\u00fcchtigen Blicken und mitunter frechen, eindeutigen Anspielungen ersch\u00f6pft. Bei den ersten Familien der Stadt und deren Wortf\u00fchrerin, der Gr\u00e4fin, Gigis Mutter, erregt Jole Mi\u00dffallen.<!--more--> Bef\u00fcrchtungen werden laut, da\u00df Jole einen negativen Einflu\u00df auf die Tugend ihrer Spr\u00f6\u00dflinge haben k\u00f6nnte, namentlich ihrem eigenen Sohn, da er Jole notgedrungen begegnen mu\u00df, sobald er seinen Onkel besucht. Die Gr\u00e4fin versucht ihren Bruder zu \u00fcberreden, da\u00df er Jole entl\u00e4\u00dft. Doch der weigert sich, immerhin sei Jole gut in den Haushalt integriert und es sei sehr aufwendig ein neues M\u00e4dchen einzuarbeiten. Au\u00dferdem werde er seinem Neffen seinen selbst verfa\u00dften Leitfaden zur moralischen Erziehung Jugendlicher zu dessen neunzehntem Geburtstag schenken, deren erste Exemplare er bald aus der Druckerei erwarte. Gigis Mutter unternimmt w\u00e4hrenddessen eigene Anstrengungen zur einwandfreien moralischen Erziehung ihres Sohnes. Nebenbei entr\u00fcstet man sich \u00fcber eine Kunstausstellung, in der allzu sehr die \u00bbnackten Tatsachen\u00ab dominieren. Da man sich aber als F\u00f6rderer der sch\u00f6nen K\u00fcnste verpflichtet f\u00fchlt, ehrt man einen der Maler, einen R\u00f6mer, und l\u00e4dt ihn zu sich ein. Der Meister nimmt kein Blatt vor den Mund. Man bef\u00fcrchtet, da\u00df der anwesende Gigi Dinge h\u00f6ren k\u00f6nnte, die noch nicht f\u00fcr seine zarten jugendlichen Ohren bestimmt sind. Doch Gigis Gedanken sind nicht nur bei seinen Latein\u00fcbungen. Er achtet kaum darauf, was der angeheiterte Maler erz\u00e4hlt. Gigis Lateinprofessor Frugoni schl\u00e4gt Cicero zur moralischen Erbauung vor und ergeht sich lang und breit \u00fcber den historischen Hintergrund vor dem Cicero sein Werk verfa\u00dft hat. Gigis Geburtstag, der auf einen Samstag f\u00e4llt, kommt immer n\u00e4her. Und w\u00e4hrend jeder zu wissen glaubt, was f\u00fcr ihn gut, wei\u00df er selbst absolut nicht, was er zur Zeit vom Leben an sich halten soll. Weil seine Familie an seinem Geburtstag Verpflichtungen hat, mu\u00df er f\u00fcr ein paar Stunden allein zu Hause bleiben. Es l\u00e4utet. Gigi \u00f6ffnet. Es ist Jole, die im Auftrag seines Onkels dessen Traktat \u00fcber die Erziehung bringt. Joles Gegenwart l\u00e4\u00dft Gigi erkennen, was er wirklich zur Vervollst\u00e4ndigung seiner Erziehung braucht; eine junge Frau mit der er gemeinsam die Liebe erkunden kann. Beide nutzen die Gelegenheit umgehend.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Gaddas Erz\u00e4hlung legt auf humorvolle und ironische Weise die \u00bbGehobene Gesellschaft\u00ab blo\u00df, ein Milieu das er selbst bestens kannte. Nat\u00fcrlich will Agamemnone Jole nicht entlassen, aber nicht, weil sie so gut in seinen Haushalt eingearbeitet ist. Keiner traut sich zu sagen, was er wirklich denkt. Als Kunstm\u00e4zen f\u00f6rdert man nat\u00fcrlich den r\u00f6mischen Maler, man will ja auf der H\u00f6he der Zeit sein und doch trauert man der \u00bbalten\u00ab Kunst nach. Der hochtrabende Professor Frugoni erweist sich bei n\u00e4herem Hinsehen als \u00e4rmlicher Lehrer \u00bb<i>Gigi [\u2026] stellte gelangweilt fest, da\u00df des Professors Hosen ohne B\u00fcgelfalte waren und \u00fcberm\u00e4\u00dfig gl\u00e4nzten an den \u2026 Aktionsfeldern, dort, wo die F\u00fcrsorglichkeit seiner Gattin schon h\u00e4tte veranschlagen k\u00f6nnen, um bodenst\u00e4ndige Arbeit zu leisten, ihm einen neuen \u00bbBoden\u00ab einzusetzen. [\u2026]<\/i>\u00ab. Gigis Mutter beteuert dem Professor gegen\u00fcber, da\u00df \u00bb<i>[\u2026]Herr Professor, bei uns zu Hause \u2026 kann Gigi nur das Gute finden \u2026\u00ab In der Tat waren die beiden Dienstm\u00e4dchen der Gr\u00e4fin eine h\u00e4\u00dflicher als die andere: zwei solche Nasen! solche M\u00fcnder!, man kann es sich kaum vorstellen. Das teuflische Blitzen ihrer Augen, ihre Hauer und ihre Kinnbacken erlaubten, da\u00df man sie aus der Entfernung einer Kanonenflugbahn bereits identifizieren konnte. [\u2026]<\/i>\u00ab. Gadda entlarvt mit solchen meisterlichen Wortspielereien die Aussagen seiner Protagonisten als Heuchelei, als nicht unbedingt sch\u00f6nen Schein.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Carlo Emilo Gadda, 1893\u20131973, geb\u00fcrtiger Mail\u00e4nder, machte nach dem Ersten Weltkrieg sein Examen als Ingenieur und war auch viele Jahre in diesem Beruf t\u00e4tig, parallel dazu bet\u00e4tigte er sich bereits als Schriftsteller. Sein bekanntestes Werk \u00bbDie gr\u00e4\u00dfliche Bescherung in der Via Merulana\u00ab erschien 1957. Carlo Emilo Gadda gilt als Vater der modernen italienischen Literatur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Italien 1928. Gigi \u2013 Luigi \u2013 ist der hoffnungsvolle Spr\u00f6\u00dfling einer alt eingesessenen Mail\u00e4nder Familie. Jole ist das bildh\u00fcbsche junge Dienstm\u00e4dchen seines Onkels Agamemnone. 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