{"id":850,"date":"2009-03-24T00:44:48","date_gmt":"2009-03-23T23:44:48","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=850"},"modified":"2016-11-07T05:04:57","modified_gmt":"2016-11-07T04:04:57","slug":"heinrich-spoerl-%c2%bbder-maulkorb%c2%ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=850","title":{"rendered":"Heinrich Spoerl ?Der Maulkorb?"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/gallery\/logos\/inter.jpg\" alt=\"Interpretationen\" \/><\/p>\n<p>Eine beschauliche rheinische Kleinstadt im alten Kaiserreich. Jeder kennt jeden. Der Kreis der ?rtlichen Honoratioren ist ?berschaubar. Man trifft sich regelm??ig Samstagabends im gleichen Weinlokal. Man redet, debattiert ?ber das, was der Landesvater gesagt haben soll und was die Zeitungen dar?ber <b>nicht<\/b> geschrieben haben. Man ereifert sich, erhitzt sich und l?scht den Durst mit reichlich Wein. Es wird sp?t. Der Wein tut seine Wirkung. Staatsanwalt von Treskow verl??t mit starker Schlagseite begleitet von seiner Dogge August als letzter das Wirtshaus. Irgendwie gelangt er nach Hause. Der Sonntag beginnt mit einem schier unglaublichen Ereignis: Ein Streife gehender Polizist entdeckt etwas Ungeheuerliches: Das Denkmal des Landesvaters ist von einem Unbekannt mit einen ordin?ren abgenutzten Maulkorb ?verziert? worden. Es herrscht kein Zweifel; das riecht nach vors?tzlicher Majest?tsbeleidigung durch subversive Subjekte. Reaktion auf die Rede, die der Landesvater gehalten und in der er unter anderem gegen die notorischen N?rgler gewettert haben soll. Die Gerechtigkeit mu? ihren Lauf nehmen, so etwas kann im Interesse der Allgemeinheit und der staatlichen Autorit?t nicht geduldet werden. Staatsanwalt von Treskow, der noch unter den Folgen seiner Zecherei leidet, wird mit der Untersuchung beauftragt.<!--more--> Von Treskow erkennt die Bedeutung des Falles und seine Chance, kl?rt er sie auf. Doch auch die ?rtliche Polizei in der Person von Kriminalkommissar M?hsam wittert ihre Chance, hier mit modernen Ermittlungsmethoden dem Staatsanwalt den Rang abzulaufen. Der Maulkorb alt und sichtbar abgewetzt, das einzige Beweisst?ck gibt an sich nicht viel her. Es gibt viele Zeugen, aber so viele auch etwas gesehen haben wollen, in Wahrheit hat niemand etwas Verwertbares gesehen. M?hsam bringt seinen neuerworbenen Sp?rhund zum Einsatz. Dieser nimmt Witterung auf. Eine eigenartig verlaufende Spurensuche, die auf einen stark alkoholisierten T?ter schlie?en l??t, endet vor von Treskows Haus. Der Kommissar ist blamiert. Sein teurer Hund eine Fehlinvestition. Als ob ein Staatsanwalt des Nachts einen alten Maulkorb an ein F?rstendenkmal befestigt! Undenkbar! Was von Treskows Gl?ck ist, denn seine Gattin erkennt in dem sichergestellten Maulkorb den ihres Hundes. Doch sie verschweigt es ihrem Mann, der sich nicht mehr an die Vorg?nge der vergangenen Nacht erinnern kann. Sie weiht nur ihre Tochter Trude ein. Durch Indiskretion erf?hrt die Polizei, da? Rabanus, ein junger Kunstmaler, der auf einem n?chtlichen Spaziergang beobachtet hat, wie der Maulkorb an dem Denkmal befestigt wurde. Er folgt der Vorladung. Dem Kommissar gibt er eine genaue Personenbeschreibung. Dann wird er zum Staatsanwalt gebracht, um seine Aussage zu wiederholen. Rabanus staunt nicht schlecht, als er von Treskow sieht. Er glaubt erst an eine Justizposse. Aber von Treskow scheint wirklich nicht mehr zu wissen, was er in jener Nacht auf dem Heimweg gemacht hat. Rabanus erkennt sofort die Brisanz seiner n?chtlichen Beobachtung und gibt dem Staatsanwalt eine vollst?ndig entgegengesetzte Personenbeschreibung. Nat?rlich macht er sich damit verd?chtig. Um die Angelegenheit noch etwas zu verkomplizieren, verliebt er sich in Trude, was auf Gegenseitigkeit beruht. Die Maukorbsache wird immer verworrener. Es wird eine hohe Belohnung ausgesetzt. Doch au?er etlichen unverwertbaren Zeugenaussagen, gibt kein greifbares Ergebnis. Daf?r erh?lt von Treskow anonyme Briefe, die ihn der T?terschaft bezichtigen. Rabanus ger?t als Urheber in Verdacht. Dabei unternimmt er alles, bis hin zu einem vertraulichen Gespr?ch mit dem Oberstaatsanwalt, damit von Treskow unerkannt aus der Sache kommt. Es gelingt ihm zwei Gelegenheitsarbeiter, die rheinischen Originale B?tes und Wimm, sich als T?ter und Augenzeuge anzubieten. Die mittlerweile ausgesetzte Belohnung von dreitausend Reichsmark ist verlockend und Entsch?digung genug f?r einige Zeit Gef?ngnisaufenthalt. Ihr Gest?ndnis, so fadenscheinig es auch sein mag, ist mehr als willkommen. Selbst von Treskow beginnt schon sich selbst als Verd?chtigen zu sehen. Dem Oberstaatsanwalt gelingt es, von Treskow zu ?berzeugen, die Angelegenheit bis zum Schlu? durchzuziehen, zumal ja jetzt ein idealer T?ter gefunden ist. Die Gerichtsverhandlung droht zur Farce zu werden, gar zu scheitern, denn als zum Eid kommt, machen B?tes und Wimm pl?tzlich einen R?ckzieher. Am Ende gelingt es, B?tes zum Gest?ndnis zu bringen, da? er es im Rausch und in Unkenntnis, da? es sich um ein f?rstliches Denkmal handelt, getan zu haben. Wodurch aus der Majest?tsbeleidigung einfacher grober Unfug wird. <i>?[?] wenn er [B?tes] es nur f?r eine Art Goethe [das Denkmal] hielt: Bei Goethe ist es keine Majest?tsbeleidigung. Bei Goethe ist es blo? grober Unfug. Urteil: Drei Mark Geldstrafe, durch die Untersuchungshaft verb??t. [?]?<\/i>. Alle sind zufrieden, die Autorit?t der Justiz ist nicht besch?digt worden und Rabanus, dessen Vater ein renommierter M?nchner Augenarzt ist, bekommt die Trude zur Frau.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heinrich Spoerls beschreibt auf humoristische Weise, wie eine losgelassene B?rokratie aus einer offenkundigen Lappalie ? dem Hundemaulkorb am Denkmal ? eine Staats?ffere macht. Wie selbst ein angesehener B?rger ? der Staatsanwalt Treskow ? nach einer durchzechten Nacht ?ber die Str?nge schl?gt und sich an nichts mehr erinnert. Wie niemand glauben will, da? er der T?ter sein k?nnte, obwohl alles gegen ihn spricht. Kurzer Hand wird der Sp?rhund als unf?hig erkl?rt, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf. Diejenigen, die die Wahrheit wissen, unternehmen alles, da? sie nicht bekannt wird. So grotesk es aus Sicht einer Gesellschaft auch erscheinen mag, in der die freie Meinungs?u?erung per Verfassung garantiert ist; Majest?tsbeleidigung war zur Zeit in der der Roman spielt, ein Kapitalverbrechen, das mit einer harten Gef?ngnisstrafe geahndet wurde. Was f?r von Treskow nicht nur mit dem Verlust seines Postens als Staatsanwalt geendet h?tte, sondern er zudem eine weitaus h?rte Strafe als ein einfacher B?rger bekommen h?tte, wie auch zu Ehr- und Ansehensverlust seiner ganzen Familie gef?hrt. So gesehen wurde nicht einfach das Ansehen der Justiz gerettet, sondern vor allem von Treskow und seine Frau und Tochter. Heinrich Spoerl, selbst Jurist, beschreibt zudem anschaulich, wie ein einmal in Gang gesetzter Amtsapparat stur sich beinahe selbst l?cherlich macht. Da? es in diesem auch Mitglieder gibt, die die Absurdit?t des ganzen erkennen, zeigt die Frage eines Beisitzers an den im Proze? aussagenden Wachtmeister, der den Maulkorb am Denkmal als erster entdeckte. <i>?[?] ?Warum haben Sie das Ding nicht einfach heruntergenommen?? fragte ein Beisitzer [?]. Der Schutzmann ist durch die Zumutung tiefst ersch?ttert und schnappt nach Luft. ?Ja, dann w?re ? dann w?re ja gar nichts ?? Er kann sich nicht vorstellen, was dann w?re. [?]?<\/i> So ergeht es fast allen. Sie k?nnen sich nicht vorstellen, da? einfach jemand den Maulkorb entfernt h?tte, wie es das naheliegendste w?re. Zum Schlu? glaubt von Treskow selbst, da? es tats?chlich B?tes gewesen ist. Bezeichnend ist die Reaktion des Landesvater auf das Urteil und die Rede, an der sich alles entz?ndet und die nie gehalten hat; er hat nur schallend gelacht. Mag Spoerl die Monarchie auch etwas unkritisch sehen, eine losgelassene B?rokratie, die beginnt sich selbst als Zweck zu sehen, ist jeder Zeit in der Lage aus einer Lappalie eine Staatsaff?re zu machen und scheut sich dabei nicht, sich der L?cherlichkeit preiszugeben, und l?uft somit Gefahr, das eigene Ansehen nachhaltiger zu sch?digen als es Au?enstehenden jemals gelingen k?nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle Zitate aus: Heinrich Spoerl: Der Maulkorb <a style=\"color:rgb(255,0,0);\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3492232353?ie=UTF8&#038;tag=fotokunstblog-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3492232353\" target=\"_blank\">?Bei Amazon<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=fotokunstblog-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3492232353\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>\n<\/p>\n<p><!--adsense--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine beschauliche rheinische Kleinstadt im alten Kaiserreich. 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